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Rechtsmedizin

Hamburger Sterbefälle unter häuslicher Verwahrlosung vor und während der COVID-19-Pandemie

Ein Vergleich der Jahre 2019 und 2021

Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Ziel der Studie war es, demografische Informationen zu einer bislang wenig beachteten Gruppe Verstorbener zu erfassen und zu analysieren, inwiefern die COVID-19-Pandemie ihr Leben und Sterben beeinflusst hat.

Methode

Menschen, die 2019 und 2021 in Hamburg in verwahrlosten Verhältnissen zu Hause verstarben, wurden anhand der Ermittlungsakten des Landeskriminalamtes Hamburg identifiziert. Diese Fälle wurden in Bezug auf Alter, Geschlecht, Nationalität, Auffindungsumstände, Wohnsituation, Leichenzustand, Substanzabusus und ärztliche Behandlung verglichen.

Ergebnisse

Die Einschlusskriterien der Studie erfüllten 468 Verstorbene; von ihnen waren 77,1 % männlich, das Durchschnittsalter lag mit 64 Jahren deutlich unter der durchschnittlichen Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung. Alleinlebend waren 90,6 % der Personen, 36,9 % zeigten Hinweise auf Substanzabusus, und nur 33,8 % wiesen Anzeichen medizinischer Versorgung auf.
Die COVID-19-Pandemie zeigte hier keinen wesentlichen Einfluss auf die Betroffenen, wobei Arztkontakte und damit verbundene ärztliche Behandlungen während der Pandemie seltener verzeichnet wurden.

Diskussion

Der geringe pandemiebedingte Einfluss erklärt sich durch die bereits vor den Lockdowns und Quarantänemaßnahmen vorherrschende soziale Isolation dieser Gruppe. Die Ergebnisse werfen jedoch grundlegende Fragen zu Identifikation und Erreichbarkeit dieser Gruppe sowie zu möglichen Interventionsstrategien auf. Eine enge und produktive Zusammenarbeit von sozialpsychiatrischem Dienst, Sozialbehörde, Polizei und Rechtsmedizin könnte hier von relevanter Bedeutung sein.

Fazit

Die Studie beleuchtet eine isolierte, zahlenmäßig bedeutsame Personengruppe, die unter unwürdigen Bedingungen und oft zu früh in einer deutschen Großstadt stirbt.
Titel
Hamburger Sterbefälle unter häuslicher Verwahrlosung vor und während der COVID-19-Pandemie
Ein Vergleich der Jahre 2019 und 2021
Verfasst von
Caroline Laudien
Klaus Püschel
Peter Friedrich
Benjamin Ondruschka
Publikationsdatum
06.12.2024
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Rechtsmedizin / Ausgabe 5/2025
Print ISSN: 0937-9819
Elektronische ISSN: 1434-5196
DOI
https://doi.org/10.1007/s00194-024-00732-6
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Bildnachweise
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