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25.10.2019 | Onlineartikel

Welche Bedeutung hat der Darm bei Multipler Sklerose?

Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass die Zusammensetzung der Darmflora ein Trigger in der Pathogenese der Multiplen Sklerose ist. Zwischen dem intestinalen Mikrobiom und dem Immunsystem gibt es Wechselwirkungen, die das Geschehen bei neurodegenerativen und autoimmunen Erkrankungen beeinflussen können.

Dass das Interesse der Gastroenterologen am intestinalen Mikrobiom groß ist, liegt in der Natur der Sache. In den letzten Jahren hat aber auch die Neurologie die Bedeutung des Darms und der Zusammensetzung seiner bakteriellen Besiedlung für neurologische Erkrankungen erkannt. Nicht nur bei Patienten mit Morbus Parkinson, der Alzheimer Krankheit und Schlaganfall ist eine Dysbiose im Darm charakteristisch, sondern auch bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) [1].

MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der es zu einer fortschreitenden Demyelinisierung im zentralen Nervensystem kommt, an der autoreaktive B- und T-Zellen beteiligt sind. Das Risiko an MS zu erkranken wird zu etwa 30 Prozent auf eine genetische Prädisposition zurückgeführt. Die weitaus größeren Risiken stellen Umweltfaktoren wie Vitamin-D-Mangel, virale Infektionen, eine Erkrankung durch das Epstein-Barr-Virus in der Kindheit dar, aber auch Umweltfaktoren, zu denen Ernährung, Lebensstil und die Darmflora zählen [2,3].

Mausmodell: keimfreier Darm schützt vor experimentell-autoimmuner Enzephalomyelitis (EAE)

Bereits vor einiger Zeit haben Forscher am Tiermodell erste Hinweise dafür gefunden, dass die bakterielle Besiedlung der Darmflora mit der Pathogenese der MS assoziiert ist. Sie hatten genveränderte Mäuse mit einem hohen Anteil autoreaktiver T-Zellen gezüchtet. Diese Tiere entwickeln sehr schnell demyelinisierende Schübe ähnlich wie MS-Patienten. Werden diese Tiere jedoch unter keimfreien Bedingungen gehalten, bleiben sie verschont. Andere Untersuchungen am Mausmodell zeigten, dass kurzkettige Fettsäuren aus der Nahrung und aus bakteriellen Abbauprozessen im Darm die Differenzierung von T-Zellen bei der Pathogenese der experimentellen MS beeinflussen können [2, 3, 4, 5].

Diese Erkenntnisse sind allerdings mit Vorsicht zu genießen und nur zurückhaltend auf den Menschen zu übertragen, da bei diesen Versuchstieren das Mikrobiom fehlte, welches Einfluss auf die Funktion des Immunsystems hat. Daneben gibt es aber eine Reihe von Erkenntnissen aus anderen Mausmodellen, die in Teilaspekten auf den Menschen übertragbar sind. So konnte gezeigt werden, dass die kommensale Darmflora Immunprozesse triggert, die an der Demyelinisierung im ZNS beteiligt sind [2, 5].

Mikrobiom beeinflusst das Immunsystem

Im menschlichen Darm gibt es Trillionen von Mikroorganismen, die in erster Linie für die Verdauung, aber auch für die Hirnfunktion und das Immunsystem zuständig sind. Erst in letzter Zeit ist es mit Hilfe moderner molekulargenetischer Methoden gelungen, einzelne Spezies anhand ihrer genetischen Codes zu identifizieren. Das hat dazu geführt, dass ein Zusammenhang zwischen der bakteriellen Darmbesiedlung und dem Immunsystem deutlicher wurde. Sowohl zwischen dem angeborenen als auch dem adaptiven Immunsystem und dem intestinalen Mikrobiom gibt es Wechselwirkungen, deren genaue Zusammenhänge allerdings noch nicht vollständig geklärt sind.

Sicher ist jedoch die funktionelle Bedeutung des Mikrobioms für die Ätiologie verschiedener immunvermittelter Erkrankungen [2].

Was aktiviert die autoreaktiven T-Zellen bei MS?

Erste Untersuchungen weisen darauf hin, dass bestimmte antigenpräsentierende Zellen in der Lamina propria der Darmvilli des Illeum zur Aktivierung von proinflammatorischen T-Zellen führen, die an der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen wie der MS beteiligt sind. In der Mikrobiomzusammensetzung von MS-Patienten wurde eine intestinale Dysbiose nachgewiesen. Methanobrevibacter und Akkermansia waren erhöht, Butyricimonas vermindert, Bakterien, die u.a. für die Funktion des Immunsystems wichtig sind [2, 6].

Chancen für neue Therapieansätze?

In Zukunft könnte die Wiederherstellung der intestinalen Eubiose eine vielversprechende additive Therapiestrategie bei Autoimmunerkrankungen wie MS darstellen. Denkbar sind auch eine selektive Antibiotikatherapie oder eine Stuhltransplantation. Noch fehlen allerdings entsprechende Evidenzen, für die es weitergehender Studien mit größeren Patientenzahlen bedarf. Auch in die Diagnostik und Überwachung könnte das Mikrobiom zukünftig einbezogen werden [2, 7].

Mehr zum Thema Mikrobiom und MS lesen: www.fokus-ms.de

Impressum

GZDE.MS.19.09.0679

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
www.sanofi.de

Herausgeber:
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Industriepark Hoechst, K703
Brüningstr. 50
65926 Frankfurt am Main

Sitz der Gesellschaft: Frankfurt am Main 
Handelsregister: Frankfurt am Main, Abt. B Nr. 40661 
Umsatzsteuer-ID: DE 812134551
Vorsitzender des Aufsichtsrates: Philippe Luscan 
Geschäftsführer: Dr. Fabrizio Guidi (Vorsitzender), Dr. Matthias Braun, Oliver Coenenberg, Evelyne Freitag, Dr. Malte Greune, Prof. Dr. Jochen Maas, Martina Ochel


Literatur

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