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Strukturiertes Lernen, gezielte Diagnostik: So steigern Sie die Diagnosegenauigkeit

  • 27.06.2025
  • Online-Artikel

„Strukturiertes Lernen statt Zufallskompetenz“ – so lässt sich der Anspruch von PD Dr. Sandra Schuh, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Augsburg zusammenfassen. Ihr Team etablierte ein praxisnahes Dermatoskopie-Curriculum, das nicht nur punktuell Wissen vermittelt, sondern diagnostische Kompetenz nachhaltig stärkt. Die Studie zeigt: Die Integration strukturierter Lehrinhalte in die Facharztausbildung ist nicht nur möglich, sondern effektiv.

Status quo: Unzureichende Ausbildung mit klinischen Folgen

Die Dermatoskopie ist ein zentrales Werkzeug zur Erkennung maligner Hautveränderungen. Dennoch fehlt bislang ein einheitlicher Standard in der Facharztausbildung – mit teils gravierenden Folgen: Dermatologen ohne strukturierte Schulung zeigen eine geringere Sensitivität in der Melanomdiagnostik. Das neue Augsburger Curriculum begegnet dieser Lücke mit einem hybriden Ansatz aus E-Learning und klinischer Anwendung.

Curriculum-Konzept: Online-Module kombiniert mit Expertensupervision

Das Curriculum kombiniert moderne E-Learning-Methoden mit persönlicher Betreuung durch einen Dermatoskopie-Experten. Grundlage bildet eine Sammlung von über 2.300 klinischen Bildern, eingebettet in eine datenschutzsichere Moodle-Plattform. Ergänzt wird das Konzept durch regelmäßige Falldiskussionen und praxisnahe Supervision – ein flexibles, gleichzeitig tiefgreifendes Ausbildungsformat.

Evidenzbasiert und wirksam: Signifikanter Kompetenzzuwachs

Die Ergebnisse sprechen für sich: Bei 28 Teilnehmenden – darunter Assistenzärzte, Fachärzte und Medizinstudierende – verbesserte sich die durchschnittliche Testpunktzahl signifikant von 6,95 auf 8,76 von maximal 10 Punkten (p < 0,001). Besonders bemerkenswert ist die Steigerung der korrekten Diagnosen von malignen Läsionen (von 61,2 % auf 87,5 %) sowie die adäquate Bewertung gutartiger Hautveränderungen (von 65,8 % auf 86,8 %).

Relevanz für Klinik und Praxis: Mehr Hautkrebs erkennen, weniger Exzisionen

Ein zentrales Ziel des Curriculums ist die Optimierung der Diagnostik: Früherkennung von Hautkrebs bei gleichzeitiger Reduktion unnötiger Exzisionen. Die Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit, insbesondere bei Melanomen, zeigt das große Potenzial für die Patientenversorgung. Auch ökonomisch ist dies relevant: Präzisere Diagnosen reduzieren Übertherapie und entlasten das Gesundheitssystem.

Ausblick: Multiplikatorwirkung für andere Ausbildungszentren

PD Dr. Sandra Schuh sieht im Erfolg des Projekts ein Modell mit Multiplikatorwirkung. Die zugrunde liegende Plattform ist auch für andere Fachbereiche wie Allgemeinmedizin oder Onkologie adaptierbar.

Literaturübersicht:

Schuh, S. et al. (2023): Implementierung eines Dermatoskopie-Curriculums in der Facharztausbildung am Universitätsklinikum Augsburg. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, DOI: 10.1111/ddg.15115_g.

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Aufnahme einer Ärztin, die an ihrem Laptop arbeitet/© PeopleImages | iStock