Was hätte ich gern vor der Weiterbildung gewusst?
Tipps von Ärzt*innen in Weiterbildung Allgemeinmedizin für Studierende
- Open Access
- 12.01.2026
- Originalien
Zusammenfassung
Ausgangssituation
Vorbereitung im Studium
Fragestellung
Methode
Ergebnisse
Oberthema | Unterthema | Einzelaspekte (sofern zutreffend) |
|---|---|---|
Anforderungen der WBO | WBO & Befugnisse | Weiterbildungsordnung kennen; auf Aktualisierungen der WBO und des Logbuchs achten (verschiedene Versionen) |
Selbst Weiterbildungsbefugnis prüfen und auf die Anrechenbarkeit von Abschnitten achten (notwendige Mindestweiterbildungszeit, welche Befugnis gilt für welchen Abschnitt) | ||
Logbuch | Bei Stellensuche auf fehlende Weiterbildungsinhalte achten (z. B. Sonos); Inhalte des Logbuchs müssen bei den Stellen absolviert werden können | |
Vorgaben der Weiterbildungsordnung z. T. schwer in Praxis erfüllbar | ||
WBO & Bundeslandwechsel | Weiterbildungsordnungen der Bundesländer sind sehr unterschiedlich, möglichst nur in einem Bundesland abschließen VS. WBO/Logbücher der Bundesländer vergleichen, ggf. bewusster Bundeslandwechsel sinnvoll; nach der WBO der letzten Station der Weiterbildung planen und dementsprechendes Logbuch ausfüllen lassen | |
Arbeitsbedingungen in der Weiterbildung | Lernziele & Weiterbildungsziele | Weiterbildung erfordert Eigeninitiative; (von Beginn an) aktiv und kontinuierlich Weiterbildung einfordern, damit benötigte Inhalte gelernt werden können; vor Stellenantritt bzw. zu Beginn klare Absprachen zu Lernzielen und Supervision treffen |
Gestaltung der Arbeitszeit | Für ÄiW keine zu enge Taktung der Patientenkontakte; Zeit für Arbeit ohne Patienten sollte eingeplant werden | |
Organisation der Weiterbildung | Planung der Rotationen als Herausforderung | Man muss die Weiterbildung allein planen; häufige Stellenwechsel sind bereichernd und herausfordernd |
Reihenfolge der Rotationen | Sinnvolle Reihenfolge von Weiterbildungsabschnitten (stationär vor ambulant); Klinikzeit besser, bevor man Kinder bekommt VS. Ambulant vor stationär kann auch sinnvoll sein | |
Strategien bei der Stellensuche | Gute Stellen über Netzwerke bekommen; langfristige Stellensuche bei guten Praxen; Bauchgefühl bei Hospitationen wichtig für die Entscheidung für/gegen eine Stelle | |
(Arbeits‑)Rechtliche Aspekte | Rund um den Arbeitsvertrag | Gehalt, Arbeitszeit, Urlaub, Fortbildungszeit sind verhandelbar; Arbeitsvertrag im Vorfeld prüfen lassen |
Arbeit in der Praxis | Notwendige Anwesenheit der Weiterbilder*innen | |
(An‑)Recht auf Ausbildung; ÄiW sind kein Facharzt-Ersatz | ||
Verschiedene Regelungen | Rechten und Pflichten bzgl. Schwangerschaft kennen (inkl. finanzieller Aspekte) | |
Regelung zu Krankentagen & Weiterbildungszeiten kennen | ||
Arbeitslosenregelung bei befristeten Verträgen kennen | ||
Allgemeines zur ärztlichen Tätigkeit | Was sich nicht legal anfühlt, ist es teilweise auch nicht; Rechtliches selbst (nach)prüfen | |
Unterstützungsstrukturen für die Weiterbildung | Kompetenzzentrum, WABe*, Vernetzung mit ÄiW | Vernetzung mit ÄiW; KW und WABE von Anfang an (bzw. so früh wie möglich) nutzen; Mentoring nutzen |
Finanzielles | Gehalt in der Praxis | Gehalt verhandeln entsprechend dem, was man seiner Praxis einbringt VS. kritischer Blick auf Gehaltsforderungen als ÄiW, da Fachärzt*innen nicht viel mehr verdienen |
Kosten für Pflichtfortbildungen | Fortbildungen müssen selbst gezahlt werden; Geld für verpflichtende Zusatzkurse zurücklegen | |
(Ambulantes) Gesundheitssystem | Wissen um Praxisfinanzen/Abrechnung in der Weiterbildung | |
Wissen um KV-System, Budgets, Versorgungsmodelle | ||
Strukturen des Gesundheitswesens kennen, Kenntnis über Abläufe z. B. bei BG-Fällen, Kuren und Reha, Fragen der Kostenübernahme | ||
Perspektiven nach der Weiterbildung | Arbeitsmöglichkeiten ohne Kassenzulassung kennen VS. Arbeiten im ärztlich geführten MVZ mit Gewinnbeteiligung ist attraktiv VS. die eigene Niederlassung lohnt sich | |
Weiteres | Freude an hausärztlicher Medizin (tolles Fachgebiet, Freude an der Arbeit mit Menschen, gute Work-Life-Balance) | |
Umgang mit Wissenslücken: Das Studium ist gute Basis, alles andere lernt man beim Tun; Fachwissen kann nachgeschlagen werden, Unwissenheit gegenüber Patient*innen transparent machen | ||
Anforderungen der WBO
„Weiterbildungsordnung anschauen.“ (ÄiW 1,23)
„Das Logbuch ist superwichtig – schon früh darauf achten, dass alle Inhalte über die Stellen abgedeckt sind.“ (ÄiW 1,24)
„Ich finde die Aussage, dass man möglichst nur in einer Ärztekammer die Weiterbildung absolvieren sollte, schwierig. Wichtig ist, dass man die Logbücher gewissenhaft vergleicht und ggf. kann in Berlin auch ein Wechsel nach Brandenburg vorteilhaft sein. Das ist von der jeweiligen Situation abhängig.“ (ÄiW 2,1)
Arbeitsbedingungen in der WB
„Weiterbildungsinhalte müssen i. d. R. immer wieder aktiv eingefordert werden, sonst finden sie leider oft nicht statt … Besprecht möglichst schon zu Beginn des jeweiligen Weiterbildungsverhältnisses anhand Eurer Logbücher, welche Inhalte ihr ganz konkret benötigt und wie diese innerhalb der Weiterbildungszeit umgesetzt werden können! Und dann hakt immer wieder mal nach …“ (ÄiW 1,29)
„Dass es nicht normal ist, im 10 min Takt plus Akutsprechstunde zu arbeiten.“ (ÄiW 1,7)„Ausreichend Zeit für Selbststudium/Recherche/Fallbesprechung/Nacharbeiten-Nachdokumentieren sollte fest im Terminplan eingetragen werden.“ (ÄiW 2,10)
Organisation der WB
„Dass es viel cooler ist, andauernd die Arbeitsstelle zu wechseln, statt wie in anderen Fächern vier, fünf Jahre am Stück irgendwo zu sein – dass es aber auch verdammt anstrengend sein kann.“ (ÄiW 1,5)
„Günstige Reihenfolge von Weiterbildungsabschnitten, damit es Sinn ergibt (stationär vor ambulant).“ (ÄiW 1,1)„ambulant vor stationär kann auch sehr sinnvoll sein – sinnvoll zu wissen, was man will“ (ÄiW 2,6)
(Arbeits‑)Rechtliche Aspekte
„Verkaufe dich nicht unter Wert. Du kannst bei Stellen im ambulanten Bereich auch verhandeln und nicht nur um mehr Geld. Zum Beispiel: freien Tag, freie Zeit für Hospitationen, weniger Sprechstundenzeit!“ (ÄiW 1,7)
„Ich darf nur Patienten behandeln, wenn mein Weiterbilder in der Praxis anwesend ist.“ (ÄiW 2,6)
„Dass ich nicht nur eine billige Arbeitskraft bin, sondern ein Recht auf Ausbildung habe.“ (ÄiW 1,8)
„Die Weiterbilder kennen sich häufig selbst rechtlich nicht so gut aus, lieber nochmal absichern.“ (ÄiW 2,6)
Unterstützungsstrukturen für die WB
„Sich mit anderen ÄiWs vernetzen – in der Praxis ist man häufig der einzige AiW. Es entstehen tolle Freundschaften!“ (ÄiW 2,6)„Ich habe das Kompetenzzentrum erst recht spät kennengelernt – leider, fand ich super, hätte ich gerne früher besucht.“ (ÄiW 2,9)
Finanzielles
„immer im Blick behalten, wieviel Geld man seiner Praxis verdient, adäquat verhandeln“ (ÄiW 2,6)
(Ambulantes) Gesundheitssystem
„Mehr zum Thema Berufspolitik. Budgetierung. Rolle der KV. Was war, was wird kommen. Welche ambulanten Versorgungsmodelle gibt es (MVZ, Einzelpraxis) Problem: Investoren, die Praxen aufkaufen. Um nur einige Themen anzusprechen.“ (ÄiW 1,17)„es lohnt sich, sich bereits in der Weiterbildung beim EBM und der Abrechnung auszukennen“ (ÄiW 2,6)
Perspektiven nach der WB
„Sucht Euch ein ÄRZTLICH GEFÜHRTES MVZ und arbeitet da, mit Gewinnbeteiligung …“ (ÄiW 1,14)„sich selbst niederlassen lohnt sich“ (ÄiW 2,6)
Weiteres
„Hausarztmedizin ist die schönste Medizin!!“ (ÄiW 2,6)
Diskussion
Hauptergebnisse
Informationsdefizit
Unterstützung der Karriereplanung im Studium
Unterstützung der Karriereplanung in der Weiterbildung
Eigenverantwortung der ÄiW stärken
Stärken und Schwächen
Fazit für die Praxis
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Konkrete Tipps von ÄiW zur Planung und Vorbereitung einer Karriere in der Allgemeinmedizin können an interessierte Studierende weitergegeben werden.
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Es besteht ein Bedarf an Faktenwissen zu organisatorischen und rechtlichen Aspekten der Weiterbildungsplanung.
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Neben der Informationsweitergabe an ÄiW können auch Weiterbildungsbefugte im Rahmen von Train-the-Trainer-Programmen intensiver geschult werden, damit sie ihrer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber gerecht werden können.
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Dabei bleibt es wichtig, auch die Eigenverantwortung der ÄiW für eine gelungene WB zu stärken.