Erschienen in:
2021 | OriginalPaper | Buchkapitel
18. Traumatologische Notfälle
Zusammenfassung
Lebensbedrohliche Verletzungen entstehen hierzulande meist durch stumpfe Traumen. Perforierende Verletzungen (Schusswaffen, Messer) sind erheblich seltener. Therapeutisch ist präklinisch stets für eine ausreichende Analgesie durch Opioide oder Ketamin zu sorgen. Bei schweren Verletzungen, insbesondere bei Polytrauma, kann eine Notfallnarkose erforderlich sein. Die Volumenersatztherapie muss situationsabhängig vorgenommen werden: Einerseits kann sie dazu dienen, normale Kreislaufverhältnisse wieder herzustellen und die Gewebeoxygenierung zu verbessern, andererseits kann sie bei fortbestehender Blutung (besonders bei penetrierenden Thorax- oder Bauchverletzungen) das Ausbluten fördern. Extremitätenfrakturen sollen möglichst achsengerecht ruhiggestellt werden. Beim Schädel-Hirn-Trauma ist auf einen ausreichend hohen Blutdruck und die Vermeidung von Hypoxie und Hypoventilation zu achten. Stets muss an eine Verletzung der Halswirbelsäule gedacht und im Verdachtsfall eine HWS-Stütze angelegt werden. Ein Thoraxtrauma erfordert oft das bereits präklinische Einlegen einer Thoraxdrainage zur Entlastung eines Spannungspneumothorax. Bei Reanimation eines Patienten mit traumatischem Kreislaufstillstand hat die Blutstillung oberste Priorität, außerdem soll frühestmöglich eine notfallsonografische Diagnostik durchgeführt, im Zweifel eine beidseitige Thoraxdrainierung vorgenommen und eine Herzbeuteltamponade drainiert oder durch Reanimationsthorakotomie entlastet werden. Wichtig ist bei allen schweren Traumen der zügige Transport in die Klinik, wo nach bildgebender Diagnostik oft eine rasche operative Versorgung erfolgen muss.
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