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Über dieses Buch

Ob in Studium, Ausbildung oder psychotherapeutischer Praxis …

(1) Allgemeine Grundlagen verhaltenstherapeutischen Arbeitens. (2) Einzelverfahren, Methoden und Behandlungspläne – detailliert und anwendungsbezogen. (3) Hilfe, um zu lernen, wie man Verhaltenstherapie konkret umsetzt. (4) Grundlage für Supervision und Qualitätssicherung in der Verhaltenstherapie.

… bewährt für den Einstieg und als Nachschlagewerk

68 psycho- und verhaltenstherapeutische Methoden. 21 Einzel- und Gruppentherapieprogramme. 25 Behandlungsanleitungen für psychische und psychosomatische Störungen. Mit einheitlichem Kapitelaufbau. Indikationsstellung, technisches Vorgehen, Nebenwirkungen und Kontraindikationen, weiterführende Literatur.

Praxisnäher geht es nicht!

Welche Verfahren sind sinnvoll bei Posttraumatischer Belastungsstörung? Wie baue ich ein Problemlösetraining fachgerecht auf? Wie funktioniert Achtsamkeitstraining? Was macht ein Schematherapeut? Was ist CBASP? Wie funktioniert ACT? Antworten auf diese und viele weitere Fragen in der vollständig überarbeiteten 8. Auflage des Verhaltenstherapiemanuals.

Geschrieben für Psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, Verhaltenstherapeuten, Psychiater, Klinische Psychologen, Ausbildungskandidaten Verhaltenstherapie.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Erratum zu: Verhaltenstherapiemanual

Michael Linden, Martin Hautzinger

Grundlagen

Frontmatter

1. Psychotherapie, Verhaltenstherapie und Therapietechniken

Unter Psychotherapie versteht man eine besondere Form zwischenmenschlicher Interaktion, bei der ein Therapeut mit Mitteln der verbalen und nonverbalen Kommunikation, gelegentlich unter Einbezug von Apparaten, einen oder mehrere Patienten in ihrem Verhalten, ihren Einstellungen oder Denkweisen beeinflusst. So ist Psychotherapie als die Form sozialer Einflussnahme anzusehen, die charakterisiert ist durcheinen professionellen Helfer, dessen Ausbildung und Fertigkeiten vom Patienten und seinem sozialen Milieu anerkannt werden,einen Patienten, der in der Regel positive Erwartungen an die Hilfe des Therapeuten hat,eine beschränkte Anzahl an Kontakten, mehr oder weniger in Anlehnung an bestimmte fachliche Regeln,strukturierte Kontakte,einen therapeutischen Auftrag und ein klar benennbares Behandlungsziel sowieein definiertes Set an operationalisierbaren Behandlungsinterventionen.

N. Hoffmann

2. Diagnostik in der Verhaltenstherapie

Die Funktionen psychologischer Diagnostik lassen sich einteilen in indikationsorientierte Diagnostik, in Verlaufs- bzw. Prozessdiagnostik und in evaluative Diagnostik. Vor Beginn der Therapie geht es um die Deskription der Ausgangslage eines Patienten, die Klassifikation der Symptomatik, die therapeutischen Problemstellungen (Fallkonzeption), die Selektion und Beschreibung therapeutischer Problembereiche, die Selektion von Interventionsstrategien und spezifischer Vorgehensweisen (differenzielle und selektive Indikation), die Abschätzung der Veränderbarkeit der Symptomatik sowie des Entwicklungsverlaufs der Therapie (Prognose). Während der Behandlung erfüllt die Diagnostik Funktionen der Qualitätskontrolle sowie der Therapiesteuerung. Nach Abschluss der Behandlung leistet psychologische Diagnostik die Beurteilung des Erfolges und der Effektivität. Die Qualität der Psychodiagnostik bestimmt sich allein durch die Qualität der Instrumente und die Multimodalität der Erhebungen.

M. Hautzinger

3. Multimodale Therapieplanung (BASIC-ID)

Multimodale Therapieplanung ist eine spezifische, systematisch organisierte, diagnostische und behandlungsplanende Vorgehensweise in der Psychotherapie, die vor allem sieben Bereiche berücksichtigt. Zur Kennzeichnung dieser sieben Bereiche hat sich die Abkürzung BASIC-ID eingebürgert: Verhalten, Affekt, Empfinden, Vorstellungen, Kognitionen, soziale Beziehungen, Drogen/Medikamente.

A. A. Lazarus

4. Selbsterfahrung

Selbsterfahrung ist in der Ausbildung in Psychotherapie verpflichtend. Je nach Orientierung umfasst sie verschiedene Komponenten (Eigen- oder Lehrtherapie, Selbstanwendung therapeutischer Methoden, themenzentrierte Gruppen etc.). Ihr generelles Ziel ist die Unterstützung der Entwicklung psychotherapeutischer Kompetenzen, insbesondere persönlicher und interpersonaler, methodischer und prozessualer. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben stellt sich die Frage der Indikation nicht; bei unsachgemäßer Anwendung kann sie aber durchaus zu negativen Entwicklungen beitragen. Obwohl zahlreiche Studien aus tiefenpsychologisch-humanistischen Orientierungen Effekte in die erwünschte Richtung nahelegen, sind solche für die Verhaltenstherapie vergleichsweise wenig belegt. Die vorliegende Evidenz legt den Schluss nahe, dass sie zur Entwicklung erwünschter persönlicher, interpersonaler und methodisch-technischer Fertigkeiten beiträgt, ebenso zur Sensibilisierung für persönliche Anteile am Therapiegeschehen.

A.-R. Laireiter

5. Strukturierung des Therapieablaufs

Eine unmittelbare positive Wirkung jeder Psychotherapie besteht darin, dass die Auseinandersetzung des Patienten mit seinen Problemen und Schwierigkeiten einen geordneten Rahmen erhält. Während er bislang u. U. viele ungeordnete Versuche unternommen hat, seine Probleme in den Griff zu bekommen, kommt es bei Beginn einer Psychotherapie zu einer Koordination all dieser Bemühungen. Er findet im Therapeuten einen Gesprächspartner, von dem er zu festen Terminen und unter gleichbleibenden Bedingungen (Ort, Honorar etc.) Hilfe erwarten kann. Dieser Effekt, zusammen mit dem Erleben der Kompetenz und der Empathie des Therapeuten, bewirkt sicherlich die oft eintretende positive Veränderung, die als „positive therapeutische Reaktion“ bezeichnet wird. Allerdings ergeben sich daraus auch Erwartungen des Patienten an die Therapiesituation und damit an den Therapeuten, die die positive Reaktion erlöschen oder in ihr Gegenteil umschlagen lassen, wenn sie nicht einigermaßen erfüllt werden.

N. Hoffmann

6. Supervision

Supervision hat nicht nur in der Ausbildung junger Psychotherapeuten, sondern lebenslang eine qualitätssichernde Funktion. Inhalte und Methoden von Supervision sowie Funktionen eines Supervisors in der Ausbildung werden besprochen und von anderen Ausbildungsteilen wie Selbsterfahrung abgegrenzt. Dabei wird der Doppelcharakter der Supervision als Unterstützung der Ausbildungsteilnehmer und als deren Kontrolle zum Schutze der Patienten herausgearbeitet.

D. Zimmer

7. Therapeut-Patient-Beziehung

Die therapeutische Beziehung ist auch in der Verhaltenstherapie von prognostisch großer Bedeutung. Der Beitrag diskutiert, welche Wirkmechanismen hier zum Tragen kommen und welche Anforderungen auf Therapeuten bei unterschiedlichen Störungsbildern, individuellen Beziehungsmustern ihrer Patienten und während unterschiedlicher Therapiephasen zukommen. Hinweise zur Gesprächsführung werden abgeleitet. Berufsrechtliche und rechtliche Rahmenbedingungen und Anforderungen werden geklärt.

D. Zimmer

8. Nebenwirkungen und Nebenwirkungserfassung in der Verhaltenstherapie

Nebenwirkungen sind unvermeidliche negative Begleitwirkungen einer korrekt durchgeführten Psychotherapie, auch dann, wenn das Therapieziel ohne diese negative Begleitreaktion nicht erreichbar ist. Die Nebenwirkungserfassung beginnt mit der Sammlung unerwünschter Ereignisse. Dabei sind nicht nur Symptome, sondern auch Negativereignisse im sozialen Umfeld (z. B. Kündigung) zu berücksichtigen. Dann ist der Zusammenhang mit der Therapie zu klären unter Bezug auf psychotherapeutische Prozesse wie Theoriemodell, Diagnostik, technische Intervention, Sensitization-Prozesse, Erinnerungsverfälschungen, Enthemmungsphänomene oder die therapeutische Beziehung. Therapeuten, die keine Nebenwirkungen ihrer Therapie sehen, haben sie übersehen.

M. Linden

Techniken

Frontmatter

9. Achtsamkeitsübungen

Achtsamkeitsübungen spielen seit den 1990er-Jahren eine zunehmend wichtige Rolle für die Verhaltenstherapie: Verschiedene Ansätze wie die Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT), die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und die Acceptance and Commitment Therapy (ACT) integrieren Achtsamkeitsübungen in verhaltenstherapeutische Behandlungsstrategien. Der Beitrag stellt zunächst das Prinzip Achtsamkeit vor. Nach einer Darstellung der Indikationen und Kontraindikationen werden das Vorgehen zur Einübung von Achtsamkeit sowie zentrale Achtsamkeitsübungen (Body-Scan, Atemmeditation, informelle Übungen) kurz erläutert. Im weiteren Verlauf werden mögliche Erfolgskriterien sowie der Grad der empirischen Absicherung vorgestellt.

T. Heidenreich, J. Michalak

10. Aktivitätsaufbau

Aktivitätsaufbau ist ein psychotherapeutisches Verfahren, bei dem ein Patient lernt, häufiger als bisher aktiv zu handeln. Dabei werden vornehmlich solche Aktivitäten aufgebaut, die positive Verstärkung vermitteln oder die Aversivität bestimmter Ereignisse reduzieren. Aktivitätsaufbau kommt bei unterschiedlichen Störungsbildern zum Einsatz, z. B. bei depressiven Störungen. Es empfiehlt sich, den Aktivitätsaufbau in vier Phasen durchzuführen: (1) Instruktion und Messung des Aktivitätsniveaus, (2) Erhöhung des allgemeinen Aktivitätsniveaus, (3) Aufbau spezifischer Aktivitäten, (4) Aufrechterhaltung des Aktivitätsniveaus und spezifischer Aktivitäten. Neuere Metaanalysen weisen darauf hin, dass der Aufbau positiver Aktivitäten bzw. körperlicher Aktivität bei Patienten unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Störungen meist wirksam deren Symptomatik verbessert. Wichtige Grundlagen zur Indikation sowie zu Nebenwirkungen und Kontraindikationen des Verfahrens werden vorgestellt.

G. Meinlschmidt, D. Hellhammer

11. Apparative Enuresistherapie

Die Funktionsweise der apparativen Enuresistherapie (AVT), theoretische Grundlagen, methodische Veränderungen und Ergänzungen des Verfahrens sowie die Entwicklung der apparativen Anordnung seit Mowrer u. Mowrer (1938) werden ebenso beschrieben wie die technisch-therapeutische Durchführung der Therapie, Behandlungskomplikationen und Vorbehalte gegen die AVT. Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen werden dargestellt und praktische therapeutische Fragen erörtert. Zum Schluss werden Erfolgskriterien und der Grad der empirischen Absicherung diskutiert, und es wird eine persönliche Bewertung abgegeben.

H. Stegat, M. Stegat

12. Aufmerksamkeitstraining

Das Aufmerksamkeitstraining (ATT) ist eine zentrale Behandlungstechnik der Metakognitiven Therapie (MCT). Im Zentrum des Störungsverständnisses der MCT stehen unflexibel und perseverierend eingesetzte dysfunktionale Strategien des Denkens (z. B. Grübeln), der Aufmerksamkeitslenkung und des Verhaltens, das sog. Kognitive Aufmerksamkeitssyndrom (CAS). Das ATT beeinflusst diese Variablen positiv: Es schult das metakognitive Bewusstsein, stärkt die Kontrolle über Prozesse der Aufmerksamkeitslenkung und unterbricht die exzessive und unflexible Selbstaufmerksamkeit, die wir beim CAS vorfinden. Es ermöglicht den Patienten, zu erleben, dass sie trotz des Auftretens negativer Gedanken oder innerer Bilder Kontrolle darüber haben, welchen Dingen sie sich zuwenden. Das ATT ist nicht mit einer Bewältigungsstrategie für unangenehme Gedanken oder Gefühle zu verwechseln. Es ist ein Training von Fertigkeiten, die für psychische Gesundheit wichtig sind.

O. Korn

13. Beratung

Die Schwierigkeit, „Beratung“ von „Psychotherapie“ zu differenzieren, wird in diesem Kapitel dargestellt. Zentral wird die Vorgehensweise bei Beratung als Interventionsmethode im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung dargestellt. Beschrieben werden dabei die Problemanalyse, die Wissensvermittlung, die Verhaltensberatung, die Motivationsförderung und die Netzwerkarbeit. Die empirische Evidenz von Beratung als Interventionsmethode im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist noch gering.

M. Borg-Laufs, S. Schmidtchen

14. Beruhigende Versicherungen (»reassurance«)

Beruhigende Versicherungen (»reassurance«) sind sachlich fundierte, für den Patienten verständliche und nachvollziehbare Therapeutenäußerungen über seine Erkrankung, die eine Unsicherheit reduzierende, Hoffnung erweckende und Perspektive aufbauende Wirkung auf ihn haben. Insofern sind sie bei allen psychischen Störungen notwendig und bilden in den diversen Stadien der Therapie einen unverzichtbaren Teil der therapeutischen Intervention. Eine positive Wirkung beruhigender Versicherungen setzt voraus, dass der Patient den Therapeuten für kompetent hält, dass dessen Äußerungen glaubhaft wirken und überzeugend sind. Beruhigende Versicherungen sind keine unspezifischen Äußerungen, sondern müssen sich jeweils spezifisch auf den vorliegenden Kontext beziehen.

N. Hoffmann, B. Hofmann

15. Bestrafung

Unter Bestrafung versteht man ein therapeutisches Vorgehen, bei dem die zukünftige Auftrittswahrscheinlichkeit von unerwünschtem Verhalten reduziert werden soll. Dies kann entweder durch die Anwendung eines aversiven Reizes als Folge der Reaktion (direkte Bestrafung) oder durch den Entzug eines positiven Reizes (Löschung) erfolgen. Bei der Durchführung sind enge Indikationskriterien ebenso zu berücksichtigen wie klare Prinzipien der technischen Umsetzung. Ebenso relevant ist die Beachtung von ethischen Richtlinien. Für die Wirksamkeit des Verfahrens sind die Unterbrechung der Verhaltenskette und die Möglichkeit zum Aufbau von alternativem Verhalten entscheidend.

H. S. Reinecker

16. Bio- und Neurofeedback

Das Grundprinzip des Biofeedbacks basiert auf der kontingenten Rückmeldung physiologischer Prozesse, die von den Sinnesorganen nicht oder nur ungenau wahrgenommen werden können. Mittels technischer Apparaturen werden diese physiologischen Prozesse in aller Regel schmerzfrei und nichtinvasiv gemessen und in visueller, akustischer oder taktiler Form rückgemeldet. Die Wahrnehmung der physiologischen Prozesse ermöglicht oder erleichtert die willentliche Selbstkontrolle dieser Körperfunktionen. Durch die erreichte Selbstkontrolle lassen sich viele Störungen, die mit Fehlfunktionen einzelner physiologischer Systeme (z. B. Muskulatur, Herzaktivität, Durchblutung von Körperteilung, Aktivierung von Nerven und Nervenzellen, Temperatur) einhergehen, gezielt beeinflussen. Biofeedback ist bei vielen Störungen (z. B. Spannungskopfschmerz, Verspannungsschmerzen, Migräne, Epilepsie) ein wirksamer Behandlungsbaustein.

H. Waschulewski-Floruß, W. H. R. Miltner, G. Haag

17. Blasenkontrolltraining

Die Funktionsweise des Blasenkontrolltrainings (BKT), die theoretische Grundlage, Indikation und die technische Durchführung des Verfahrens werden dargestellt. Seine Erfolgskriterien und der Grad der empirischen Absicherung werden diskutiert, und es wird eine persönliche Bewertung des Verfahrens abgegeben.

H. Stegat, M. Stegat

18. Cue Exposure (Reizexposition)

Cue Exposure ist eine spezielle Form von Expositionstherapie. Anders als bei Angst- oder Zwangsstörungen dient Exposition hier nicht dem Abbau von Flucht- oder Vermeidungsverhalten, sondern zielt auf gestörtes Annäherungs- und Konsumverhalten, wie es bei süchtigem oder suchtartigem Verhalten (beispielsweise bei Alkoholabhängigkeit) zu beobachten ist. Patienten werden dabei mit Stimuli und Situationen konfrontiert, die Suchtverlangen (Craving, Suchtdruck, Gier), also einen motivationalen Zustand auslösen. Dieser begünstigt Rückfälle und trägt zur Aufrechterhaltung von Suchtverhalten bei. Durch Konfrontation mit sog. Cues soll Suchtverlangen gelöscht und damit die Wahrscheinlichkeit für künftiges Suchtverhalten reduziert werden. Cue Exposure stellt eine sinnvolle Erweiterung bisheriger multimodaler Behandlungsprogramme dar.

B. Lörch

19. Diskriminationstraining

In dem Kapitel werden Reiz- und Reaktionsdiskrimination unterschieden und ihre Bedeutung für Lernprozesse verdeutlicht. Die Fähigkeit zu unterscheiden bestimmt über die kognitive, die sprachliche und die sozial-emotionale Entwicklung. Entsprechend werden Diskriminationstrainings bei verschiedenen therapeutischen Indikationen angewendet, z. B. bei autistischen und retardierten Kindern zur Sprachförderung oder bei emotionalen und Verhaltensstörungen zum Aufbau sozialer Kompetenzen. Solche Trainings können mit simultaner oder sukzessiver Reizvorgabe arbeiten; dies ist störungs- bzw. therapieabhängig. Beispiele verdeutlichen das Vorgehen.

U. Petermann

20. Ejakulationskontrolle

Die Methoden der Ejakulationskontrolle (Squeeze- oder Drucktechnik, bei weniger ausgeprägter Symptomatik die Stop-Start-Methode) sind therapeutische Verfahren, die in der Behandlung des vorzeitigen Samenergusses (Ejaculatio praecox) angewandt werden. Beide Methoden gehen auf Semans zurück und wurden von den Pionieren der Sexualtherapie, Masters und Johnson, ausführlich beschrieben. Zur Gesamtbehandlung der Ejaculatio praecox hat sich die Weiterentwicklung der auf Masters und Johnson fußenden Sexualpsychotherapie bewährt. Sie umfasst die verbale Bearbeitung der sexuellen Problematik mit beiden Partnern zusammen sowie das Sensualitätstraining und ist auf die sexuelle Problematik fokussiert. Die Squeeze-Technik oder die Stop-Start-Methode werden während der letzten Stufen des Sensualitätstrainings angewendet. Das Vorgehen ist graduell und nähert sich dem Therapieziel in gestufter Weise.

G. Kockott, E.-M. Fahrner-Tutsek

21. Empathie

Empathie ist im Sinne von „empathischem Verstehen“ eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Therapeut einen Patienten valide verstehen kann: Auf diese Weise kann der Therapeut ein „Patientenmodell“ entwickeln, das die Grundlage für therapeutische Strategien und Interventionen bildet. Das Vorgehen bei einer solchen Informationsverarbeitung wird geschildert.

R. Sachse

22. Emotions-regulations-training

Nach einer emotionspsychologischen Grundlegung der Prozesse der Emotionsregulation werden deren Störungen dargelegt (Über- und Unterregulation) und das differenzierte Vorgehen im Training der Emotionsregulation beschrieben. Zentral sind bewusster Umgang mit Emotionen, Aufbau von Steuerungsfähigkeit für die Unterregulation vs. Akzeptanz und Emotionsexposition bei Überregulation. Dafür ist neben klassisch kognitiv-behavioraler Gesprächsführung die Fähigkeit zur emotiven Gesprächsführung erforderlich, die möglichst früh in Aus- und Weiterbildung vermittelt werden muss (u. a. Arbeit mit somatischen Markern).

S. K. D. Sulz

23. Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren sind Techniken oder Induktionsmethoden, mit denen eine Entspannungsreaktion schnell und bewusst in Gang gesetzt werden kann. Im Gegensatz zur angeborenen Alarmreaktion läuft die Entspannungsreaktion nicht reflexartig ab. Sie kann jedoch durch regelmäßiges Üben gebahnt und stabilisiert werden. Entspannungsverfahren werden wegen ihres breiten Indikationsspektrums gelegentlich als ein „Basispsychotherapeutikum“ bezeichnet. Neben den allgemeinen Indikationen zur besseren Stressbewältigung, bei Konzentrationsstörungen und Störungen im Schlafrhythmus sind eine Reihe klinischer Indikationen gut belegt. Akute Psychosen und andere schwere psychische Störungen, bei denen der Kontakt zur Realität wesentlich eingeschränkt oder verändert ist, sollten nicht mit Entspannungsverfahren behandelt werden. Das Vorgehen bei der Progressiven Relaxation wird beschrieben und der Stellenwert von Entspannungsverfahren in der VT diskutiert.

C. Derra, M. Linden

24. Exposition und Konfrontation

Exposition (Konfrontation) in vivo und in sensu gehört zu den frühesten und bis heute effektivsten Techniken der Verhaltenstherapie, insbesondere bei Phobien, Panikstörung, PTBS, Zwangshandlungen und -gedanken. Aber auch Suchtmittelabhängigkeiten, Essstörungen und Depressionen gehören unter bestimmten Voraussetzungen zum Indikationsbereich. International hat sich der Begriff „Exposition mit Reaktionsverhinderung“ („exposure response prevention“, ERP) eingebürgert, der die Inhalte der Anwendung aber nicht korrekt widergibt. Das geschieht in diesem Beitrag am Modell der „Exposition mit Reaktionsmanagement“ (ERM), aus dem sich für Therapeuten und Patienten wesentlich klarere Handlungsanleitungen ableiten lassen. Wie jede hochwirksame Intervention beinhalten auch ERP und ERM besondere Risiken der Fehlanwendung und der Provokation unerwünschter Nebenwirkungen. In Deutschland werden ERM und ERP immer noch viel zu selten „lege artis“ eingesetzt.

I. Hand

25. Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) ist die Bezeichnung für eine psychotherapeutische Methode, die von der amerikanischen Psychotherapeutin Francine Shapiro entwickelt wurde. Das Grundprinzip von EMDR besteht darin, dass die Person sich gleichzeitig auf eine belastende Erinnerung und die damit verbundenen Gedanken und Körperempfindungen konzentriert, während gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf einen äußeren Reiz gelenkt wird. Dabei kann es sich um induzierte rhythmische Augenbewegungen, akustische oder taktile Stimulierungen handeln, wobei abwechselnd die rechte und die linke Körperseite stimuliert werden. Indikationen und Kontraindikationen und die acht Phasen der EMDR-Behandlung werden beschrieben. Die Wirksamkeit von EMDR wurde vor allem bei posttraumatischen Belastungsstörungen nachgewiesen; EMDR kann aber auch zur Behandlung von Phobien und anderen Störungen verwendet werden.

C. T. Eschenröder

26. Gedankenstopp

Gedankenstopp versucht, in dem Moment, in dem ein unerwünschter Gedanke auftritt, durch die Vorstellung oder durch das Aussprechen des Wortes „Stopp“ einen störenden Gedanken zu unterdrücken. Die Gedankenstopptechnik wird im Allgemeinen benutzt, um Patienten, die mit der Kontrolle wiederkehrender, zwanghafter oder auch grüblerischer Gedanken Schwierigkeiten haben, eine Erleichterung zu verschaffen. Darüber hinaus werden diese Verfahren auch eingesetzt, um Gedanken zu kontrollieren. Gedankenstopp schafft kurzfristig Raum für konstruktive, aufbauende Gedanken, die trainiert werden müssen.

G. S. Tyron

27. Hausaufgaben

Therapeutische Hausaufgaben sind ein unverzichtbarer Bestandteil jeder verhaltenstherapeutischen Behandlung. Lernen und Entwicklung finden zwischen den Therapiesitzungen statt. Jeder Verhaltenstherapeut muss in der Lage sein, technisch korrekt Hausaufgaben zu geben. Dazu gehört, dass das Ziel der Hausaufgabe unmissverständlich benannt wird und dem Patienten klar ist, seine Vorschläge berücksichtigt werden, exakt geplant wird, was wann wie und wie oft zu tun ist, Überforderungen vermieden und Alternativen zur Wahl gestellt werden, benötigte Materialien verfügbar sind, der experimentelle Charakter der Hausaufgabe betont wird, mögliche Probleme antizipiert werden, die Risikobereitschaft des Patienten ermutigt wird, Selbstbelohnungen eingeplant werden, die Erfahrungen mit der Hausaufgabe in der nächsten Stunde besprochen werden, aus den Erfahrungen neue Hausaufgaben abgeleitet werden und Aufzeichnungen durch den Therapeuten oder den Patienten archiviert werden.

I. Wunschel, M. Linden

28. Hegarstifttraining

Beim Hegarstifttraining handelt es sich nicht um eine eigenständige Methode, sondern um therapeutische Übungen, die ein Teil der Vaginismusbehandlung sind und in eine Sexualtherapie eingebettet werden müssen. Der Vaginismus ist eine psychisch bedingte Verkrampfung der Scheiden- und Dammmuskulatur als Reaktion auf den realen oder vorgestellten Versuch, etwas in die Vagina einzuführen. Er tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf: z. B. können Tampons noch eingeführt werden, nicht aber ein Penis, oder es ist keinerlei Eröffnung möglich. Eine häufige Ursache ist Angst vor Schmerzen bei der Immissio des Penis. Damit besitzt der Vaginismus u. a. die Charakteristika einer Phobie. Deshalb werden in der Behandlung des Vaginismus neben anderen Behandlungsinhalten Hegarstifte mit zunehmendem Durchmesser i. S. einer systematischen Desensibilisierung in vivo angewendet: Nach anfänglicher Anleitung führt die Frau zu Hause unter Entspannung die Hegarstifte selbst in die Vagina ein.

G. Kockott, E.-M. Fahrner-Tutsek

29. Hierarchiebildung

Unter Hierarchiebildung versteht man die Zergliederung eines Therapieziels in Unterziele sowie die Zuordnung von einzelnen Situationen oder Schritten zu diesen Unterzielen, wobei diese Situationen oder Schritte in eine Ordnung nach zunehmender Schwierigkeit oder auch nach örtlicher beziehungsweise nach zeitlicher Annäherung an das Therapieziel gebracht werden. Hierarchiebildung ist nicht nur eine bewährte Technik mit beobachtbaren Erfolgskriterien, sondern ein in vielen verhaltenstherapeutischen Verfahren benutztes Therapieprinzip. Deshalb werden nicht nur das Vorgehen bei der Exploration von Therapiezielen und die verschiedenen Möglichkeiten für günstige Untergliederungen beschrieben, sondern auch die Einbettung von Hierarchien in das Gesamtkonzept von Therapien.

R. de Jong-Meyer

30. Idealisiertes Selbstbild

Das idealisierte Selbstbild ist eine Technik zum Aufbau von Selbstvertrauen, Selbstachtung und Zukunftsorientierung. Ziel dieser Methode ist es, eine positive Identifikation des Patienten mit sich selbst zu erreichen. Dies wird einerseits angestrebt durch Ausformulierung und Vorstellung eines persönlichen zukünftigen Idealbildes und andererseits dadurch, dass dieses idealisierte Selbstbild schrittweise über das augenblickliche Selbstbild geschoben wird. Es handelt sich bei dieser Methode also um eine Technik, die verschüttete Möglichkeiten und positive Aspekte der eigenen Person wieder freilegt und über eine realistische Zielformulierung einen Weg aufzeigen kann, sich selbst wieder Verstärkung zu geben.

M. Hautzinger

31. Imagination und kognitive Probe

Imagination bezieht sich auf die Fähigkeit eines Menschen, Gegenstände oder Ereignisse, die zu diesem Zeitpunkt objektiv nicht vorhanden sind, innerlich zu sehen, zu hören oder zu empfinden, sobald er sich gedanklich mit ihnen auseinandersetzt. Innerhalb verhaltenstherapeutischer und kognitiver Ansätze werden imaginative Verfahren in Kombination mit anderen Interventionsstrategien im Rahmen eines umfassenderen Behandlungskonzepts eingesetzt.

T. Kirn

32. Interpersonelle Diskriminationsübung

Die interpersonelle Diskriminationsübung (IDÜ) ist eine zentrale Methode des Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP; McCullough 2006). CBASP ist ein Verfahren zur Behandlung chronisch verlaufender (unipolarer) Depressionen. Ein zentrales Merkmal chronischer Depressionen ist die perzeptuelle Abkopplung von der sozialen Umwelt. Die IDÜ setzt an einer Therapiesituation ein, in der der Patient aufgrund eines vermeintlichen Fehlverhaltens seinerseits gemäß seinen biografischen Erfahrungen eine invalidierende oder strafende Reaktion des Therapeuten erwartet. Der Therapeut lenkt die Aufmerksamkeit des Patienten auf den Kontrast zwischen den erwarteten und den therapeutischen Reaktionen – mit dem Ziel, dem Patienten Interaktionserfahrungen zu ermöglichen, die seine maladaptiven Schemata korrigieren, und ihn so an seine soziale Umwelt anzukoppeln.

J. Hartmann, D. Lange, D. Victor

33. Kognitionsevozierung

Verfahren zum Erkennen automatischer Gedanken sind immer dann angebracht, wenn eine kognitive Therapie angewendet wird. Indikationen für den Einsatz von Methoden der Kognitionsevozierung sind: Depressionen, generalisierte Ängste, Phobien, Persönlichkeitsstörungen, Substanzabhängigkeiten, Essstörungen usw. Kognitionsevozierung gelingt durch Selbstbeobachtung während emotionalen Zuständen mit dem Spaltenprotokoll, Stimmungsänderungen, Rollenspielen, Imaginationen.

J. Young, M. Hautzinger

34. Kognitives Neubenennen und Umstrukturieren

Kognitives Neubenennen und Umstrukturieren gehört zu den kognitiven Therapieverfahren. Ausgangsmaterial dieser Veränderungsstrategie sind die identifizierten und vom Patienten als zutreffend akzeptierten automatischen Gedanken, Bewertungen und Wahrnehmungen. Drei Aspekte sind dabei zu nennen: Prüfung des Realitätsgehalts von Kognitionen (Evidenzüberprüfung), Disattribuieren und Reattribuieren, Verantwortung reduzieren, alternative Erklärungen finden. Interventionsverfahren dafür sind: Realitätstesten, Experimentieren, Veränderung von Ursachenzuschreibungen, alternative Erklärungen und Entkatastrophisieren.

M. Hautzinger

35. Kooperationsanalyse

Mangelnde Mitarbeit kann den Therapieerfolg gefährden. Daher sind spezielle therapeutische Anstrengungen zur Verbesserung der Patientenkooperation unerlässlich. Ein häufiger Fehler besteht darin, unzureichende Kooperation frühzeitig zu interpretieren, ohne dass vorher sorgfältig nach den tatsächlichen Ursachen gesucht worden ist. Therapeuten sollten sich bemühen, die Tatsachen, d. h. Einstellungen, festzustellen, präzise und unzweideutig zu beschreiben, die einen Patienten daran hindern, bei den vorgeschlagenen Therapieelementen mitzuarbeiten. Es lässt sich zeigen, dass die Besserungsrate einer kognitiven Verhaltenstherapie signifikant mit der Kooperation (Compliance-Rate) in Bezug auf therapeutische Hausaufgaben korreliert.

D. D. Burns

36. Löschung

Unter Löschung versteht man das Ausbleiben der positiven Konsequenzen auf ein bestimmtes, durch die positiven Konsequenzen kontrolliertes Verhalten. Die Verhaltensrate sinkt. Die Intervention setzt also bei den Verhaltenskonsequenzen an und zielt auf den Verhaltensabbau. Löschung allein ist unmittelbar nicht so wirkungsvoll wie direkte Bestrafung, denn beim Einsetzen der Löschungsprozedur erhöht sich zuerst einmal die Verhaltensrate, weil die Person versucht, die ausbleibende Verstärkung doch noch zu erhalten. Erst nach einiger Zeit und nur bei konsequentem Löschen sinkt die Verhaltensrate. Löschung von Fehlverhalten sollte eigentlich immer in Verbindung mit positiver Verstärkung von inkompatiblem oder erwünschtem Alternativverhalten einhergehen. Löschung gelingt besser, wenn die Zielperson während der Löschungsphase in eine veränderte Umgebung (andere Räume, andere Pfleger usw.) gebracht werden kann.

M. Hautzinger

37. Mikro-Verhaltensanalyse

Verhaltens- und Problemanalyse ist das wichtigste diagnostische Verfahren in der Verhaltenstherapie. Es geht um das, was eine bestimmte Person in einer aktuellen, konkreten, spezifischen Situation tut. Es wird davon ausgegangen, dass menschliches Verhalten, ob es nun als abweichend, krank, akzeptabel oder normal bezeichnet wird, neben physiologischen Faktoren durch die soziale Lerngeschichte, die Persönlichkeit, durch kognitive Prozesse wie auch durch die situativen Bedingungen (Stimuli) und die (positiven oder negativen) Konsequenzen des Verhaltens kontrolliert wird. Ziel der Mikro-Verhaltensanalyse ist die funktionale, aber auch strukturell-topografische, „horizontale“ Beschreibung von Verhalten in Situationen. Die Verhaltensanalyse ist ferner ausgerichtet auf Therapieplanung und Therapiehandeln.

M. Hautzinger

38. Makro-Verhaltensanalyse

Die Makroanalyse hat gegenüber der Mikroanalyse den Vorteil, dass sie als Situation den Zeitraum im Leben des Patienten betrachtet, der vor Beginn der Symptombildung liegt. Sie sucht nach pathogenen Aspekten der Lebensgestaltung und der Beziehungsgestaltung und nach dem das Symptom auslösenden Lebensereignis (wie z. B. Berufsbeginn, Scheidung). Danach konzentriert sie sich auf die Frage, welche Konsequenz der Patient mithilfe des Symptoms in seinem Leben und in seinen Beziehungen vermeidet (z. B. Alleinsein). Von zentraler Bedeutung ist darüber hinaus die Untersuchung der Organismusvariable des SORKC-Schemas, die einerseits in der Identifizierung maladaptiver Schemata (z. B. dysfunktionale Überlebensregel oder Grundannahme) besteht, andererseits aber auch in der Funktionsanalyse des Symptoms.

S. K. D. Sulz

39. Modelldarbietung

Das therapeutische Verfahren des Modelldarbietens wird auch als „Imitationslernen“ oder „Beobachtungslernen“ bezeichnet. In seiner einfachsten Form besteht es darin, dass ein Modell irgendein Verhalten zeigt, das von einer anderen Person beobachtet wird. Der Beobachter muss das Modellverhalten sehr genau beobachten und es behalten. Dieser erste Schritt wird als Aneignungsphase bezeichnet. Unter günstigen Bedingungen wird Verhalten in dieser Aneignungsphase gelernt. Der Beobachter muss seine Beobachtungen dann in eigenes Verhalten umsetzen. Die Voraussetzungen dafür müssen sich in der entsprechenden Umgebung befinden. Der Beobachter muss ferner zur Ausführung motiviert sein (Anreiz). Diese Durchführungsphase ist eine zweite, wesentliche Phase des Modelllernens. Modelldarbietung wird therapeutisch unter verschiedenen Zielrichtungen eingesetzt. Am häufigsten sollen durch Modelllernen neue Fertigkeiten erworben werden.

M. Perry

40. Motivational Interviewing

Motivational Interviewing (MI) ist ein zugleich patientenzentriertes und direktives Verfahren. Zentrales Merkmal ist der Verzicht auf ein konfrontatives Vorgehen: Die Vorbehalte des Patienten werden nicht als „fehlende Krankheitseinsicht“ oder „Widerstand“, sondern vielmehr als ernst zu nehmendes Signal verstanden. Die Behandlungsprinzipien stimmen weitgehend mit den Annahmen sozialpsychologischer Modelle der Verhaltensänderung überein. MI wurde zunächst in Abgrenzung zu herkömmlichen – meist konfrontativen – Methoden zur Behandlung Alkoholabhängiger entwickelt. In den vergangenen Jahren wurde der Anwendungsbereich jedoch zunehmend erweitert (HIV-Prävention, Bewährungshilfe, Sexualdelikte, Störungen im Kindes- und Jugendalter, Anorexia nervosa, Adipositas, Diabetes etc.). Verschiedene Adaptationen haben zudem die Anwendung im Rahmen der medizinischen Basisversorgung ermöglicht. Insbesondere „unmotivierte“ und »schwierige« Patienten scheinen von einer Behandlung zu profitieren.

R. Demmel

41. Münzverstärkung (Token Economy)

Münzverstärkung (Token Economy) ist ein Therapieverfahren, das systematische Anreize verwendet, um erwünschtes Verhalten häufiger werden zu lassen. Münzsysteme basieren auf Prinzipien der operanten Verstärkung. Tokens, d. h. Münzen, verbinden erwünschtes Verhalten und natürliche Verstärker. Sie wirken als konditionierte generalisierte Verstärker und sind damit Geld vergleichbar. Münzverstärkung wird durch drei Komponenten definiert: eine Anzahl objektiv definierter Ziele oder Zielverhaltensweisen, Münzen/Tokens als Austauschmedium und verschiedene später dafür eintauschbare Belohnungen. Münzsysteme können sowohl für einzelne (z. B. ambulante) Patienten als auch für ganze Stationen bzw. Kliniken durchgeführt werden.

T. Ayllon, A. Cole

42. Problemlösetraining

Problemlösetrainings werden als vielfältig anwendbare psychotherapeutische Verfahren in unterschiedlichen Praxisfeldern eingesetzt und integriert. Hier wird ein 8-Schritte-Modell (Information und Vorbereitung – Problembeschreibung – Problemanalyse – Zielanalyse – Lösungs- oder Veränderungsplanung – Ausprobieren der Lösung oder Probehandeln – Bewertung des Probehandelns – Transferplanung) vorgestellt. Mögliche Nebenwirkungen, Erfolgskriterien, empirische Absicherungen und eine allgemeine Bewertung werden angefügt.

H. Liebeck

43. Protokoll negativer Gedanken (Spaltenprotokoll)

Das Spaltenprotokoll ist ein integraler Bestandteil von kognitiver Umstrukturierung und Einstellungsänderungen. Es werden damit interne und externe Ereignisse erfasst, die mit unangenehmen Emotionen (z. B. Angst, Niedergeschlagenheit) einhergehen. Diese Emotionen werden benannt, und ihre Stärke wird eingeschätzt. Das erste Ziel des Protokollblatts liegt in der Selbstbeobachtung von Affektäußerungen und dem richtigen Benennen von Emotionen. In einem weiteren Schritt werden die automatischen Gedanken zu den als negativ erlebten Situationen und den damit verbundenen Emotionen in Bezug gesetzt. Dabei geht es um das Erkennen von solchen automatisch ablaufenden Bewertungsprozessen, die zwischen der erlebten Situation und den daraus entstehenden Emotionen vermitteln.

M. Hautzinger

44. Reaktionsverhinderung

Reaktionsverhinderung ist ein Baustein der Interventionen bei reizgebundenen Zwangssymptomen, deren Kennzeichen ist, dass zuvor neutrale, belanglose Umweltreize zu bedeutsamen Gefahrensignalen geworden sind (z. B. Wollflusen, Fettspritzer, Spuren von Urin, Speichel, Schweiß). Zwangshandlungen sollen deren Vermeidung sichern. Die Umwelt wird zunehmend als verdachtsweise kontaminiert angesehen, eine pathologische Realitätskonstruktion wird beherrschend. Diese starren Reaktionsmuster zu verändern erfordert neue Erfahrungen. Mit aktiver therapeutischer Unterstützung muss angestrebt werden, die Vermeidungsreaktionen schrittweise zu unterbinden und eine Konfrontation mit der realen Situation, nicht nur mit isolierten Stimuli, möglich zu machen.

L. Süllwold

45. Rollentausch: Stuhldialog

Ursprünglich im Kontext der humanistischen Therapien entwickelt, stellen Dialoge auf mehreren Stühlen eine Technik dar, um verschiedene Teile einer Person auf Stühle „aufzuteilen“ und in Interaktion treten zu lassen. Dies hilft, innere Ambivalenzen im äußeren Raum zu inszenieren und die „innere Bühne“ aus einer gesunden Distanz zu betrachten und rational neu zu bewerten. Aus dieser Haltung eines „gesunden Erwachsenen“ können latent vorhandene Ressourcen leichter aktiviert und zur Verhaltensveränderung in inneren Dialogen eingeübt werden. Diese erlebnisaktivierende Technik führt zu umfassenden kognitiven, emotionalen, physiologischen und auch körperlichen Aktivierungen und ist unabhängig vom verwendeten theoretischen Modell einsetzbar.

E. Roediger

46. Selbstbeobachtung

Selbstbeobachtung ist eine diagnostische Methode und eine Selbstkontrolltechnik. Selbstbeobachtung beinhaltet das Beobachten und Registrieren von eigenen, offen sichtbaren oder verdeckten Verhaltensweisen, einschließlich Gedanken und Stimmungen. Es gibt verschiedenste Selbstbeobachtungsmethoden. Das beobachtende Individuum ist jedoch immer auch die handelnde Person, die ein bestimmtes Verhalten zeigt, das sie selbst aufmerksam registrieren und aufzeichnen soll. Es lassen sich zwei Arten der Selbstbeobachtung unterscheiden: Häufigkeitsstichproben und Zeitstichproben. Durch Selbstbeobachtung kann eine rasche und erfolgreiche Verhaltensänderung erreicht werden. Wird Selbstbeobachtung als einzige Intervention verwendet, dann verschwinden die Effekte bald wieder, und Gewöhnung tritt ein.

M. Hautzinger

47. Selbsteinbringung

Selbsteinbringung von Therapeuten birgt ein großes Potenzial, wenn sie wohldosiert und behutsam eingesetzt wird. Die therapeutische Beziehung ist weniger distanziert, Rückmeldungen können stärker wirken und korrigierende Erfahrungen mit alten kognitiv-emotionalen oder interaktionellen Schemata leichter schon in der therapeutischen Beziehung gemacht werden. Im Sinne der „disziplinierten persönlichen Einlassung“ können Therapeuten ihre eigenen Reaktionen nutzen, aber reflektieren, welche Erfahrungen hilfreich oder problematisch sind und wo Selbsteinbringung Gefahr läuft, die Autonomie von Patienten zu gefährden.

D. Zimmer

48. Selbstinstruktion bei Kindern und Jugendlichen

Selbstinstruktion ist die Verbalisierung adäquater Bewertung und förderlicher Handlungsschritte in der aktuellen Situation durch den Patienten selbst. Außerhalb der Therapiesituation tritt sie auf, wenn angesichts einer Anforderung, für die kein automatisiertes Verhalten existiert, der Handlungsablauf durch inneres Vorsprechen gesteuert wird (bei Kleinkindern beobachtbar, die sich im Spiel laute Selbstanweisungen erteilen). Grundlegender Gedanke der Selbstinstruktionsverfahren ist es, Verhaltensänderung durch gezielte Beeinflussung verdeckter Selbstgespräche zu erreichen.

H. Breuninger

49. Selbstverbalisation und Selbstinstruktion

Fast alle unsere Handlungen werden durch (automatisierte, daher nicht bewusste) Selbstinstruktionen und Selbstverbalisationen (mit-)gesteuert, und oft genug hängt der Erfolg bzw. Misserfolg unserer Handlungen von der Art und den Inhalten unserer „Selbstgespräche“ ab. Verhaltensänderungen durchlaufen eine Folge von Vermittlungsprozessen, in denen inneres Sprechen, kognitive Strukturen, emotionales Erleben, beobachtbares Verhalten und die Ergebnisse daraus sich gegenseitig beeinflussen. Der Aufbau fehlender oder die Veränderung problematischer innerer Monologe bzw. verbaler Selbstinstruktionen bei verschiedenen psychischen Störungen ist die Aufgabe der Selbstverbalisationstherapie.

S. Fliegel

50. Selbstverstärkung

Nach den Prinzipien der Selbstkontrolle haben Personen selbst die Möglichkeit, die Auftretenswahrscheinlichkeit von künftigem Zielverhalten zu steuern. Ein besonders wichtiges Vorgehen besteht in Selbstverstärkung, d. h. im eigenständigen Setzen eines positiven Reizes als Folge erwünschten Verhaltens. Dies kann sowohl ein externer Reiz als auch ein interner Reiz (z. B. Selbstverbalisation) als auch eigenes Verhalten sein (s. Premack-Prinzip). Strategien der Selbstverstärkung stehen im Kontext von Selbstkontrollverfahren. Neben der gut belegten Wirksamkeit haben sie den Vorteil, dass der Prozess der Veränderung weitgehend der Kontrolle der Person selbst überlassen bleibt.

H. S. Reinecker

51. Sensualitätstraining

Das Sensualitätstraining (engl. „sensate focus“) – heute wird von „Streichelübungen“ gesprochen – ist ein Bestandteil der Therapie funktioneller Sexualstörungen. Es handelt sich um eine Reihe aufeinanderfolgender Übungen, die das Paar zwischen den Therapiesitzungen zu Hause durchführt. Diese Streichelübungen wurden 1973 zum ersten Mal von Masters u. Johnson beschrieben und im Laufe der Jahre von verschiedenen Therapeuten weiterentwickelt. Als wesentliche Faktoren bei der Aufrechterhaltung einer Sexualstörung werden heute Angst vor Versagen und Defizite im Sexualverhalten angesehen. Bei der Veränderung dieser aufrechterhaltenden Faktoren hat sich das Sensualitätstraining bewährt. Die Übungen können methodisch – auch wenn sie von Masters und Johnson nicht so konzipiert wurden – als systematische Desensibilisierung in vivo betrachtet werden: In entspanntem Zustand wird Angst vor Körperberührung und Sexualkontakt durch schrittweise Steigerung des Schwierigkeitsgrades der Übungen abgebaut.

E.-M. Fahrner-Tutsek, G. Kockott

52. Situationsanalyse

Die Situationsanalyse ist eine zentrale Methode des Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP; McCullough 2006). CBASP ist ein Verfahren zur Behandlung chronisch verlaufender (unipolarer) Depressionen. Diesem Ansatz nach fühlen sich die Betroffenen hilflos in sozialen Situationen und hoffnungslos. Sie verhalten sich in sozialen Situationen wenig effektiv, was die Depression verstärkt. Die Situationsanalyse soll dazu beitragen, die empfundene Hilflosigkeit und die Ineffektivität in sozialen Situationen zu reduzieren. Dies soll erreicht werden, indem depressiv Erkrankte sich am Beispiel einer problematischen sozialen Interaktion Denk- und Verhaltensweisen erarbeiten, die das Erlangen eigener Ziele in dieser Situation wahrscheinlicher gemacht hätten. Solche Situationsanalysen und die Umsetzung des neuen Denkens und Verhaltens in zukünftigen sozialen Situationen führen allmählich zu funktionaleren Schemata.

D. Victor, D. Lange, J. Hartmann

53. Sokratische Gesprächsführung

Die sokratische Gesprächsführung beschreibt eine typische Haltung des Psychotherapeuten/Beraters, mit deren Hilfe er empathisch die jeweilige Perspektive des Patienten/Klienten erfragen und verstehen kann. Gemeinsam mit dem Patienten/Klienten wird dann diese Perspektive vor dem Hintergrund der jeweiligen Patientenprämissen in Form seiner moralischen, religiösen, ethischen und sozialen Werthaltungen und seiner (Lebens-)Ziele auf Angemessenheit geprüft. Dabei werden auch die Kosten/Konsequenzen dieser Perspektive beleuchtet. Wird die bestehende Sicht als ungünstig erkannt, wird gemeinsam nach einer neuen, angemessenen gesucht. Da sämtliche Entscheidungen vom Patienten/Klienten ausführlich und nachvollziehbar begründet getroffen werden, trägt dieser ein Höchstmaß an Eigenverantwortung. Dies wirkt sich langfristig günstig auf dessen Selbsteffizienzerwartung und Selbstvertrauen aus.

H. H. Stavemann

54. Stimuluskontrolle

Unter Stimuluskontrolle versteht man die Beeinflussung von Verhalten durch die geplante Anwendung und Kontrolle der dem Zielverhalten vorausgehenden Reizbedingungen. Stimuluskontrolle ist das häufigste und auch im Alltag gebräuchliche Mittel, bestimmte Reaktionen hervorzurufen oder zu unterbinden; z. B.: bei Rot an der Ampel anhalten; wenn einer redet, schweigen die anderen; aufstehen beim Abspielen der Nationalhymne usw. Der Erwerb von Situationsabhängigkeit von Verhalten aufgrund erfahrener positiver oder negativer Konsequenzen ist der hier zugrunde liegende Erklärungsmechanismus. Es liegt nahe, durch die Veränderung und Kontrolle vorausgehender Reize (Stimuli) das nachfolgende Verhalten zu kontrollieren und damit die Wahrscheinlichkeit seines Auftretens zu beeinflussen.

M. Hautzinger

55. Symptomverschreibung

Unter dem Begriff „Symptomverschreibung“ werden unterschiedliche Interventionstechniken sowohl auf der Ebene von Symptomverhaltensweisen wie auch bei gestörten Interaktionsmustern in partnerschaftlichen oder familiären Beziehungen subsumiert. Solche „paradoxen Verschreibungen“ wurden besonders in den systemischen Therapien der 1970er-Jahre entwickelt, und dort werden sie auch heute noch (in veränderter Form) häufiger als in der Verhaltenstherapie eingesetzt. Meist stellt die Symptomverschreibung eine symptom-, motivations- und/oder interaktionsverändernde Technik im Rahmen einer Gesamttherapie dar. Sie kann – bei „richtiger“ Indikationsstellung und Umsetzung – zu überraschend schnellen, positiven Veränderungen im Verhalten, Fühlen und/oder Denken führen. Bei „falschem“ Einsatz können aber auch heftige unerwünschte Nebenwirkungen eintreten. Indikationen und Voraussetzungen für die Anwendung in der Verhaltenstherapie werden in diesem Beitrag verdeutlicht.

I. Hand

56. Systematische Desensibilisierung

Die systematische Desensibilisierung ist ein Verfahren, das Angstreaktionen, die auf einen klar bestimmbaren Reiz folgen, löschen soll. Durch mehrfache, gestufte Konfrontation mit dem angstauslösenden Reiz soll eine Habituierung der Angstreaktion erreicht werden. Die Konfrontation erfolgt durch gedankliche Vorstellung. Die Habituierung kann durch eine gleichzeitige Entspannung erleichtert werden. Zugleich spielen aber auch kognitive Prozesse wie Erwartungen oder Attributionen eine Rolle. Zur Durchführung der systematischen Desensibilisierung können auch computerbasierte Expositionen genutzt werden.

M. Linden

57. Tages- und Wochenprotokolle

Ziel dieser Intervention (dieses Instruments) ist die Erfassung von Aktivitäten und Stimmungen im Tages- und Wochenverlauf sowie die Planung von Aktivitäten. Durch die gemeinsame Erfassung von Aktivitäten und Stimmungen soll der Zusammenhang dieser beiden Aspekte verdeutlicht werden und in der therapeutischen Arbeit Verwendung finden. Durch die Unmöglichkeit der Trennung von diagnostischem und therapeutischem Prozess und vor allem durch die bei den Tages- bzw. Wochenprotokollen geforderte selbstständige Registrierung der Informationen kommt diesen Instrumenten bereits eindeutig therapeutische Funktion zu. Mittels der Tages- und Wochenprotokolle sollen Patienten aktiver werden, mehr Positives im Alltag erleben, belastende Aktivitäten abbauen und Vermeideverhalten reduzieren.

M. Hautzinger

58. Unkonditionales Akzeptieren

Das bedingungslose Akzeptieren der Patienten ist eine der drei therapeutischen Grundhaltungen der Personzentrierten Psychotherapie, die als allgemeine, in allen Psychotherapien vorkommende therapeutische Haltung angesehen werden kann. Sie fördert therapeutische Selbstentwicklung und die Bearbeitung selbstbedrohlicher Erfahrungen. Indikationen und Kontraindikationen werden dargestellt. Praktische Hinweise und anschauliche Beispiele für die Durchführung werden gegeben. Die positiven Auswirkungen von UA auf das Patientenerleben und die therapeutische Beziehung werden beschrieben. Methoden zu ihrer Objektivierung im Therapeutenverhalten und ihrer Auswirkungen auf Erleben und Verhalten von Patienten werden aufgeführt. Auf vorhandene Wirksamkeitsstudien wird hingewiesen.

G.-W. Speierer

59. Verdeckte Konditionierung (»covert conditioning«, »covert sensitization«)

Die Therapieverfahren der verdeckten Konditionierung (»covert conditioning«) wurden von J. R. Cautela zu Beginn der kognitiven Wende der Verhaltenstherapie Ende der 1960er-Jahre zur Behandlung unangepassten Annäherungs- und Vermeidungsverhaltens eingeführt. Sie basieren auf dem Modell der verdeckten Konditionierung und können als konservative kognitive Verhaltenstherapie bezeichnet werden: Zwar wird die Beschäftigung mit verdeckten, nicht beobachtbaren Ereignissen (Gedanken oder Vorstellungen) akzeptiert, doch geschieht dies innerhalb des herkömmlichen lerntheoretischen Rahmens. Gedanken und Vorstellungen werden als „operants of the mind“ betrachtet, auf die die an offen beobachtbarem Verhalten gewonnenen Lerngesetzmäßigkeiten übertragen werden. Diese Homogenitäts- oder Kontinuitätsannahme wird ergänzt um die Generalisierungsannahme: Durch die Modifikation verdeckter Ereignisse wird offen beobachtbares Verhalten verändert.

W. L. Roth

60. Verhaltensbeobachtung

Die Verhaltensbeobachtung – hier „Fremdbeobachtung“ – ist im Gesamtrahmen des diagnostisch-therapeutischen Prozesses eine ausgesprochen wichtige Informationsquelle. Ohne Nutzung dieser Daten besteht die Gefahr, nur bruchstückhafte bzw. verzerrte Informationen für die Veränderungsarbeit einer Therapie zur Verfügung zu haben. Planung, Hilfsmittel, Durchführung und Protokollierung werden explizit dargelegt, sodass ökonomisches Arbeiten und eine hohe Messgenauigkeit möglich sind.

L. Echelmeyer

61. Verhaltensführung (»guided practice«)

Verhaltensführung (»guided practice«, »guidance«) ist eine Interventionsmethode, bei der Behandlungsinterventionen unter direkter Begleitung und Anleitung eines Therapeuten durchgeführt werden. Sie ist indiziert bei Übungen zur Reaktionsverhinderung, Reizüberflutung oder zum Modelllernen. Der Therapeut übernimmt die Führungsrolle und verhält sich direktiv.

M. H. Bruch, J. Stechow

62. Verhaltensübungen – Rollenspiele

Verhaltensübungen, Verhaltensproben und Rollenspiele gehören zu den verhaltenstherapeutischen Standardmethoden. Kaum eine Behandlung kommt ohne diese handlungsbezogenen Interventionen aus. Selbst zur Auslösung, Kontrolle sowie zur dauerhaften Veränderung von Kognitionen und Emotionen sind neue, veränderte Verhaltenserfahrungen entscheidend. Verhaltensübungen sind ein Modell einer realen, meist komplexeren Situation. Diese im Rollenspiel zu erproben ist ungefährlich. Rollenspiel und die Rollenaufteilung dienen zur Strukturierung von sehr komplexem (z. B. sozialem) Verhalten bzw. von Verhaltensketten. Durch die Beschreibung von Situationen, von Rollen, des eigenen Verhaltens, von Reaktionen der Interaktionspartner und Verhaltensabläufen wird versucht, den menschlichen Verhaltensstrom in Einheiten aufzugliedern, veränderbar (lernbar, trainierbar) und emotional neu erfahrbar zu machen.

M. Hautzinger

63. Verhaltensverträge

Verträge sind nichts anderes als Abmachungen, Absprachen und Regeln über bestimmte Verhaltensaspekte. Keine Therapieform kommt ohne „Verträge“ aus, auch wenn diese nicht immer explizit gemacht werden, wie dies bei Verhaltensverträgen im Rahmen der Verhaltenstherapie geschieht. Verhaltensverträge als therapeutische Technik werden benutzt, um bestimmte Handlungen zu initiieren, um klare Kriterien für die Zielerreichung zu bestimmen und um eindeutige Konsequenzen der Verhaltensausführung bzw. -unterlassung festzulegen. Die Hauptgebiete, auf denen mit Verhaltensverträgen therapeutisch gearbeitet wird, sind: Partnerschaftsprobleme, Suizidalität, Depressionen, bipolare Störungen, Verhaltenssüchte, Substanzabhängigkeiten, Behandlung von Kindern und Jugendlichen, Impulskontrollprobleme, Resozialisierung und Sozialarbeit.

M. Hautzinger

64. Verstärkung

Führen die Konsequenzen eines Verhaltens dazu, dass die Auftretenshäufigkeit des betreffenden Verhaltens zunimmt, so sprechen wir von Verstärkung. Unter positiven Verstärkern versteht man Reize und Ereignisse, deren unmittelbar anschließende Darbietung dazu führt, dass die Frequenz einer Verhaltensweise ansteigt. Unter negativen Verstärkern versteht man Reize und Ereignisse, deren unmittelbare Entfernung bzw. Beendigung dazu führt, dass die Frequenz einer Verhaltensweise ansteigt. Im klinischen Bereich wird in Bezug auf die Entstehung und Aufrechterhaltung gestörten Verhaltens beiden Formen der Verstärkung ein bedeutsamer Stellenwert zugemessen, während im therapeutischen Kontext vor allem das Prinzip der positiven Verstärkung im Mittelpunkt steht. Es lassen sich drei Gruppen von Verstärkern unterscheiden: soziale, materielle und Aktivitätenverstärker.

L. Blöschl

65. Zeitprojektion

Zeitprojektion ist eine Therapietechnik, die von Lazarus (1971) in die klinische Praxis eingeführt wurde. Sie basiert auf der Alltagserfahrung, dass Menschen, die erhöhten Belastungen ausgesetzt sind, längere Perioden der Reizarmut überbrücken müssen oder an einem Stimmungstief leiden, gelegentlich zu angenehmen Tagträumen greifen, um sich zukünftige Situationen auszumalen, bei denen sie eine besonders gute Figur machen oder in denen sich etwas für sie Angenehmes ereignet. Bei therapeutisch induzierter Zeitprojektion versucht ein Therapeut, systematisch angenehme Vorstellungen oder Zielvorstellungen bei Patienten hervorzurufen, indem er Situationen vorgibt, die ein Patient gerne erreichen möchte, und ihn instruiert, sich diese so lebendig und detailliert wie möglich vorzustellen. Besonders wichtig ist dabei der Versuch, möglichst intensiv die Gefühle aufkommen zu lassen, die für die entsprechende Szene charakteristisch sind.

N. Hoffmann

Therapiemethoden und -strategien

Frontmatter

66. Aufbau sozialer Kompetenz: Selbstsicherheitstraining, »Assertiveness«-Training

Das Assertiveness-Training-Programm ATP wurde wissenschaftlich entwickelt und überprüft. Es basiert auf einem durchgehend systematisch hierarchischen Vorgehen, wobei die Schwierigkeitssteigerung nach den auslösenden Bedingungen erfolgt. Die Wirksamkeit der Therapie im Bereich Selbstwert und soziale Beziehungen ist in einem breiten Spektrum belegt, auch extern validiert und in Nachkontrollen gesichert. In den Hauptbereichen Fehlschlag- und Kritik- sowie Kontaktangst, Nicht-Nein-sagen-Können und Fordern werden Normalwerte erreicht. Als Anwendungsfelder kommen besonders Depressionen und soziale Phobien sowie komplexe Störungen, speziell bei Dekompensationen bisheriger Bewältigungsversuche (etwa Burn-out) in Betracht. Ein reines, isoliertes Fertigkeitstraining ohne Angstabbau gilt den Autoren als kontraindiziert. Von den Übungsbüchern für Patienten ist vor der 9. Auflage eine Lieferschwierigkeit entstanden. Die neue Auflage wird unter www.ullrich-demuynck-atp.de angekündigt werden.

R. Ullrich, R. de Muynck

67. Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist ein weiteres Mitglied der vielgestaltigen Familie verhaltenstherapeutischer Ansätze. Sie beruht auf einem breiten Fundament experimenteller Grundlagenforschung und klinischer Therapieforschung. ACT ist nicht primär auf Symptomreduktion bzw. die Veränderung von Erlebnisinhalten ausgerichtet, sondern strebt im Kern eine Flexibilisierung erstarrter Verhaltensmuster an, um eine an persönlichen Zielen und Werten orientierte Lebensführung zu ermöglichen. Insbesondere Metaphern und erlebnisorientierte Übungen helfen Patienten, unerwünschte und schmerzliche Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle anzunehmen, um auch in ihrer Gegenwart wertebezogene und persönlich wichtige Handlungen durchführen zu können. Das Kapitel vermittelt einen kurzen Überblick.

R. F. Sonntag

68. Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP)

CBASP ist eine Methode der Verhaltenstherapie, die spezifisch für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit einer chronischen depressiven Störung entwickelt wurde. CBASP integriert ein breites Spektrum von theoretischen Grundlagen: 1) Seligmanns Theorie der erlernten Hilflosigkeit, 2) Banduras Theorie sozialen Lernens, 3) Piagets Theorie der kognitiv-emotionalen Entwicklung, 4) Pawlows Theorie des respondenten Lernens, 5) Skinners Theorie des operanten Lernens, 6) Kieslers interpersonelle Psychologie. CBASP basiert auf einem Fertigkeitendefizitmodell. Es geht davon aus, dass Patienten mit chronischer Depression unzureichende Fertigkeiten in der Ausrichtung ihres Verhaltens auf erwünschte Konsequenzen haben. Um diese Fertigkeit zu trainieren, wurde in CBASP eine spezielle Methode der Verhaltensanalyse, die sog. Situationsanalyse, entwickelt. Weitere CBASP-spezifische Therapietechniken sind die interpersonelle Diskriminationsanalyse und die Consequation-Strategien.

U. Schweiger, V. Sipos

69. Einstellungen, Grundüberzeugungen verändern

Der Versuch, Einstellungen (synonym: Meinungen, Intentionen, Grundüberzeugungen, Schemata) von Patienten zu verändern, ist ein wichtiger Bestandteil jeder psychologischen Therapie. Grundüberzeugungen können, je nach Störung, unterschiedliche Qualitäten haben. Sie können – wie bei den meisten Menschen – positiv sein. Bei psychischen Störungen sind die negativen (Depressionen, Ängste usw.) oder auch positiven (Hypomanie, Narzissmus, Psychopathie) Grundüberzeugungen über lange Zeit aktiviert. Es gibt auch negative Grundüberzeugungen in Bezug auf andere Menschen (Misstrauen, Paranoia). Die Veränderung von derartigen dominierenden, überaktiven, beeinträchtigenden Grundüberzeugungen gilt als wesentliche therapeutische Aufgabe und als Voraussetzung für eine dauerhafte Überwindung psychischer Störungen. Veränderungen lassen sich über verbale und übende Interventionen erreichen.

M. Hautzinger, N. Hoffmann

70. Elternberatung und Elterntraining

Eine Elternberatung ergänzt jede kindzentrierte psychotherapeutische Maßnahme. Ohne Elterneinbezug ist keine effektive Kinderverhaltenstherapie möglich; bei Kindern ab dem 9. Lebensjahr sind Familienberatungssitzungen die angemessene Form, das unmittelbare Umfeld eines Kindes einzubeziehen. Insgesamt umfasst der Begriff „Elternberatung“ alle edukativen und die Familie unterstützenden Angebote. Eine enge Kopplung an die Methoden der Verhaltenstherapie ist dafür in der Regel nicht erforderlich. Elterntrainings setzen dagegen meistens sehr konsequent lern- und verhaltenspsychologische Prinzipien um. Man unterscheidet zumindest drei verschiedene Formen des Elterntraining: (1) das präventive Elterntraining, das meistens in Elterngruppen stattfindet, (2) Elterntrainings innerhalb einer Kinderverhaltenstherapie, (3) Eltern-Kind-Interaktionstrainings (in vivo), wobei sich die letztgenannte Form auf die Behandlung psychischer Störungen im Kleinkind- oder Kindergartenalter bezieht.

F. Petermann

71. Genusstherapie (Euthyme Therapie)

Das Gruppentherapieprogramm „Kleine Schule des Genießens“ (KSdG) wird seit über 30 Jahren in verschiedenen klinischen Einrichtungen bei unterschiedlichen Störungsbildern erfolgreich angewendet. Aus den Erfahrungen mit Genussgruppen wurde die Euthyme Therapie bzw. die Genusstherapie entwickelt, die allgemeinpsychologisch begründet wurde. Der sinnliche und emotionale Zugang zu Patienten gründet auf der Ermutigung, die Aufmerksamkeit auf nur einen angenehmen Reiz zu richten und positive Emotionen zuzulassen. Den Patienten werden als kognitiver Zugang die sieben Genussregeln vorgestellt. Eine kognitive Umstrukturierung bestehender alter Verbote für ein gutes Leben scheint dadurch erleichtert zu werden, dass die neuen Regeln immer auf der Handlungsebene und auf der sinnlich-emotionalen Ebene sowohl in der Therapiegruppe als auch im täglichen Leben nachvollzogen werden.

R. Lutz

72. Gruppentherapien

Gruppentherapie bietet vielfältige Vorteile gegenüber einer Einzeltherapie. Die Gruppenangebote lassen sich in vier Kategorien einteilen: Selbsthilfegruppen, professionell geleitete Aufklärungsgruppen für Betroffene, Selbsterfahrungs- oder Wachstumsgruppen und Psychotherapiegruppen. Psychotherapeutische Gruppen unterscheiden sich von den anderen Gruppen dadurch, dass sie ausdrücklich die therapeutische Behandlung psychischer Störungen zum Ziel haben und deshalb von einem ausgebildeten Psychotherapeuten geleitet werden. Psychotherapiegruppen lassen sich zwei unterschiedlichen Grundansätzen zuordnen: konflikt-, beziehungs- und interaktionsorientierten Psychotherapiekonzepten, störungs-, methoden- und einzelfallorientierten Psychotherapiekonzepten. Diese Grundansätze unterscheiden sich vor allem darin, welche Bedeutsamkeit der Bearbeitung zwischenmenschlicher und gruppendynamischer Konflikte und Prozesse als dem zentralen therapeutischen Wirkfaktor beigemessen wird.

M. Hautzinger

73. Kommunikationstraining

Kommunikationstrainings stellen eine komplexe Form therapeutischer Interventionen dar, die bei einer Vielzahl von Störungsbildern sinnvoll eingesetzt werden kann. Der Schwerpunkt der im ▶ Kap.tel vorgestellten Trainings liegt auf der Kommunikation in intimen Beziehungen (Partnerschaft, Familie). Zahlreiche empirische Untersuchungen liegen zu diesem Themengebiet vor und weisen auf eine gute Wirksamkeit der Programme hin. Neben Hinweisen zu Indikation, Durchführung und Kontraindikationen werden verschiedene Übungsformen vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf den verschiedenen Kompetenzen als Sprecher und Zuhörer, die Teilnehmer in Kommunikationstrainings erwerben sollen, um die Frequenz konstruktiven Interaktionsverhaltens zu steigern und destruktives Interaktionsverhalten zu minimieren. Weiterhin gibt das ▶ Kap.tel konkrete Hinweise, welches therapeutische Verhalten während des Trainings zielführend ist und eingesetzt werden sollte.

K. Hahlweg, B. Schröder, S. Weusthoff

74. Konzentrations-/Aufmerksamkeitstraining

Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen werden hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen beobachtet, treten aber auch bei Erwachsenen im Zusammenhang mit neurologischen und psychischen Störungen auf. Konzentrationsstörungen beschreiben Schwächen im Umgang mit schwierigen kognitiven Aufgaben, Aufmerksamkeitsstörungen hingegen eine mangelnde Informationsverarbeitung, die mit Impulsivität und Hyperaktivität einhergeht. Für Kinder/Jugendliche und Erwachsene werden Übungsprogramme angeboten, die Ausdauer und Verarbeitungsqualität schulen. Die Aufgaben werden strukturiert und gemäß den individuellen Fortschritten durchlaufen. Zumeist sind prozessbegleitende Rückmeldeschleifen vorgesehen. Bei Kindern werden hierfür meist Tokens vergeben, bei Erwachsenen verstärkt Alltagsanforderungen einbezogen wie Zeitplanung, Aufgabenbewältigung, Arbeitsverhalten und Tagesstrukturierung. Die Ergebnisse der Programme sind befriedigend und bewegen sich auf der Ebene mittlerer Effektstärke.

G. W. Lauth

75. Mediatorentraining

Beim Mediatorentraining wird der Patient nicht unmittelbar durch den Therapeuten behandelt, sondern der Therapeut leitet eine Bezugsperson des Patienten so an, dass dieser therapeutisch auf den Patienten einwirken kann.

M. Linden, J. Schultze

76. Metakognitive Therapie

Zu den neueren Entwicklungen der Verhaltenstherapie zählt die von Adrian Wells entwickelte Metakognitive Therapie (MCT). Statt der Inhalte von Gedanken (Was denkt mein Patient?) versteht sie Denk- und Aufmerksamkeitsprozesse (Wie denkt mein Patient?) und daraus resultierende dysfunktionale Bewältigungsstrategien als zentrale Faktoren für die Existenz psychischer Störungen. Den unflexiblen und perseverierenden Einsatz dieser Strategien des sog. kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms (z. B. Sich-Sorgen-Machen oder Grübeln) führt sie auf Metakognitionen, also Überzeugungen über Gedanken und Denk- und Aufmerksamkeitsprozesse, zurück. Das Ziel der MCT besteht daher in der Veränderung dysfunktionaler Metakognitionen und Strategien des kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die MCT trotz einer relativ geringen Sitzungszahl hinsichtlich ihres Therapieerfolges der kognitiven Verhaltenstherapie ebenbürtig sein könnte.

O. Korn

77. Narrative Um-Schreibung: Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy (IRRT)

IRRT (Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy) ist eine Methode zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen und anderer belastungsinduzierter psychischer Störungen wie Depressionen, Angststörungen und komplizierte Trauerreaktionen. Dabei geht es darum, Zugang zu belastenden Erinnerungen und Bildern zu gewinnen, diese zu konfrontieren, zu transformieren und emotional zu bewältigen. Die Hauptaspekte der Behandlung sind die Arbeit in der Imagination, die sokratische Haltung des Therapeuten und die Arbeit mit verschiedenen Persönlichkeitsanteilen als Protagonisten auf der INNEREN BÜHNE des Patienten. In der dreiphasigen IRRT-Sitzung wird zunächst die traumatische Situation wiedererlebt, in der zweiten Phase geht es um die Entmachtung oder Neutralisierung des Täter-Introjekts und die Entwicklung von Bewältigungsbildern durch das als zusätzlicher Protagonist eingeführte AKTUELLE ICH, in der dritten Phase erfolgt die Beruhigung und Tröstung des TRAUMATISIERTEN DAMALIGEN ICHS durch das AKTUELLE ICH.

M. Schmucker, R. Köster

78. Psychoedukation und Patientenschulung

Gesundheitstraining strebt die Vermittlung von krankheits- und gesundheitsrelevantem Wissen, die Motivierung zur Übernahme von krankheitsbezogener Eigenverantwortung, die Verbesserung der Mitarbeit im Behandlungsprozess, die Steigerung der behandlungsbezogenen Entscheidungsfähigkeit sowie die Stärkung der krankheitsbezogenen Handlungs- und Selbstmanagementkompetenz von Patienten an. Das Gesundheitstraining muss systematisch geplant werden. Die methodisch-didaktische Aufbereitung erfolgt in Form eines manualisierten, lernzielorientierten Curriculums. Eine themenzentrierte und patientenorientierte Durchführung sowie die interaktive Gestaltung in der Kleingruppe unter Einbeziehung der Patientenerfahrungen gelten als weitere Qualitätsmerkmale.

U. Worringen

79. Realitätsorientierungstraining

Das Realitätsorientierungstraining (ROT) ist ein Therapieprogramm zum Umgang mit verwirrten alten Menschen. Es beruht auf lerntheoretischen Grundlagen und stellt gleichzeitig einen Rahmen dar, der es ermöglicht, auch andere therapeutische Ansätze zu integrieren. Ziele des ROTs sind: Verbesserung von Orientierung und Gedächtnis, Erhaltung der persönlichen Identität, Ermutigung von Kommunikation, Unterstützung sozialer Interaktion, Förderung emotionaler, positiver Beziehungen, Befindensverbesserung, konstruktive Einflussnahme in kritischen Phasen bzw. Situationen.

M. Hautzinger

80. Schematherapie

Die Schematherapie stellt ein zusammenhängendes Konzept systematisch eingesetzter Techniken zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen im verhaltenstherapeutischen Kontext dar. Auf der Grundlage eines neurobiologisch-entwicklungspsychologischen Modells werden Anamnese, Verhaltensbeobachtung und spezielle Fragebogen zu einer Fallkonzeption verbunden, die den Rahmen für das weitere therapeutische Vorgehen transparent macht. Mit erlebnisaktivierenden Techniken werden alte Muster gezielt, aber kontrolliert aktiviert, neu bewertet und modifiziert. Die Beziehungsgestaltung mit der Idee einer „begrenzten Nachbeelterung“ orientiert sich an pädagogischen Modellen und versucht die Grundbedürfnisse der Patienten bewusst zu machen und modellhaft zu befriedigen. Anschließend werden die neuen Erfahrungen mit Verhaltensexperimenten in den Alltag übertragen. Randomisierte und kontrollierte Studien zeigen eine gute Wirksamkeit.

E. Roediger

81. Selbstkontrolle

Selbstkontrolle meint zum einen das Ziel einer therapeutischen Intervention, d. h. die Fähigkeit einer Person, eigenes Verhalten zu steuern. Zum anderen beinhaltet Selbstkontrolle auch eine Reihe von therapeutischen Methoden. Strategien der Selbstkontrolle folgen dem Modell der Selbstregulation, nämlich der Selbstbeobachtung, der Selbstbewertung und der Selbstverstärkung. Indiziert sind Verfahren der Selbstkontrolle speziell zur Verringerung der Kontrolle durch Therapeuten und bei Problemen, die weitgehend der Kontrolle der Person selbst unterliegen, im Besonderen sind dies kognitive Prozesse. Als Methoden der Selbstkontrolle sind anzuführen: Selbstbeobachtung, Stimuluskontrolle, Konsequenzkontrolle, Verhaltensverträge und Problemlösetraining. Speziell zur Generalisierung therapeutischer Veränderungen und zur Stabilisierung des therapeutischen Fortschritts bilden Methoden der Selbstkontrolle eine unverzichtbare und wirksame Ergänzung verhaltenstherapeutischer Methoden.

H. S. Reinecker

82. Skillstraining

Skillstraining ist ein wichtiger Behandlungsbaustein der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT). Es bietet ein verhaltenstherapeutisch orientiertes und klar strukturiertes Repertoire an Strategien und praktische Hilfestellung zur unmittelbaren Anwendung. Skills sind emotionale, körperbezogene, gedankliche oder handlungsbezogene Fertigkeiten, die Menschen einsetzen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Im Skillstraining lernen Patienten u. a., Gefühle wahrzunehmen und zu regulieren, emotionale Krisen besser auszuhalten, impulsive und selbstschädigende Verhaltensweisen zu reduzieren, emotionale Stabilität und Selbstbehauptung zu verbessern und zwischenmenschliche Beziehungen zu stabilisieren. In diesem Kapitel werden sowohl die Struktur und die Durchführung des Skillstrainings als auch fünf verschiedene Skillsmodule beschrieben (Achtsamkeit, Stresstoleranz, zwischenmenschliche Fertigkeiten, Umgang mit Gefühlen und Selbstwert).

M. Wolf-Arehult, T. Grathwol

83. Sozialtraining mit Kindern und Jugendlichen

Ein Sozialtraining dient der Förderung der Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit, also einem differenzierten Sozialverhalten. Die Begriffe „Sozialtraining“, „Training sozialer Fertigkeiten“ und „Interaktionstraining“ werden in ähnlicher Weise verwendet. Bei einem Sozialtraining werden verschiedene therapeutische Vorgehensweisen miteinander kombiniert, um mit den Patienten Grundfertigkeiten einzuüben und in komplexen sozialen Situationen (u. a. in Rollenspielen) unter Einbezug des sozialen Umfeldes zu erproben. Die Trainingserfolge hängen stark von dem Setting ab, in dem ein Sozialtraining durchgeführt wird. In der Regel erzielen präventiv eingesetzte Verhaltenstrainings geringere Effekte als Therapieprogramme, die soziale Kompetenzen bei massiv auffälligen Kindern und Jugendlichen fördern.

F. Petermann

84. Stressbewältigungstraining

Stressbewältigungstrainings (SBT) haben eine Verbesserung der individuellen Stressbewältigung zum Ziel. Sie beruhen zum einen auf der biopsychologischen Stressforschung, wonach neuroendokrine und vegetative Stressreaktionen längerfristig die Gesundheit gefährden können. Zum anderen beziehen sich SBTs auf transaktionale Stressmodelle, wonach Stress weniger durch die Anforderungen an sich als vielmehr durch deren subjektive Interpretation und die eingesetzten Bewältigungsstrategien erzeugt wird. Grundsätzlich lassen sich drei Ansatzpunkte für SBTs und entsprechend drei Ziele unterscheiden: (1) die belastenden Situationen selbst, mit dem Ziel, diese abzubauen (instrumentelles Stressmanagement), (2) stressbezogene Bewertungen und Einstellungen, mit dem Ziel, diese zu erkennen und zu verändern (mentales Stressmanagement) und (3) körperliche und psychische Stressreaktionen, mit dem Ziel, diese zu regulieren und für Ausgleich zu sorgen (palliativ-regeneratives Stressmanagement).

G. Kaluza

85. Stressimpfung

Stressimpfung ist eine kognitive Verhaltenstherapie, die Bewältigungsstrategien bei Angst, Ärger und Schmerzen in den Mittelpunkt stellt. Das Verfahren zielt darauf ab, Kompetenzen zu vermitteln, die zur Bewältigung von belastenden Ereignissen beitragen, sodass gestörtes emotionales Erleben reguliert und psychologische Anpassung erreicht wird. Der Begriff „Impfung“ ist eine medizinische Metapher, die sich auf die Anwendung von Interventionsmethoden bezieht, wobei der Patient allmählich und in abgestufter Weise bewältigbaren Mengen von Belastungen (Stress) ausgesetzt wird, sodass er sich darauf vorbereiten und dagegen durchsetzen kann, ohne davon überwältigt zu werden. Elemente sind Problemlösen, Entspannung, Selbstinstruktionen, Selbstverstärkung, Verhaltensproben. Das Vorgehen gliedert sich in drei Phasen: kognitive Vorbereitung, Aneignung der Fertigkeiten, Anwendungstraining.

R. W. Novaco

86. Therapie motorischer Störungen

Die Rehabilitation chronischer motorischer Bewegungsstörungen nach Schlaganfall und Hirnverletzung zählt zu den großen Herausforderungen der Rehabilitationsmedizin und -psychologie. Bislang existieren nur wenige therapeutische Methoden, die empirisch als wirksam bewertet wurden. Eine Ausnahme stellt die sog. Constraint-Induced Movement Therapie (CIMT, Taub’sches Bewegungstraining, Bewegungsinduktionstherapie) dar. CIMT geht davon aus, dass die Behinderung motorischer Funktionen nach Schlaganfall nicht allein auf der neurophysiologischen Schädigung des Gehirns beruht, sondern vor allem durch einen lerntheoretischen Mechanismus der Verhaltensunterdrückung vermittelt ist. Die therapeutische Intervention konzentriert sich daher auf den Abbau von Schonreaktionen und ein intensives Bewegungstraining der behinderten Extremität über 4 bis 6 Stunden pro Tag während mindestens 14 Tagen. Über 300 empirische Studien zeigen, dass CIMT bei über 90 Prozent der Patienten zu einer erheblichen Verbesserung beiträgt.

L. Vorwerk-Gundermann, W. H. R. Miltner

87. Trauerarbeit und Therapie der anhaltenden Trauer

Der Verlust einer nahestehenden Person löst eine Trauerreaktion aus, die eine Anpassung an die veränderte Lebenssituation ermöglicht. In ca. 5 bis15 Prozent der Fälle ist jedoch eine Komplizierung der Trauerreaktion durch eine bestehende psychische Störung oder durch besonders traumatisierende Umstände dokumentiert. Symptome sind überaus starkes Verlangen sowie anhaltendes gedankliches Kreisen um den Verstorbenen und dessen Tod („preoccupation“), Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren, Bitterkeit oder Ärger über den Verlust und Vermeidungsverhalten. Entsprechend der Intensität der Realitätsverleugnung und allfälliger motivationaler Konflikte sind unterschiedliche Behandlungsprioritäten angezeigt. Die therapeutischen Interventionen lassen sich mit Klärung, bewältigungsorientiertem Vorgehen, Ressourcen- und Problemaktivierung global umschreiben. Forschungsbefunde weisen bei normaler Trauer äußerst geringe, bei komplizierter Trauer hohe Effektstärken psychologischer Interventionen nach.

H. J. A. Znoj, A. Maercker

88. Well-being-/Wohlbefindenstherapie

Gesundheit und Wohlbefinden einerseits und Krankheit andererseits sind voneinander unabhängige Dimensionen. Die Wohlbefindenstherapie zielt darauf ab, zu klären, von welchen Bedingungen Wohlbefinden abhängt und wie es verbessert werden kann.

G. A. Fava, M. Linden

89. Weisheitstherapie

Weisheitstherapie ist ein neuer verhaltenstherapeutischer Ansatz zur Behandlung der posttraumatischen Verbitterungsstörung (PTED) und anderer Anpassungsstörungen. Mit Bezug auf Konzepte aus der Weisheitspsychologie zielt sie auf eine Verbesserung von Problembewältigungskompetenzen, um sowohl aktuelle wie künftige Konflikte oder kränkende Life Events besser bewältigen zu können. Dazu zählen beispielsweise emotionale Kompetenzen, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und die Suche nach verschiedenen sinnstiftenden Perspektiven.

K. Baumann, M. Linden

Störungsbezogene Therapiekonzepte

Frontmatter

90. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung desErwachsenenalters

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) des Erwachsenenalters umfasst die Symptombereiche Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität, motorische Hyperaktivität, innere Getriebenheit sowie affektive Dysregulation und geht häufig mit erheblichen Beeinträchtigungen der Alltagsbewältigung, des Beziehungsverhaltens und des Selbstwertgefühls einher. Wesentliche Elemente einer kognitiv-verhaltensorientierten Therapie sind der Aufbau klarer Strukturen, u. a. auch am Modell der therapeutischen Situation, der Aufbau von Verantwortungsübernahme für den Umgang mit der Symptomatik i. S. der Nutzung vorhandener Aufmerksamkeitsressourcen, Emotions- und Impulsregulation sowie die Bearbeitung dysfunktionaler Kognitionen und automatischer Gedanken. Auch achtsamkeitsbasierte Ansätze haben ihren Stellenwert in der Therapie der ADHS des Erwachsenenalters.

E. Sobanski, B. Alm

91. Agoraphobie und Panikerkrankung

Unter Agoraphobie versteht man die angstgetriebene Vermeidung von Straßen, Verkehrsmitteln oder Kaufhäusern. Patienten leiden regelhaft auch noch unter vielfältigen sonstigen Phobien wie Klaustrophobie (Angst vor engen oder überfüllten Räumen), Akrophobie (Angst vor Höhen) oder Phobophobie (Angst vor Panikzuständen). Durch Vermeidung kommt es zu einem Nachlassen der Angst. Bei Panikstörungen treten die Ängste ebenfalls stimulusgebunden auf, z. B. durch kognitives Rehearsal oder enterozeptive Stimuli. Die Behandlung erfolgt über eine Reaktionsexposition mit Reaktionsmanagement. Verboten ist eine Stimulusexposition, die zu einer Symptomverschlechterung führt.

M. Linden

92. Aggressiv-dissoziale Störungen

Aggressiv-dissoziales Verhalten (Störung des Sozialverhaltens) stellt im Kindes- und Jugendalter die häufigste psychische Störung dar, wobei die Auftretungsrate mit dem Alter kontinuierlich ansteigt. Dieses Problemverhalten tritt mit einer Vielzahl weiterer Störungen (wie ADHS, Störungen mit Substanzmissbrauch, Störungen der Impulskontrolle) in Kombination auf. Als wichtige verhaltenstherapeutische Maßnahmen sind zu nennen: Aufbau prosozialen Verhaltens, Erlernen einer verbesserten Wahrnehmung und differenzierten Einschätzung von sozialen Situationen, Entspannungsverfahren, Selbstbeobachtungs- und Selbstinstruktionsverfahren sowie Techniken zur Perspektivenübernahme (z. B. durch den Einsatz von Rollenspielen) und Problemlösetechniken.

F. Petermann

93. Alkoholismus

Das Krankheitsmodell des Alkoholismus umfasst mehrere Erscheinungsformen, die sich durch eine gemeinsame, verschiedene Phasen durchlaufende Entwicklung auszeichnen. Inzwischen unterliegt das Modell der Kritik, da es zu einseitig von organischen Ursachen ausgeht und soziale Einflussgrößen vernachlässigt. Die Therapie beinhaltet Maßnahmen, die sich auf die Einstellung des Konsums richten, sowie Angebote zum Aufbau von Stressbewältigungsfähigkeiten. Nach angloamerikanischen Metaanalysen erscheinen komplexere verhaltenstherapeutische Angebote wie Kompetenztraining, Selbstkontroll- und Stressmanagementmethoden, aber auch die verhaltenstherapeutisch orientierte Familientherapie und Kurzinterventionen zur Motivationsstärkung als effektiv. Bezogen auf die mittels Katamnesen evaluierte Breitbandbehandlung kann von einer deutlichen Überlegenheit der im deutschsprachigen Bereich üblichen längerfristigen, multiprofessionellen ambulanten und stationären Entwöhnungsbehandlung ausgegangen werden.

J. Petry

94. Anorexie und Bulimie

Ess- und Gewichtsstörungen i. S. v. Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) gehören zu den häufigen Erkrankungen, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die verhaltenstherapeutische Behandlung ist von dem Prinzip geleitet, dass die Normalisierung des Körpergewichts und die Lösung psychologischer Probleme eng zusammenhängen und nur hierdurch eine anhaltende Genesung erreicht werden kann. Eine stationäre kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung umfasst u. a. folgende Elemente: Einzelgespräche, Essgestörten-Problemlösegruppe, psychomotorische Therapie, Training sozialer Fertigkeiten, Kochgruppe und Angehörigengruppe. Eine ambulante Behandlung ist zunächst die Methode der Wahl, jedoch ist eine stationäre Behandlung bei Vorliegen bestimmter Bedingungen (z. B. Gewicht unter einem BMI von 15) oft unumgänglich. Zur Wirksamkeit kognitiv-verhaltenstherapeutischer Interventionen liegen gut kontrollierte Studien und Metastudien vor.

R. Meermann, E.-J. Borgart

95. Autismus-Spektrum-Störungen

Autismus-Spektrum-Störungen sind durch Störungen der sozialen Informationsverarbeitung und durch repetitive, stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet. Auch wenn Kompensationsstrategien entwickelt wurden, bleibt autistischen Erwachsenen insbesondere die Verarbeitung nonverbaler Signale dauernd erschwert. Psychotherapeutisch ist als übergeordnetes Ziel die Erweiterung des Verhaltensrepertoires anzustreben, um flexiblere und situationsangepasste Reaktionen zu ermöglichen. Unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnislage autistischer Erwachsener stehen dabei psychoedukative Maßnahmen, Stressreduktion, das Training kommunikativer Fertigkeiten und der Umgang mit sozialen Situationen im Vordergrund. Bei der deutlich erhöhten Arbeitslosigkeitsrate sind komplementär insbesondere berufliche Integrationsmaßnahmen zu verfolgen. Zusätzlich sind im Bedarfsfall komorbide Störungen zu behandeln, in erster Linie depressive Störungen.

K. Vogeley, A. Gawronski

96. Bipolare affektive Störungen

Bipolare Störungen sind durch Hochs und Tiefs in der Stimmung und im Antrieb gekennzeichnet. Ihre Häufigkeit wird auf 1 bis 5 Prozent geschätzt, je nachdem, ob man leichtere Verlaufsformen ebenfalls mitzählt. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann Betroffenen und ihren Bezugspersonen helfen, ein besseres Selbstmanagement ihrer Erkrankung aufzubauen, Rezidive in ihrer Häufigkeit und Dauer zu reduzieren und insgesamt wieder mehr Lebensqualität zu erfahren. KVT ist zwar auch bei bipolaren Depressionen indiziert, das Kapitel fokussiert aber bewusst auf KVT als Rezidivprophylaxe, da die psychotherapeutische Behandlung unipolarer und bipolarer Depressionen sich nicht grundlegend unterscheidet. Die Ziele und wesentlichen Strategien einer rezidivprophylaktisch orientierten KVT werden dargestellt, und es wird kurz darauf eingegangen, was aus psychotherapeutischer Sicht indiziert ist, wenn Betroffene manisch werden. Auch die Empirie zur Psychotherapie bipolarer Störungen wird skizziert.

T. D. Meyer

97. Borderline-Störung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) gilt als schwer zu behandelnde psychische Erkrankung welche durch ein durchgängiges Muster von Instabilität im Bereich der Affekte gekennzeichnet ist. Seit den 80er Jahren existiert mit der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) eine verhaltenstherapeutisch orientierte Therapie zur Behandlung der BPS. Der therapeutische Ansatzpunkt der DBT ist das jeweils für die Patienten oder die Therapie objektiv gefährlichste Verhalten. Diese dynamische Behandlungshierarchie bietet die Grundstruktur für die Einzeltherapie. Ein parallel stattfindendes Fertigkeitentraining vermittelt den Patienten Alternativverhalten zu bislang dysfunktionalen Verhaltensweisen. Die DBT gilt als das zur Behandlung einer BPS am besten evaluierte Verfahren.

C. Stiglmayr

98. Chronische Krankheiten im Kindesalter

Chronische Krankheiten zeichnen sich durch ihre Nichtheilbarkeit oder ihren langwierigen, unberechenbaren Verlauf aus und haben tief greifende Veränderungen im Leben der Betroffenen zur Folge. Nach dem Sozialgesetzbuch IX werden sie heute den Behinderungen gleichgesetzt. Das Kranksein oder die Bemühungen zu seiner Abwehr sind immer gegenwärtig. Anhand einfacher phänomenologischer Charakteristika wird die Spannweite der unterschiedlichen Problemkreise deutlich.

M. von Aster, W. Burger

99. Demenz

Die Hauptziele psychosozialer Therapieansätze bei Demenz beziehen sich auf die Reduktion neuropsychiatrischer Symptome wie Depression, die Stärkung des Selbstwertgefühls und auf die Erhaltung der kognitiven, sozialen und alltagspraktischen Kompetenzen – soweit dies bei dem meist progredienten Krankheitsverlauf möglich ist. Als besonders wirksam und persönlich bedeutend haben sich die Interventionen erwiesen, die den Kranken kognitiv stimulierende, individuell angepasste soziale Teilhabe vermitteln und die Kompetenz der Betreuer im Umgang mit den Krankheitsfolgen erweitern. Multimodale Behandlungsprogramme integrieren u. a. neuropsychologische, ergo-, kunst-, musik- und verhaltenstherapeutische Methoden und Techniken.

B. Wenz, M. Romero

100. Depressionen

Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Interesseverlust, Hoffnungslosigkeit, Antriebsmangel, häufig begleitet von Ängstlichkeit und erhöhter Ermüdbarkeit, gelten als zentrale Symptome des depressiven Syndroms. Üblicherweise diagnostiziert man heute eine depressive Episode, wenn über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen fünf dieser Symptome (darunter „depressive Stimmung“ oder „Interesseverlust“) gleichzeitig vorhanden sind und damit eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit einhergeht. Abhängig vom Einzelfall lassen sich als Ziele der Behandlung formulieren: Psychoedukation und Aufklärung, Steigerung angenehmer und Reduktion unangenehmer Aktivitäten, Überwindung sozialer Defizite, Verbesserung der interaktionellen, kommunikativen Kompetenz, Korrektur überzogener Ansprüche und Einstellungen, Aufbau differenzierenden, relativierenden, auf das konkrete Verhalten bzw. die konkrete Erfahrung und Situation bezogenen Denkens, Überwindung von selbstschädigender Erfahrungsverarbeitung.

M. Hautzinger

101. Entwicklungsstörungen und Intelligenzminderungen

Entwicklungsstörungen und Intelligenzminderungen bezeichnen Reifungs- und Lernbeeinträchtigungen heterogenen Ursprungs. Sie sind mit strukturellen und funktionellen Funktionsdefiziten assoziiert, die die Bedingungen für adaptives Lernen in vielfältiger Weise erschweren. Obgleich Intelligenzminderungen in der ICD-10 gesondert abgehandelt werden, stellen sie in einem umfassenderen Sinne Störungen der Entwicklung dar, wenngleich im Verlauf mehr oder weniger ausgeprägte bleibende Einschränkungen resultieren. Bei Entwicklungsstörungen wie bei Intelligenzminderungen besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung zusätzlicher psychischer Störungen im Erleben und Verhalten. Ziele für lernpsychologisch begründete Interventionen ergeben sich in zweierlei Hinsicht: Zum einen geht es um die Erweiterung des Verhaltens- und Fertigkeitenrepertoires, zum anderen um die Behandlung und Bewältigung primär bestehender oder aus der Lerngeschichte resultierender Verhaltens- und Emotionsstörungen.

M. von Aster

102. Enuresis

Beim Einnässen unterscheidet man zwischen dem sog. Bettnässen (Enuresis nocturna) und dem Tagnässen (Enuresis diurna), wobei in der Literatur Übereinstimmung dahingehend besteht, dass das Bettnässen die häufigste Form darstellt (ca. 70 bis 80 Prozent der Kinder). Bettnässen ist definiert als „das wiederholte und nicht bemerkte nächtliche Einnässen in einem Alter von mehr als drei Jahren“, wobei von einer Enuresis nur dann gesprochen werden sollte, wenn keine körperlichen Störungen oder Defekte zugrunde liegen. Das Tagnässen ist bei ca. 25 bis 30 Prozent der Fälle vorhanden, wobei Mädchen deutlich häufiger betroffen sind. Ferner findet man sog. kombiniertes Einnässen (Vorkommen bei ca. 15 Prozent), was als Hinweis auf ein höheres allgemeines Gestörtheitsniveau des Kindes verstanden werden kann (d. h., die Enuresis ist Teil einer Polysymptomatik).

S. Grosse

103. Generalisierte Angststörung

Die generalisierte Angststörung (GAD) ist gekennzeichnet durch ständige, übertriebene und schwer kontrollierbare Sorgen über banale Alltäglichkeiten. Es handelt sich um eine Störung, die über längere Zeit besteht. Unspezifische Zusatzsymptome können sein: Verspannungen, innere Unruhe, Erschöpfbarkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit oder auch eine vegetative Übererregbarkeit. Die Behandlung zielt darauf ab, den Denkstil zu verändern, d. h. das ständige negative antizipatorische kognitive Rehearsal und die hohe Fluency für katastrophisierende Erwartungen.

M. Linden

104. Hyperkinetische Störungen im Kindesalter

Dem hyperkinetischen Kind gelingt es nicht, situativen Anforderungen gerecht zu werden. Geminderte Daueraufmerksamkeit, vorschnelles Handeln, die Unfähigkeit, die Aktivierung situationsangemessen zu regulieren, extreme Suche nach unmittelbarer Verstärkung beeinträchtigen die metakognitive Entwicklung: Das hyperaktive Kind lernt nicht, altersgemäß planvoll zu handeln, über sein Denken nachzudenken. mit alltäglichen Misserfolgen als Konsequenz. In Barkleys Modell (2006) hat die vornan stehende mangelnde Hemmung kaskadenartig eine unzulängliche Ausbildung exekutiver Funktionen, wie u. a. Arbeitsgedächtnis, Selbstregulation von Affekt, Aktivierung und Motivation, zur Folge. Dieses Modell macht deutlich, dass eine Reduktion der Störung auf bedeutungsüberschüssige Deskriptoren wie Aufmerksamkeit und Hyperkinetik unzulänglich ist. Die Therapie muss die sozial-emotionalen Probleme hyperaktiger Kinder wichtig nehmen. Sie muss bei den Problemen der Selbstregulation ansetzen.

H. G. Eisert

105. Hypochondrie und Gesundheitssorgen

Kernkriterium der Hypochondrie ist die Angst, eine ernsthafte Erkrankung zu haben. Das Störungsbild lässt sich kennzeichnen durch: a) hohe körperbezogene Aufmerksamkeit, b) körperliche Sensationen, c) Fehl-/Überinterpretationen dieser Empfindungen = Gedanken, ernsthaft erkrankt zu ein, d) „sicherheitssuchende“ Verhaltensweisen, die zur Reduktion der Krankheitsangst eingesetzt werden. Kognitive Verhaltenstherapie wird gegenwärtig als Goldstandard in der Behandlung der Hypochondrie ausgewiesen. Es werden im Wesentlichen zwei Ziele verfolgt: (1) Mittels Psychoedukation, kognitiver Umstrukturierung und Verhaltensexperimenten wird versucht, die enge Verknüpfung der körperlichen Missempfindungen mit den Krankheitsannahmen zu lockern bzw. aufzulösen. (2) Nach Identifizierung und Problematisierung des sicherheitssuchenden Verhaltens (bei Ärzten, durch Selbstuntersuchungen, im Internet etc.) soll dieses anhand von Expositionen und Reaktionsverhinderung vermindert werden.

G. Bleichhardt, W. Rief

106. Persönlichkeitsstörungen

Von Persönlichkeitsstörungen (PS) spricht man, wenn das Verhalten oder die Emotionalität einer Person durch die Ausprägung bestimmter Merkmale so akzentuiert ist, dass sich hieraus ernsthafte Leidenszustände oder/und Konflikte ergeben. Gemeinsam ist den PS, dass es sich immer auch um Interaktions- bzw. Beziehungsstörungen handelt. Die auslösenden Verhaltensweisen erlebt der Betreffende als Ich-synton und kann daher meist nur Leidensdruck erzeugende Negativreaktionen seiner Umwelt schildern, kaum aber eigene Anteile an deren Provokation verstehen. Die neueren Entwicklungen in der Verhaltenstherapie (VT) machen eine gezielte Therapie der PS auch im Rahmen der VT möglich. Die therapeutischen Implikationen der Beziehungsgestaltung, der Würdigung traumatischer Erfahrungen, der Konnotation des kritischen Verhaltens als Ressource und die Flexibilisierung der Wahrnehmung und Verhalten prägenden kognitiven Schemata werden dargestellt und entsprechende therapeutische Herangehensweisen skizziert.

M. Geibel-Jakobs, W. Ecker

107. Posttraumatische Belastungsstörungen

Es wird einleitend die Symptomatik und Epidemiologie der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) beschrieben. Danach schließen sich Darstellungen des Furchtstrukturmodells (Foa) und verschiedener kognitiver Störungsmodelle an, die auch kombiniert werden können. Für den Behandlungsplan wird insbesondere auf die In-sensu-Konfrontation (Exposition) und das kognitive Restrukturieren eingegangen. Bei der Darstellung der Wirksamkeit wird auf bisher bestehende Probleme mit der Therapie von PTBS nach Typ-II-Traumen (chronische Traumata) eingegangen.

A. Maercker

108. Schizophrenie

Im Hinblick auf die vielschichtige Symptomatik der Schizophrenie sind seit vielen Jahren Bemühungen zu erkennen, diese nicht nur psychopharmakologisch, sondern auch psychotherapeutisch zu behandeln. Basierend auf einer Vielzahl empirischer Studien können fast ausschließlich kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze als effektiv angesehen werden. Es liegen differenzierte Vorschläge und Programme für die unterschiedlichen therapeutischen Settings vor: Einzel-, Gruppen- und Familientherapie. Traditionelle kognitiv-verhaltenstherapeutische Techniken wurden dabei z. T. im Hinblick auf die spezifischen Problematiken der schizophrenen Patienten adaptiert, außerdem wurden neue Methoden und Techniken entwickelt.

R.-D. Stieglitz, R. Gebhardt

109. Schlafstörungen

Insomnien sind in westlichen Industrieländern sehr häufig und mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität verbunden. Die Schlafstörungen werden trotz gravierender Nebenwirkungen weiterhin oft mit Schlafmitteln behandelt, obwohl die kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapie der Insomnie im Vergleich sicherer und im Langzeitverlauf effektiver ist. Die psychotherapeutische Behandlung umfasst folgende Interventionen: Entspannungstechniken, Aufklärung über Schlafhygiene, Schlaf-Wach-Rhythmus-Strukturierung, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion und kognitive Techniken zur Reduktion nächtlichen Grübelns und zum Abbau dysfunktionaler Kognitionen zum Thema Schlaf. Die einzelnen Bausteine der Behandlung werden im vorliegenden Kapitel dargestellt, inklusive potenzieller Probleme bei ihrer Umsetzung.

D. Riemann, K. Spiegelhalder

110. Schlafstörungen im Kindesalter

Schlafstörungen im Kindesalter sind weit verbreitet. Während in den ersten Lebensjahren Durchschlafprobleme dominieren, treten später Einschlafprobleme in den Vordergrund. Darüber hinaus zeigen sich viele Schlafbesonderheiten und -störungen vor allem in den ersten Lebensjahren. Die Intervention sollte im frühen Alter vor allem in der Veränderung der Zubettgeh-Situation und des nächtlichen Verhaltens der Eltern liegen und ab dem Grundschulalter auch die Kinder einbeziehen. Neben der Vermittlung von Schlafhygieneregeln und der Veränderung der Schlafumgebung sind das Etablieren einer Tages- und Abendstruktur, das Initiieren bewegungsreicher Phasen während des Tages, das Generieren von Bewältigungsmöglichkeiten für Ängste und Sorgen, eine kognitive Umstrukturierung hoher Ansprüche, der Aufbau eines selbstständigen Bewältigungsverhaltens und die Vermittlung von Strategien zur Bewältigung von Albträumen bedeutsam. Hierzu existieren manualisierte kindgerechte therapeutische Vorgehensweisen.

A. A. Schlarb

111. Schmerzerkrankungen

Verhaltenstherapeutische Techniken bei akuten und chronischen Schmerzerkrankungen sind bereits seit vielen Jahren gut etabliert und wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit überprüft. Hintergrund für die Behandlungsansätze sind verhaltensmedizinische Modellvorstellungen zum Schmerz. Daraus leiten sich multimodale Behandlungskonzepte wie das Schmerzimmunisierungstraining, operante Techniken, Biofeedbacktraining und kognitive Techniken ab. In den letzten Jahren wurden besonders zum chronischen Kopfschmerz und Rückenschmerz auch spezielle multimodale Trainingsprogramme wie z. B. das MIPAS-Programm und das MIPAS-Family-Programm für Kinder und Jugendliche entwickelt und empirisch evaluiert. Es konnte gezeigt werden, dass verhaltenstherapeutische Interventionen bei Schmerzerkrankungen nicht nur klinisch wirksam sind, sondern auch den Gebrauch von Medikamenten reduzieren können. Somit kommt diesen Verfahren auch eine gesundheitsökomomische Bedeutung zu.

W. D. Gerber, M. Siniatchkin

112. Sexualstörungen

Sexuelle Störungen weisen eine hohe Prävalenz auf und sind oft mit erheblichem intra- und interpersonellen Leidensdruck verbunden. Das Vorhandensein dieses Leidensdrucks ist Voraussetzung für die Vergabe einer Störungsdiagnose, ansonsten spricht man von sexuellen Problemen oder Schwierigkeiten. Die sexuellen Funktionsstörungen sind die im klinischen Alltag bedeutsamste Gruppe der Sexualstörungen. Zu ihnen zählen Störungen der Lust, der Erregung, des Orgasmuserlebens sowie sexuelle Schmerzstörungen. Sie werden von multifaktoriellen Prozessen verursacht und neigen zu einer raschen Chronifizierung durch den Selbstverstärkungsmechanismus aus Versagensängsten, Leistungsdruck und Vermeidungsverhalten. Mit der eng an die Verhaltenstherapie angelehnten Sexualtherapie verfügen wir über ein etabliertes Behandlungsverfahren. Sexuelle Funktionsstörungen sind im Kontext ambulanter Psychotherapie unterdiagnostiziert und unterbehandelt und sollten in Ausbildung und Praxis stärker fokussiert werden.

U. Hartmann

113. Somatisierungsstörung

Patienten mit Somatisierungsstörungen gelten oftmals als schwer behandelbar und schwer für Psychotherapie motivierbar. Moderne Behandlungsansätze zeigen demgegenüber Wege auf, wie Patienten mit zahlreichen körperlichen Beschwerden auch für psychotherapeutische Verfahren gewonnen werden können. Hierbei spielt ein flexibler Umgang mit den subjektiven Krankheitsannahmen der Patienten eine besondere Rolle. Diese Behandlungsansätze werden nach neuesten Behandlungsleitlinien als wissenschaftlich fundiert empfohlen und tragen zu einer besseren Lebensqualität der betroffenen Patienten bei.

W. Rief

114. Soziale Ängste

Ängste vor bestimmten sozialen Situationen sind weitverbreitet. Die meisten Menschen sind aufgeregt, wenn sie vor Publikum eine Rede halten müssen. Auch ein erstes Rendezvous wird kaum jemanden völlig kaltlassen. Solche emotionalen Reaktionen sind normal und durchaus zweckmäßig, denn sie motivieren dazu, sich anzustrengen und das Beste zu geben. Wenn sie jedoch sehr intensiv sind und im Alltag ständig auftreten, wird das Sozialverhalten der Betroffenen nicht optimiert, sondern eher beeinträchtigt. Entsprechende Situationen werden dadurch zunehmend als Belastung empfunden und mit der Zeit oft sogar vollständig gemieden, vor allem, wenn tatsächliche oder auch nur vermeintliche Misserfolgserlebnisse hinzukommen. Das hat nachweisbare negative Auswirkungen auf die Lebensqualität sozial ängstlicher Menschen, auf ihre berufliche und private Entwicklung.

U. Pfingsten

115. Tic- und Tourette-Störungen

Tics sind unwillkürliche, rasche, wiederholte, nichtrhythmische motorische Bewegungen, die umschriebene Muskelgruppen betreffen (motorische Tics), oder vokale Produktionen, die plötzlich einsetzen und keinem offensichtlichen Zweck dienen (vokale Tics). Die Kombination von chronischen motorischen und vokalen Tics wird als Tourette-Störung bezeichnet. Tics treten in der Regel im Verlauf von Kindheit und Jugend erstmals auf, können in diesem Zeitraum auch wieder remittieren oder bis ins Erwachsenenalter anhalten. Bei der Therapie haben sich kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen sowie Pharmakotherapie bewährt. Kern der verhaltenstherapeutischen Intervention der Reaktionsumkehr („habit reversal“) ist das Training inkompatibler Reaktionen, bei dem eine Gegenbewegung zur Tic-Reaktion eingeübt wird. Zuvor wird die Selbstwahrnehmungsfähigkeit des Patienten in einem Selbstwahrnehmungstraining verbessert.

M. Döpfner

116. Tinnitus

Tinnitus ist eine relativ häufige akustische Perzeptionsstörung, die bei einem Teil der Betroffenen mit erheblicher psychischer Beeinträchtigung verbunden ist, die bis in die Arbeitsunfähigkeit führen kann. Diese wird weniger durch die Charakteristika der Wahrnehmungsstörung als durch psychologische Prozesse bedingt. Eine medizinische Behandlung des Tinnitus hat sich bisher als nicht erfolgreich erwiesen. Aus diesem Grunde sind kognitiv-behaviorale Behandlungsmaßnahmen entwickelt worden, die sich dem Ziel der Beeinträchtigungsreduzierung widmen. Diese Verfahren haben sich in Metaanalysen als moderat bis sehr wirksam erwiesen. Dies gilt auch für medienbasierte Selbsthilfeinterventionen aus der KVT. Es wird ein relativ typisches Behandlungsmanual dargestellt, das sich wesentlich in der Gruppentherapie bewährt hat.

B. Kröner-Herwig

117. Zwangsstörungen

Von einer Zwangsstörung wird dann gesprochen, wenn wiederholt Zwangsgedanken, Zwangsbefürchtungen oder Zwangshandlungen auftreten und diese so gravierend sind, dass sie erhebliches Leid verursachen, viel Zeit in Anspruch nehmen (mehr als eine Stunde pro Tag) und der normale Tagesablauf, die berufliche Leistung oder die sozialen Aktivitäten dadurch gestört werden. Es gibt vier Haupterscheinungsformen, von denen ein oder zwei das Krankheitsbild der meisten Patienten prägen: Kontrollzwänge, Kontaminationsängste mit Reinigungs- und Waschzwängen, zwanghafte Langsamkeit sowie Zustände, bei denen Zwangsgedanken oder -grübeleien im Vordergrund stehen.

N. Hoffmann

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Im Pocket Guide finden Sie von A bis Z schnell und übersichtlich die "Erste-Hilfe"-Information rund um alle Psychopharmaka, die Sie auf Station und im Praxisalltag brauchen. Das Pocket-Buch passt bestens in die Kitteltasche. Auf eine ausführliche Darstellung der Störungen wurde bewusst verzichtet.

Autoren:
Prof. Dr. med. Otto Benkert, Prof. Dr. med. I.-G. Anghelescu, Prof. Dr. med. G. Gründer, Prof. Dr. med. P. Heiser, Prof. Dr. rer. Nat. C. Hiemke, Prof. Dr. med. H. Himmerich, Prof. Dr. med. F. Kiefer, Prof. Dr. med. C. Lange-Asschenfeldt, Prof. Dr. med., Dr. rer. nat., Dipl.-Psych. M.J. Müller, Dr. med., Dipl.-Kfm. M. Paulzen, Dr. med. F. Regen, Prof. Dr. med. A. Steiger, Prof. Dr. med. F. Weber

2016 | Buch

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Herausgeber:
Prof. Dr. Dr. Frank Schneider