Anstieg von Trichophyton tonsurans im Zeitraum von 2008–2024 aus Laborperspektive – ein „emerging pathogen“ in Deutschland
- 29.12.2025
- Tinea capitis
- Originalien
- Verfasst von
- Ganna Devdera
- Silke Uhrlaß
- Esther Klonowski
- Helena Dröge
- Zora Herrmann
- Daniela Koch
- Hanna Mütze
- Bettina Lietzberg
- Uwe Paasch
- Ina Schulze
- Constanze Krüger
- Prof. Pietro Nenoff
- Erschienen in
- Die Dermatologie | Ausgabe 2/2026
Zusammenfassung
Trichophyton (T.) tonsurans ist ein anthropophiler Dermatophyt, der als „Mattenpilz“ bei Ringern bekannt ist. Dermatomykosen durch diesen Erreger werden in letzter Zeit in Deutschland häufiger diagnostiziert. Ein neuer Infektionsweg ist die Übertragung von T. tonsurans in Barbershops. In der vorliegenden Arbeit wird der labordiagnostische Nachweis von T. tonsurans ausgewertet. Haut- und Haarproben, vorzugsweise aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und darüber hinaus aus ganz Deutschland, kamen zur Auswertung. Der mykologische Nachweis von T. tonsurans aus Hautschuppen, Haarwurzeln und Abstrichen basierte auf kulturellen Methoden. Ab 2011 wurde die Diagnostik durch einen PCR-ELISA („polymerase chain reaction-enzyme linked immunosorbent assay“) ergänzt. Zur Abgrenzung von morphologisch ähnlichen Dermatophyten, insbesondere T. quinckeanum, dessen Prävalenz im untersuchten Zeitraum ebenfalls zugenommen hatte, wurden ausgewählte Dermatophytenstämme mittels Sequenzierung der „internal transcribed spacer (ITS) region“ der rDNA (ribosomale Desoxyribonukleinsäure) identifiziert. Ab 2022 wurde zusätzlich eine RT(„real time“)-PCR mit Schmelzkurvenanalyse eingesetzt. Mehrere Isolate eines Patienten wurden nur einmal statistisch berücksichtigt. Wenn mehr als 3 Monate zwischen 2 Pilznachweisen lagen, wurde das als Neuinfektion gewertet. Trichophyton tonsurans war über Jahre ein selten diagnostizierter Dermatophyt. Bis 2014 fanden sich maximal 12 Isolate im Jahr. Erstmals 2015 stieg die Nachweisrate auf 20/Jahr. Ein signifikanter Anstieg war ab 2017–2019 zu vermerken, jetzt mit 38–71 Nachweisen von T. tonsurans jährlich. Das ging mit einem anhaltenden Ausbruch von Dermatophytosen durch T. tonsurans im Ringerclub Leipzig einher. Ab 2020 kam es zu einem noch deutlicheren Anstieg, und die Nachweiszahlen nahmen von 101/Jahr auf 347 im Jahr 2023 zu. Der vorläufige Höhepunkt wurde im Jahr 2024 mit 538 Infektionen durch T. tonsurans erreicht. Der Anstieg setzt sich weiter fort. Betroffen sind 2‑ bis 3‑mal mehr Jungen und Männer als Mädchen und Frauen. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 15–20 Jahren. Die antimykotische Therapie der Tinea capitis und auch Tinea barbae sowie Tinea faciei sollte immer kombiniert topisch und systemisch (oral) erfolgen. Mittel der Wahl für die orale Behandlung ist Terbinafin, aber auch Itraconazol ist wirksam. Fluconazol kann im Einzelfall ebenfalls erfolgreich eingesetzt werden, insbesondere als Trockensaft ist es eine Alternative zu Tabletten oder Kapseln.
Graphic abstract
Anzeige
- Titel
- Anstieg von Trichophyton tonsurans im Zeitraum von 2008–2024 aus Laborperspektive – ein „emerging pathogen“ in Deutschland
- Verfasst von
-
Ganna Devdera
Silke Uhrlaß
Esther Klonowski
Helena Dröge
Zora Herrmann
Daniela Koch
Hanna Mütze
Bettina Lietzberg
Uwe Paasch
Ina Schulze
Constanze Krüger
Prof. Pietro Nenoff
- Publikationsdatum
- 29.12.2025
- Verlag
- Springer Medizin
- Erschienen in
-
Die Dermatologie / Ausgabe 2/2026
Print ISSN: 2731-7005
Elektronische ISSN: 2731-7013 - DOI
- https://doi.org/10.1007/s00105-025-05633-7
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.