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01.06.2014 | Leitthema | Ausgabe 6/2014

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 6/2014

Vergiftungen in Deutschland

Krankheitsbegriff, Dokumentation und Einblicke in das Geschehen

Zeitschrift:
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz > Ausgabe 6/2014
Autoren:
Dr. Dr. Axel Hahn, K. Begemann, A. Stürer

Zusammenfassung

Vergiftungen sind Teil des Unfallgeschehens in Deutschland, besonders bei Kindern. Vergiftungen, die infolge von Selbsttötungsabsichten (Suizide) oder Missbrauch (Abusus) zustande kommen, werden nicht zu den Unfällen gerechnet. Im Vergleich zu anderen Erkrankungen und Unfällen wird die Zahl der Vergiftungsfälle nicht ausreichend dokumentiert. Es gibt zurzeit keine Institution in Deutschland, die zusammengefasste, repräsentative und aussagekräftige Daten über das Vergiftungsgeschehen zur Verfügung stellen könnte. Bedingt durch die intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit der länderfinanzierten Giftinformationszentren (GIZ) und der Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR-DocCenter), auch in internationaler Zusammenarbeit, sind bereits harmonisierte und standardisierte Elemente für eine Vergiftungsunfall-gerechte Dokumentation und Berichterstattung erarbeitet worden. Eine erste auf die Bundesrepublik Deutschland bezogene Auswertung im Zeitraum 2005 bis 2012 auf der Basis publizierter und aufbereiteter Zahlen zeigt folgende Ergebnisse: Bei ca. 230.000 Beratungsanrufen im Jahr 2012 gab es ca. 207.000 Humanexpositionen im Zusammenhang mit einem relevanten Kontakt mit verschiedenen Noxen. Es ist hier eine jährliche Zunahme von 3–5 % zu verzeichnen. Analysen für das Jahr 2011 in standardisiert aufbereiteten Teilmengen zeigen folgende Ergebnisse: ca. 39 % der Fälle betreffen Heilmittel (davon Arzneimittel human 99 %), ca. 26 % chemische/physikochemische Mittel (davon 46 % Reinigungs-, Putz- und Pflegemittel), ca. 14 % Bedarfsmittel (davon Kosmetika 40 %) und ca. 10 % Pflanzen. Über 90 % betreffen akute und weniger als 5 % chronische Vergiftungen. Bezogen auf die Schweregrade der Vergiftungen verliefen 44 % der Fälle asymptomatisch, in 30 % traten leichte, in 6 % mittlere und in 2 % schwere Symptome auf. Todesfälle sind selten (< 0,1 %). Vergiftungsunfälle verursachen den größten Teil der Fälle (67 %), an zweiter Stelle stehen Suizide (20 %), an dritter Stelle missbräuchliche Anwendungen (Abusus) und gewerbliche Vergiftungen mit 4 %. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) und Verwechslungen im Medizinbereich machen 1 % der Fälle aus. Kinder im Alter von 1 bis 2 Jahren haben das größte Risiko. Ein Ausschuss der BfR-Kommission „Bewertung von Vergiftungen“ hat bereits Vorschläge für ein nationales Monitoring zum Vergiftungsgeschehen in Deutschland entwickelt. Ein engagiertes Ziel ist es, auch in Deutschland einen jährlichen Report ähnlich dem des US-amerikanischen Berichtes des National Poison Data System der American Association of Poison Control Centers (AAPCC) aufzustellen.

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