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Der Nervenarzt

Warum rauchen Schizophreniepatienten?

  • 01.03.2005
  • Übersichten
Erschienen in:

Zusammenfassung

Patienten mit schizophrenen Störungen zeigen eine erhöhte Prävalenz der Nikotinabhängigkeit. Diese Arbeit beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Schizophrenie und Nikotinkonsum. Es gibt deutliche Hinweise dafür, dass wesentliche Bereiche kognitiver Funktionen bei Patienten mit schizophrenen Erkrankungen durch Nikotin verbessert werden, insbesondere Daueraufmerksamkeit, gerichtete Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Wiedergabe aus dem Gedächtnis. Auch konnten in einigen Studien mittels ereigniskorrelierten Potenzialen (P50-Paradigma) und der Präpulsinhibition des akustisch ausgelösten Schreckreflexes gezeigt werden, dass präattentive Maße der Informationsverarbeitung, die eine zentrale Rolle in der Schizophrenie spielen, durch Gabe von Nikotin verbessert werden können. Weiterhin kann Rauchen die durch antipsychotische Medikamente hervorgerufenen extrapyramidalen Nebenwirkungen verbessern, und es induziert das Zytochrom P4501A2, das auch an der Metabolisierung einiger Neuroleptika beteiligt ist. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Nikotinzufuhr bei Patienten mit schizophrenen Störungen eine Form der „Selbstmedikation“ darstellen könnte, um Defizite im Bereich Aufmerksamkeit, Kognition und Informationsverarbeitung zu verbessern und um Nebenwirkungen von Antipsychotika zu reduzieren. Mögliche pharmakotherapeutische Ansätze zur Behandlung der gestörten Neurotransmission am nikotinergen Azetylcholinrezeptor werden diskutiert.
Titel
Warum rauchen Schizophreniepatienten?
Verfasst von
Dr. K. Cattapan-Ludewig
S. Ludewig
E. Jaquenoud Sirot
M. Etzensberger
F. Hasler
Publikationsdatum
01.03.2005
Erschienen in
Der Nervenarzt / Ausgabe 3/2005
Print ISSN: 0028-2804
Elektronische ISSN: 1433-0407
DOI
https://doi.org/10.1007/s00115-004-1818-0
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