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Prof. Dr. Werner Mendling, Wuppertal Vulvovaginalkandidose – aktualisierter Wissensstand und neue Leitlinie

  • 22.09.2025
  • Online-Artikel
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Pilzinfektionen haben eine hohe Prävalenz. Laut einer Online-Studie aus dem Jahr 2012 waren 30 bis 50 % der Befragten mindestens einmal in ihrem Leben an einer Vulvovaginalkandidose erkrankt. [1] Davon litten 9 % für einige Jahre an einer chronisch rezidivierenden Vulvovaginalkandidose; sie haben also mehr als vier Infektionen pro Jahr.

Global leiden über 300 Millionen Frauen daran. Besonders betroffen ist die Gruppe der 25 bis 32-Jährigen. Dabei ist nicht nur der Leidensdruck besonders hoch und die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität vergleichbar schlecht mit der von Asthma- oder COPD-Patienten. Auch kann es insbesondere bei Ländern mit hohem Einkommen zu wirtschaftlichen Einbußen kommen. Aufgrund all dessen erfordert die Behandlung der Vulvovaginalkandidose, insbesondere der chronisch rezidivierenden, bessere Lösungen und Behandlungsansätze für Patientinnen.

Seit September 2020 ist eine neue Leitlinie in Kraft, an der elf federführende Autoren beteiligt waren. [2] Der Hauptauslöser für Mykosen ist der Erreger Candida albicans. Weitaus seltener sind Candida glabrata, Candida krusei oder Candida tropicalis ursächlich. Maß für die topische Behandlung einer Vulvovaginalkandidose ist noch immer Clotrimazol, das 1967 vom Chemiker und Mikrobiologen Dr. Manfred Plempel entdeckt wurde.

Eine akute Vulvovaginalkandidose sollte mit lokalen oder oralen Antimykotika therapiert werden. Beispielsweise mit einer einmaligen Applikation einer 500 mg clotrimazolhaltigen Vaginaltablette, oder einmal täglich drei Tage lang mit 200 mg clotrimazolhaltigen Vaginaltabletten. Vor Therapiebeginn ist stets die Diagnose durch mikroskopische Nachweise und die Absicherung der klinischen Symptomatik wichtig, denn über die Hälfte der von Patientinnen mit genitalem Juckreiz und Brennen gestellten Diagnosen sind falsch!

Erst alle Faktoren zusammen beweisen eine Kandidose: prämenstrueller Juckreiz, atypischer Fluor, mikroskopischer Nachweis von Pseudohyphen und eine positive Kultur von Candida albicans. Resistenzen gegen Azole (z.B. Fluconazol) bei einer vaginalen Kandidose sind bisher äußerst selten zu verzeichnen. Diese können aber das Resultat von jahreslanger, wahlloser Medikamentenversorgung sein, was die Wichtigkeit einer gezielten Diagnose unterstreicht. [2]

Literatur:

[1] Foxman et al. J Lower Genit Tract Dis 2012; 17:1-6
[2] Vulvovaginal candidosis. Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/072, September 2020).  http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-072.html

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