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Erschienen in:

11.06.2024 | Thrombektomie | Fortbildung

Eine Lunge voller Thromben

Mechanische Thrombektomie und ECMO

verfasst von: Prof. Dr. Stefan Stadler, Prof. Dr. Kurt Debl, Dr. med. Jana Kropacek, Prof. Dr. med. Robert H. G. Schwinger

Erschienen in: CardioVasc | Ausgabe 3/2024

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Auszug

Eine 29-jährige bisher gesunde Patientin wird zur geplanten dritten Sectio ihrer dritten Schwangerschaft stationär aufgenommen. In der 40. + 3. Schwangerschaftswoche ereignet sich am Tag vor der Aufnahme ein Blasensprung und es wird am Folgetag die Sectio durchgeführt. Es zeigt sich eine gedeckte Uterusruptur sowie eine Atonie des Uterus, der manuell komprimiert wird. Bei einem initialen Hämoglobin von 8,1 mg/dl wird die Patientin zunehmend hypoton und muss schließlich reanimiert werden, worunter sie zunehmend azidotisch und katecholaminpflichtig wird. Bereits intraoperativ zeigt sich der rechte Ventrikel mit 5,1 cm massiv dilatiert mit D-Zeichen und nicht atemmodulierter Vena cava inferior (Abb. 1). Die TAPSE („tricuspid annular plane systolic excursion“, Bewegung des Trikuspidalklappenrings) ist mit 8 mm hochgradig reduziert; das Septum bewegt sich systolisch paradox nach links bei einem systolischen Pulmonalarteriendruck (sPAP) von mehr als 45 mmHg. Bei V. a. Fruchtwasserembolie wird die Patientin auf die Intensivstation aufgenommen und es folgt eine CT-Untersuchung zum Ausschluss einer Lungenembolie. Dort findet sich eine massive zentrale Lungenembolie mit reitendem Thrombus und Verlegung der peripheren Lungenstrombahn rechts wie links (Abb. 2). Zudem findet sich in der Vena subclavia und mediastinal diffus Luft, im rechten Ventrikel ein minimaler Luftspiegel und eine beginnende Infarktpneumonie. Bei ausgeprägter Gerinnungsstörung mit Thrombozytopenie (50/nl, disseminierte intravasale Gerinnung, DIC) (Tab. 1) müssen vier Thrombozytenkonzentrate transfundiert werden. Die Patientin wird mit einer venoarteriellen extrakorporalen Membranoxygenierung (VA-ECMO) versorgt und in das Universitätsklinikum Regensburg verbracht, wo mittels mechanischer Thrombusextraktion viele Thromben aus beiden Lungenarterien geborgen werden können (Abb. 4).
Tab. 1:
Labor
Parameter
Wert
Normalwert
Hochsensitives Troponin
> 1981 ng/l
< 14 ng/l
CK
427 U/l
< 170 U/l
CK-MB
30,3 ng/ml
< 3,61 ng/ml
PCT
61,90 ng/ml
< 0,06 ng/ml
Quick
30%
> 70%
Fibrinogen
95,9 mg/dl
210-400 mg/dl
D-Dimer
> 35 mg/l
< 0,5 mg/l
AT3
35,8%
79-111%
Leukozyten
20,97/nl
3,9-10,2/nl
Thrombozyten initial
50/nl
160-370/nl
CK = Creatinkinase; CK-MB = Creatinkinase-MB; PCT = Procalcitonin; AT3 = Antithrombin 3
Literatur
1.
Zurück zum Zitat Finocchiaro S, Mauro MS, Rochira C et al. Percutaneous interventions for pulmonary embolism. EuroIntervention. 2024;20(7):e408-e424. doi:10.4244/EIJ-D-23-00895 Finocchiaro S, Mauro MS, Rochira C et al. Percutaneous interventions for pulmonary embolism. EuroIntervention. 2024;20(7):e408-e424. doi:10.4244/EIJ-D-23-00895
2.
Zurück zum Zitat Stadler S, Debl K, Ritzka M et al. Bail-out treatment of pulmonary embolism using a large-bore aspiration mechanical thrombectomy device ESC Heart Fail. 2021;8(5):4318-4321 Stadler S, Debl K, Ritzka M et al. Bail-out treatment of pulmonary embolism using a large-bore aspiration mechanical thrombectomy device ESC Heart Fail. 2021;8(5):4318-4321
Metadaten
Titel
Eine Lunge voller Thromben
Mechanische Thrombektomie und ECMO
verfasst von
Prof. Dr. Stefan Stadler
Prof. Dr. Kurt Debl
Dr. med. Jana Kropacek
Prof. Dr. med. Robert H. G. Schwinger
Publikationsdatum
11.06.2024

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