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09.03.2018 | Verletzungen | Nachrichten

Fallbericht

Schlund verbrannt nach Sturz mit E-Zigarette

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Bei einem Sturz rammt sich ein Mann eine dampfende E-Zigarette in den Rachen. Das epiglottische Ödem, das sich daraufhin entwickelt, macht eine Tracheotomie sowie eine monatelange Sondenernährung erforderlich.

Als sich der Mann in der Notaufnahme vorstellt, zeigt er extreme Atemprobleme und ein auffälliges Atemgeräusch. Wenige Stunden zuvor, so wird berichtet, sei er mit der elektronischen „Fluppe“ im Mund vornüber gestürzt, möglicherweise, weil er das Bewusstsein verloren habe. Dabei muss er sich wohl die E-Zigarette in den Rachen gerammt haben.

Ausgeprägtes supraglottisches Ödem

Die in der Notaufnahme durchgeführte HNO-ärztliche Untersuchung ergibt ein diffuses supraglottisches Ödem, vor allem im Bereich der Epiglottis, des Aryknorpels und der Plica aryepiglottica. Der Blick auf die Stimmbänder ist dadurch komplett versperrt. Noch in der Notaufnahme wird der Patient über die Nase intubiert und auf die Intensivstation verbracht.

Dort verabreicht man ihm zunächst Dexamethason und ein Antibiotikum. Nach drei Tagen versuchen die Ärzte, eine Dobhoff-Sonde zu legen, was jedoch misslingt. Daher muss die Ernährung via nasogastraler Sonde fortgesetzt werden. 

Tracheotomie zeigt erschreckendes Bild

Nach zwei weiteren erfolglosen Extubationsversuchen im Laufe der nächsten drei Tage entschließen sich die Ärzte zu einer Tracheotomie mit anschließender direkter Laryngoskopie. Das Bild, das sich den Untersuchern bietet, ist erschreckend: ein ausgedehntes Ödem mit sich ablösender Mukosa im Bereich des Pharynx und oberhalb der Glottis. Die geplante Ösophagoskopie wird angesichts dessen erst einmal verschoben.

Drei Tage nach der Op. zeigte sich der Patient immer noch unfähig zu schlucken. Deswegen und aufgrund des hohen Aspirationsrisikos wurde die Ernährung per Magensonde fortgesetzt.

Wieder zwei Wochen später führten die Ärzte eine Ösophagogastroduodenoskopie durch, welche eine ringförmige Narbe im distalen Ösophagus zeigte. Am distalen Antrum sowie am Pylorus waren ausgeprägte Ulzerationen zu erkennen. Aufgrund der Pylorusstriktur war man schließlich gezwungen, eine JET-PEG-Sonde bis ins Jejunum zu legen.

Sechs Monate Sondennahrung

Erst nach insgesamt drei Monaten gelang es, den Patienten zu dekanülieren. Noch ein halbes Jahr nach dem Zwischenfall mit der E-Zigarette musste der Mann per Sonde ernährt werden, weil er ausschließlich Flüssigkeit in kleinen Schlückchen zu sich nehmen konnte.

Das HNO-Ärzteteam um Nicholas S. Andresen von der Universität Iowa geht davon aus, dass die Verletzungen, die vom Rachen bis in die Speiseröhre reichten, eher auf eine chemische Verbrennung denn auf eine mechanische Schädigung zurückzuführen waren. In E-Zigaretten sorgt ein batteriebetriebenes Heizelement dafür, dass die nikotinhaltige Flüssigkeit erhitzt und somit vernebelt wird.

Literatur

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