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Erschienen in: Forum der Psychoanalyse 4/2021

09.02.2021 | Originalarbeit

Verkapselte Körperengramme und die Traumfunktion – Zur Bearbeitung primärer Abwehrprozesse im Körperselbst

verfasst von: Dr. en psychanalyse Sebastian Leikert

Erschienen in: Forum der Psychoanalyse | Ausgabe 4/2021

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Zusammenfassung

Der Autor untersucht leibliche Abwehrkonstellationen, die sich zu verkapselten Körperengrammen zusammenballen. Sie hemmen zentrale vitale Impulse und schließen sie von der weiteren psychischen Repräsentation und Verarbeitung aus. Diese primären Abwehrkonfigurationen werden im Kontext des Abwehrmechanismus der Hemmung (Freud) und der Grenzen zwischen Beta- und Alpha-Elementen (Bion) diskutiert. Es wird der behandlungstechnische Vorschlag einer psychoanalytischen Wahrnehmungsarbeit gemacht. Die leibliche Missempfindung wird als Kommunikationsversuch aufgefasst und durch eine genaue Beschreibung auf die Bühne der analytischen Begegnung geholt. Erst nach dem Durcharbeiten dieser Konstellationen tritt die zuvor beschädigte Traumfunktion, also die spontane Verbildlichung psychischer Inhalte, wieder in Kraft. Zwei klinische Beispiele illustrieren Konzept und Verfahren.
Fußnoten
1
Der Begriff des toten Objekts ist von Bion nicht systematisch verwendet worden; es handelt sich bei meiner Bezugnahme daher um eine Interpretation, die sich nicht auf ein elaboriertes Konzept bei Bion bezieht und vom bizarren Objekt, das in der Tat ein systematischer Begriff ist, zu unterscheiden ist. Bizarre Objekte sind jedoch Produkte eines psychotischen Prozesses und werden durch andere Mechanismen hervorgebracht. Bizarre Objekte entstehen durch einen Angriff auf die Wahrnehmungsfunktion, bei der Fragmente der Persönlichkeit der Wahrnehmung entzogen und durch projektive Identifizierung in die Außenwelt ausgestoßen werden. Sie werden also durchaus repräsentiert und von einem produktiven, aber psychotischen bizarren Denkprozess ausgearbeitet: „Bizarre Objekte sind Beta-Elemente plus Ich- und Überich-Spuren“ (zitiert nach Sandler 2005, S. 89, Übersetzung S.L.). Eben diese Spuren der Symbolisierung durch Ich- und Über-Ich-Prozesse fehlen beim verkapselten Körperengramm. Es steht, um noch einmal Laplanche (2017b, S. 179) aufzugreifen, „in keinem Wechselverhältnis zu einem Vorbewussten“.
 
Literatur
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Metadaten
Titel
Verkapselte Körperengramme und die Traumfunktion – Zur Bearbeitung primärer Abwehrprozesse im Körperselbst
verfasst von
Dr. en psychanalyse Sebastian Leikert
Publikationsdatum
09.02.2021
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Forum der Psychoanalyse / Ausgabe 4/2021
Print ISSN: 0178-7667
Elektronische ISSN: 1437-0751
DOI
https://doi.org/10.1007/s00451-021-00425-w

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