Nicht übersehen! Risikogruppen und Symptome des Vitamin-B12-Mangels
- 19.08.2024
- Online-Artikel
Ein Mangel an Vitamin B12 tritt in bestimmten Risikogruppen häufig auf. Die ersten Symptome der Unterversorgung sind oft sehr unspezifisch und werden nur selten mit einem Vitamin-B12-Defizit in Zusammenhang gebracht. Wird der Mangel nicht rechtzeitig behandelt, drohen mitunter schwerwiegende Folgen.
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1. Risikofaktor Ernährung
Vitamin B12 kommt nur in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor. Bei Menschen, die sich vegan ernähren und Vitamin B12 nicht supplementieren, ist daher ein Mangel vorprogrammiert. Doch nicht nur strikte Veganer sind gefährdet. Auch Menschen, die sich vegetarisch ernähren, eine einseitige Kost oder eine sehr restriktive Diät einhalten, haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel [1,2].
2. Schwangerschaft und Stillzeit
Aufgrund ihres erhöhten Bedarfs zählen auch Schwangere und Stillende zu den Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel. Eine Unterversorgung der Mutter gefährdet auch die Entwicklung und den Gesundheitszustand des Fötus bzw. des Säuglings.
3. Risikofaktor Alter
Besonders häufig findet sich ein Mangel an Vitamin B12 bei älteren Menschen: Von den über 65-Jährigen in Deutschland ist jeder Vierte von einem entsprechenden Defizit betroffen, in der Gruppe der 85- bis 93-Jährigen sogar jeder Dritte [3]. Für die mit zunehmendem Lebensalter steigende Prävalenz sind vor allem Resorptionsstörungen verantwortlich, etwa bedingt durch einen Mangel an Intrinsic Factor, durch eine perniziöse Anämie, durch Achlorhydrie oder aufgrund von gastrointestinalen Erkrankungen wie atrophische Gastritis oder chronische Helicobacter-pylori-Infektion [4]. Auch Medikamente, die von älteren Menschen häufig eingenommen werden, können eine Unterversorgung mit Vitamin B12 fördern (s. unten).
4. Chronische Erkrankungen und Medikamenteneinnahme
Auch eine Pankreasinsuffizienz, entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, eine Gastrektomie oder Darmresektion sowie ein Magen-Bypass können eine Vitamin-B12-Unterversorgung nach sich ziehen.
Besonders wachsam sollte man bei der Langzeittherapie mit Arzneimitteln sein, die die Resorption von Vitamin B12 beeinträchtigen können. Dazu zählen insbesondere Protonenpumpeninhibitoren, Antazida, H2-Rezeptor-Antagonisten und Metformin.
Kritisch sind zudem Antibiotika wie Aminoglykoside, Neomycin und Chloramphenicol, Colchicin, Colestyramin, Antiepileptika und Methyldopa.
Chronischer Alkoholkonsum und Rauchen sowie die Partydroge Lachgas (Distickstoffmonoxid), das die Vitamin-B12-Wirkung antagonisiert, sind ebenfalls Risikofaktoren für einen Vitamin-B12-Mangel [4].
Tabelle 1 fasst die wichtigsten Risikogruppen zusammen.
Tabelle 1: Personengruppen mit erhöhtem Risiko für einen Mangel an Vitamin B12 (modifiziert nach [4]). |
Ältere Menschen |
Veganer, Vegetarier |
Patienten mit starker Kalorienreduktion oder Anorexie |
Patienten mit chronischen Erkrankungen, insbesondere mit:
|
Patienten, die Protonenpumpeninhibitoren oder andere Säureblocker einnehmen |
Typ-2-Diabetes-Patienten unter Metformin-Therapie |
Schwangere, Stillende |
Raucher |
Personen, die Lachgas als Partydroge missbrauchen (Lachgas-Sniffing) |
Welche Symptome weisen auf einen Vitamin-B12-Mangel hin?
Auf den ersten Blick entzieht sich ein Vitamin-B12-Defizit oft der Diagnose, denn nicht selten klagen betroffene Patienten über unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Schwäche, Abgeschlagenheit und Erschöpfung. Manche Patienten fallen durch Mundwinkelrhagaden, Schwindel oder Zungenbrennen auf [4,5]. Zudem können hämatologische Veränderungen auftreten, insbesondere eine hyperchrome, makrozytäre Anämie [6].
Darüber hinaus führt ein Vitamin-B12-Mangel nicht selten zu neuropsychiatrischen Veränderungen, die unabhängig von den Blutbildveränderungen auftreten können. Neurologische Folgen eines Vitamin-B12-Mangels umfassen eine Störung der Tiefensensibilität bis hin zu einer spinalen Ataxie aufgrund einer funikulären Myelose, Paresen und eine sensible Polyneuropathie [5,7].
Tabelle 2: Betroffene Organsysteme und Symptome des Vitamin-B12-Mangels im Überblick [mod. nach 11] |
Peripheres Nervensystem (sensorische Funktion): |
Peripheres Nervensystem (motorische Funktion): |
Zentrales Nervensystem (mentale Funktion): |
Blutsystem: |
Verdauungstrakt: |
Zentrales Nervensystem (neurologische Funktion): |
Muskulatur, Bindegewebe: |
Autonomes Nervensystem: |
Epitheloberflächen: |
Folgeschäden verhindern
Bei anhaltendem Vitamin-B12-Defizit können sich bleibende neurologische Schäden entwickeln. Um diese zu verhindern, ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie des Vitamin-B12-Mangels erforderlich.
Experten-Podcast
Bei welchen Symptommustern an einen Vitamin-B12-Mangel zu denken ist und welche Stolpersteine in der Praxis zu beachten sind, erklärt die Expertin Prof. Dr. Marija Djukic, Neurologin aus Göttingen Weende, im Podcast. Hören Sie rein und informieren Sie sich in 5 Minuten über die wichtigsten Fakten.
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Über Vitamin B12
Vitamin B12 ist lebensnotwendig und u. a. an Zellteilung, Blutbildung, DNA-Synthese sowie am Abbau von Fett- und Aminosäuren beteiligt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt folgende Schätzwerte für eine angemessene tägliche Zufuhr [8,9]:
- Jugendliche und Erwachsene 4 µg
- Schwangere 4,5 µg
- Stillende 5,5 µg
Über eine ausgewogene Mischkost könnten gesunde Menschen ihren Bedarf an Vitamin B12 im Allgemeinen gut decken [9]. Die Nationale Verzehrsstudie II ergab jedoch, dass 8% der Männer und 26% der Frauen die empfohlene tägliche Zufuhr nicht erreichen. Dieser Anteil war bei den Männern in allen Altersgruppen etwa gleich hoch. Bei den Frauen erreichten besonders viele junge Frauen die empfohlene Zufuhr für Vitamin B12 nicht (etwa 33% der 14- bis 24-Jährigen). Der Anteil sinkt bis zum Alter von 51 bis 64 Jahren (23%) ab und steigt dann in der ältesten Gruppe wieder leicht an (26%) [10].
Lesen Sie hier, welche Lebensmittel reich an Vitamin B12 sind.