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10.04.2019 | Tumorerkrankungen | Nachrichten

Mikrobiom

Lösen Bakterien Mundhöhlenkrebs aus?

Autor:
Dr. Beate Schumacher

Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle unterscheiden sich im oralen Mikrobiom von gesunden Menschen. Parodontale Pathogene könnten daher an der Krebsentstehung beteiligt sein. Die Hinweise darauf stammen aus einer kleinen Fall-Kontroll-Studie.

Immer mehr Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle (oral cavity squamous cell cancer, OC-SCC) haben keinen der bekannten Risikofaktoren – sie rauchen nicht, trinken nicht (im Übermaß) und sind nicht mit HPV infiziert.

Ärzte aus New York sind deswegen Hinweisen nachgegangen, dass Veränderungen im Mikrobiom der Mundhöhle, die sich etwa bei schlechter Mundhygiene einstellen, zur Krebsentstehung beitragen könnten (Int J Cancer 2019, online 22. Januar).

In einer kleinen Fall-Kontroll-Studie konnten sie tatsächlich im Mundmikrobiom von OC-SCC-Patienten einen höheren Anteil bestimmter pathogener Bakteriengattungen nachweisen. An der Studie nahmen 18 OC-SCC-Patienten teil, 8 Patienten mit prämalignen Läsionen (PML) und 12 gesunde Kontrollpersonen.

Alle waren Nichtraucher und negativ für Hochrisiko-HP-Viren; die drei Gruppen unterschieden sich außerdem nicht im Alkoholkonsum. Die Mikrobiomproben wurden durch Mundspülung gewonnen und mittels 16SrRNA-Sequenzierung analysiert.

80 Prozent Vorhersagegenauigkeit

Signifikante Unterschiede fanden sich bei insgesamt fünf Bakteriengattungen: Fusobacterium, Prevotella und Alloprevotella, alle drei pathogen, waren bei OC-SCC-Patienten stärker vertreten als bei Gesunden, der Kommensale Streptococcus war dagegen unterrepräsentiert. Bei PML-Patienten war im Vergleich zur Kontrollgruppe eine Zunahme nur von Fusobacterium und Veillonella zu verzeichnen.

OC-SCC- und PML-Patienten unterschieden sich nicht signifikant in der Mikrobiomzusammensetzung. Bei den drei Pathogenen Fusobacterium, Prevotella und Alloprevotella war außerdem über die Sequenz von gesund über PML zu OC-SCC ein Anstieg festzustellen; umgekehrt wurde der Streptokokkenanteil fortlaufend geringer.

Die Forscher um Dr. Ian Ganly vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center teilten daher die 38 Mikrobiomproben in zwei Typen ein: mit viel (high) und mit wenig (low) parodontalen Pathogenen. Mit dieser Klassifizierung konnten PML und OC-SCC mit einer Genauigkeit von über 80 Prozent vorhergesagt werden.

Chronische Entzündung

Eine nahe liegende Erklärung für die beobachtete Assoziation ist, dass die im Übermaß vorhandenen Pathogene eine chronische Entzündung auslösen und dadurch die Krebsentstehung fördern. Gestützt wird diese Theorie auch durch die Analyse von Genen in den Mikrobiomproben. Mit fortschreitender Erkrankung stieg der Anteil von bakteriellen Genen, die für Hitzeschockprotein 90 (HSP90) und für Liganden der Toll-Like-Rezeptoren (TLR) 1, 2 und 4 kodieren.

Die Spiegel an humanem HSP sind in vielen Tumoren erhöht; viele der „Client“-Proteine von HSP90 wirken als onkogene Treiber. Die Aktivierung von TLR führt über NF-κB zur Produktion inflammatorischer Zytokine.

Sollte sich der Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Mundhöhlenkrebs in größeren Untersuchungen bestätigen, versprechen sich Ganly und Kollegen davon Verbesserungen für das Screening und die Früherkennung solcher Tumoren. Möglicherweise könne bei Patienten mit Risikomikrobiomen mithilfe von Anti- oder Probiotika sogar eine Krebsprävention betrieben werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Welche Bedeutung hat das orale Mikrobiom bei der Entstehung von Plattenepithelkarzinomen der Mundhöhle (OC-SCC)?
  • Antwort: Das Mikrobiom von OC-SCC-Patienten unterscheidet sich von dem gesunder Kontrollpersonen. Drei pathogene Gattungen sind vermehrt vertreten.
  • Bedeutung: Das Mundmikrobiom könnte zur Früherkennung von OC-SCC beitragen.
  • Einschränkung: Kleine Fall-Kontroll-Studie.

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