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Prof. Dr. Hans-Jürgen Tietz, mycoclinic, Berlin Zur Bedeutung von Milchsäure in der gynäkologischen Infektiologie

  • 22.09.2025
  • Online-Artikel
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Für den Erfolg der Therapie einer Vulvovaginalkandidose sind zwei Faktoren mitentscheidend: Das Wirkpotential einer Substanz und ihre Galenik. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie beides synergistisch zusammenwirken kann, ist der Zusatz von Milchsäure in Vaginaltabletten mit Clotrimazol. Die Substanz wirkt gegen Hefepilze, Dermatophyten, Parasiten und Bakterien – von Candida albicans, über Trichomonas vaginalis, Gardnerella vaginalis bis zu Corynebacterium mimutissimum, dem Erreger des Erythrasma.

Unter neutralen pH-Bedingungen ist Clotrimazol jedoch schlecht wasserlöslich. Der Zusatz von Milchsäure bewirkt eine bessere Löslichkeit, was zu einer erhöhten Bioverfügbarkeit der Substanz führt. Dadurch wird die fungizide Wirkung von Clotrimazol deutlich verstärkt. Säure ist zudem die Achillesferse des mit Abstand häufigsten Erregers einer Vaginalmykose – Candida albicans. Denn im sauren Milieu wächst der Hefepilz exponentiell und produziert dabei sein hochvirulentes Myzel, was einerseits zwar zu den typischen Beschwerden führt, ihn aber therapeutisch angreifbarer macht, da er in dieser Wachstumsphase reichlich Angriffspunkte für Clotrimazol exprimiert. Das bedeutet: Im Sauren ist der Pilz am empfindlichsten und das Antimykotikum am wirksamsten. Je saurer das therapeutische Milieu, desto erfolgreicher ist die Behandlung.

Eine 2020 durchgeführte In-vitro-Studie verfolgte das Ziel, die Wirksamkeit dieser Kombination exakt zu beziffern. Methodisch wurde eine international etablierte Technik mit Bestimmung von koloniebildenden Einheiten auf einem festen Medium gewählt. Verglichen wurden kommerziell erhältliche Vaginaltabletten (200mg Clotrimazol), Canesten® GYN und KadeFungin®3.

Beide Medikamente zeigten gegenüber der Negativkontrolle eine hohe Wirksamkeit. Ebenso deutlich waren die Unterschiede zwischen den beiden Prüf-Formulierungen. Die fungizide Wirkung der Tabletten mit Milchsäure-Formulierung war nahezu 5-fach höher als die ohne diesen Zusatz. Damit wurde die Überlegenheit einer Kombination aus Clotrimazol mit Milchsäure erstmals in-vitro quantitativ ermittelt.

Quelle:

Tietz, H.J. und Yesilkaya, T.: Clotrimazol mit und ohne Milchsäure – eine vergleichende quantitative Wirksamkeitsstudie. GynDepesche 5/2020: 33-37

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