Die Gefährdung durch solare UV-Strahlung wird durch stetig steigende Erkrankungszahlen, insbesondere mit Blick auf hellen Hautkrebs, deutlich. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass das Risikobewusstsein in der Bevölkerung und somit insbesondere bei den betroffenen Beschäftigten unverändert gering ist. Dabei gibt es zahlreiche effektive Schutzmaßnahmen gegen UV-Strahlung. Welche Hinderungsgründe der Anwendung von Schutzmaßnahmen gegenüberstehen und wie man Vorbehalten zukünftig entgegenwirken kann, untersuchte ein branchenspezifischer Tragetest von UV-Schutzkleidung.
Dass Hautkrebs durch Einwirkung solarer ultravioletter (UV) Strahlung ausgelöst werden kann, ist spätestens seit der Klassifizierung von UV-Strahlung durch die International Agency for Research on Cancer (IARC) als Humankanzerogen bekannt [
1]. Weltweit konstant steigende Erkrankungszahlen [
2,
3] beschäftigen in Deutschland neben den Krankenkassen insbesondere auch die Unfallversicherungsträger [
4], bei denen der Schwerpunkt auf arbeitsbedingten Einwirkungen und den damit einhergehenden Gefährdungen für Arbeitnehmende liegt. Das Risiko, an hellem Hautkrebs zu erkranken, ist für Beschäftigte, die regelmäßig und viel im Freien arbeiten, deutlich erhöht [
5‐
7]. Mit Aufnahme der Berufskrankheit (BK) Nummer 5103 „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung“ in die Liste der Berufskrankheiten im Jahr 2015, wurde dieser Tatsache Rechnung getragen [
8]. Übersteigt die berufsbedingte Einwirkung der solaren UV-Strahlung einer versicherten Person ein bestimmtes Maß, so gilt der kausale Zusammenhang zwischen beruflicher Einwirkung und Erkrankung an hellem Hautkrebs bzw. seiner Präkanzerose als nachgewiesen. Die Kosten für Heilbehandlungen u. ä. werden in diesen Fällen von den Unfallversicherungsträgern getragen. Die BK 5103 ist die am häufigsten angezeigte und auch anerkannte Berufskrankheit bei der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr). So wurden im Jahr 2021 insgesamt 521 Verdachtsanzeigen zur BK 5103 gestellt, von denen 258 Fälle (ca. 50 %) anerkannt wurden. Im Jahr 2022 waren es 539 Verdachtsanzeigen und davon 201 anerkannte Fälle (ca. 37 %). Vorrangig betroffen waren Berufsgruppen, die überwiegend im Freien arbeiten, wie z. B. Beschäftigte in der Binnen- und Seeschifffahrt, der Entsorgung sowie im Post- und Paketdienst.
Um den Tragekomfort und die Akzeptanz von Kleidung, die über einen explizit ausgewiesenen UV-Schutz verfügt (UV-Schutzkleidung), mit der üblichen Arbeitskleidung zu vergleichen, führte die BG Verkehr einen Tragetest unter realistischen Arbeitsbedingungen durch. Zusätzlich dazu wurden beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) Transmissionsmessungen an ausgewählter UV-Schutzkleidung durchgeführt. Ziel dieser Messungen war die Überprüfung der Herstellerangaben zum angegebenen UV-Schutz sowie die Erarbeitung von Empfehlungen zur Auswahl von Kleidung zum Schutz vor UV-Strahlung.
Transmissionsmessungen
Die Schutzwirkung von Kleidung gegen solare UV-Strahlung wird durch den UPF angegeben. Der UPF der Kleidung lässt sich wie folgt berechnen [
23]:
$$\begin{aligned}& UPF=\\& \frac{\sum \limits_{\lambda =290nm}^{\lambda =400nm}E_{\textit{Sonne}}(\lambda )S_{er}(\lambda )\Delta \lambda }{\sum \limits_{\lambda =290nm}^{\lambda =400nm}E_{\textit{Sonne}}(\lambda )S_{er}(\lambda )T(\lambda )\Delta \lambda }\:\end{aligned}$$
(1)
Hierbei ist
ESonne(
λ) die Bestrahlungsstärke der Sonne,
Ser(
λ) das Erythem-Wirkungsspektrum [
26] und
T(
λ) der spektrale Transmissionsgrad bei der Wellenlänge
λ. Der UPF dient als Maß für die Durchlässigkeit der Textilien für UV-Strahlung und gibt an, zu welchem Anteil die UV-Strahlung von der Kleidung abgeschwächt wird. So bedeutet ein UPF von 40, dass nur noch 1/40 der UV-Strahlung, also 2,5 % durch die Kleidung auf die Haut einfällt. Diese Angabe ist analog zum Lichtschutzfaktor (LSF) bei Sonnenschutzmitteln und gibt an, um welchen Faktor sich die Eigenschutzzeit der Haut erhöht bzw. wie viel länger der Träger von dieser Kleidung sich in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand davonzutragen. Im Rahmen dieses Projekts wurde das Prüfverfahren sowie die Berechnungsmethode nach der europäischen Norm EN 13758‑1 [
23] herangezogen. Die Norm orientiert sich am amerikanischen Standard AATCC TM 183-2000 mit dem Sonnenspektrum von Albuquerque, New Mexico.
Als UV-Quelle kam eine lasergetriebene Plasmalichtquelle (Laser-Driven Light Source, LDLS, EQ-99 Manager von Energetiq) zum Einsatz. Diese liefert ein breitbandiges Lichtspektrum, das vom UV- bis in den Infrarotbereich reicht. Zur Aufnahme der spektralen Transmission wurde ein Spektrometer (Spectro 320 von Instrument Systems) verwendet. Der Spektrometer wurde über ein Lichtfaserbündel, das für den entsprechenden Wellenlängenbereich ausgewählt wurde, und einen SMA-Adapter mit einer Ulbricht-Kugel (UPK-50‑L von Gigahertz-Optik GmbH) verbunden. Die Messprobe wurde am Eingang der Ulbricht-Kugel in spannungsfreiem Zustand befestigt. Die Aufnahme der Spektren wurde mithilfe der zum verwendeten Spektrometer mitgelieferten Software durchgeführt. Der Messbereich erstreckte sich von 290 bis 400 nm in Schritten von 1 nm. Die Messzeit betrug 10 ms/nm.
Die Messungen und Berechnungen für einen Zustand (Neuzustand, 10-mal gewaschen, 25-mal gewaschen) können wie folgt beschrieben werden:
1.
Aufnahme des Referenzspektrums Refvorher(λ) der UV-Quelle, ohne Probe an der Öffnung der Ulbricht-Kugel
2.
Aufnahme der Spektren Speki(λ) der transmittierten (direkten und diffusen) Strahlung für jede Messprobe (i = 1 bis n)
3.
Erneute Aufnahme des Referenzspektrums ohne Probe Refnachher(λ). Das aus Refvorher(λ) und Refnachher(λ) gemittelte Spektrum Refmittel(λ) dient als Referenzspektrum für die Messungen der Einzelproben. Dabei stellt die Mittelung der Referenzspektren eine Maßnahme zur Qualitätskontrolle dar.
4.
Berechnung des spektralen Transmissionsgrades Ti(λ) aus dem Quotienten zwischen Speki(λ) und Refmittel(λ) für jede Messprobe
5.
Die UV-A- bzw. die UV-B-Durchlässigkeit sowie der UPF gleichmäßiger Proben, wie in diesem Projekt der Fall, kann ausgedrückt werden durch den arithmetischen Mittelwert des Transmissionsgrades über alle Messpunkte und alle Messproben.
$$\begin{array}{c} UVA_{\textit{mittel}}=\frac{1}{n}\sum \limits_{i=1}^{n}\frac{1}{m}\sum \limits_{\lambda =315}^{\lambda =400}T_{i}\left(\lambda \right)\\ UVB_{\textit{mittel}}=\frac{1}{n}\sum \limits_{i=1}^{n}\frac{1}{k}\sum \limits_{\lambda =290}^{\lambda =315}T_{i}\left(\lambda \right)\\ UPF_{\textit{mittel}}=\frac{1}{n}\sum \limits_{i=1}^{n}\frac{1}{k}\sum \limits_{\lambda =290}^{\lambda =400}T_{i}\left(\lambda \right) \end{array}$$
6.
Aus dem Stichprobenmittel UPFmittel und der Messprobenanzahl n (6 bzw. 8, siehe Kapitel „Aufbereitung der Proben“) wird ein 95 % Konfidenzintervall (KI) berechnet, dessen untere Grenze den UPF des untersuchten Materials ergibt. Ist der so ermittelte Wert kleiner, als der kleinste UPFmin unter allen Stichproben, wird UPFmin als Ergebnis aufgezeichnet. Durch dieses Vorgehen sind die in den Ergebnissen angegebenen Werte als sichere Minimalwerte anzusehen. Da es sich um einen Schutzfaktor handelt, wird hier im Sinne einer „Worst-case“-Betrachtung vom geringst möglichen Schutz ausgegangen.
Diskussion
Im beruflichen Kontext stellen praxisnahe Tragetests von UV-Schutzkleidung eine Ausnahme dar. Dies zeigte auch eine Literaturstudie, die die Fachhochschule Münster in Kooperation mit der BG Verkehr durchgeführt hat (pers. Mitteilung).
Die Teilnehmenden der Tragetests der BG Verkehr waren zwischen 19 und 63 Jahre alt. Die größte Gruppe stellten die 30- bis 59-Jährigen dar. Dies entspricht der Altersstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland [
27]. Der Rücklauf der Fragebögen betrug zwischen 80 und 90 %. So beschreiben z. B. Knuschke et al. [
16], dass sich die Suche nach Unternehmen, die sich an einem Tragetest beteiligen, schwierig gestaltete. Der ursprünglich vorgesehene Zielumfang der Befragungsstudie wurde in der abgestimmten Branchenstruktur nicht erreicht. In der schließlich von Knuschke et al. zum Einsatz gekommenen Testgruppe von 30 Personen betrug der Rücklauf der Fragebögen jedoch 100 %.
Vor dem in diesem Beitrag beschriebenen Tragetest verwendeten 64 % der Teilnehmenden Sonnenschutzmittel und 49 % eine Kopfbedeckung. Nur wenige trugen lange Kleidung. Peters et al. [
28] befragten Bauarbeiter in Kanada zur Anwendung von Sonnenschutz bei der Arbeit. Im Gegensatz zur vorliegenden Studie trugen 82 % der Teilnehmenden Langarmshirts und 79 % Kopfbedeckungen. Nur 29 % der Teilnehmenden verwendeten Sonnenschutzmittel. Aus der Studie von Peters et al. [
28] geht hervor, dass die Unternehmen ihre Beschäftigten im Rahmen des Arbeitsschutzes mit Langarmshirts und Kopfbedeckungen ausstatteten. Sonnenschutzmittel spielten eine untergeordnete Rolle. Knuschke et al. [
16] stellten fest, dass 58 % der Beschäftigten aus dem Baugewerbe „hin und wieder“ Sonnenschutzmittel bei der Arbeit im Freien nutzten. Dies ist mit den Ergebnissen dieser Studie vergleichbar. In der vorliegenden Studie wurden den Teilnehmenden von den Unternehmen vorrangig Sonnenschutzmittel und Kopfbedeckungen angeboten. Daraus lässt sich schließen, dass die Verwendung und Nutzung von Sonnenschutz von der Unternehmenskultur abhängt.
Der Anteil der Teilnehmenden, die sich bei der Arbeit gar nicht vor solarer UV-Strahlung schützten, lag bei 18 %. In der Referenzgruppe ergriffen alle Teilnehmenden Maßnahmen zum Sonnenschutz. Die Referenzgruppe setzte sich aus Personen zusammen, die in den Unternehmen eine Vorbildfunktion innehaben. Diese bestand aus Aufsichtspersonen der BG Verkehr sowie aus Sicherheitsbeauftragten und Vorarbeitenden von Mitgliedsunternehmen. Zu dieser Vorbildfunktion gehörte offensichtlich die Anwendung von Sonnenschutz bei der Arbeit im Freien. Auch Nahar et al. [
29] stellten in einem Review fest, dass die in verschiedenen Studien untersuchten Berufsgruppen ein unterschiedliches Verhalten zum Schutz vor UV-Strahlung aufwiesen. So wurde in einer Feldstudie mit Beschäftigten in Verkehrsbetrieben, im Baugewerbe und in der Postzustellung beobachtet, dass nur 50,4 % der Teilnehmenden ihre Haut ausreichend vor Sonne schützten. Vergleichbare Werte lieferten Erhebungen von D’Souza et al. [
30] und Zink et al. [
19], demnach nutzen ca. 45 % der in den Studien betrachteten Beschäftigten (in erster Linie aus den Bereichen Landwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau sowie Dachdeckerei) keine Art von Sonnenschutz. Vor diesem Hintergrund scheint das im Rahmen der Tragetests betrachtete Probandenkollektiv bereits hinsichtlich der Problematik sensibilisiert zu sein, da hier der Anteil der Personen, die in keiner Form Schutzmaßnahmen ergreifen, deutlich geringer ist.
Im Sommer 2021 gab die Mehrheit mit 27 von 43 Teilnehmenden der Tragetests an, dass sie im Sommer keine lange Kleidung bevorzugen. Im Sommer 2022 favorisierte eine knappe Mehrheit mit 32 von 61 Teilnehmenden das Tragen langer Kleidung im Sommer. Dies spiegelte sich auch in der Referenzgruppe wider. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erlebte Deutschland im Jahr 2021 den regenreichsten Sommer seit 10 Jahren. Die Monate Juni, Juli und August fielen deutlich zu warm und durchschnittlich sonnig aus (Wetter und Klima – Deutscher Wetterdienst – Presse – Deutschlandwetter im Sommer 2021 (dwd.de) [
31]). Im Gegensatz dazu war der Sommer 2022 sehr sonnig und sehr trocken. Damit gehörte er zu den vier wärmsten Sommern seit Aufzeichnungsbeginn (Wetter und Klima – Deutscher Wetterdienst – Presse – Deutschlandwetter im Sommer 2022 (dwd.de); [
32]). Auf den Fragebögen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Anmerkungen zum Tragetest in einem Freitextfeld einzutragen. Während im Jahr 2021 häufig kommentiert wurde, dass der Sommer nicht repräsentativ war und somit für den Tragetest keine idealen Bedingungen bestanden, berichteten Teilnehmende im Sommer 2022, dass die Langarmshirts besser als Sonnencreme vor einem Sonnenbrand auf der Haut schützten und eine kühlende Wirkung hatten. Hieraus lässt sich schließen, dass die Akzeptanz der langen UV-Schutzkleidung von den Wetterbedingungen beeinflusst wurde. In der Feldstudie von Weber et al. [
33] wurde die Bekleidung aus Mikrofaser gegenüber der aus Baumwolle leicht bevorzugt, da das Material auch an Hitzetagen ein angenehmes Körperklima erlaubte.
Insgesamt überwog jedoch der Anteil der Teilnehmenden (62 von 117 Teilnehmenden, 53 %), die das Tragen von langer Kleidung im Sommer ablehnten. Ähnliches beschreiben Knuschke et al. [
16]. Sie führten Tragetests mit Beschäftigten aus dem Baugewerbe durch. 64 % der Teilnehmenden bevorzugten grundsätzlich kurzärmlige Shirts. Rocholl et al. [
34] sowie Weber et al. [
33] stellten ebenfalls fest, dass lange Kleidung generell als problematisch angesehen wird. Der vorliegende Tragetest zeigte allerdings, dass 68 % der Teilnehmenden ihren Kolleginnen und Kollegen das Tragen von langer Kleidung im Sommer empfehlen würden.
Vor Beginn der Tragetests gaben 14 Teilnehmende an, dass sie im Sommer lange Kleidung zum Schutz vor UV-Strahlung tragen. Dies entspricht einem Anteil von 11 %. Nach dem Tragetest waren 55 Teilnehmende bereit, lange UV-Schutzkleidung grundsätzlich im Sommer zu nutzen. Damit erhöhte sich der Anteil auf 47 %. Die Untersuchungen von Rye et al. und Rocholl et al. [
34,
35] zeigten, dass sich die Akzeptanz stets dann erhöhte, wenn die Beschäftigten bei den Entscheidungen beteiligt wurden. Dies scheint auch in der vorliegenden Studie der Fall zu sein.
Im Vergleich zur üblichen Arbeitskleidung wurde UV-Schutzkleidung grundsätzlich positiv bewertet. Auch Weber et al. [
33] stellten bei der Befragung von Beschäftigten in der Klempnerei fest, dass die Akzeptanz von UV-Schutzkleidung hoch ist. Besonders hoben die Teilnehmenden die schnelle Trocknung nach dem Schwitzen und die Hautfreundlichkeit hervor. In der Feldstudie von Weber et al. [
33] bevorzugten die Teilnehmenden ebenfalls Kleidung, die aus Mikrofasermaterial hergestellt wurde. Grifoni et al. [
36] stellten in ihrer Studie keinen Unterschied zwischen Kleidung aus Mikrofaser- oder aus Baumwollmaterialien fest. Im Gegensatz dazu ergab sich aus der Studie von Knuschke et al. [
16], dass die Beschäftigten im Baugewerbe Kleidung aus Baumwollmaterialien favorisierten.
Unter den getesteten Shirts und Multinorm-Overalls gab es immer einen Favoriten, wobei das Aussehen und die Passform eine Rolle spielten. Dies stimmt mit den Beobachtungen von Lee [
37], Weber et al. [
33] und Knuschke et al. [
16] überein, die ebenfalls die Bedeutung von Optik und Passform bei der Auswahl der Kleidung feststellten.
Die Ergebnisse der Transmissionsmessungen zeigten, dass ein Großteil der untersuchten Kleidung einen effektiven Schutz gegen UV-Strahlung bietet und die Herstellerangaben bezüglich des UPF eingehalten werden. Der UPF nahm nach mehrmaligem Waschen zu, was eine Verbesserung der Schutzeigenschaften bedeutet. Auch die Kleidung, die zuvor nicht den angegebenen UPF einhielt, konnte dies nach dem Waschen erreichen. Die Multinorm-Overalls zeigen insgesamt eine gute Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und bieten einen zuverlässigen Schutz für die Trägerinnen und Träger.
Dass das Waschen der Kleidung einen Einfluss auf den UPF der Proben haben kann, wurde bereits im Rahmen anderer Studien beobachtet [
38]. Hier wurde festgestellt, dass der UPF der Proben schon nach 5 Waschzyklen gestiegen ist. Die UPF-Bestimmung wird stark vom UV-B-Anteil des UV-Spektrums beeinflusst, wie in den Bewertungsspektren ausgedrückt. Daher könnte es trotz eines hohen UPF-Wertes sein, dass die UV-Schutzkleidung eine signifikante UV-A-Durchlässigkeit aufweist [
39]. Dies wurde auch im Rahmen der vorliegenden Messungen beobachtet, bspw. bei Probe Nr. 5. Hier ist der Transmissionsgrad im UV-A-Bereich bei allen Modellen größer als im UV-B-Bereich. Insbesondere in Hinblick auf die Zusammensetzung von Sonnenschutzmitteln wird vermehrt die Notwendigkeit zur Berücksichtigung des UV-A-Schutzes diskutiert [
40,
41]. Bisher lag der Fokus hier auf dem Schutz vor UV-B-Strahlung. Da jedoch auch der UV-A-Anteil der solaren Strahlung bekanntermaßen negative Effekte auf den menschlichen Körper hat, wie die vorzeitige Hautalterung, die Entstehung sog. Photodermatosen sowie Anteil am UV-induzierten Hautkrebs [
42], sollte die Reduzierung dieser Komponente zusätzlich bei der Entwicklung von Schutzmaßnahmen gegen solare UV-Strahlung berücksichtigt werden.
Zu den weiteren Faktoren, die den UPF von UV-Schutzkleidung beeinflussen, gehören unter anderem das verwendete Material, die Gewebedichte, das Stoffgewicht und die Farbe der Kleidung [
43‐
45]. Die Art der Endanwendung, wie zum Beispiel das Waschen der Kleidung und die Dehnung während des Tragens, kann ebenfalls Auswirkungen auf den UPF der Kleidung haben [
38,
46,
47]. Der UPF der Kleidung sowie die Veränderung des UPF im Laufe der Nutzung hängt oft gleichzeitig von mehreren Faktoren ab.
Bei der Auswahl von UV-Schutzkleidung sollte grundsätzlich auf Produkte von Herstellern zurückgegriffen werden, die mindestens die Anforderungen der Norm EN 13758-1/2 erfüllen. Beim Kauf von UV-Schutzkleidung sollte nicht nur auf den angegebenen UPF geachtet werden, sondern auch auf den angegebenen Standard, nach dem der UPF bestimmt wurde. Beispiele dazu sind die Angaben „UPF 40+ gemäß EN 13758-2“ [
48] oder „UPF 50+ gemäß AS/NZS 4399“ [
49]. Auf dem Markt kommt es oft vor, dass der Hersteller auf der Webseite des Produkts nur „UPF 50+“ angibt, ohne einen Zertifizierungsstandard zu nennen. Darüber hinaus gibt es weitere Standards, die für die Zertifizierung des UV-Schutzes von Textilien herangezogen werden, wie bspw. den UV Standard 801 des Hohenstein Instituts. Da die auf dem Markt verfügbare Kleidung jedoch häufig in Asien oder Südamerika produziert wird, wird für die Zertifizierung meist auf die international zugänglichen Standards zurückgegriffen. Sofern möglich wird empfohlen, bevorzugt dunkle Farben bei der Auswahl von UV-Schutzkleidung zu berücksichtigen. Dunkle Farben weisen in der Regel einen höheren UPF auf und bieten somit einen besseren Schutz vor UV-Strahlung [
44].
Um den vom Hersteller angegebenen UPF der UV-Schutzkleidung zu erreichen, sollte die Kleidung vor dem Tragen grundsätzlich gewaschen werden. Es wird empfohlen, die Waschvorgaben des Herstellers zu beachten, insbesondere die angegebene Waschtemperatur. In der Regel wird eine Waschtemperatur von 60 °C empfohlen, um eine hygienische Reinigung zu gewährleisten. Wenn die Reinigung der Kleidung an einen externen Dienstleister ausgelagert wird, sollte darauf hingewiesen werden, dass die Waschvorgaben des Herstellers eingehalten werden.
Folgende Randbedingungen können für die Auswahl von Kleidung zum Schutz vor solarer UV-Strahlung zusammengefasst werden:
-
Polyester bietet oft einen hohen UV-Schutz.
-
Der UPF steigt mit abnehmenden Garn-zu-Garn-Abständen, zunehmendem Stoffgewicht und zunehmender Stoffdicke.
-
Dunklere Farben haben in der Regel einen höheren UPF als hellere Farben.
-
Der UPF nimmt unter Dehnung der Kleidung ab.
-
Bei Baumwollstoffen nimmt der UPF ab, wenn der Stoff nass wird.
-
Nach dem Waschen kann der UPF der Kleidung zunehmen.
Ausblick
Das Risikobewusstsein in Hinblick auf die Wirkung der solaren UV-Strahlung ist bei den besonders betroffenen Beschäftigten (in erster Linie Beschäftigte, die im Freien arbeiten) recht gering und muss insbesondere bei jungen Beschäftigten gestärkt werden [
20,
28]. Es zeigt sich, dass die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen durch Beteiligung der Beschäftigten am Entscheidungs- und Auswahlprozess deutlich erhöht werden kann [
34,
35]. Dazu bietet sich an, vor Beschaffung von Schutzkomponenten ggf. mehrere Modelle verschiedener Hersteller zur Auswahl zu stellen. Um die Nutzung von Sonnenschutzmaßnahmen im beruflichen Kontext zu etablieren, ist zudem eine enge Verbindung mehrerer Komponenten essenziell: Die Information der Beschäftigten legt den Grundstein für das weitere Vorgehen, dazu muss sich jedoch der Arbeitgeber über eine mögliche Gefährdung der Beschäftigten bewusst sein. Hinzu kommt, dass eine nachhaltige Verhaltensänderung nur dann erfolgen kann, wenn auch im privaten Bereich ein Umdenken in Bezug auf die Gefährdung und die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen erfolgt [
50]. In Bezug auf primäre Prävention sind die hauptsächlichen Hinderungsgründe, dass die Menschen sich gesund fühlen und demnach die Gefährdung verharmlost wird [
51]. Da sich Hautkrebs erst nach Jahren oder Jahrzehnten der Exposition manifestiert, wird die Gefährdung nicht als akut wahrgenommen. In diesem Zusammenhang ist die stetige Aufklärung und Wissensvermittlung essenziell, z. B. im Rahmen von Gesundheitstagen, UV-Schutzkampagnen etc.
Die untersuchte UV-Schutzkleidung stellt nur einen Bruchteil der auf dem Markt erhältlichen UV-Schutzkleidung dar. Als Konsequenz aus den Messungen sollte geprüft werden, ob die Erstellung eines Empfehlungskatalogs für auf dem Markt erhältliche UV-Schutzkleidung zielführend sein kann. Dieser Katalog würde es ermöglichen, UV-Schutzkleidung mit einem hohen Qualitätsstandard und zuverlässigem UV-Schutz auszuwählen.
Zudem wird diskutiert, dass neben dem angegebenen Schutzfaktor der Kleidung als Maß für die Abschwächung der einfallenden UV-Strahlung weitere Kriterien zur Bewertung der Schutzwirkung herangezogen werden sollten. So beschreibt der Garment Protection Factor (GPF) die exponierte Körperfläche [
52]. Je größer der Wert, desto besser der Schutz, da umso mehr Körperfläche bedeckt ist. Demnach könnte bei der Auswahl der Kleidung neben dem UPF auch zusätzlich der Anteil der bedeckten Körperfläche für die Auswahl ausschlaggebend sein.
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