Die zentrale Empfehlung dieser Leitlinie lautet: Ein differenziertes Vorgehen statt ungezielter Testung und Supplementierung von Vitamin D
Ein Vitamin-D-Mangel kann den Erfolg implantologischer und augmentativer Eingriffe negativ beeinflussen, rechtfertigt jedoch nach aktueller Studienlage keine routinemäßige, ungezielte Bestimmung oder Supplementierung bei Patientinnen und Patienten, die sich einer solchen Therapie unterziehen.
Zu diesem Ergebnis kommen die Fachleute von 23 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Organisationen, die unter Federführung der DGI und der DGZMK eine erste deutschsprachige S3-Leitlinie zum Thema Vitamin-D-Bestimmung und Supplementierung in der dentalen Implantologie entwickelt haben.
Der Vitamin-D-Mangel in der Gesellschaft ist hoch: Je nach Jahreszeit können bis zu 50 Prozent der Patientinnen und Patienten einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben. Dies ist vor allem bei älteren Menschen der Fall. Das Vitamin ist für den Knochenstoffwechsel wichtig. Ein Mangel kann zu Rachitis, Osteomalazie oder Osteoporose führen.
Die systematische Auswertung wissenschaftlicher Studien bei der Leitlinienarbeit lieferte darum auch Hinweise, dass ein Vitamin D-Mangel den Erfolg implantologischer und augmentativer Eingriffe negativ beeinflussen könnte. Niedrige Vitamin-D-Spiegel können mit einem verzögerten Knochenaufbau, einer verminderten Implantatstabilität sowie einer erhöhten Anfälligkeit für periimplantäre Infektionen assoziiert sein. Gleichzeitig betonen die Autoren jedoch, dass die Evidenz insgesamt heterogen und vielfach methodisch limitiert ist. Das Fazit formuliert der Koordinator der Leitlinie Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz (Wiesbaden) darum so: „Ein generelles Screening oder eine pauschale Supplementierung kann derzeit nicht empfohlen werden.“
Stattdessen raten die Fachleute zu einem individualisierten Vorgehen: Können ZahnmedizinerInnen einen Vitamin-D-Mangel aufgrund der Anamnese vermuten oder ist er bereits bekannt, kann eine gezielte Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels sinnvoll sein. Auch bei unklaren Implantat-Frühverlusten oder wiederkehrenden periimplantären Infektionen kann die Diagnostik des Vitamin-D-Status einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn liefern. Bestätigt sich der Verdacht einer Mangelversorgung, könnte, so die Autoren, dann eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein.