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05.09.2017 | Originalarbeit | Ausgabe 4/2017

Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie 4/2017

Wie lässt sich Delinquenz bei Personen mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund erklären?

Eine Befragung von forensischen Experten

Zeitschrift:
Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie > Ausgabe 4/2017
Autoren:
Stefanie Schmidt, Prof. Dr. sc. nat. Elke van der Meer, Stefan Tydecks, Prof. Dr. Thomas Bliesener

Zusammenfassung

Warum Menschen mit Migrationshintergrund (MH) delinquent werden, ist eine Frage, die gesellschaftlich intensiv diskutiert wird und durch die hohe Diversität der Straffälligenpopulation auch kriminalpolitisch sehr bedeutsam ist. Bislang gibt es jedoch kaum Kriminaltheorien, die systematisch Migrationsstressoren und Aspekte der kulturellen Sozialisation betrachten. Die vorliegende Studie untersuchte deshalb gezielt subjektive Ursachenzuschreibungen für Delinquenz bei Menschen mit türkischem oder arabischem MH. Angelehnt an die Delphi-Methode wurden zunächst Interviews mit forensischen Experten durchgeführt, die selbst einen MH haben. Mit einem daraus abgeleiteten Fragebogen wurden in dieser Arbeit 128 forensische Experten, welche als Sachverständige im Strafrecht, im Strafvollzug oder in der Bewährungshilfe tätig waren, zu möglichen Ursachen für Delinquenz bei Personen mit türkischem oder arabischem MH befragt.
Es zeigt sich, dass eine Vielzahl von Merkmalen aus unterschiedlichen Lebensbereichen und in unterschiedlichen Entwicklungsabschnitten als Risikofaktoren angesehen werden. Dabei werden migrations- und kultursensible Merkmale insgesamt für genauso wichtig gehalten wie Risikomerkmale aus gängigen Kriminaltheorien. Ein Erklärungsansatz, der aus einer Hauptkomponentenanalyse des Datensatzes resultiert, integriert neben gängigen Risikofaktoren (z. B. desorganisierte Nachbarschaft) eigenständige Faktoren, die Risiken durch die kulturelle Sozialisation (z. B. traditionelle Ehrvorstellungen und Abgrenzung von der Aufnahmegesellschaft) bzw. Migrationsstressoren (z. B. Diskriminierungserleben und Wertekonflikte) beinhalten. Ein Verfahren, welches gängige Prädiktoren und migrations- sowie kultursensible Aspekte vereint, könnte in Zukunft nicht nur die Güte von Kriminalprognosen verbessern, sondern auch zu einer kultursensiblen Ausrichtung von Präventions- und Interventionsmethoden beitragen.

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