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Die Pathologie

Doppelte Rarität: Die Koinzidenz von zwei seltenen Speicheldrüsentumoren

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Redaktion

Matthias Gaida, Mainz
Wilfried Roth, Mainz

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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Vorbekannt ist bei der 27-jährigen Patientin ein im Alter von 10 Jahren aufgetretenes EBV-assoziiertes B‑Zell-Non-Hodgkin-Lymphom mit Z. n. erfolgreicher Therapie und allogener Stammzelltransplantation. In einer Kontrolluntersuchung wurde ein 2 cm großer Tumor in der Parotis entdeckt (Abb. 1). Darüber hinaus offenbarte sich eine weitere umschriebene, teils bekapselte, 4,5 mm große Läsion (Abb. 2).
Abb. 1
Histologisch kam eine synzytial gewachsene epitheliale Neoplasie mit ausgedehntem assoziierten lymphozytär dominierten Entzündungsinfiltrat zur Darstellung (ab). Immunhistochemisch zeigte sich eine positive Färbereaktion für Panzytokeratin (c), p40 und CK5/6 bei Negativität für p16 und positiven Signalen in einer EBER-in-situ-Hybridisierung (d). Bei unauffälliger Panendoskopie des übrigen HNO-Gebiets wurde die Diagnose eines EBV-assoziierten lymphoepithelialen Karzinoms der Parotis gestellt. In einigen ethnischen Gruppen (insbesondere bei der Inuitpopulation sowie der südchinesischen, japanischen, nordafrikanischen und mongolischen Population) machen lymphoepitheliale Karzinome 3,6–92 % der malignen Speicheldrüsentumoren aus, wohingegen sie in nichtendemischen Regionen nur 0,3–0,7 % der Speicheldrüsenmalignome repräsentieren [1]. Die Läsion wurde zweizeitig operiert. Im Präparat der Restparotidektomie zeigten sich keine weiteren Anteile des lymphoepithelialen Karzinoms
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Abb. 2
Umschriebene, teils bekapselte, 4,5 mm große Läsion bestehend aus dicht gelagerten Drüsenstrukturen mit einer duktalen Zelllage aus kleinen, monomorphen, runden Zellkernen und breitem eosinophilen Zytoplasma sowie umgebend einer flachen myoepithelialen Zelllage (a). Immunhistochemisch wies die Läsion eine positive Färbereaktion für Panzytokeratin und CK7 (b) auf mit Markierung der Myoepithelien mittels p40 und CK5/6 (c). Eine EBER-in-situ-Hybridisierung verblieb negativ (d). In Zusammenschau der Anamnese, der Morphologie und Immunhistochemie stellten wir die Diagnose eines Schaltstückadenoms („intercalated duct adenoma“). Schaltstückadenome sind seltene, benigne Speicheldrüsentumoren, die häufig inzidentell, insbesondere im Rahmen von anderen, meist neoplastischen Speicheldrüsenerkrankungen gefunden werden [1]
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Interessenkonflikt

V. Haug, B. Ernst und R. Winkelmann geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. P.J. Wild hat Beratungsvergütungen und Honorare für Vorträge erhalten von Bayer, Janssen-Cilag, Novartis, Roche, MSD, Astellas Pharma, Bristol-Myers Squibb, Thermo Fisher Scientific, Molecular Health, Sophia Genetics, Qiagen und AstraZeneca.
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Titel
Doppelte Rarität: Die Koinzidenz von zwei seltenen Speicheldrüsentumoren
Verfasst von
Dr. Viktoria Haug
PD Dr. Benjamin Ernst
Prof. Dr. Peter J. Wild
Dr. habil. Ria Winkelmann
Publikationsdatum
24.11.2025
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Pathologie
Print ISSN: 2731-7188
Elektronische ISSN: 2731-7196
DOI
https://doi.org/10.1007/s00292-025-01482-2
1.
Zurück zum Zitat WHO Classification of Tumours Editorial Board (2023) Head and neck tumours [Internet]. Lyon (France): International Agency for Research on Cancer. https://tumourclassification.iarc.who.int/chapters/52. Zugegriffen: 30. Sept. 2025

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Bildnachweise
Histologisches Bild Parotistumor/© Haug V et al. doi.org/10.1007/s00292-025-01482-2 unter CC-BY 4.0, Stereotaktische Strahlentherapie (SBRT) einer solitären ossären Metastase in dem Brustwirbelkörper/© Springer Medizin Verlag GmbH, Frauen ruhen im Krankenhaus /© Gorodenkoff / Stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Hysterektomie/© nkeskin / Getty Images / iStock