Zum Inhalt

Diagnostik und multimodale Therapie der Altersdepression

Neue Entwicklungen

Erschienen in:

Zusammenfassung

Depressive Störungen im Alter sind häufig und können entweder erstmals im früheren Erwachsenenalter auftreten und bis ins höhere Alter rezidivieren (ICD 10: F 33.*) oder jenseits des 60. Lebensjahres erstmals beginnen. Diese spät beginnenden Depressionen chronifizieren häufiger und beinhalten ein erhöhtes Risiko, insbesondere in eine vaskuläre Demenz zu münden. Die multifaktorielle Genese der Depression infolge psychosozialer Belastungen im Alter bei modulierenden genetischen, vaskulären und metabolischen Faktoren verlangt eine multimodale Therapie auf biologischer und psychosozialer Ebene, was inzwischen auch zunehmend empirisch belegt ist. Prognostisch und therapeutisch bedeutsam ist die Unterscheidung von depressiven Störungen mit ausgeprägten exekutiven Störungen und kognitiven Defiziten. Bei depressiven Verstimmungen unter akuten Belastungen (z. B. Verlusterlebnisse, schwere Erkrankungen, Konflikte usw.) kann zunächst ein „watchful waiting“ erfolgen. Nach 2 bis 4 Wochen sollte bei Persistenz eine pharmakologische antidepressive Therapie, zumindest ab mittelschwerer Episode, erfolgen. Darüber hinaus wird in der neuen nationalen Versorgungsleitlinie für depressive Störungen auch bei älteren Menschen explizit als Alternative oder Ergänzung eine Psychotherapie empfohlen. Hier sind die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle Therapie und v. a. das Problemlösetraining hervorzuheben, da Letzteres auch von anderen Berufsgruppen durchgeführt werden kann und somit die Versorgungslücke bei den ärztlichen und den psychologischen Psychotherapeuten gemildert wird. Zusammenfassend sollte eine depressive Störung im Alter keinen therapeutischen Nihilismus induzieren: Nach einer gestuften Diagnostik folgen individuell an körperliche, kognitive und soziale Ressourcen angepasste Therapiebausteine.
Titel
Diagnostik und multimodale Therapie der Altersdepression
Neue Entwicklungen
Verfasst von
Prof. Dr. Gerhard W. Eschweiler
Publikationsdatum
19.01.2017
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Vorbeugung von rezidivierenden depressiven Störungen: Strategien für eine nachhaltige Stabilisierung

Was tun, wenn die Depression immer wiederkehrt? Viele Patient*innen erleben nach der ersten depressiven Episode eine gewisse Erleichterung – doch die Gefahr ist groß, dass die Erkrankung zurückkehrt. Erfahren Sie hier mehr über rezidivierende depressive Störungen.

ANZEIGE

Hausärztinnen und Hausärzte als wichtige Begleiter der Therapie

Digitale Aufklärung bei Depression: Das Deutschland-Barometer Depression 2025 zeigt, dass 78 % der Betroffenen online nach Informationen suchen - mit unterschiedlichen Erfahrungen – Lesen Sie mehr!

ANZEIGE

Süß, aber gefährlich: Wie Softdrinks die Stimmung belasten

Immer mehr Forschung verdeutlicht, dass Getränke nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Psyche beeinflussen. Besonders zuckerhaltige Softdrinks stehen im Verdacht, depressive Symptome zu fördern – über Mechanismen, die im Darm beginnen und im Gehirn enden.

ANZEIGE

Depression behandeln. Natürlich.

Hier erhalten Sie Updates zum aktuellen Stand der Wissenschaft bei der Therapie von Depressionen. Insbesondere sind dort detaillierte Erklärungen zum Wirkmechanismus von hochdosiertem Johanniskraut-Extrakt zu finden. Schauen Sie vorbei!

Bayer Vital GmbH
Bildnachweise
Ärztin hält Schild mit "Prophylaxis" hoch/© Daniil Dubov | iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Wütende Frau schaut auf ihr Handy/© fizkes | iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Glas mit Zuckerwürfeln gefüllt und einem Strohhalm/© SB Arts Media I iStock , Frau sitzt am Tisch und guckt traurig/© elenaleonova | iStock