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Über dieses Buch

Notfallmedizin in besonderen Situationen.

Erstmalig und umfassend werden alle relevanten Aspekte der taktischen Notfallmedizin beschrieben:

Grundlagen, wie Einsatzplanung, Ausrüstung, EvakuierungDie häufigsten Krankheitsbilder- und Verletzungsmuster, wie Schuss- und Sprengverletzungen, Verbrennungen, Augennotfälle und psychisches TraumaDie adäquate Versorgung von DiensthundenBesonderheiten bei extremen klimatischen Bedingungen sowie das beste Vorgehen bei Verletzungen durch ABC Waffen

Darüber hinaus werden die Rollen von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei beleuchtet und auf die Schnittstellenproblematik zwischen diesen Organisationen eingegangen.

Die 2. Auflage ist komplett aktualisiert und um weitere praxisrelevante Themen erweitert, u.a. Ausbildung, Analgesie, Bissverletzungen, Hängetrauma, Amok-Lage.

Das praxisrelevante Nachschlagewerk richtet sich an Mitarbeiter der Sanitätsdienste und der Bundeswehr, Polizei und andere Behörden sowie der Rettungsdienstorganisationen und Feuerwehren. Auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen finden für ihre Arbeit wertvolle Informationen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundlagen

Frontmatter

1. Einleitung

Das Kapitel erläutert die besonderen Rahmenbedingungen der taktischen Medizin und die Geschichte der Verwundetenversorgung.

C. Neitzel

2. Medizinische Einsatzplanung (»medical planning«)

Die medizinische Einsatzplanung ist entscheidende Voraussetzung für den Erfolg eines Einsatzes. Grundsätzlich muss zwischen geplanten Operationen mit ausreichendem Vorlauf, sozusagen einem elektiven Eingriff, oder der kurzfristigen Reaktion auf eine bereits existente Lage differenziert werden. Da »medical planning« bei geringem zeitlichem Vorlauf nur noch eingeschränkt möglich ist, sind in diesen Fällen standardisierte, jedoch ausreichend flexible Einsatzverfahren (SOP) und die möglichst umfassende Erfassung der vorher ermittelbaren Rahmenbedingungen entscheidend. Einsatzplanung muss prinzipiell immer mindestens zwei Lagen berücksichtigen und im Rahmen der Möglichkeiten ausplanen: Einerseits die optimierte, bestmögliche Individualversorgung eines oder weniger Verwundeter und andererseits die Eventualfallplanung für den »worst case«.

K. Ladehof, C. Neitzel

3. Spezielle Ausrüstung

Im folgenden Kapitel werden Medizinprodukte und Ausrüstungsgegenstände beschrieben, die ihren Ursprung und ihre Berechtigung insbesondere in der taktischen Notfallversorgung haben. Auch der zivile Rettungsdienst hat den Wert einiger Medizinprodukte erkannt, ihre Einführung und die Einbindung in Protokolle begonnen. Die Neu- und Weiterentwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, abhängig vom Szenario, geprägt durch die Nutzung des Materials in aktuellen Konflikten und dem daraus abgeleiteten Bedarf. Daher stellt dieses Kapitel nur eine Momentaufnahme der für die taktische Medizin besonders relevanten, frei auf dem Markt verfügbaren Medizinprodukte dar.

S. Schöndube, C. Neitzel, C. Gartmayr, P. Siegert

4. Versorgungsebenen und Evakuierung von Verwundeten

Das Kapitel beschreibt einerseits die Versorgungsebenen bzw. -einrichtungen im militärischen Einsatz und ihre zunehmende Leistungsfähigkeit, andererseits die unterschiedlichen Möglichkeiten des Verwundetentransportes. Dabei werden die Anforderungsverfahren dieser Transportmittel und die Koordination ihres Einsatzes genauer behandelt. Außerdem wird auf die unterschiedlichen Qualifikationshöhen des präklinisch eingesetzten, notfallmedizinischen Personals eingegangen.

J. Bickelmayer, S. Hauschild

5. Rettung von Verwundeten

Schon bei der Einsatzplanung müssen die zur Rettung von Verwundeten notwendigen Mittel konzeptionell berücksichtigt werden. Auf dem Markt wird eine immer größer werdende Anzahl an Rettungsmitteln angeboten. Kein Rettungsmittel deckt dabei alle Einsatzszenarien ab. Es bietet sich an, mehrere aufeinander abgestimmte Systeme anzuschaffen, die miteinander kompatibel sind, und aus diesen dann szenariospezifisch auszuwählen. Neben dem Einsatz behelfsmäßiger oder industriell gefertigter Hilfsmittel ist es für den schnellen Ersttransport erforderlich, an unterschiedliche Ausgangslagen angepasste, Transportgriffe zu beherrschen. Die Koordination der Rettung liegt in den Händen des taktischen Führers vor Ort, das Vorgehen dabei sollte aber jedem Beteiligten vor dem Verlassen der Deckung klar sein.

J. Vogt, S. Schöndube, K. Ladehof

6. Technische Rettung und Bergung

Die Möglichkeiten zur technischen Rettung nach Unfall oder Feindeinwirkung ordnen sich der besonderen Situation militärischer Einsätze unter. Standardisierte Handlungsabfolgen, wie sie in der täglichen Gefahrenabwehr in Deutschland regelmäßig zum Einsatz kommen, können wegen der besonderen Bedrohungslagen nicht oder nur begrenzt zur Anwendung kommen. Dieses Kapitel beschreibt taktische Maßnahmen und Einsatztechniken im Kontext asynchroner Ereignisse. Es werden Handlungsmöglichkeiten nach Anschlägen und Unfällen sowie spezielle Techniken zur Schaffung von Zugängen zu geschützten Fahrzeugen dargestellt.

S. Börner

7. Ausbildung

Das Kapitel stellt einerseits die Notwendigkeit, andererseits die Komponenten einer der Ausbildungskonzeption vorausgehenden Bedarfsermittlung dar. Diese muss unbedingt an die spezifische Zielgruppe angepasst werden. Dann wird die auf dieser Auswertung basierende Entwicklung von Konzepten für die Ausbildung einer Gruppe, die in diesem Umfeld arbeitet, und ggf. für unterschiedliche Ausbildungshöhen innerhalb dieser Gruppe dargestellt. Dies beinhaltet die Identifikation von Lernzielen, Entwicklung von Curricula, Ausplanung von Lehrgängen und muss zwingend auch die Inübunghaltung der erworbenen Fähigkeiten abbilden. Schließlich werden unterschiedliche Ausbildungsverfahren und ihre Vor- und Nachteile vorgestellt. Wenn klar ist, welche spezifische Rahmenlage für eine Ausbildungsgruppe existiert und welche Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden sollen, können die geeignetsten Verfahren zur Erreichung der Lernziele ausgewählt werden.

K. Ladehof

Taktische Verwundetenversorgung

Frontmatter

8. Grun dlagen TCCC

Taktische Medizin ist der Oberbegriff für ein System der präklinischen Versorgung, bei dem aufgrund einer besonderen Rahmenlage angepasste Prinzipien zur Anwendung kommen. Charakteristisch ist, dass die Versorgung in definierten Phasen durchgeführt wird und auch die medizinischen Maßnahmen an die Situation adaptiert werden. Dabei haben die taktischen Erfordernisse entscheidenden Einfluss auf die medizinischen Maßnahmen, im Extremfall können diese gar nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt werden. Die medizinische Versorgung konzentriert sich auf die zum jeweiligen Zeitpunkt zur Lebensrettung oder Vermeidung weiteren Schadens zwingend erforderlichen Maßnahmen. Diese werden sich in der taktischen Medizin sehr oft auf ballistische Verletzungen beziehen. Die permanente Berücksichtigung der (Bedrohungs-)Lage und das Stillen kritischer Blutungen sind zwei Kernpunkte beim »Tactical Combat Casualty Care« (TCCC).

K. Ladehof

9. Leitlinien zur Verwundetenversorgung

In taktischen Lagen muss die Dringlichkeit der Versorgung der Patienten gegen die Gefährdung der Helfer wie auch des Patienten abgewogen werden. Die dargestellten Leitlinien zeigen einen Algorithmus für die Prioritätensetzung in unterschiedlichen Phasen. In der Phase »Care under Fire« reduzieren sich die zu ergreifenden Maßnahmen auf die Rettung aus dem Gefahrenbereich und die Kontrolle kritischer Extremitätenblutungen. Besteht keine unmittelbare Gefahr mehr, erfolgt in der Phase »Tactical Field Care« die strukturierte Untersuchung und Therapie. Dabei wird nach einem Schema vorgegangen, das die am schnellsten lebensbedrohlichen Probleme zuerst erkennt und löst. Die Phase »Tactical Evacuation Care« beschreibt die Maßnahmen rund um den Transport von Patienten und die Phase »Prolonged Field Care« zeigt auf, was bei einer (z. B. aufgrund verzögerter Evakuierung) verlängerten Behandlungsdauer an pflegerischen und intensivmedizinischen Aspekten zu beachten ist.

C. Neitzel, K. Ladehof, F. Josse

10. Analgesie im Einsatz

Die rasche Einleitung einer adäquaten Schmerztherapie nach Evaluation und Therapie kritischer Verletzungen ist aus kameradschaftlichen, ethischen uns einsatztaktischer Sicht unabdingbar. Das Spektrum reicht von Opiaten (Morphin, Fentanyl) über NMDA-Rezeptor-Antagonisten (Esketamin S) bis hin zu niedrig potenten Schmerzmitteln wie NSAR (Paracetamol, Ibuprofen) oder Metamizol. All diese Medikamente können fall- und situationsgerecht auf verschiedenen Wegen (intravenös, intramuskulär, oral, nasal) verabreicht werden. Absicht der Analgesie ist es dem Soldaten in Abhängigkeit von der Schwere der Verletzung oder Beeinträchtigung, schnell und effektiv den Schmerz zu nehmen, den Stress zu reduzieren und die Folgen des Schmerzes zu vermeiden. Weiterhin soll es ermöglichen den Patienten so schonend wie möglich der nächsthöheren Versorgungsebene zuführen zu können.

F. Josse, F. Spies

11. Triage und MASCAL/MANV

Das vorliegende Kapitel behandelt gleichermaßen polizeiliche, zivile und militärische Massenanfälle. Die unterschiedlichen Terminologien und Organisationsstrukturen werden parallel aufgezeigt. In den ersten beiden Abschnitten dieses Kapitels werden Begriffe, theoretische und konzeptionelle Grundlagen und Systeme erläutert, im dritten Abschnitt wird dann die konkrete Herangehensweise dargestellt.

k. Ladehof

Spezielle Verletzungsmuster und Notfälle

Frontmatter

12. Schussverletzungen

Das Kapitel behandelt Theorie und Praxis von Schussverletzungen. Die grundlegenden Begriffe rund um Waffen und Munition werden ebenso erläutert wie die Grundlagen der Wundballistik. Die Bedeutung verschiedener Geschosskonstruktionen und anderer Einflussfaktoren auf die Wundhöhlenbildung wird beschrieben und letztlich die Theorie in die Praxis der spezifischen Schussverletzungsmuster übertragen.

C. Neitzel, E. Kollig

13. Explosionsverletzungen

ZusammenfassungBei der vorherrschenden asymmetrischen Kriegsführung insbesondere in den aktuellen NATO-Einsätzen wie auch bei terroristischen Anschlägen gegen die Zivilbevölkerung sind Explosionsverletzungen und die dadurch resultierenden thermomechanischen Kombinationsverletzungen eine häufige Verletzungsursache in militärischen Konflikten und in Krisenregionen. Es hat sich gezeigt, dass durch die konsequente Umsetzung präklinischer Konzepte (PHTLS, TCCC), zunehmend kürzeren Transportzeiten und der Anwendung der »damage control surgery« (DCS) innerklinisch, ein Absinken der Mortalitätsrate erreicht werden kann, so dass auch komplexeste Verletzungsmuster überlebt werden. Unabdingbar im Rahmen der Behandlung sind genaue Kenntnisse der Pathophysiologie und insbesondere der Besonderheiten dieser Verletzungsentität.

M. Di Micoli, D. Bieler

14. Bissverletzungen

Das Kapitel beschreibt die Formen der Bissverletzungen und wie diese primär unter den Bedingungen der taktischen Medizin und später in der Klinik zu versorgen sind. Es wird ein Überblick über die additive antibiotische Behandlung sowie das prophylaktische und postexpositionelle Impfregime vermittelt und die Bedeutung der Immobilisation der Wundregion unterstrichen.

S. Hentsch, J. Sahm

15. Verbrennungen

Verbrennungsverletzungen gehören, je nach Ausmaß, zu den schwersten Verletzungen mit potenziell schweren langfristigen Folgezuständen. Besonders in der taktischen Einsatzmedizin ist diese Verletzungsart überproportional häufig vertreten, auch in Kombination mit stumpfen und penetrierenden Verletzungen. Gerade bei Verbrennungsverletzungen ist die initiale Therapie und das Management einerseits kurzfristig für das Überleben, andererseits für die Langzeitprognose entscheidend. Die Kenntnis der Besonderheiten der Verbrennungsverletzungen (wie Inhalationstrauma, chemisch-toxische Stoffe und das Zusammenwirken mit mechanischen Explosionsverletzungen) ist erforderlich, um diese Patientengruppe erfolgreich behandeln zu können.

M. Di Micoli, S. Hentsch

16. Augennotfälle

Das Kapitel beschreibt die Notfallbehandlung bei relevanten Augenverletzungen, wenn kein Augenarzt unmittelbar erreichbar ist. Neben Prellungen und penetrierenden Verletzungen werden auch die insbesondere im taktischen Umfeld relevanten Krankheitsbilder behandelt, wie z. B. das retrobulbäre Hämatom, Laserverletzungen oder die Exposition gegenüber chemischen Kampfstoffen.

H. Gümbel

17. Akustisches Trauma

Dieses Kapitel richtet sich insbesondere an die Träger der präklinischen Versorgung, wenn keine Hörtestanlage verfügbar ist. Das »akustische Trauma« wird definiert, typische Anamnese und Untersuchungen und die wichtigsten Differenzialdiagnosen werden beschrieben. Es wird auf Gehörschutz hingewiesen, der Umgang der Bundeswehr und anderer Armeen mit dem akustischen Trauma dargestellt und Empfehlungen zur Therapie gegeben. Auf die Besonderheit der einseitigen Hörstörung im Einsatz wird ebenfalls eingegangen.

F. Hohenstein

18. Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Schädel-Hirn-Verletzungen haben in der taktischen Medizin aufgrund ihrer Häufigkeit und der teilweise gravierenden Folgen eine große Bedeutung. Sowohl stumpfe SHT (Sturz, Verkehrsunfall) als auch perforierende SHT (Schuss- oder Splitterverletzungen) sind anzutreffen. Zunehmende Bedeutung erlangen »banale« leichte SHT und ihre möglichen Auswirkungen auf posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und andere neurologische Störungen im Mittel- und Langzeitverlauf. Die Grundprinzipien der Behandlung (PHTLS und TCCC) bleiben auch hier bestehen. Der Fokus der Therapie liegt auf der Vermeidung und Milderung von sekundären Hirnschäden.

M. Di Micoli

19. Hängetrauma

Die Pathophysiologie und Behandlung des Hängetraumas wird seit den 1970er Jahren kontrovers diskutiert. Es ist als eine durch bewegungsloses, annähernd vertikales, freies Hängen in einem Anseilgurt induzierte Kreislaufdepression mit möglicher Todesfolge definiert. Bei den wenigen dokumentierten Fällen und einer insgesamt dünnen experimentellen Studienlage zur Pathophysiologie und Therapie überwiegt derzeit international die Empfehlung nach dem unveränderten <C>ABCDE-Algorithmus zu therapieren. Präventive Maßnahmen umfassen unter anderem passende Gurtsysteme und die Aktivierung der Beinmuskelpumpe durch Bewegung der Beine und/oder Abstützen in Trittschlingen oder an Wänden sowie die durch Schlingen unterstützte horizontale Lagerung der Beine während des Hängens.

R. Lechner, T. Lobensteiner

20. Versorgung unter Nachtsichtbedingungen

In Bedrohungslagen kann es erforderlich sein, die Versorgung von Verletzten in der Dunkelheit unter Einsatz von Nachtsichtgeräten oder mit sehr beschränkter Ausleuchtung durchzuführen. Das Kapitel beschreibt die hierbei auftretenden typischen Probleme und zeigt Lösungswege auf.

C. Neitzel, J. Gessner

21. Zahnärztliche Notfälle

Dem Leser soll durch diesen Beitrag theoretisches Basiswissen für eine zahnärztliche Notfalltherapie unter Einsatzbedingungen bis zur Weiterbehandlung durch einen Zahnarzt vermittelt werden. Dazu wird auf die Krankheitsbilder »Dentales Trauma« und »Entzündungen in der Mundhöhle« eingegangen, sowie die Einsatzmöglichkeiten des »Calwer Dental Kits« beschrieben.

W. Kretschmar

22. Psychotraumatologie

Der Umgang mit extremen psychischen Situationen stellt für Einsatzkräfte der BOS und Soldaten der Bundeswehr eine große Herausforderung dar. Von großer Bedeutung ist die Prävention psychischer Erkrankungen. Dabei ist die akute Krisenintervention eine wirksame Option. Dazu wurden in diesem Kapitel pragmatische psychologische Interventionstechniken »in action« vorgestellt. Hauptziel ist es, den Betroffenen zu stabilisieren, Sicherheit zu geben und möglichst schnell wieder in seine eigentliche Aufgabenerfüllung zurückzuführen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sollte immer professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Dazu gehören Psychologen, Ärzte, Notfallseelsorger, Psychiater und Sozialarbeiter. Neben der professionellen Betreuung ist entscheidend, dass man auf sich und auf seine Kameraden bzw. Kollegen achtet.

J. Ungerer, P. Zimmermann

23. Versorgung von Diensthunden

Internationale Erfahrungen aus Einsatzgebieten mit militärischen Konflikten zeigen, dass es für Kampftruppen mittlerweile die Realität darstellt, als Diensthundführer, Combat First Responder und humanmedizinisches Sanitätsfachpersonal medizinische Basisversorgung und taktische notfallmedizinische Behandlungen am Diensthund durchzuführen. Besonders außerhalb der Feldlager, im abgesetzten Einsatz, ist veterinärmedizinisches Personal bislang im Regelfall nicht zeitnah verfügbar. Das Kapitel »Versorgung von Diensthunden« gibt dem am Menschen ausgebildeten Spezialisten einen ersten Überblick über die Besonderheiten im Umgang mit erkrankten und verletzten Hunden und überträgt humanmedizinisch anerkannte Grundsätze der präklinischen Verwundetenversorgung in taktischen Einsatzlagen auf die besonderen Bedürfnisse der Diensthunde.

K. Riedel

Polizei

Frontmatter

24. BOS

In der Bundesrepublik arbeiten zahlreiche Behörden und Organisationen gemeinsam mit dem Ziel der Abwehr von Gefahren zum Schutz der inneren Sicherheit und Ordnung. Durch das föderale System und uneinheitliche Gesetzgebung in den Bundesländern sind Organisationsaufbau und Struktur bei Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei unterschiedlich. Bei polizeilichen Einsatzlagen wird der Gefahrenbereich in verschiedene Zonen eingeteilt (unsicher, teilsicher, sicher) und entsprechend abgesperrt. Dabei ist die Einschätzung der Grenze zum sicheren Bereich häufig schwierig, wenn die Reichweite und Wirkung von Geschossen oder Sprengmitteln nicht ausreichend berücksichtigt werden.

R. Bohnen

25. Erstversorgung im Polizeieinsatz

Bei Polizeieinsätzen steht die Abwehr von Gefahren für Personen und Eigentum im Vordergrund. Dennoch ist in zahlreichen Vorschriften die medizinische Notfallversorgung im Einsatz ein Bestandteil der polizeilichen Aufgabe benannt. Daher gibt es in der Organisationsstruktur der Polizei sogenannte Polizeiärztliche Dienste. Die Wahrnehmung dieser Aufgabe wird jedoch, aus zahlreichen Gründen, in den einzelnen Polizeien sehr unterschiedlich gehandhabt.

R. Bohnen

26. Schnittstellenproblematik

Bei Großeinsätzen kommt es auf eine reibungslose Zusammenarbeit der unterschiedlichen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben an. Dabei gibt es bei den Schnittstellen der Zusammenarbeit zahlreiche Problemfelder. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch, dass bei polizeilichen Gefahrenlagen Feuerwehr und Rettungsdienst zum Eigenschutz grundsätzlich nur im sicheren Bereich eingesetzt werden können.

R. Bohnen

27. TEMS

Für die medizinische Betreuung von Spezialeinheiten hat sich in den letzten Jahrzehnten das sogenannte TEMS-Konzept durchgesetzt. Dieses beinhaltet neben Themen des Gesundheitsmanagements, der Einsatzplanung und -vorbereitung, Aus- und Fortbildung, der Auswahl von geeigneten Führungs- und Einsatzmitteln und des Qualitätsmanagements insbesondere die medizinische Erstversorgung im taktischen Einsatz. Dadurch wird die therapiefreie Zeit für den Verletzten überbrückt bis der zivile Rettungsdienst im sicheren Bereich übernehmen kann.

R. Bohnen

28. Personalaspekte

Bei der Betrachtung, welches Personal bei einem medizinischen Notfall im Gefahrenbereich eingesetzt werden soll, gibt es unterschiedliche Lösungsmodelle. Bei der sog. »Stand-by-Methode« wartet der Rettungsdienst in einiger Entfernung bis die Polizeigelage gelöst ist und rückt dann nach. Bei der sog. externen Lösung werden freiwillige Rettungsdienstmitarbeiter für Polizeilagen geschult und dann, durch Polizeibeamte geschützt, im Gefahrenbereich eingesetzt. Bei der sog. internen Lösung erhalten einzelne Polizeibeamte eine medizinische Zusatzqualifikation.

R. Bohnen

29. Materialressourcen

Für polizeiliche Einsatzlagen muss das medizinische Material in Art und Menge der entsprechenden Lage angepasst und ggf. durch Materialien zur Evakuierung ergänzt werden. Dabei sollte jeder Einsatzbeamte ein individuelles Erste-Hilfe-Set dabei haben und Personal mit höherer medizinischer Qualifikation zusätzliches Material.

R. Bohnen

30. Notkompetenz

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Rechtmäßigkeit der Durchführung medizinischer Maßnahmen am Verletzten durch Polizeisanitäter ist nicht eindeutig. Daher ist es umso wichtiger, diese Maßnahmen durch eine verantwortliche Person zu schulen und zu delegieren und somit die Notkompetenz des einzelnen Beamten zu definieren.

R. Bohnen

31. Internationaler Vergleich und Ausblicke

Im Vergleich zu anderen Nationen gibt es in Deutschland bisher keinen einheitlichen Standard für die notfallmedizinische Ausbildung und Ausrüstung von Polizeivollzugsbeamten. Dabei wäre es wichtig, je nach Aufgabenfeld oder Gefährdungsanalyse eine angepasste Ausbildung und Ausrüstung zu definieren und umzusetzen. Ein solcher Prozess wäre dringend wünschenswert.

R. Bohnen, J. Höfner

32. Besondere Einsatzlagen – Amok

Bei der Versorgung von Verletzten unter Bedrohung müssen Amoktaten nicht völlig losgelöst von der sonstigen Planung für Bedrohungslagen betrachtet werden. Eine Besonderheit bei Amokläufen ist vor allem die Dynamik der Bedrohung, ohne einen schnell identifizierbaren Ausgangspunkt bzw. fest lokalisierbaren »Herd« zu haben. Die Arten möglicher Bedrohungen sind vielfältig. In diesem Kapitel werden ausschließlich mögliche Vorgehensweisen in der polizeilichen und rettungsdienstlichen Reaktion auf die Tat selbst dargestellt. Entscheidend ist bei der Bewältigung einer Amoklage die unmittelbare Reaktion auf die Bedrohung, die initiale Raumordnung und die möglichst schnelle Versorgung von Verletzten. Die Gesamteinsatzleitung liegt ebenso wie die Verantwortung für die medizinische Versorgung im Gefahrenbereich klar bei der Polizei, jedoch nur durch eine gute Zusammenarbeit der BOS werden diese Aufgaben bestmöglich erfüllt werden können.

J. Höfner, K. Ladehof, J. Stocker

Besondere Umgebungen

Frontmatter

33. Militärischer Einsatz in großer Höhe

Soldaten sind besonders anfällig für die Höhenkrankheit, denn der militärische Einsatz in der Höhe unterscheidet sich grundlegend vom zivilen Bergsteigen. Irreguläre bzw. terroristische Gegner der aktuellen asymmetrischen Konflikte hingegen suchen häufig den Schutz gebirgiger Regionen. Für die Einsatzfähigkeit relevant sind bereits Höhen ab 1500 m, insbesondere ab 2500 m. Dies wird selbst von militärischen Führern häufig noch unterschätzt. Daher haben die NATO und auch die Bundeswehr erhebliche Anstrengungen unternommen um Soldaten für derartige Einsätze vorzubereiten.

M. Tannheimer

34. Flugmedizin

Die Flugmedizin hat mit Beginn der luftgebundenen Evakuierung seit dem Korea-Krieg an Bedeutung gewonnen. Kenntnisse der flugmedizinischen und flugphysiologischen Besonderheiten im taktischen Verwundetentransport mit Drehflügler (RW), stellen eine unabdingbare Voraussetzung zur qualitativ hochwertigen Versorgung von Verletzten im Lufttransport dar, genügen aber für ein sicheres agieren in taktischen Lagen alleine nicht aus. Das Sanitätspersonal eines RW muss über spezielle Kenntnisse verfügen, um sich selbst und den Patienten zu schützen. Verschiedenste Faktoren beeinflussen die medizinische Versorgung eines Verletzten und können das Behandlungsergebnis verschlechtern. Im vorliegenden Kapitel sollen Problemfelder des taktischen Verwundetentransports mit RW beleuchtet und dem Leser eine Übersicht, sowie das Handwerkszeug für eine sicherere Handlungsweise mitgegeben werden.

G. Röper, J. Stier, J. Schwietring

35. Tauchmedizin

Die Grundprinzipien der Tauchmedizin werden anhand der bei den verschiedenen Tauchgangsphasen vorherrschenden Einflussfaktoren und daraus resultierenden Verletzungs- bzw. Erkrankungsmuster beschrieben. Daran anschließend wird die Therapie von Tauch- und Ertrinkungsunfällen erläutert.

C. Neitzel, N. Vortkamp

36. Warme Klimazonen

Bei Einsätzen in warmen Klimazonen werden besondere Anforderungen an die sanitätsdienstliche Versorgung gestellt. Neben der akutmedizinischen Behandlung verschiedenster Hitzeschäden von Hitzschlag über Hyponatriämie und Rhabdomyolyse bis hin zu Muskelkrämpfen behandelt das Kapitel auch die relevanten präventivmedizinischen Aspekte, um z. B. die notwendige Wasserversorgung oder die zumutbare körperliche Belastung einschätzen zu können.

C. Neitzel, I. Ostfeld

37. Vergiftungen durch Tiere

Gifttierverletzungen im Bereich der taktischen Einsatzmedizin stellen eine seltene Verletzungsursache dar. Dennoch gibt es Einzelfallberichte, die ihre Bedeutung dramatisch unterstreichen. Ein limitierender Faktor dieser Thematik ist die immens hohe Anzahl von Gifttieren und dadurch mögliche Vergiftungen, so dass grundsätzliche Handlungsanweisungen wiedergegeben werden. Es ist deshalb von allergrößter Bedeutung, dass bei der Planung des Einsatzes Informationen zu spezifisch in der Region vorkommenden Gifttieren eingeholt werden. Möglichkeiten der Prävention, verschiedenen lokale und systemische Giftwirkungen und symptomorientierte Behandlungsstrategien werden nachfolgend ausführlich erläutert.

R. Lechner, F. Spies

38. Kalte Klimazonen

Dieses Kapitel stellt die thermischen Auswirkungen durch Kälte auf den Körper und die hierdurch hervorgerufenen Erkrankungen, wie die Unterkühlung und Erfrierungen vor. Vorbeugung und Behandlung der Kältefolgen werden aus Sicht der taktischen Medizin mit konkreten Handlungsanweisungen beschrieben.

U. Unkelbach, C. Neitzel, T. Schuck, E. Meister

Waffenwirkung

Frontmatter

39. Atomare Bedrohung (A-Bedrohung)

CBRN(E)-Gefahren

Radioaktive Stoffe sind mit krimineller Energie einfach zu beschaffen und können, da sie mit den Sinnesorganen des Menschen im Regelfall nicht detektierbar sind, sehr leicht zu einer vitalen Bedrohung von Menschenleben führen. Die tatsächliche biologische und die psychologische Wirkung von Anschlagszenarien mit nuklearen oder radiologischen Gefahren können weit voneinander abweichen. Apokalyptische Ängste und Mythen können auch bei Einsatzkräften zu unprofessionellem Handeln führen. Der vorliegende Beitrag zeigt mögliche Szenarien mit radioaktivem Material und die sinnvolle Reaktion der Abarbeitung durch speziell ausgebildete Einsatzkräfte auf. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die persönliche Schutzausrüstung und die Erlangung der Fähigkeit, diese Gefahrenlagen objektiv einschätzen zu können.

W. Kirchinger

40. Biologische Bedrohung

In diesem Kapitel wird auf die Besonderheiten von Krankheitserregern eingegangen, die besonders im Bereich der sog. Ersthelfer/»First Responder« sowohl auf militärischer als auch ziviler Seite zu beachten sind. Nicht nur die zunehmenden Resistenzen der Erreger gegenüber Therapeutika, sondern auch das Auftreten neuer bzw. bereits zurückgedrängter oder ausgerotteter Infektionskrankheiten (z. B. »Polio«) werden regelmäßig beobachtet. Sofern es sich dabei um gefährliche, d. h. lebensbedrohliche, hoch ansteckende Infektionskrankheiten handelt, kommen diese vorwiegend in sog. Entwicklungsländern in sub- und tropischen Gebieten vor. Sie können aber auch über den internationalen Reise- und Handelsverkehr importiert werden. Darüber hinaus könnten die Erreger solcher Infektionskrankheiten möglicherweise von kriminellen bzw. terroristischen Gruppierungen für Anschläge als biologische Waffen missbraucht werden.

D. Frangoulidis

41. Chemische Bedrohung

Chemische Kampfstoffe sind zur Kriegsführung produzierte toxische Chemikalien, die zu einer temporären Handlungsunfähigkeit, Dauerschädigung oder Tod führen können. Bei dem geringsten Verdacht auf die Freisetzung von C-Kampfstoffen muss der Rettungseinsatz mit angelegter persönlicher Schutzausrüstung (Atemschutzmaske mit Aktivkohlefilter, Schutzanzug) fortgesetzt werden, da ohne suffizienten Eigenschutz ein weiteres Vorgehen zu Ausfällen oder Todesfällen des Rettungspersonals führen kann. C-Kampfstoffe werden unterteilt in Nerven-, Haut-, Blut-, Lungen- und Psychokampfstoffe. Das Kapitel beschreibt die einzelnen Kampfstoffe, insbesondere ihre Symptomatik sowie die therapeutischen Optionen.

K. Kehe, D. Steinritz, H. Thiermann

42. Aufbau und Einsatz von Sprengfallen

Sprengfallen gelten heute als Waffe des asymmetrischen Krieges. Sie sind nicht neu, neu ist nur, dass sie zunehmend in das Bewusstsein der westlichen Welt zurückgekehrt sind. Politische Motive, Neugier oder kriminelle Gründe bewegen zum Bau von Sprengfallen. Pläne und Rezepte für den Bau der Sprengfallen liefert das Internet. Im folgenden Kapitel werden Aufbau, Wirkungsweise und Möglichkeiten zur Verbesserung des Eigenschutzes vorgestellt. Allerdings sollte jedem Soldaten in einem Einsatzland und auch jedem Rettungsassistenten in Deutschland klar sein: einen hundertprozentigen Schutz wird es nicht geben.

T. Enke

43. Konventionelle Bedrohung und Schutzausrüstung

Das Kapitel behandelt die vornehmlich auf dem Gefechtsfeld auftretenden konventionellen Bedrohungen, Munitionen/Geschosse und Kampfmittel, und deren mögliche Wirkung. Im Wesentlichen sind dies inerte Geschosse, splitterfreie Sprengladungen, Splitterladungen, projektilbildende Ladungen und Hohlladungen. Die wesentlichen Auftretensformen, Wirkungsweisen und sich daraus ergebende Gefährdungen werden beschrieben. Darüber hinaus wird ein Einblick in mögliche Schutzmaßnahmen bzw. Schutzausrüstungen aus den Bereichen geschützter Fahrzeuge und individueller Schutzausrüstung gegeben. Hier wird auf die ergreifbaren Schutzmaßnahmen, deren Schutzniveau und möglicher Restgefährdungen eingegangen.

P. Früh

Backmatter

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