Tödliche Stürze aus der Höhe in Berlin von 1989–2004
Verletzungsmuster, Sturzhöhe und Ursache
- 01.04.2014
- Originalien
- Verfasst von
- Dr. C.T. Buschmann
- S. Last
- M. Tsokos
- C. Kleber
- Erschienen in
- Rechtsmedizin | Ausgabe 2/2014
Zusammenfassung
Hintergrund
Verletzungen nach einem Sturz aus einer Höhe > 3 m stellen häufige Ursachen eines Polytraumas und zu untersuchende Todesursachen in der forensischen Obduktionsroutine dar.
Ziel der Arbeit
Es sollten eine etwaige Beziehung zwischen Fallhöhe und Verletzungsmuster bestimmt, die Ursachen des Sturzes analysiert und festgestellt werden, ob bestimmte Verletzungsmuster auf definierte Fallhöhen und/oder Umstände des Todes (Suizid, Homizid, Unfall) zurückgeführt werden können.
Material und Methoden
Hierzu wurde eine retrospektive Analyse staatsanwaltschaftlicher Ermittlungsakten und Obduktionsprotokolle (tödliche Stürze aus der Höhe im Land Berlin von 01.01.1988–31.12.2004, n = 326) durchgeführt. Es wurde eine Geschoßhöhe von 3 m angenommen.
Ergebnisse
Insgesamt konnten 326 Todesfälle (medianes Alter der Verstorbenen 40 Jahre, Interquartilenabstand, IQR, 25,3 Jahre) binnen 17 Jahren festgestellt werden. Es handelte sich um 206 Männer (63 %, medianes Alter 38 Jahre, IQR 23,3 Jahre) und 120 Frauen (37 %, medianes Alter 44,5 Jahre, IQR 30,5 Jahre). Suizide überwogen (68,7 %), gefolgt von privaten Unfällen (10,4 %) und Arbeitsunfällen (8 %). Tötungsdelikte fanden sich nicht. Die mediane Fallhöhe betrug 15 m (5. Obergeschoß, OG; IQR 2 m). Suizidenten stürzten sich signifikant häufiger aus größerer Höhe und verletzten sich entsprechend schwerer. Insgesamt dominierten primäre Kopfaufschläge (22,7 %); diese fanden sich am häufigsten bei Stürzen < 3. OG (1. OG 50 %, 2. OG 40 %). Die Häufigkeit von Kopfverletzungen sank zwischen Stürzen aus dem 5.–8. OG, um dann wieder anzusteigen. Häufigste knöcherne Verletzungen waren Rippenfrakturen (87,1 %), Beckenfrakturen (60,7 %), Schädelbasis- (51,5 %) und Hirnschädelfrakturen (50 %). Die am häufigsten verletzten Thoraxorgane waren die Lungen (72 %), das am häufigsten verletzte Bauchorgan die Leber (69 %). Fast alle untersuchten Verletzungen und Verletzungsmuster wurden bereits nach Stürzen > 1. OG festgestellt. Inzidenz und Verletzungsschwere erhöhten sich sämtlich mit steigender Sturzhöhe (Ausnahme: Verletzungen der Halswirbelsäule, Halsgefäßverletzungen, Sternumfrakturen, Frakturen der Hände und Füße). Es war nicht möglich, spezifische Verletzungsmuster definierten Fallhöhen oder Todesumständen zuzuordnen.
Schlussfolgerung
Die Zuordnung einer definierten Sturzhöhe zu einem speziellen Verletzungsmuster oder den Umständen des Todes (Suizid, Homizid, Unfall) ist im Einzelfall nicht möglich. Für zukünftige Studien sollten sämtliche verfügbaren Variablen standardisiert erhoben werden, um tödliche Stürze aus der Höhe detailliert analysieren und vergleichen zu können.
- Titel
-
Tödliche Stürze aus der Höhe in Berlin von 1989–2004
Verletzungsmuster, Sturzhöhe und Ursache - Verfasst von
-
Dr. C.T. Buschmann
S. Last
M. Tsokos
C. Kleber
- Publikationsdatum
- 01.04.2014
- Verlag
- Springer Berlin Heidelberg
- Erschienen in
-
Rechtsmedizin / Ausgabe 2/2014
Print ISSN: 0937-9819
Elektronische ISSN: 1434-5196 - DOI
- https://doi.org/10.1007/s00194-014-0938-5
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