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Zusammenhang zwischen beruflichen Belastungen und Läsionen der Rotatorenmanschette der Schulter

Ein Metareview aktueller systematischer Reviews

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Zusammenfassung

In einem Metareview von systematischen Reviews wurde der Zusammenhang zwischen beruflichen Belastungen durch Überschulterarbeit, repetitiven Bewegungen im Schultergelenk, Heben von Lasten und Hand-Arm-Schwingungen sowie Läsionen der Rotatorenmanschette der Schulter untersucht. Mit Medline und EMBASE wurden systematische Reviews zu diesem Thema gesucht, die zwischen 2021 und 2024 veröffentlicht wurden, und 3 systematische Reviews einbezogen. Der systematische Review von Diener et al. 2024 bestätigte die Berufskrankheit 2117. Der systematische Review von Curti et al. 2023 fand eine moderate Evidenz für eine ursächliche Beziehung zwischen kombinierten beruflichen Expositionen durch Überschulterarbeit und kraftvollen Bewegungen und einer Schultertendinopathie, nicht aber für einzelne Belastungen. In dem systematischen Review von Versloot et al. 2024 zeigte sich die stärkste Evidenz für den Zusammenhang zwischen Armhebung, repetitiven Schulterbewegungen, Kraftaufwendungen im Schulterbereich und Hand-Arm-Schwingungen mit einem Impingementsyndrom und einer Schultertendinopathie. Uneinheitliche Ergebnisse wurden für den Zusammenhang zwischen mechanischen Belastungen durch Kraftaufwendung, Körperhaltung, Repetition und Hand-Arm-Schwingungen mit dem Auftreten eines Rotatorenmanschetten-Syndroms festgestellt. Die Prüfung der zugrunde liegenden von Versloot et al. 2024 einbezogenen Primärstudien ergab, dass diese Schlussfolgerung nicht haltbar ist. Die Qualität der 3 systematischen Reviews war gering, weil alle erhebliche Fehlerquellen bei der Bewertung mit AMSTAR 2 und ROBIS zeigten. Insgesamt 9 Primärstudien wurden in diesen systematischen Review eingeschlossen, die nicht in der wissenschaftlichen Begründung für die Berufskrankheit 2117 zitiert wurden. Nur eine dieser 9 Studien (Dalbøge et al. 2020) war qualitativ hochwertig und bestätigte die Berufskrankheit 2117. Ferner ist uns eine weitere hochwertige Studie bekannt (Lewis et al. 2023), die in keinem der 3 systematischen Reviews erfasst wurde und die ebenfalls die Berufskrankheit 2117 bestätigt.

Zusatzmaterial online

Zusätzliche Informationen sind in der Online-Version dieses Artikels (https://doi.org/10.1007/s40664-025-00588-x) enthalten.
In diesem Artikel waren das Einreichungs- und das Annahmedatum nicht korrekt. Richtig sind der 3. 3. 2025 als Einreichungsdatum und der 18. 6. 2025 als Annahmedatum. Der Originalbeitrag wurde korrigiert.
Zu diesem Beitrag ist ein Erratum online unter https://doi.org/10.1007/s40664-026-00602-w zu finden.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Der Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten (ÄSVB) beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat am 14.09.2021 empfohlen, folgende Erkrankung in die Anlage 1 der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) aufzunehmen: „Läsion der Rotatorenmanschette der Schulter durch eine langjährige und intensive Belastung durch Überschulterarbeit, repetitive Bewegungen im Schultergelenk, Kraftanstrengungen im Schulterbereich durch Heben von Lasten oder Hand-Arm-Schwingungen“ [2]. Der ÄSVB ist nach § 7 Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) ein wissenschaftliches Gremium, das das BMAS bei der Prüfung der medizinischen Erkenntnisse zur Bezeichnung neuer und zur Erarbeitung wissenschaftlicher Stellungnahmen zu bestehenden Berufskrankheiten unterstützt. Die Bundesregierung hat am 12.12.2024 beschlossen, die oben genannte Berufskrankheit als Nummer 2117 in die Anlage 1 der BKV aufzunehmen. Nach der Zustimmung des Bundesrats wurde die Berufskrankheitenliste mit Wirkung vom 01.04.2025 um diese Berufskrankheit ergänzt [3].
Die o. g. Berufskrankheitenempfehlung des ÄSVB basiert unter anderem auf dem systematischen Review von Seidler et al. 2020 [4], der die Literatur zu diesem Thema bis zum 16.11.2018 eingeschlossen hat. Wegen des langen Zeitraums seit dieser Datenbankabfrage haben wir die Frage geprüft, ob seither neue Erkenntnisse publiziert wurden. Daher haben wir einen Metareview über systematische Reviews zu diesem Thema durchgeführt, die nach der wissenschaftlichen Begründung veröffentlicht wurden. Der Metareview hat folgende Fragestellung: Welcher Zusammenhang besteht zwischen beruflichen Belastungen durch Überschulterarbeit, repetitiven Bewegungen im Schultergelenk, Heben von Lasten und Hand-Arm-Schwingungen sowie Läsionen der Rotatorenmanschette der Schulter, beurteilt anhand von systematischen Reviews, die zwischen 2021 und 2024 veröffentlicht wurden.

Methodik

Der Metareview orientiert sich an dem PRIOR-Statement, einem Berichterstattungsleitfaden für Übersichten zu Reviews von Gesundheitsinterventionen [5].
Am 23.12.2024 wurde eine Suche in Medline mit dem Suchstring in Online-Tab. 1 durchgeführt. Am 22.01.2025 erfolgte eine zusätzliche Suche in EMBASE. Tab. 1 sind die Ein- und Ausschlusskriterien zu entnehmen. Wir haben systematische Reviews zu der Studienfrage unabhängig von der Sprache eingeschlossen, sofern ein Abstract auf Englisch oder Deutsch vorlag. Das Titel-Abstract-Screening und das Volltextscreening wurden von 2 Autoren (UBA und DR) unabhängig voneinander durchgeführt. Im Fall einer diskordanten Einstufung erfolgte eine Diskussion bis zu einer Einigung. Eingeschlossen wurden systematische Reviews, die sich mit der Forschungsfrage beschäftigten und zwischen 2021 und 2024 veröffentlicht wurden. Eventuelle Überlappungen zwischen den systematischen Reviews wurden durch manuellen Vergleich der eingeschlossenen Studien geprüft.
Tab. 1
Liste der Ein- und Ausschlusskriterien
Kategorie
Einschlusskriterien
Ausschlusskriterien
Population
Allgemeinbevölkerung: erwerbstätig, beide Geschlechter
Kinder, Studierende, Nichterwerbstätige, Tiere
Exposition
Berufliche Exposition durch Überschulterarbeit, repetitive Bewegungen im Schultergelenk, Kraftanwendungen im Schulterbereich durch Heben von Lasten oder Hand-Arm-Schwingungen
Fehlende berufliche Exposition durch Überschulterarbeit, repetitive Bewegungen im Schultergelenk, Kraftanwendungen im Schulterbereich durch Heben von Lasten oder Hand-Arm-Schwingungen
Outcome
Läsion der Rotatorenmanschette der Schulter, Impingementsyndrom
Alle anderen Erkrankungen
Design
Systematische Reviews
Narrative Reviews (auch narrative Reviews mit Metaanalysen), Primärstudien
Sprache
Alle Sprachen
Keine
Datum der Publikation (Zeit)
Ab 2021
Frühere Publikationen
Ferner wurden die Literaturverzeichnisse der eingeschlossenen Studien im Hinblick auf zusätzliche systematische Reviews von einem Autor (UBA) durchsucht. Zusätzlich wurde von einem Autor (UBA) ein Citation Tracking mit Google Scholar mit 3 wichtigen Studien über die Studienfrage durchgeführt [68].
Die Datenextraktion der eingeschlossenen systematischen Reviews wurde von einem Autor (UBA) durchgeführt und von einem weiteren Autor (DR) kontrolliert. Im Fall einer diskordanten Datenextraktion erfolgte eine Diskussion bis zu einer Einigung. Folgende Daten wurden extrahiert: Autoren, Jahr, Zeitraum der Literatursuche, Anzahl der eingeschlossenen Primärstudien, Ergebnisse und zusätzliche Primärstudien, die in der wissenschaftlichen Begründung zur Berufskrankheit 2117 nicht zitiert wurden.
Die Qualitätsbewertung der einbezogenen systematischen Reviews wurde mit AMSTAR 2 [9] und ROBIS [10] durchgeführt. Die Qualitätsbewertung erfolgte durch einen Autor (UBA) und wurde von einem zweiten Autor (DR) kontrolliert. Diskordante Bewertungen wurden unter diesen beiden Autoren bis zu einer Einigung diskutiert.
Die Methodik dieses Metareviews wurde a priori in PROSPERO (CRD42025638424) publiziert [11].

Ergebnisse

In das Titel-Abstract-Screening wurden 1782 Dokumente eingeschlossen. Davon wurden 1778 Studien ausgeschlossen, weil sie die Einschlusskriterien nicht erfüllen. Bei der Volltextsichtung wurde eine weitere Veröffentlichung ausgeschlossen. Bei der Durchsicht der Literaturverzeichnisse und beim Citation Tracking mit Google Scholar wurden keine zusätzlichen Studien gefunden. Insgesamt wurden 3 systematische Reviews [1214] einbezogen (Abb. 1). Dieser Abbildung sind ebenfalls die ausgeschlossene Studie sowie die Ausschlussgründe zu entnehmen.
Abb. 1
PRISMA Flow-Diagramm
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Die Datenextraktion ist in Tab. 2 dargestellt.
Tab. 2
Datenextraktion der eingeschlossenen systematischen Reviews
Autoren, Jahr, Referenz
Zeitraum der Suche
Eingeschlossene Primärstudien
Ergebnisse
Zusätzliche Studien1
Curti et al. 2023 [12]
01.11.2018–25.09.2022
52
Es fand sich eine moderate Evidenz für eine ursächliche Beziehung zwischen kombinierten beruflichen Expositionen durch Überschulterarbeit und kraftvollen Bewegungen und dem Risiko für eine Schultertendinopathie. Dagegen fand sich eine unzureichende Evidenz für den Zusammenhang zwischen einzelnen beruflichen Einwirkungen (Überschulterarbeit, repetitive Schulterbewegungen oder kraftvolle Bewegungen im Schultergelenk) und dem Risiko für eine Schultertendinopathie. Der berufliche Risikofaktor Hand-Arm-Schwingung wurde nicht betrachtet. Es wurde keine Metaanalyse durchgeführt
[15, 16]
Diener et al. 2024 [13]
1991–30.03.2020
13
Risikofaktoren für Schäden der Rotatorenmanschette in einer Metaanalyse:
Überkopfarbeit: OR = 2,23 (95 % KI 1,98–2,52)
Repetitive Arbeit: OR = 2,17 (95 % KI 1,92–2,46)
Hand-Arm-Vibration: OR = 1,59 (95 % KI 1,13–2,23)
Heben/Tragen schwerer Lasten: OR = 1,57 (95 % KI 1,15–2,15)
Unbekannt3
Versloot et al. 2024 [14]
Bis April 2022
14
Die stärkste Evidenz fand sich für den Zusammenhang zwischen Armhebung, repetitiven Schulterbewegungen, Kraftaufwendungen im Schulterbereich und Hand-Arm-Schwingungen mit dem Risiko für ein Impingementsyndrom und eine Schultertendinopathie. Uneinheitliche Ergebnisse wurden für den Zusammenhang zwischen mechanischen Belastungen durch Kraftaufwendung, Körperhaltung, Repetition und Hand-Arm-Schwingungen mit dem Risiko für ein Rotatorenmanschetten-Syndrom festgestellt. Es wurde keine Metaanalyse durchgeführt
[15, 1723]
1Im Vergleich zur wissenschaftlichen Begründung für die Berufskrankheit 2117 [2]
2Es wurden nur Studien eingeschlossen, in denen die berufliche Exposition messtechnisch bestimmt und die Diagnose nach einer körperlichen Untersuchung gestellt wurde
3Dem systematischen Review von Diener et al. 2024 ist nicht zu entnehmen, welche 13 Studien eingeschlossen wurden

Der systematische Review von Curti et al. 2023

In dem systematischen Review von Curti et al. 2023 [12] wurden lediglich 5 Primärstudien eingeschlossen, bei denen die Höhe der beruflichen Exposition messtechnisch bestimmt oder im Rahmen einer Videoanalyse ermittelt wurden und die Diagnose einer Schultertendinopathie nach körperlicher Untersuchung gestellt wurde. In dem systematischen Review fand sich eine moderate Evidenz für eine ursächliche Beziehung zwischen kombinierten beruflichen Expositionen durch Überschulterarbeit und kraftvollen Bewegungen und dem Risiko für eine Schultertendinopathie. Dagegen fand sich eine unzureichende Evidenz für den Zusammenhang zwischen einzelnen Schulterbelastungen (Überschulterarbeit, Repetition und kraftvolle Bewegungen) und Schultertendinopathie. Die Qualitätsbewertung des systematischen Reviews von Curti et al. 2023 ist E‑Tab. 2 und 3 zu entnehmen. Bei der Bewertung nach AMSTAR 2 wurde die Qualität des systematischen Reviews von Curti et al. 2023 als kritisch niedrig bewertet, weil die Qualitätskriterien in 3 kritischen Domänen nicht erfüllt waren (wesentliche Abweichung vom PROSPERO-Protokoll, fehlende Suche in einer zweiten Datenbank und fehlende Begründung für den Ausschluss von Studien, Online-Tab. 2). Auch bei der Bewertung nach ROBIS zeigte der systematische Review von Curti et al. 2023 erhebliche Fehlerquellen, darunter eine wesentliche Abweichung vom PROSPERO-Protokoll, ungeeignete Ausschlusskriterien, fehlende Suche in einer zweiten Datenbank, fehlerhafte Datenextraktion und fehlende Studien, die die Einschlusskriterien erfüllen (Online-Tab. 3).

Der systematische Review von Diener et al. 2024

In dem systematischen Review von Diener et al. 2024 [13] fand sich in Metaanalysen ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Überkopfarbeit (Odds-Ratio [OR] = 2,23; 95 % Konfidenzintervall [KI] 1,98–2,52), repetitiver Arbeit (OR = 2,17; 95 % KI 1,92–2,46), Hand-Arm-Vibration (OR = 1,59; 95 % KI 1,13–2,23) sowie Heben und Tragen schwerer Lasten (OR = 1,57; 95 % KI 1,15–2,15) und dem Risiko für eine Läsion der Rotatorenmanschette der Schulter. Die Bewertung dieses systematischen Reviews nach AMSTAR 2 zeigte eine kritisch niedrige Qualität, weil die Qualitätsanforderungen in 4 kritischen Domänen nicht erfüllt waren (fehlendes PROSPERO-Protokoll, unzureichender Suchstring, fehlende Aktualität der Datenbanksuche, fehlende Datenextraktion, fehlende Angaben, welche 13 Studien in den systematischen Review einbezogen wurden, fehlende Bewertung der Heterogenität und des Publikationsfehlers sowie fehlende Angaben zur Forschungsförderung der Studie [Online-Tab. 4]). Auch die Bewertung nach ROBIS ergab ein hohes Fehlerrisiko des systematischen Reviews von Diener et al. 2024 (fehlendes PROSPERO-Protokoll, fehlende zusätzliche Methoden zur Literatursuche wie die Durchsicht der Literaturverzeichnisse der einbezogenen Studien oder ein Citation Tracking, unzureichender Suchstring und fehlende Angabe, ob die Durchsicht der Volltexte und die Fehlerbewertung von zwei Autoren durchgeführt wurde, Online-Tab. 5).

Der systematische Review von Versloot et al. 2024

In dem systematischen Review von Versloot et al. 2024 [14] fand sich die stärkste Evidenz für den Zusammenhang zwischen Armhebung, repetitiven Schulterbewegungen, Kraftaufwendungen im Schulterbereich und Hand-Arm-Schwingungen mit dem Auftreten eines Impingementsyndroms und einer Schultertendinopathie. Uneinheitliche Ergebnisse wurden für den Zusammenhang zwischen mechanischen Belastungen durch Kraftaufwendung, Körperhaltung, Repetition und Hand-Arm-Schwingungen mit einem Rotatorenmanschetten-Syndrom festgestellt. Von den 5 Kohortenstudien über den Zusammenhang zwischen beruflichen Schulterbelastungen und Rotatorenmanschetten-Syndrom waren nur 2 positiv [21, 24] und 3 Studien negativ [15, 17, 18]. Die Bewertung des systematischen Reviews von Versloot et al. 2024 nach AMSTAR 2 ergab eine kritisch niedrige Qualität, weil die Qualitätskriterien in 2 wichtigen Domänen nicht erfüllt waren (wesentliche Abweichung vom PROSPERO-Protokoll, fehlende zusätzliche Literatursuche wie Durchsicht der Literaturverzeichnisse der einbezogenen Primärstudien oder ein Citation Tracking und fehlende Angaben zu den ausgeschlossenen Studien und die Ausschlussgründe, Online-Tab. 6). Auch die Bewertung nach ROBIS ergab ein hohes Fehlerrisiko (ungeeignete Ausschlussgründe, fehlende Angaben, ob eine Studie in anderen Sprachen als Englisch oder graue Literatur ausgeschlossen wurde, fehlende zusätzliche Literatursuche wie Durchsicht der Literaturverzeichnisse der einbezogenen Primärstudien oder ein Citation Tracking, ungenaue Datenextraktion, fehlende Primärstudien, die die Einschlusskriterien erfüllen, fehlende Metaanalyse sowie fehlende Bewertung der Heterogenität und des Publikationsfehlers, Online-Tab. 7).

Diskussion

Erläuterungen zu den einbezogenen systematischen Reviews

Wir haben in diesen Metareview 3 systematische Reviews über den Zusammenhang zwischen beruflichen Schulterbelastungen und Läsionen der Rotatorenmanschette einbezogen. Der systematische Review von Diener et al. 2024 bestätigte im Wesentlichen den Zusammenhang im Sinne der Berufskrankheit 2117. Dies trifft ebenfalls auf das Teilergebnis des systematischen Reviews von Versloot et al. 2024 über den Zusammenhang zwischen Schulterbelastungen und Schultertendinopathie zu. Dagegen kam der systematische Review von Versloot et al. 2024 zu dem Ergebnis, dass der Zusammenhang zwischen beruflichen Schulterbelastungen durch Kraftaufwendung, Körperhaltung, Repetition und Hand-Arm-Schwingungen und dem Rotatorenmanschetten-Syndrom inkonsistent sei. Nur 2 von 5 prospektiven Studien seien für diesen Zusammenhang positiv [21, 24] und 3 Studien negativ [15, 17, 18]. Diese 3 negativen Studien werden wie folgt bewertet:
In die Studie von Bugajska et al. 2013 [17] wurden 725 Beschäftigte in Verwaltungen, der Metallverarbeitung, der Montage von Elektrogeräten sowie Transportarbeiter in der Kosmetikindustrie in Polen untersucht. Die Teilnahmequote wurde nicht mitgeteilt. Daher kann eine sehr niedrige Teilnahmequote mit erheblicher Verzerrung im Vergleich zur gesamten Studienpopulation nicht ausgeschlossen werden. Für die Expositionsbewertung psychischer Arbeitsbelastungen wurde der Job Content Questionnaire (JCQ) von Karasek et al. 1998 [25] verwendet. In diesem Fragebogen wird die Höhe psychischer Arbeitsbelastungen, die Höhe des Entscheidungsspielraums und der sozialen Unterstützung ermittelt. Ferner werden in dem JCQ auch 5 Fragen zu mechanischen Belastungen am Arbeitsplatz (Physical Job Demands) zur Höhe der körperlichen Anstrengung, zum Heben schwerer Lasten, zu schnellen körperlichen Aktivitäten, zu unbequemen Körperhaltungen und zu unbequemen Armhaltungen gestellt. Der Studie von Bugajska et al. 2013 ist nicht zu entnehmen, wie aus diesen Fragen ein Summenindex gebildet wurde. In der Studie von Bugajska et al. 2013 wurde eine Tendinopathie der Rotatorenmanschette bei einer körperlichen Untersuchung nach dem Vorschlag von Sluiter et al. 2001 [26] diagnostiziert. Sluiter et al. 2001 (S. 19–20) haben vorgeschlagen, dass ein Rotatorenmanschetten-Syndrom diagnostiziert werden kann, wenn positive Funktionstests für eine Schädigung der Rotatorenmanschette (Schmerzen in der Schulter bei der Abduktion sowie Außen- oder Innenrotation des Schultergelenks gegen Widerstand), eine subakromiale Bursitis (schmerzhafter Bogen beim aktiven Heben des Arms) oder eine Bizepstendinopathie (Schmerzen in der Schulter bei der Beugung des Ellenbogengelenks gegen Widerstand) vorliegen. Diese Definition widerspricht der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10), die eine Läsion der Rotatorenmanschette (M75.1) als nichttraumatischen Riss oder Teilriss der Rotatorenmanschette definiert [27]. Die Tendinitis des Musculus biceps brachii (M75.2) und die Bursitis im Schulterbereich (M75.5) gehören nach der ICD-10 nicht zur Läsion der Rotatorenmanschette (M75.1). Nach Buckup 2019 [28, S. 149 und 158] spricht ein Schmerz in der Schulter bei Abduktion des Arms zwischen 60 und 120° für ein Impingementsyndrom (schmerzhafter Bogen I). Schmerzen im Schultergelenk bei der Abduktion zwischen 140 und 180° sprechen dagegen für eine Erkrankung des Akromioklavikulargelenks (schmerzhafter Bogen II). Weder der Veröffentlichung von Sluiter et al. 2001 noch von Bugajska et al. 2013 ist zu entnehmen, bei welchem Grad der Armabduktion ein Schmerz im Bereich der Schulter beurteilt wurde. Nach der ICD-11, die im Jahr 2022 von der Weltgesundheitsorganisation verabschiedet, aber in Deutschland noch nicht eingeführt wurde, werden Läsionen der Rotatorenmanschette als FB53.1 kodiert. Zu dieser Kodierung gehören u. a. eine Rotatorenmanschettenruptur, ein Rotatorenmanschettenriss und das Impingementsyndrom, nicht jedoch eine Arthrose des Akromioklavikulargelenks (FB34Y), die Tendinitis des Musculus biceps brachii (FB40.Y) und die Tendinitis calcarea (FB53.1). Es gibt weiterhin einen separaten Code für das Impingementsyndrom der Schulter (FB53.2). Darunter wird ein klinisches Syndrom verstanden, das auftritt, wenn die Sehnen der Rotatorenmanschetten-Muskulatur beim Durchtritt durch den subakromialen Raum gereizt werden und sich entzünden [29, 30]. Der ICD-11 ist nicht zu entnehmen, wann ein Impingementsyndrom der Schulter als FB53.1 und wann als FB53.2 zu kodieren ist. Literatur zu diesem Thema haben wir nicht gefunden. In der nationalen klinischen Richtlinie für die Diagnostik und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit ausgewählten Schultererkrankungen in Dänemark aus dem Jahr 2011 steht zu diesem Thema Folgendes: „Das Impingementsyndrom und das Rotatorenmanschetten-Syndrom sind unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Krankheit“ [31]. Die Dänische Berufskrankheit C5.1 lautet Rotatorenmanschetten-Syndrom/Impingementsyndrom [32]. Die AWMF-Leitlinie Rotatorenmanschetten-Syndrom aus dem Jahr 2017 ist abgelaufen und wird gegenwärtig überarbeitet. Die Kodierung nach ICD-11 berücksichtigt diese Leitlinie aus zeitlichen Gründen nicht [33]. Dasselbe gilt für die AWMF-Leitlinie subakromiales Impingement aus dem Jahr 2021 [34]. Aus den o. g. Gründen gehen wir davon aus, dass es starke Überschneidungen zwischen dem Rotatorenmanschetten-Syndrom und dem Impingementsyndrom gibt. Das Untersuchungsverfahren nach Sluiter et al. 2001 erfasst somit nicht ausschließlich eine Läsion der Rotatorenmanschette (ICD-11: FB53.1), sondern auch eine Tendinitis des Musculus biceps brachii (ICD-11: FB40.Y), ein subakromiales Impingementsyndrom (ICD-11: FB53.2) und eine Arthrose des Akromioklavikulargelenks (ICD-11: FB34Y). Bei der Studie von Bugajska et al. 2013 handelt es sich um eine prospektive Studie. An der Ersterhebung waren 725 Beschäftigte aus verschiedenen Betrieben beteiligt, darunter Verwaltungen, Metallverarbeitung, Montage von elektrischen Geräten und kosmetische Industrie. Angaben zur Teilnahmequote fehlen. An der Zweiterhebung nach einem Jahr nahmen 542 Beschäftigte teil. Der Loss-to-Follow-up ist mit 25,2 % hoch. Die Prävalenz einer Tendinopathie der Rotatorenmanschette lag in Untersuchung eins bei 22,5 % und sank in Untersuchung zwei statistisch signifikant auf 15,4 % ab. Die OR für eine Tendinopathie der Rotatorenmanschette durch die Höhe körperlicher Belastungen (Physical Job Demands) lag bei 1,23 (95 % KI 0,89–1,71). Der Studie von Bugajska et al. 2013 ist nicht zu entnehmen, ob sich diese OR auf die Prävalenz der Tendinopathie der Rotatorenmanschette während der ersten oder zweiten Untersuchung bezieht. Der Studie ist lediglich zu entnehmen, dass diese OR keinen Bezug zu der Inzidenz der Tendinopathie der Rotatorenmanschette hat.
Entgegen der Aussage in dem systematischen Review von Versloot et al. 2024 ist die Studie von Bugajska et al. 2013 mit folgender Begründung ungeeignet, den Zusammenhang zwischen Kraftaufwendungen, Repetition, Körperhaltung und Hand-Arm-Schwingungen und dem Risiko für ein Rotatorenmanschetten-Syndrom in einer prospektiven Studie zu untersuchen:
1.
Die Studie macht keine isolierten Aussagen zur Exposition der Rotatorenmanschette durch Kraftaufwendungen, Repetition, Körperhaltung und Hand-Arm-Schwingungen, sondern nur zu einem Summenindex durch mechanische Belastungen am Arbeitsplatz (Physical Job Demands) zur Höhe der körperlichen Anstrengung, zum Heben schwerer Lasten, zu schnellen körperlichen Aktivitäten, zu unbequemen Körperhaltungen und zu unbequemen Armhaltungen. Einzelne Auswertungen, z. B. zum Heben schwerer Lasten, wurden nicht durchgeführt.
 
2.
Das in der Studie verwendete Untersuchungsverfahren macht keine Aussagen zum Risiko für ein Rotatorenmanschetten-Syndrom (ICD-11: FB53.1), sondern zu mehreren Schultererkrankungen wie eine Tendinitis des Musculus biceps brachii (ICD-11: FB40.Y), ein subakromiales Impingementsyndrom (ICD-11: FB53.2) und eine Arthrose des Akromioklavikulargelenks (ICD-11: FB34Y). Wie häufig die einzelnen Schultererkrankungen in dem untersuchten Kollektiv waren, ist der Publikation nicht zu entnehmen. Auf die starke Überschneidung der Diagnosen Rotatorenmanschetten-Syndrom und Impingementsyndrom wird verwiesen.
 
3.
Es handelt sich um keine prospektive Studie, weil Probanden mit Rotatorenmanschetten-Syndrom bei der ersten Querschnittstudie nicht für den Follow-up ausgeschlossen wurden.
 
In die Studie von Arcury et al. 2016 [35] wurden 518 Beschäftigte in verschiedenen Betrieben in den USA, darunter 36 % in der Geflügelverarbeitung, einbezogen. Die Teilnahmequote lag bei 69,8 %. Die Höhe der beruflichen Belastung wurde durch eine Befragung mit dem Instrument von Bot et al. 2004 [36] ermittelt. Für die Variable „Hohe Belastung“ (Heavy Load) wurden 12 Fragen und für die Variable „Unangenehme Haltung“ (Akward Posture) 6 Fragen des Instrumentes von Bot et al. 2004 berücksichtigt. Der Veröffentlichung von Arcury et al. 2016 ist nicht zu entnehmen, um welche der 26 Fragen des Instrumentes von Bot et al. 2004 es sich dabei handelt. Nach Arcury (2025) [37] wurden für die Variable „Hohe Belastung“ folgende Expositionen berücksichtigt: Stehen, Gehen, Knien, Hocken, Überschulterarbeit, Arbeit mit den Händen unterhalb der Knie, Lastenhandhabung, kraftvolle Bewegungen mit den Armen und körperlich schwere Arbeit. Für die Variable „Unangenehme Haltung“ wurden folgende Belastungen berücksichtigt: repetitive Bewegungen, Vorwärtsneigung des Nackens, Drehung des Nackens, Drehung der Handgelenke, statische Haltung und unbequeme Haltung. In der Studie von Arcury et al. 2016 wurde ein Rotatorenmanschetten-Syndrom diagnostiziert, wenn die Probanden Schulterschmerzen an zwei oder mehr Tagen im letzten Monat angaben und bei der körperlichen Untersuchung einer der folgenden Befunde vorlag: Schmerzen in der Schulter bei der Abduktion, Innenrotation, Außenrotation oder Anteversion im Schultergelenk gegen Widerstand oder Nachweis einer Druckempfindlich im Bereich des Sulcus bicipitalis. Während Schmerzen in der Schulter bei der Abduktion, Innenrotation, Außenrotation oder Anteversion im Schultergelenk gegen Widerstand nach der wissenschaftlichen Begründung für die Berufskrankheit 2117 [2] geeignete Untersuchungsverfahren für die Diagnose einer Läsion der Rotatorenmanschette darstellen, handelt es sich beim Nachweis einer Druckempfindlichkeit im Bereich des Sulcus bicipitalis um einen Hinweis für das Vorliegen einer Tendinopathie im Bereich der langen Bizepssehne [28]. Bei der Studie von Arcury et al. 2016 handelt es sich entgegen der Annahme von Versloot et al. 2024 um keine lege artis durchgeführte prospektive Kohortenstudie. Dies begründet sich damit, dass in der Untersuchung Probanden mit einer Diagnose eines Rotatorenmanschetten-Syndroms während der ersten von zwei Querschnittsuntersuchungen nicht ausgeschlossen wurden. Folglich wurde in der Studie keine Inzidenzratio für das Rotatorenmanschetten-Syndrom berechnet, sondern eine Prävalenz-OR. Die Prävalenz des Rotatorenmanschetten-Syndroms lag in der ersten Querschnittstudie bei 12,2 % und in der zweiten Querschnittstudie ein Jahr später bei 6,5 %. Die Prävalenz-OR für ein Rotatorenmanschetten-Syndrom durch hohe Belastung lag bei 0,59 (95 % KI 0,10–3,59) und durch unbequeme Haltung bei 2,10 (95 % KI 0,83–5,27). Der Veröffentlichung ist nicht zu entnehmen, ob sich die Prävalenz-OR auf die erste oder zweite Querschnittsuntersuchung bezieht. Auswertungen für den Zusammenhang zwischen spezifischen Schulterbelastungen, z. B. Überschulterarbeit oder Lastenhandhabung, und einem Rotatorenmanschetten-Syndrom wurden nicht durchgeführt. Entgegen der Aussage in dem systematischen Review von Versloot et al. 2024 ist die Studie von Arcury et al. 2016 mit folgender Begründung ungeeignet, den Zusammenhang zwischen Kraftaufwendung, Repetition, Körperhaltung und Hand-Arm-Schwingungen und dem Risiko für ein Rotatorenmanschetten-Syndrom in einer prospektiven Studie zu untersuchen:
1.
Die einbezogenen Expositionsarten betreffen zu einem erheblichen Teil nicht die Schulter, weil die Variable „Hohe Belastung“ Stehen, Gehen, Knien, Hocken, Arbeit mit den Händen unterhalb der Knie und die Variable „Unangenehme Haltung“ Drehung der Handgelenke berücksichtigt. Hand-Arm-Schwingungen wurden gar nicht untersucht.
 
2.
Die Diagnose Rotatorenmanschetten-Syndrom berücksichtigt nicht nur eine Läsion der der Rotatorenmanschette, sondern auch der langen Bizepssehne.
 
3.
Ferner handelt es sich um keine prospektive Studie, weil Probanden mit der Diagnose eines Rotatorenmanschetten-Syndroms während der ersten von zwei Querschnittsuntersuchungen nicht ausgeschlossen wurden.
 
Meyers et al. 2023 [15] veröffentlichten eine prospektive Studie bei 451 Beschäftigten in der Metallindustrie (Maschinenbau und Busherstellung) und in Krankenhäusern (Lager, Labor, Apotheke, Technik sowie chirurgische, Küchen‑, Wäscherei- und Verwaltungsunterstützung) in den USA [38]. Die Teilnahmequote an der Basisuntersuchung lag bei 74 % [38]. 393 Beschäftigte nahmen nach einem Jahr an einer Nachuntersuchung teil. Der Loss-to-Follow-up war mit 12,9 % moderat. Bei der Studie handelt es sich ursprünglich um eine prospektive Studie zu den beruflichen Risikofaktoren des Karpaltunnelsyndroms [3840]. Die erforderliche Kraftaufwendung im Bereich der Hände wurde mit einer modifizierten Borg-Skala erfasst. Dabei wurden Videoaufnahmen von geschulten Ergonomen oder Arbeitshygienikern beurteilt und dabei der Gesichtsausdruck der Beschäftigten und muskuläre Aktivitäten bewertet. Eine Messung der gehandhabten Lastgewichte fand nicht statt. Die Häufigkeit und Dauer des Hebens und Tragens von schweren Lasten wurden nicht ermittelt. Die Höhe der maximalen Greifkraft wurde bei den Probanden ermittelt und die bei den beobachteten Tätigkeiten ermittelte Spitzenkraft zur maximalen Greifkraft in Beziehung gesetzt [40]. Ferner wurden verschiedene Maße des amerikanischen Hand Activity Levels beurteilt [15]. Die von der American Conference of Governmental Industrial Hygienists (ACGIH) im Jahr 2001 [41] veröffentlichten Daten zu einem Hand Activity Level stellen keine Grenzwerte im engeren Sinn dar, ab denen eine entsprechende Erkrankung auftritt, sondern beschreiben Expositionsmaße aus einer Kombination der gemittelten Handaktivität als Maß der Repetition und der von den Händen verrichteten normalisierten Spitzenkraft, die ein Auftreten von muskuloskeletalen Erkrankungen der oberen Extremität wahrscheinlich machen [41]. Der Zusammenhang zwischen dem Hand Activity Level und Erkrankungen der oberen Extremität wurde bislang ausschließlich für das Karpaltunnelsyndrom nachgewiesen [42] und war für Epikondylitis lateralis statistisch nicht signifikant [43]. Der Hand Activity Level hat Eingang in die wissenschaftliche Begründung für die Berufskrankheit 2113 Karpaltunnelsyndrom gefunden [44] und wird von den Unfallversicherungsträgern bei der Beurteilung der beruflichen Voraussetzungen für diese Berufskrankheit angewendet. In der Beurteilung der beruflichen Voraussetzungen für die Berufskrankheit 2117 spielt der Hand Activity Level keine Rolle [2]. Ferner wurde in der Studie von Meyers et al. 2023 anhand von Videoaufnahmen durch trainierte Ergonomen und Arbeitshygieniker das Ausmaß der Armhebung betreffend Abduktion und Flexion (Anteversion) beurteilt. Die Verwendung von Maschinen, die zu einer Hand-Arm-Vibration führen, wurde registriert und eine Ja/Nein-Variable gebildet. Die Höhe der Hand-Arm-Vibration wurde nicht abgeschätzt. Meyers et al. 2023 haben ein Rotatorenmanschetten-Syndrom nach Sluiter et al. 2001 [26] diagnostiziert, wenn Schulterschmerzen bei einer Abduktion, einer Innenrotation oder einer Außenrotation im Schultergelenk auftraten, ein schmerzhafter Bogen bei 60–120° Armhebung im Schultergelenk bestand oder ein Schulterschmerz bei Flexion im Ellbogengelenk gegen Widerstand auftrat (Meyers et al. 2023, Supplemental Fig. 3). Schulterschmerzen bei einer Abduktion, einer Innenrotation oder einer Außenrotation im Schultergelenk sind ein geeignetes Verfahren zur Diagnose einer Läsion der Rotatorenmanschette [2]. Ein schmerzhafter Bogen bei 60–120° Armhebung im Schultergelenk ist ein Diagnoseverfahren für ein Impingementsyndrom (Buckup 2019 [28, S. 149]). Dagegen handelt es sich bei dem Nachweis von Schulterschmerzen bei Flexion im Ellbogengelenk gegen Widerstand um ein Verfahren zur Diagnose einer Tendinitis des Musculus biceps brachii (Palmer et al. 2000 [45], Sluiter et al. 2001 [26]). Nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) handelt es sich bei einer Läsion der Rotatorenmanschette (M75.1) um eine Ruptur oder Teilruptur der Rotatorenmanschette, die nicht nach einem Trauma aufgetreten ist [27]. Die Tendinitis des Musculus biceps brachii stellt keine Läsion der Rotatorenmanschette dar, sondern ist nach der ICD [27] eine eigenständige Erkrankung (M75.2). Auch beim Impingementsyndrom handelt es sich nach der ICD um keine Läsion der Rotatorenmanschette, sondern um eine eigenständige Erkrankung (M75.4). In der Studie fand sich ein statistisch signifikant um den Faktor 19,57 (95 % KI 5,96–64,24) erhöhtes Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom beim Vergleich von Probanden, die über 60 % der Arbeitszeit kraftvolle Bewegungen mit den Händen ausführten, im Vergleich zu Probanden, die dies zu weniger als 20 % der Arbeitszeit taten [39]. Dagegen fand sich in der Studie von Meyers et al. 2023 kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einzelnen mechanischen Einwirkungen (repetitive Bewegungen der Hände, kraftvolle Bewegungen der Hände oder Hand-Arm-Schwingungen) und einem Rotatorenmanschetten-Syndrom. Dagegen bestand ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für ein Rotatorenmanschetten-Syndrom, wenn gleichzeitig mehrere mechanische Einwirkungen auftraten. Zum Beispiel zeigte sich dies bei Probanden, die eine kraftvolle repetitive Bewegung der Hände ausführten und gleichzeitig den Arm um mindestens 60° für mindestens 5 % der Arbeitszeit abduziert hatten (Hazard-Ratio für Rotatorenmanschetten-Syndrom = 1,16; 95 % KI 1,04–1,29).
Im Gegensatz zur Interpretation in dem systematischen Review von Versloot et al. 2024 macht die Studie von Meyers et al. 2023 mit folgender Begründung keine spezifischen Aussagen über den Zusammenhang zwischen einer Einwirkung durch Kraft, Repetition, Armhaltung und Hand-Arm-Vibration auf die Schultergelenke sowie ihrer Kombinationen mit dem Auftreten eines Rotatorenmanschetten-Syndroms:
1.
Die Expositionsermittlung zum Hand Activity Level betraf Belastungen im Bereich der Hände durch kraftvolle Bewegungen und Repetition. Diese Belastungen führen nicht immer zu einer Belastung der Schultergelenke. Beispielsweise kann eine hohe Repetition im Bereich der Handgelenke durch wiederholte Extension und Flexion oder Innen- und Außenrotation ausgeführt werden, ohne dass gleichzeitig im Schultergelenk eine wesentliche Bewegung stattfindet.
 
2.
Die Belastung der Schultergelenke durch Lastenhandhabung, die für die Berufskrankheit 2117 wesentlich ist [2], wurde nicht berücksichtigt.
 
3.
Die Belastung der Schultergelenke durch Hand-Arm-Vibration wurde nur in Form einer Ja/Nein-Variable erfasst und nicht quantifiziert.
 
4.
Mit dem angewendeten Untersuchungsverfahren wurde nicht nur eine Läsion der Rotatorenmanschette (ICD-11: FB53.1), sondern auch ein subakromiales Impingementsyndrom (ICD-11: FB53.2) und eine Tendinitis des Musculus biceps brachii (ICD-11: FB40.Y) diagnostiziert. Wie häufig die einzelnen Schultererkrankungen in dem untersuchten Kollektiv waren, ist der Publikation nicht zu entnehmen. Erneut weisen wir auf die starke Überschneidung der Diagnosen Rotatorenmanschetten-Syndrom und Impingementsyndrom hin.
 
5.
In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass in der Kohortenstudie von Dalbøge et al. 2020 [20] der Zusammenhang zwischen Armhebung, repetitiven Schulterbewegungen und Kraftaufwendungen im Schultergelenk mit einer Tendinitis im Bereich des Musculus biceps brachii (M75.1) jeweils nicht statistisch signifikant erhöht ist. Lediglich der Zusammenhang zwischen Hand-Arm-Schwingungen und einer Tendinitis im Bereich des Musculus biceps brachii ist statistisch signifikant. Dagegen ist der Zusammenhang zwischen Armhebungsjahren (OR = 2,4; 95 % KI 2,1–2,8), Repetitionsjahren (OR = 2,2; 95 % KI 1,9–2,5), Kraftjahren (OR = 1,9; 95 % KI 1,6–2,2) und Hand-Arm-Schwingungsjahren (OR = 1,6; 95 % KI 1,4–1,8), jeweils in der höchsten Dosisklasse, und dem Risiko für eine Läsion der Rotatorenmanschette (M75.1) statistisch signifikant erhöht.
 
6.
Im Gegensatz zu dem systematischen Review von Versloot et al. 2024 fand sich ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für ein Rotatorenmanschetten-Syndrom bei Kombination verschiedener Einwirkungen, z. B. Repetition und Kraftaufwendung im Bereich der Hände.
 
7.
Die statistische Power der Studie ist, wie die Autoren selbst einräumen, mit 39 inzidenten Fällen eines Rotatorenmanschetten-Syndroms begrenzt.
 
Sowohl in dem systematischen Review von Curti et al. 2023 als auch von Versloot et al. 2024 wurden Primärstudien, in denen die Abschätzung der Exposition auf einer Job-Expositions-Matrix (JEM) basiert, ausgeschlossen. Dies lehnen wir mit folgender Begründung ab:
1.
Curti et al. 2023 haben den Ausschluss von Primärstudien, bei denen die Expositionsabschätzung auf einer JEM basiert, damit begründet, dass Beschäftigte mit Muskel-Skelett-Erkrankungen häufiger berufliche Belastungen angeben als Beschäftigte ohne diese Erkrankungen. Begründet wird diese Annahme mit den beiden folgenden Studien: Balogh et al. 2004 [46] haben in einer Querschnittsstudie bei 48 Reinigungskräften und 41 Bürobeschäftigten in Schweden die Höhe von Belastungen durch Gehen mit Pedometern und durch Sitzen und Stehen mit Posimetern objektiv gemessen und die Exposition bei den Probanden erfragt. Beschäftigte mit Beschwerden im Bereich der Schulter und/oder des Nackens gaben subjektive eine höhere Belastung an als Beschäftigte ohne diese Beschwerden. Die objektiv gemessenen Belastungen dagegen waren bei den Beschäftigten mit Beschwerden niedriger als bei Beschäftigten ohne Beschwerden. Neupane et al. 2020 [47] haben in einer prospektiven Studie die Höhe der körperlichen Belastung durch Gehen, Laufen, Fahrradfahren oder Treppensteigen bei 553 Altenpflegerinnen in Dänemark mit Akzelerometern am Oberschenkel objektiv bestimmt und die Höhe subjektiv empfundene körperlicher Belastungen erfragt. Die Teilnahmequote an der Basisuntersuchung lag bei 59 %. An einer Nachbefragung ein Jahr später nahmen 441 Beschäftigte teil. Der Loss-to-Follow-up war mit 16 % moderat. Die Häufigkeit von Schmerzen in verschiedenen Körperbereichen wurden erfragt. Es fand sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen subjektiv angegebenen ausgeprägten körperlichen Belastungen bei der Basisuntersuchung und der Angabe von Schmerzen in verschiedenen Körperbereichen bei der Nachuntersuchung (relatives Risiko = 1,24 [95 % KI 1, 05‑1, 46]). Dagegen bestand kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen objektiv gemessenen körperlichen Belastungen bei der Basisuntersuchung und der Angabe von Schmerzen in verschiedenen Körperregionen bei der Nachuntersuchung.
 
Beide Studien haben mit dem Gegenstand des systematischen Reviews von Curti et al. 2023 wenig zu tun, weil es in beiden Studien nicht um Belastungen der Schulter geht und auch nicht um eine Läsion der Rotatorenmanschette. Insbesondere rechtfertigt dies nicht den Ausschluss von Primärstudien, in denen die Höhe der beruflichen Exposition der Schulter mit einer JEM ermittelt wurde. Dies begründet sich damit, dass die Höhe der beruflichen Schulterexposition in einem bestimmten Beruf von Experten vor Durchführung der Studie bestimmt wurde und unabhängig davon ist, ob ein Beschäftigter später an einer Läsion der Rotatorenmanschette erkrankt oder nicht.
2.
Wir räumen ein, dass eine JEM lediglich eine durchschnittliche Exposition in einem Beruf nach Einschätzung der beteiligten Experten abbildet und keine Möglichkeit bietet, die Variation der Exposition in einem Beruf zu berücksichtigen. Allerdings handelt es sich bei der Anwendung einer JEM um ein Standardverfahren der Expositionsabschätzung in der arbeitsmedizinischen Epidemiologie [48]. Eine JEM führt zu einer Missklassifikation der Exposition, die von der Erkrankung weitgehend unabhängig ist. Eine solche nichtdifferenzielle Missklassifikation führt tendenziell zu einer Unterschätzung des Effektschätzers [49].
 
3.
Es ist ferner auch von einer gewissen differenziellen Fehlklassifikation auszugehen, da bei einem positiven Zusammenhang zwischen Exposition und Erkrankung insbesondere die höher Exponierten einer JEM-Kategorie erkranken dürften. Dies führt zu einer weiteren tendenziellen Unterschätzung des wahren Risikos [50, 51].
 
4.
Insgesamt ist daher davon auszugehen, dass die auf einer JEM basierende Dosis-Wirkungs-Beziehung, die in den Studien von Svendsen et al. 2013 [8], Dalbøge et al. 2014 [6], 2017 [52] und 2020 [20] beschrieben wurde, das wahre Risiko eher unterschätzt.
 
5.
Versloot et al. 2024 haben den Ausschluss von Primärstudien, bei denen die Expositionsabschätzung auf einer JEM beruht, nicht begründet. Dennoch haben sie die Kohortenstudie von Dalbøge et al. 2020 [20], deren Expositionsabschätzung auf einer JEM beruht, in ihren systematischen Review eingeschlossen und dieser Studie das stärkste Design, die beste Forschungsmethode und die beste Berichterstattung („strongest design, research method and best reporting“) attestiert. Dieser Bewertung stimmen wir uneingeschränkt zu. Umso mehr ist unverständlich, warum Versloot et al. 2024 im Methodenkapitel ihrer Publikation ausführen, dass Studien, deren Expositionsabschätzung auf einer JEM basiert, ausgeschlossen wurden.
 
Für die Qualitätsbewertung von systematischen Reviews wird häufig das Instrument AMSTAR [53] oder AMSTAR 2 [9] eingesetzt. Beide Instrumente wurden für die Qualitätsbewertung von systematischen Reviews über Interventionsstudien im Gesundheitswesen entwickelt und validiert, wurden aber auch häufig für die Bewertung von systematischen Reviews auf der Basis von Beobachtungsstudien eingesetzt. Pieper et al. 2014 [54] kamen zu dem Ergebnis, dass AMSTAR ohne gravierende Einschränkungen auch für die Qualitätsbewertung von systematischen Reviews über Beobachtungsstudien einsetzbar ist. Dagegen führten Puljak et al. 2023 [55] aus, dass einige Fragen von AMSTAR 2 nicht für die Bewertung von systematischen Reviews über Beobachtungsstudien einsetzbar sind. Dazu gehört zum Beispiel, dass nach Frage 1 von AMSTAR 2 die Ein- und Ausschlusskriterien Angaben zur Intervention enthalten müssen, dass in Frage 3 nach randomisierten kontrollierten Versuchen (RCT) oder nichtrandomisierten Interventionsstudien gefragt wird, dass in Frage 4 nach RCT- oder anderen Studienregistern gefragt wird und dass in Frage 8 erhoben wird, ob der systematische Review die Interventionen der einbezogenen Primärstudien in der Datenextraktion erfasst. Aufgrund unserer Erfahrungen mit der Anwendung von AMSTAR bei der Bewertung von systematischen Reviews von Beobachtungsstudien [56] lassen sich diese Probleme bei der Beachtung folgender Punkte ohne Schwierigkeiten bewältigen:
1.
In Frage 1 von AMSTAR 2 wird in den Ein- und Ausschlusskriterien Intervention durch Exposition ersetzt.
 
2.
Frage 3 bleibt unberücksichtigt, weil sie für systematische Reviews von Beobachtungsstudien nicht zutrifft.
 
3.
In Frage 4 bleibt die Suche in RCT- oder anderen Studienregistern unberücksichtigt, weil sie für systematische Reviews von Beobachtungsstudien nicht zutrifft.
 
4.
In Frage 8 wird geprüft, ob in dem systematischen Review über Beobachtungsstudien die Exposition (statt die Intervention) ausreichend dargestellt wird
 
Whiting et al. 2016 [10] haben ROBIS, ein weiteres Instrument zur Qualitätsbewertung von systematischen Reviews, veröffentlicht. Die Autoren von AMSTAR; AMSTAR 2 und ROBIS sind z. T. identisch. ROBIS wurde für die Qualitätsbewertung von systematischen Reviews über Studien zu den Themen Interventionen, Diagnosen, Prognosen und Ätiologie entwickelt. ROBIS wurde auch entwickelt für systematische Reviews über Beobachtungsstudien.
AMSTAR 2 hat nach unserer Erfahrung im Vergleich zu ROBIS folgende Vorteile:
1.
Die Forderung, dass der systematische Review 24 Monate nach der Datenbankabfrage fertiggestellt worden sein muss (Frage 4 von AMSTAR 2), fehlt in ROBIS.
 
2.
Die Forderung, dass der systematische Review eine Liste der ausgeschlossenen Studien mit Begründung des Ausschlusses enthält (Frage 7 von AMSTAR 2), fehlt in ROBIS.
 
3.
Die Forderung, dass der systematische Review Angaben zur Studienförderung der eingeschlossenen Primärstudien enthalten muss (Frage 10 von AMSTAR 2), ist in ROBIS keine Signalfrage zu Domäne 3.
 
4.
Die Forderung, dass der systematische Review Angaben zu Interessenskonflikten auf Seiten der Autoren haben muss (Frage 16 von AMSTAR 2), fehlt in ROBIS.
 
5.
In AMSTAR 2 ist klarer operationalisiert, in welchen Fällen die Qualität des systematischen Reviews als niedrig zu bewerten ist. Sofern mindestens zwei der Fragen zu kritischen Domänen (Fragen 2, 4, 7, 9, 11, 13 und 15) verneint wurden, ist die Qualität des systematischen Reviews mit kritisch niedrig zu bewerten (Shea et al. 2017 [9], Box 1 und 2).
 
Dagegen hat ROBIS im Vergleich zu AMSTAR 2 nach unserer bisherigen, begrenzten Erfahrung mit diesem Instrument folgende Vorteile:
1.
Die Forderung, dass die Risk-of-Bias-Bewertung von mindestens 2 Autoren durchgeführt werden muss (Signalfrage 3,5 von ROBIS), fehlt in Frage 9 von AMSTAR 2.
 
2.
Die Forderung, dass der systematische Review alle Studien enthalten muss, die für die Studienfrage relevant sind (Signalfrage 4,1 von ROBIS), fehlt in AMSTAR 2.
 
Da beide Instrumente Vor- und Nachteile haben, wurden in diesem Metareview alle einbezogenen systematischen Reviews sowohl mit AMSTAR 2 als auch ROBIS bewertet. Dies hat sich bewährt, weil beide Instrumente unterschiedliche Mängel in den einbezogenen systematischen Reviews identifiziert haben (Online-Tab. 2–7).
Alle drei, in diesen Metareview einbezogenen, systematischen Reviews zeigten bei der Bewertung nach AMSTAR 2 eine kritisch niedrige Qualität und nach ROBIS ein hohes Fehlerrisiko (Online-Tab. 2–7). Die wichtigsten Mängel, sortiert nach dem Ablauf eines systematischen Reviews, waren unkommentierte Abweichungen vom PROSPERO-Protokoll [12, 14], fehlendes PROSPERO-Protokoll [13], unzureichender Suchstring [13], fehlende Suche in mindestens 2 Datenbanken [12], fehlende Aktualität der Datenbanksuche (Zeitraum von > 24 Monaten zwischen Datenbanksuche und Einreichung des Manuskripts; [13]), kein Einsatz von zusätzlichen Methoden zur Identifikation von Primärstudien (Durchsicht der Literaturverzeichnisse der einbezogenen Primärstudien oder von anderen systematischen Reviews, Citation Tracking mit Google Scholar, Befragung von Experten zu dem Thema; [13, 14]), fehlende Angaben, ob das Volltextscreening von 2 Personen durchgeführt wurde [13], fehlende Tabelle mit den ausgeschlossenen Studien inklusive der Ausschlussgründe [12, 14], ungeeigneter Ausschluss von Studien, bei denen die Expositionsabschätzung auf einer JEM beruht [12, 14], fehlende Datenextraktion [13], unzureichende Datenextraktion [12, 14], fehlende Angabe, dass das die Qualitätsbewertung der einbezogenen Primärstudien von 2 Personen durchgeführt wurde [13], fehlende Einbeziehung von einschlägigen Studien zum Thema [12, 14], fehlerhafte Metaanalyse ohne Darstellung der Ergebnisse in einem Forestplot und Berechnung der Heterogenität [13] und fehlende Beurteilung des Publikationsfehlers [13, 14].
Auch in einem anderen Metareview von uns zu den beruflichen Risikofaktoren der posttraumatischen Belastungsstörung [56] wies ein Großteil der einbezogenen systematischen Reviews eine geringe Qualität bei der Bewertung nach AMSTAR auf. Die Qualität von systematischen Reviews in der Arbeitsmedizin muss verbessert werden. Aus der Arbeitsgruppe Arbeitsepidemiologie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie und der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention heraus wurden daher Empfehlungen zum Thema „Gute Praxis arbeitsepidemiologische systematische Reviews“ erarbeitet [57].
Die Überlappung der einbezogenen Primärstudien in den 3 systematischen Reviews lässt sich nicht beurteilen, weil Diener et al. 2024 nicht mitteilten, welche Studien eingeschlossen wurden. Zwischen den systematischen Reviews von Curti et al. 2023 und von Versloot et al. 2024 ist die Überlappung bezüglich der einbezogenen Primärstudien gering. Nur eine der 5 von Curti et al. 2023 einbezogenen Studien [15] wurde auch in den systematischen Review von Versloot et al. 2024 einbezogen.

Diskussion von Primärstudien

Von den 3 einbezogenen systematischen Reviews wurden folgende 9 Primärstudien einbezogen, die nicht in der wissenschaftlichen Begründung zur Berufskrankheit 2117 [2] zitiert wurden [1521, 35, 58].
Die Studien von Arcury et al. 2016 [35], Bugajska et al. 2013 [17] und Meyers et al. 2023 [15] wurden in dieser Diskussion bereits eingehend erörtert und aus verschiedenen Gründen, z. B. Mängeln in der Expositionsabschätzung und dem fehlenden Bezug ausschließlich auf Läsionen der Rotatorenmanschette, verworfen.
Werner et al. 2005 [16] haben eine prospektive Studie veröffentlicht, an deren Erstuntersuchung 985 Verwaltungs- und Industriebeschäftigte in den USA teilnahmen. Die Teilnahmequote wurde nicht mitgeteilt. Bei allen Beschäftigten wurde eine Handexposition im Sinne des Hand Activity Level [41] bestimmt und eine Tendopathie der Hände, des Ellbogens oder Schulter bei einer körperlichen Untersuchung nach Werner et al. 2002 [59] diagnostiziert. Eine Schultertendopathie wurde festgestellt bei aktiver Abduktion sowie Innen- und Außenrotation im Schultergelenk gegen Widerstand sowie bei aktiver Beugung im Ellbogengelenk gegen Widerstand. Eine solche Tendopathie wurde auch angenommen, wenn der Proband eine entsprechende ärztliche Diagnose angab. Bei 501 Beschäftigten wurde im Mittel 5,4 Jahre später eine Nachuntersuchung und Befragung durchgeführt. Der Loss-to-Follow-up war mit 49 % sehr hoch. Es fand sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Hand Repetition Level und dem Risiko für eine Tendopathie der oberen Extremität (OR = 0,81; 95 % KI 0,65–1,01), adjustiert für Alter und Body-Mass-Index (BMI). Eine Adjustierung für Geschlecht wurde nicht durchgeführt. In der univariaten Analyse fand sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen repetitiven oder kraftvollen Bewegungen der Hände und einer Schultertendinopathie. Ein für Alter und BMI adjustiertes Risiko für eine Schultertendopathie wurde nicht berechnet.
Die Studie von Werner et al. 2005 ist mit folgender Begründung für eine Beurteilung des Zusammenhangs zwischen Schulterbelastungen und einer Läsion der Rotatorenmanschette ungeeignet:
1.
Die Expositionsabschätzung berücksichtigt ausschließlich Belastungen der Handgelenke durch Repetition und Kraftaufwendung. Spezifische Belastungen der Schulter durch Überkopfarbeit, repetitive Bewegungen im Schultergelenk, Lastenhandhabung oder Hand-Arm-Schwingungen wurden nicht bewertet.
 
2.
Die für die Diagnose einer Schultertendopathie verwendete Untersuchung mit Abduktion sowie Innen- und Außenrotation im Schultergelenk gegen Widerstand ist ein geeignetes Verfahren für die Diagnose einer Läsion der Rotatorenmanschette [2, 28]. Dagegen wird mit der Beugung im Ellbogengelenk gegen Widerstand eine Tendinitis des Musculus biceps brachii erfasst [26, 60], der nicht zur Rotatorenmanschette gehört.
 
3.
Die Studie weist ferner zusätzliche gravierende Mängel auf wie eine fehlende Angabe der Teilnahmequote an der Erstuntersuchung, einen sehr hohen Loss-to-Follow-up sowie eine fehlende Berechnung von adjustierten Risikoschätzern für eine Schultertendinopathie.
 
Balogh et al. 2019 [18] führten eine Metaanalyse über mehrere von ihnen durchgeführte Querschnittstudien bei 4733 Frauen und 1107 Männern in verschiedenen Berufsgruppen in Schweden (Krankenschwestern, medizinisch-technische Assistentinnen, Lehrerinnen und Beschäftigte in Lebensmittelgeschäften) durch. Die Abduktion und Flexion im Schultergelenk wurde in Subgruppen der o. g. Populationen mit Inklinometern und repetitive Bewegungen im Schultergelenk mit triaxialen Akzelerometern gemessen. Ferner wurde die Aktivität des rechten Musculus trapezius mithilfe der Oberflächen-Elektromyographie bestimmt. Eine Schultergelenktendopathie (Supraspinatustendopathie, Infraspinatustendopathie und Bizepstendopathie) wurde nach der Methode von Ohlsson et al. 1994 [60] und Nordander et al. 2009 [61] diagnostiziert. Für eine Supraspinatustendopathie galten folgende Kriterien: Schulterschmerzen, lokaler Druckschmerz über dem Sehnenansatz und Schmerzen bei Abduktion im Schultergelenk gegen Widerstand. Eine Infraspinatustendopathie wurde unter folgenden Bedingungen diagnostiziert: Schulterschmerzen, lokaler Druckschmerz über dem Sehnenansatz und Schmerzen bei Außenrotation im Schultergelenk gegen Widerstand. Für die Bizepstendopathie galten folgende Voraussetzungen: Schulterschmerzen, lokaler Druckschmerz im Bereich der Sehne, Schmerzen bei der isometrischen Hebung des gestreckten und um 90° angehobenen Arms gegen Widerstand und Beugung im Ellbogengelenk bei 90° Flexion und supinierter Hand gegen Widerstand. Es fand sich eine statistisch signifikant erhöhte Prävalenzratio (PR) für eine Rotatorenmanschetten-Tendopathie (Supraspinatustendopathie, Infraspinatustendopathie und Bizepstendopathie) bei hoher Aktivierung des Musculus trapezius in der Elektromyographie in Höhe von 1,87 (95 % KI 1,33–2,61) bei Frauen und in Höhe von 1,81 (95 % KI 1,13–2,90) bei Männern. Es bestand kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Armhebung und der PR für eine Rotatorenmanschetten-Tendopathie (PR bei Frauen 1,28; 95 % KI 0,96–1,71 und PR bei Männern 0,86; 95 % KI 0,44–1,69). Allerdings war das Ausmaß der Armhebung in dem untersuchten Kollektiv relativ gering. Die 90. Perzentile der Armhebung lag bei 51° mit einer Schwankung zwischen 42 und 58°. Armhebung um mindestens 90°, entsprechend Überkopfarbeit, gab es in dem Kollektiv nicht. Ferner bestand eine statistisch signifikante Abhängigkeit des Risikos für eine Rotatorenmanschetten-Tendopathie in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Armbewegung (PR bei Frauen 1,13; 95 % KI 1,05–1,22 und PR bei Männern 1,09; 95 % KI 1,04–1,15).
Die Studie von Balogh et al. 2019 ist mit folgender Begründung für eine Beurteilung des Zusammenhangs zwischen Schulterbelastungen und einer Läsion der Rotatorenmanschette nicht geeignet:
Für die Diagnose einer Supraspinatustendopathie und einer Infraspinatustendopathie wurde ein geeignetes Diagnoseverfahren [2, 25] gewählt. Jedoch wurde zu einer Rotatorenmanschetten-Tendopathie auch eine Bizepstendopathie (ICD-11: FB40.Y) gezählt [27], die nicht zu den Läsionen der Rotatorenmanschette (ICD-11: FB53.1) gehört. Wie häufig die einzelnen Schultererkrankungen in dem untersuchten Kollektiv waren, sind der Publikation nicht zu entnehmen.
Applegate et al. 2017 [19] veröffentlichten eine Querschnittstudie bei 1226 Beschäftigten in verschiedenen Branchen in den USA (Verwaltung, Lebensmittelherstellung und Industrie). Eine Teilnahmequote wurde nicht angegeben, weil es sich um eine Gelegenheitsstichprobe handelt. Bei den Beschäftigten wurde die Handexposition durch wiederholte Bewegungen und Kraftaufwendungen durch Videoanalysen ermittelt und der Hand Activity Level beurteilt [42, 62]. Ferner wurde die Hand- und Ellbogenhallenhaltung, das Gewicht gehandhabter Lasten gemessen sowie die Arbeitsgeschwindigkeit beurteilt und ein Strain-Index berechnet. Eine Rotatorenmanschetten-Tendopathie wurde diagnostiziert, wenn Schulterschmerzen und ein positiver Empty-Can-Test vorlagen. Gegenstand der Studie von Applegate et al. 2017 war der Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und einer Rotatorenmanschetten-Tendopathie. Dabei wurde für den Strain Index adjustiert. Es fand sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Strain-Index pro Einheit und dem Risiko für eine Rotatorenmanschetten-Tendopathie (OR = 1,01; 95 % KI 0,98–1,03).
Die Studie wird wie folgt beurteilt:
1.
Der Empty-Can-Test ist ein geeignetes Verfahren für die Diagnose einer Supraspinatustendopathie (Buckup 2019 [28, S. 135]).
 
2.
Die Expositionsabschätzung ist ungeeignet, weil ausschließlich die Belastung der Hände durch repetitive und anstrengende Bewegungen beurteilt wurde. Überkopfarbeit, repetitive Bewegungen der Schultergelenke und Hand-Arm-Schwingungen wurden nicht berücksichtigt. Zwar wurde die Belastung durch Lastenhandhabung gemessen, eine Auswertung bezüglich des Zusammenhangs zwischen Lastenhandhabung und dem Risiko für eine Rotatorenmanschetten-Tendopathie wurde jedoch nicht durchgeführt.
 
3.
Die Studie weist gravierende Mängel bezüglich der Rekrutierung auf, weil es sich um eine Gelegenheitsstichprobe handelt und die Teilnahmequote nicht angegeben wurde. Eine niedrige Teilnahmequote mit einer erheblichen Verzerrung kann daher nicht ausgeschlossen werden.
 
Dalbøge et al. 2020 [20] veröffentlichten eine Zusatzauswertung der von Dalbøge et al. 2014 [6] durchgeführten Kohortenstudie in Dänemark, in der Risikoschätzer für einzelne Schultererkrankungen angegeben wurden. In dieser Studie wurde in einer Kohorte von 13,3 Mio. Erwerbstätigen die Schulterexposition durch eine Armhebung in Höhe von über 90°, wiederholte Schulterbewegungen von mindestens 15 Bewegungen pro Minute, kraftvolle Schulterbelastungen u. a. durch Lastenhandhabung sowie durch Hand-Arm-Schwingungen mit Hilfe einer JEM durch 5 Experten unabhängig voneinander ermittelt. Mithilfe eines Krankenhausentlassungsregisters wurde eine Operation wegen verschiedener Schultererkrankungen, darunter eine Läsion der Rotatorenmanschette (ICD-10: M75.1) und ein Impingementsyndrom der Schulter (ICD-10: M75.4), ermittelt [6, 20]. Es fand sich ein statistisch signifikanter Trend zwischen allen o. g. beruflichen Schulterbelastungen multipliziert mit der Expositionsdauer und dem Risiko für eine Operation wegen einer Läsion der Rotatorenmanschette mit folgenden Risikoschätzern in der höchsten Dosisklasse: Armhebungsjahre (OR = 2,4; 95 % KI 2,1–2,8), Repetitionsjahre (OR = 2,2; 95 % KI 1,9–2,5), Kraftjahre (OR = 1,9; 95 % KI 1,6–2,2) und Hand-Arm-Schwingungsjahre (OR = 1,6, 95 % KI 1,4–1,8). Diese Risikoschätzer waren für Alter, Geschlecht, Wohnregion und Kalenderjahr adjustiert. Auch zwischen allen o. g. beruflichen Einwirkungen und Impingementsyndrom der Schulter fand sich ein statistisch signifikanter Trend mit folgenden Risikoschätzern: Armhebungsjahre (OR = 2,0; 95 % KI 1,9–2,2), Repetitionsjahre (OR = 1,9; 95 % KI 1,8–2,0), Kraftjahre (OR = 1,7; 95 % KI 1,6–1,8) und Hand-Arm-Schwingungs-Jahre (OR = 1,5, 95 % KI 1,4–1,6).
Beurteilung.
Wie Versloot et al. 2024 halten wir diese Studie für die methodisch wertvollste Untersuchung zu diesem Thema. Die Expositionsabschätzung berücksichtigt alle einschlägigen beruflichen Schulterexpositionen und die Erkrankung wurde mithilfe eines Krankenhausentlassungsregisters objektiviert. Die Einschätzung der Exposition mit einer JEM, die zu einer nicht differenziellen Missklassifikation und somit eher zu einer Unterschätzung der Krankheitsrisiken führt, haben wir bereits oben diskutiert.
Holm et al. 2016 [21] veröffentlichten eine Querschnittstudie bei 1202 weiblichen Laborbeschäftigten in Dänemark. Die Teilnahmequote lag bei 86 %. Bei den Beschäftigten wurde die Dauer von Pipettierarbeiten in Stunden pro Woche ermittelt. Ferner wurden die Häufigkeit und der Schweregrad von Beschwerden im Bereich der Schulter, des Ellbogens und der Hand erfragt. Des Weiteren wurde eine eingebettete Fall-Kontroll-Studie bei 167 Fällen mit Beschwerden im Bereich der oberen Extremität und 163 Kontrollprobanden ohne Beschwerden im Bereich der oberen Extremität durchgeführt. Bei den Fällen und Kontrollprobanden wurde eine körperliche Untersuchung mit Diagnose u. a. eines Impingementsyndroms der Schulter mit positivem schmerzhaftem Bogen sowie Schmerzen in der Schulter bei Abduktion sowie Innen- und Außenrotation gegen Widerstand diagnostiziert. In der Studie fand sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Dauer von Pipettierarbeiten pro Woche und dem Risiko für Schulterbeschwerden. Es fand sich in einer bivariaten Analyse ein statistisch signifikanter Trend zwischen der Dauer von Pipettierarbeiten pro Woche und dem Risiko für ein Impingementsyndrom der Schulter. Ein für Alter adjustierter Risikoschätzer wurde nicht berechnet.
Die Studie von Holm et al. 2016 kann mit folgender Begründung nicht bezüglich des Zusammenhangs zwischen beruflichen Einwirkungen im Bereich der Schulter und einem Risiko für eine Läsion der Rotatorenmanschette bewertet werden:
1.
Die Expositionseinschätzung berücksichtigt ausschließlich die Dauer von Pipettierarbeiten pro Woche. Dabei handelt es sich um eine repetitive Tätigkeit insbesondere im Bereich des Daumens. Eine Belastung der Schultergelenke durch Überkopfarbeit, Lastenhandhabung oder Hand-Arm-Schwingungen treten an diesem Arbeitsplatz nicht auf. Inwiefern bei Pipettierarbeiten repetitive Bewegungen des Schultergelenks auftreten, wurde nicht ermittelt.
 
2.
Die vorgenommene Untersuchung beinhaltet nach Buckup 2019 [28, S. 134,145,149,158] sowohl eine Läsion der Rotatorenmanschette (Schmerzen in der Schulter bei Abduktion sowie Innen- und Außenrotation gegen Widerstand) als auch eines Impingementsyndroms (schmerzhafter Bogen I) und eine Erkrankung des Akromioklavikulargelenks (schmerzhafter Bogen II). Eine Auswertung nur in Bezug auf eine Läsion der Rotatorenmanschette wurde nicht durchgeführt. Auf die starke Überschneidung des Rotatorenmanschetten-Syndroms und des Impingementsyndroms nach der ICD-11 wird hingewiesen.
 
3.
Es wurden keine für Alter adjustierten Risikoschätzer für ein eine Läsion der Rotatorenmanschette berechnet.
 
Chu et al. 2021 [58] veröffentlichten eine Querschnittsstudie bei n = 931 Mitarbeitenden der Elektronikindustrie in Taiwan. Die Teilnahmequote lag bei 97 %. Im Rahmen der Expositionsabschätzung wurde durch Experten das Auftreten von Überkopfarbeit, repetitiven Bewegungen, Lastenhandhabung und Hand-Arm-Schwingungen beurteilt Die Beschäftigten wurden zu ihren Schulterbeschwerden befragt. Von den 284 Mitarbeitern mit Schulterbeschwerden wurden 100 nach der Methode von Sluiter et al. 2001 [26] in Bezug auf ein subakromielles Impingement untersucht. Der Veröffentlichung ist nicht zu entnehmen, welche Testverfahren eingesetzt wurden. Eine Kontrollgruppe ohne Schulterbeschwerden wurde nicht körperlich untersucht. Beim Vergleich der 19 Mitarbeiter mit subakromiellem Impingement und von 81 Mitarbeitern ohne subakromielles Impingement ergab sich keine statistisch signifikant höhere berufliche Schulterbelastung durch Überkopfarbeiten, Heben oder Hand-Arm-Vibrationen. Ein Risikoschätzer für Impingementsyndrom, der für Confounder adjustiert war, wurde nicht berechnet.
Die Studie von Chu et al. 2021 ist mit folgender Begründung nicht geeignet, den Zusammenhang zwischen beruflichen Schulterbelastungen und einer Läsion der Rotatorenmanschette zu beurteilen:
1.
In der Studie wurde kein Risikoschätzer für eine Läsion der Rotatorenmanschette berechnet, sondern lediglich für ein Impingementsyndrom.
 
2.
An der Studie ist zu bemängeln, dass nur Beschäftigte mit Schulterbeschwerden körperlich untersucht wurden. Die Untersuchung einer Kontrollgruppe ohne Schulterbeschwerden fehlt. Da auch Beschäftigte ohne subakromielles Impingement Schulterbeschwerden hatten und die o. g. beruflichen Belastungen auch die Inzidenz von Schulterbeschwerden erhöht [23], hat die Studie keine Aussagekraft.
 
Insgesamt haben mit Ausnahme der Studie von Dalbøge et al. 2020 alle übrigen 8 Arbeiten, die nicht in der wissenschaftlichen Begründung für die Berufskrankheit 2117 zitiert wurden, gravierende Mängel und sind nicht für die Beurteilung des Zusammenhangs zwischen beruflichen Schulterbelastungen und dem Risiko für eine Läsion der Rotatorenmanschette geeignet.
Die folgende Studie wurde von keinem der 3 einbezogenen systematischen Reviews erfasst, obwohl sie vor dem Stichtag der Datenbankabfrage der Veröffentlichung von Versloot et al. 2024 online veröffentlicht wurde:
Lewis et al. 2023 [63] veröffentlichten das Ergebnis einer Kohortenstudie bei 220.295 schwedischen Bauarbeitern. Die Teilnahmequote lag bei 80 %. Die Höhe der beruflichen Schulterexposition wurde mithilfe einer JEM für Überschulterarbeit, Lastenhandhabung und Hand-Arm-Schwingungen eingestuft. Das Risiko für eine Operation wegen Impingementsyndroms der Schulter wurde mithilfe eines nationalen Registers der ambulanten und stationären Diagnosen ermittelt. Von den 6004 Probanden mit einer Operation wegen eines subakromialen Impingementsyndroms hatten 2502 (41,7 %) eine Läsion der Rotatorenmanschette (ICD-10: M75.1), 100 (1,7 %) eine Tendinitis des Musculus biceps brachii (ICD-10: M75.2), 113 (1,9 %) eine Tendinitis calcarea im Schulterbereich (ICD-10: M75.3), 3209 (53,4 %) ein Impingementsyndrom im Schulterbereich (ICD-10: M75.4) und 80 (1,3 %) eine Bursitis im Schulterbereich (ICD-10: M75.5). Im Vergleich zu Bürobeschäftigten hatten Bauarbeiter mit einer hohen Einwirkung durch Überschulterarbeit ein statistisch signifikant um den Faktor 1,97 (95 % KI 1,58–2,44) erhöhtes relatives Risiko (RR) für ein Impingementsyndrom. Auch bei einer hohen Einwirkung durch Lastenhandhabung war das relative Risiko für ein Impingementsyndrom statistisch signifikant um den Faktor 2,3 (95 % KI 1,88–2,81) erhöht. Dasselbe war der Fall bei einer hohen Einwirkung durch Hand-Arm-Schwingungen (RR = 2,04; 95 % KI 1,65–2,52).
Die Studie wird befolgt bewertet:
1.
Die berufliche Schulterexposition durch Überschulterarbeit, Lastenhandhabung und Hand-Arm-Schwingungen wurde von 2 Experten unabhängig voneinander und ohne Kenntnis der Erkrankungshäufigkeit in den einzelnen Berufsgruppen eingeschätzt und ist als hochwertig zu beurteilen.
 
2.
Eine Operation wegen eines subakromialen Impingementsyndroms wurde mit Hilfe eines Behandlungsregisters objektiviert. Die Güte der Diagnose ist ebenfalls als hochwertig anzusehen.
 
Das stark erhöhte Risiko durch die o. g. beruflichen Expositionen gilt nicht nur für ein Impingementsyndrom, sondern auch für eine Läsion der Rotatorenmanschette. Dies begründet sich mit der starken Überschneidung zwischen beiden Diagnosen nach der ICD-11. Auf beide Diagnosen entfallen 95,1 % aller Fälle. Die übrigen Diagnosen spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Zusammenfassend bestätigen die in den letzten Jahren veröffentlichten Ergebnisse von zwei prospektiven Studien (Dalbøge et al. 2020 und Lewis et al. 2023), die in der Wissenschaftlichen Begründung für die Berufskrankheit „Läsion der Rotatorenmanschette der Schulter“ noch keine Berücksichtigung fanden, die von der Berufskrankheit Nr. 2117 umfassten Zusammenhänge.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

U. Bolm-Audorff und D. Reißig geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
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Titel
Zusammenhang zwischen beruflichen Belastungen und Läsionen der Rotatorenmanschette der Schulter
Ein Metareview aktueller systematischer Reviews
Verfasst von
Ulrich Bolm-Audorff
David Reißig
Publikationsdatum
28.10.2025
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie / Ausgabe 2/2026
Print ISSN: 0944-2502
Elektronische ISSN: 2198-0713
DOI
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