Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

In dem vorliegenden Buch beleuchtet der langjährig erfahrene Psychotherapeut und Vorsitzende einer Hospizbewegung, Professor Knud Eike Buchmann, psychologische Aspekte in Bezug auf das eigene Sterben und den eigenen Tod. Er geht dabei Fragen nach wie: Wann und wie werde ich sterben? Kann ich mich auf das Sterben vorbereiten? Gibt es das Nichts nach dem Tod und wie lässt sich mit der Trauer umgehen? Professor Buchmann zeigt anhand zahlreicher konkreter Beispiele wie es gelingt, mit einem klaren Konzept und einer bewussten Haltung dem Lebensende gelassen und angstfrei entgegen zu sehen. Das Werk wendet sich an alle, die sich mit dem eigenen Sterben, dem eigenen Tod und der Trauer auseinandersetzen möchten, aber auch an Angehörige und Hinterbliebene.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung

Über den Tod kann man reden, über das Sterben sollte man sprechen. Nicht richtig oder falsch sind Kriterien, sondern rechtzeitig oder „zu spät“. In einer freundlichen Sterbekultur wird das Sterben für alle Menschen leichter – und im Bewusstwerden über den eigenen Tod kann und sollte man gewisse Haltungen einüben. Wenn der Schmerz kontrolliert ist, kann auch die Angst bewältigt werden. Dazu regen die nachfolgenden Gedanken an. Damit gewinnt das Leben an Qualität.

Knud Eike Buchmann

2. Würde ich sterben, dann …

Es geht um die Einstellung zum eigenen Sterben; dabei werden übliche Vorstellungen von befragten Menschen vorangestellt. Und es wird geklärt, warum es uns so schwer fällt, zu diesem Thema „zu denken“. – Kann es hilfreich sein, über das eigene Sterben und über seinen Tod, über die Trauer der Angehörigen nachzudenken oder belastet das eher? – Was kann „Sterben in Würde“ für mich bedeuten? Ist das in den Häusern des Sterbens (Hospiz), in den Pflegeheimen oder im Krankenhaus möglich? Oder stirbt man doch besser zu Hause? Wie sieht es mit der Selbstbestimmung aus? Aber: Es wird wahrscheinlich anders kommen, als man sich das erhofft. – Könnte ich von den Sterbeabläufen und der Art zu sterben anderer Menschen lernen?

Knud Eike Buchmann

3. Gibt es eine „Philosophie zum Sterben“?

Man kann über den Tod und seinen Sinn philosophieren: Gibt es einen guten Tod? Oder einen schlechten? Wie sieht es mit der Unsterblichkeit der Seele aus? Muss man den Tod fürchten? Wer nur weiß, dass er irgendwann sterben wird, glaubt deswegen noch nicht wirklich an seine Sterblichkeit. – Die meisten Philosophen haben sich mit dem Tod bzw. mit der Endlichkeit beschäftigt; und in allen Kulturen sind „Totenkulte“ und Rituale um das Sterben entstanden. Aber diese Traditionen lösen sich heute mehr und mehr auf …

Knud Eike Buchmann

4. Wie lange noch?

Wenn es so weit ist, ist uns allen zu wünschen, dass wir es schaffen, einen nüchternen und gelassenen Blick auf die Endlichkeit zu gewinnen. Das Sterben zu akzeptieren und sich Klarheit darüber zu verschaffen, ob man sich z. B. für sehr viel Geld noch Medikamente verschreiben lässt, die das Leben vielleicht um Wochen oder nur um Tage verlängern könnten … Das Konzept, das man sich vorher macht, muss in der Endphase des Lebens nicht 1:1 umgesetzt werden.

Knud Eike Buchmann

5. Im Tod sind alle gleich …

In sein Sterben hineinwachsen – solange wir im Licht des Lebens stehen, wissen wir nichts vom Schatten des Todes. So wie wir lernten, für unser Leben Verantwortung zu übernehmen, können wir auch lernen, rechtzeitig für unser Sterben Verantwortung zu tragen. Nein, wir sind im Sterben und auch im Tod nicht alle gleich.

Knud Eike Buchmann

6. Kann man oder soll man „das eigene Sterben“ lernen?

„Macht euch mit den Sterben vertraut“, sagen die Meister. Wird man so sterben, wie man gelebt hat? Es gibt sehr unterschiedliche Wege, sich dem eigenen Tod anzunähern. Können gelernte Fähigkeiten des Lebens das Sterben leichter machen? Mit welchen Schwierigkeiten ist zu rechnen? Wie werde ich mit dem Alleinsein fertig? Kann ich Stille aushalten? Habe ich gelernt, „loszulassen“? Sind Entspannungsverfahren im Sterbeprozess hilfreich? Kann ich (noch) Einsicht haben in mein Ende? Wie kann man derartige Einstellungen und Verhaltensweisen – frühzeitig – lernen?

Knud Eike Buchmann

7. Wenn ich so zurückblicke …

Im Vorfeld des Sterbens sein Leben verstehend und akzeptierend in den unterschiedlichen Phasen – eben auch das Alter und die tödliche Krankheit – anzunehmen, hilft, sich nicht in der Opferrolle zu erleben. Kann man sich als Autor seiner Lebensgeschichte empfinden? Und wird man diese „Geschichte“ zu einem guten Ende bringen, sich nun fügen in das Unabänderliche?

Knud Eike Buchmann

8. Kann und will ich selbst bestimmen, wie und wann ich sterbe?

In Entscheidungssituationen wird heute von einer mündigen Person etwas Paradoxes verlangt: autonom zu sein und sich zugleich der Gesellschaft gegenüber konform zu verhalten. Wir sind soziale Wesen, auf Kommunikation und Lernen angelegt. Aber können wir bei solch einem emotionalen Thema wie Sterben und Tod „vernünftig“ entscheiden, was wir wie wollen? Können wir das auf dem Sterbelager überhaupt noch – in einem Zustand, der sich extrem von dem unterscheidet, zu dem wir eine Patientenverfügung erstellten? Für aufgeklärte Menschen gibt es keine Institution und keine Personen, die uns vorschreiben können, wie wir zu sterben haben. Aber: Wann, unter welchen Bedingungen sind wir überhaupt selbstbestimmt? Eine persönliche „Wunschliste“ über das eigene Sterben wird zur Diskussion gestellt.

Knud Eike Buchmann

9. Gedanken zum Suizid, zum (ärztlich) assistierten Suizid und zur Sterbehilfe

In der heutigen Gesellschaft gibt es begründete Einstellungen, die entweder suizidfreundlich oder suizidfeindlich sind. Für die Billigung oder Verurteilung des Suizids scheinen heute allein die Motive des Suizids zu sein. Eine besondere Betrachtung ist es wert, wo und zu welchem Zeitpunkt Menschen Hand an sich legen wollen. Der mögliche Suizid hat stets multifaktorielle Ursachen. Suizid wäre ein allerletzter Ausweg – vordringlich ist immer die therapeutische, klinische Begleitung in schwierigsten Lebenssituationen. Zu diesem Thema hat der Gesetzgeber (zurzeit) eine andere Auffassung als der überwiegende Teil der Bevölkerung. Die Beschäftigung mit diesem Thema bleibt virulent. Von allem, was jetzt und hier als „Wahrheit“ bezeichnet wird, ist wohl immer das Gegenteil auch richtig.

Knud Eike Buchmann

10. Bin ich schuldig geworden?

„Schuld“ ist ein großer, schillernder Begriff – besonders, wenn man diese Frage zum Lebensende hin betrachtet. Es gibt mehrere Betrachtungsarten von Schuld: strafrechtlich, zivilrechtlich, religiös, philosophisch, psychologisch-psychoanalytisch. Menschen neigen dazu, ihre Schuld zu verdrängen – und es besteht sehr oft das Bedürfnis, sich von dieser Pein zum Lebensende hin zu befreien. Der Weg durch die wirkliche oder auch die vermeintliche Schuld ist für einen Sterbenden noch einmal eine große Herausforderung. Oft kann in einem vertrauensvollen Gespräch hier Erleichterung erzielt werden. Vorgehensweisen werden angeboten.

Knud Eike Buchmann

11. Wie kann ich An- und Zugehörigen die Trauer erleichtern?

Nicht immer ist es möglich, rechtzeitig darüber nachzudenken, wie man im eigenen Todesfall den Angehörigen das Leid zu tragen erleichtern kann. Am Sterbebett verändert sich die Beziehung zueinander stark: Hilf- und Sprachlosigkeit verhindern oft das guttuende Abschiednehmen. Bedingt ist es möglich, aber wohl immer auch sinnvoll, den Schlussakkord seines Lebens auch selbst zu inszenieren. Dabei sollte man sein übliches Schmerzverhalten berücksichtigen: Neben dem physischen gibt es eine soziale und eine seelische Dimension des Schmerzes. Ebenfalls können spirituelle Schmerzen auftauchen, die auch die Fragen nach der Zeit des Todes berühren. Eine gute, umfassende Schmerztherapie ist auch eine erhebliche Entlastung für die Angehörigen in ihrer späteren Trauer. Es ist sinnvoll, als Schwerstkranker mit seinen Angehörigen über den möglichen Tod und die Zeit danach offen und angstfrei zu sprechen.

Knud Eike Buchmann

12. Nie leiden wir nur allein

Der Leidende versucht zuweilen, andere Menschen mit seinem Leid zu manipulieren, aber auch nicht zu belasten – man schweigt darüber. Man leidet oft mit dem Schwerstkranken und dem Sterbenden mit – besser wäre hier das Mitgefühl. Vor allem in der ersten Zeit nach einer „tödlichen Diagnose“ benötigen die meisten Menschen tragfähige Beziehungen, erleichternde, aber auch ehrliche Unterstützung. Nach plötzlichen Schicksalsschlägen wird man anders vorgehen, als wenn ein Mensch längere Zeit „auf den Tod liegt“. Durch Vorsorgen und durch klare Absprachen kann man das Leid der Angehörigen und Freunde zu reduzieren. Die Angehörigen können das Leiden des Sterbenden auch dadurch lindern, indem sie ihn gehen lassen können. Im gemeinsamen Leid sollte es auch gelingen, die Fixierung allein auf das Leiden im letzten Lebensabschnitt zu überwinden.

Knud Eike Buchmann

13. Wie wird es sein?

Wir wissen nicht, wie das eigene Sterben sein wird. Aber wir können von Sterbenden, von Pflegepersonen, Sterbebegleitern lernen. Die Palliativversorgung kann Schmerzen massiv verringern. Eine geistige Begleitung zum Lebensende hin wäre gut. Dabei können letzte Fragen einer Klärung zugeführt werden. Neben den medizinischen Maßnahmen werden psychologische Fragen in den Mittelpunkt rücken: Soll ich um ein vorzeitiges Sterben bitte? Kann und will ich noch empfundene „Schuldgefühle“ bearbeiten – mich von ihnen befreien? Nur wenigen Menschen wird es vergönnt sein, bei Bewusstsein zu sterben – und die meisten werden das auch gar nicht wollen. Wie lange möchte ich noch „besuchbar“ sein? Das sind Fragen, die man vorher beantworten kann.

Knud Eike Buchmann

14. Ist „das Nichts“ denkbar?

Alle Weltreligionen haben Vorstellungen vom „Danach“. Die meisten verbinden das Sein nach dem Tod mit dem geführten Leben. Anders bei Atheisten, „Ungläubigen“ oder Menschen, die sich zu einer desinteressierten Gottlosigkeit bekennen. Sie haben keine Jenseitsvorstellungen, außer, dass das Nichts sein wird. Es macht Probleme, das „Nichts“ zu denken und die Hoffnung auf eine unsterbliche Seele zu verneinen. Es mag jedem aufgegeben sein, seinen Weg zu finden; denn es gibt keinen allein richtigen Weg! Es mag eine gute Vorstellung sein, zum Ende seines Lebens nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu müssen. Mit dem Mut zwischen Erschöpfung, Verzweiflung und einer kleinen Menge an Resignation aushalten – lächeln.

Knud Eike Buchmann

15. Kann es sein, dass es so sein wird?

Das ist wohl die größte Unsicherheit: Wie wird es sein? Werde ich große Schmerzen erleiden oder langsam „zerfallen“? Kann oder soll ich Bitten äußern? Könnte mir und meinen Angehörigen eine Sterbemeditation helfen? Zu wissen, dass Sterben kein linearer Prozess ist, sondern ein Weg über Höhen und Tiefen, verlangt auch von den Angehörigen Geduld und viel Achtsamkeit. Ein paar meditative Gedanken könnte man – mit seinen nächsten Angehörigen oder Freunden – durchdenken.

Knud Eike Buchmann

16. Darf gelacht werden?

Die Kunst, die Sterbensschwere durch die tiefgründige Leichtigkeit des Humors etwas zum Schweben oder auch zum Fließen zu bringen, ist wohl kaum lehrbar. Es geht nicht um Witze oder um lustig-lustig. Es geht darum, sehr mitmenschlich das Unangenehme der Sterbesituation mit einer humorvollen Bemerkung zum Natürlichen hin zu verändern bzw. zu erweitern. Sowohl der Sterbende als auch seine Begleiter können im guten Zusammenspiel durch ihren Humor Nähe und Distanz zum Geschehen zeigen.

Knud Eike Buchmann

17. Gehirnakrobatik? – Sich selbst überlisten?

Wir erleben alle – mehr oder weniger „früh“ – den Prozess unseres Abschiednehmens und Sterbens. Unser Geisteszustand ist entscheidend dafür, wie wir das Erlebte verarbeiten und bewerten. Gerade wenn es darum geht, wie wir uns unser „Zukunftsselbst“ vorstellen, also auch unser Sterben, können wir durch gezielte Vorstellungen, die im Bereich des uns Möglichen liegen, unser Befinden und Verhalten positiv mitgestalten. Autosuggestive Vorsätze, die man vorher eingeübt haben sollte, können helfen, auch schwierigste Situationen besser zu bewältigen.

Knud Eike Buchmann

18. Eine große Feier zum Schluss?

Die „Totenehrung“, das Gedenken, beginnt mit einem letzten Zusammenkommen der Angehörigen, Freunde und Kollegen. Soll die „Leichenfeier“ nach meiner Vorstellung oder nach der der Angehörigen stattfinden? Gibt es eine Übereinstimmung? Es gibt keine „natürliche“ Form der Beisetzung – und auch keine Vorschrift, wie eine Abschiedsfeier stattzufinden hat. Rituale haben ihre Bedeutung – und werden auch vollzogen; in manchen Berufsfeldern mit besonders viel Aufwand und „Tamm-Tamm“. Bis zur Traueranzeige spiegelt sich in der Zeremonie des Gedenkens an die verstorbene Person auch das Selbstverständnis ihres Lebens. Einige mögliche Beispiele können helfen, sich (s)einen eigenen Standpunkt zu erarbeiten. Aber alles kann auch ganz still und in kleinstem Kreis stattfinden.

Knud Eike Buchmann

19. Wohin mit den „Schätzen“?

„Mit warmer Hand schenken“ ist eine mögliche Devise des vernünftigen Vererbens. Im Angesicht des Sterbens wird einem bewusst, wie vorübergehend Besitz ist und dass man sich von ihm trennen muss. Erben hat, neben der wichtigen juristischen (formalen) Problematik, auch eine psychosoziale Bedeutung. Man kann sich gut – und hoffentlich auch gerne – rechtzeitig überlegen, welche „Güter“ man an wen weitergibt. Damit leistet der Erblasser auch einen Beitrag zum (Familien-)Frieden.

Knud Eike Buchmann

Backmatter

In b.Flat Patientenratgeber für Hausärzte enthaltene Bücher

In b.Flat Palliativmedizin für Hausärzte enthaltene Bücher

In b.Flat SpringerMedizin.de Gesamt enthaltene Bücher

In b.Flat Palliativmedizin enthaltene Bücher

Weitere Informationen