Zum Inhalt

Optimierung des Interaktionsmanagements zur Prävention potenzieller schwerwiegender Arzneimittelinteraktionen bei onkologischen Patienten

Erschienen in:

Auszug

Arzneimittelinteraktionen (AMI) können schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) hervorrufen [22]. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von AMI wird durch Polymedikation erhöht. Das Ausmaß der AMI und die therapeutische Breite der an der Interaktion beteiligten Arzneimittel bestimmen die Relevanz der AMI [9]. Onkologische Patienten haben ein hohes Risiko für AMI, da sie durchschnittlich zehn verschiedene Arzneimittel einnehmen [14, 22] und viele onkologische Arzneimittel eine geringe therapeutische Breite haben [22]. Schwerwiegende AMI können zwischen den onkologischen Arzneimitteln sowie mit den Arzneimitteln zur Supportivtherapie und der Komedikation zur Behandlung von Komorbiditäten auftreten. Es ist bekannt, dass aus AMI resultierende schwerwiegende UAW bei onkologischen Patienten zu negativen klinischen Konsequenzen wie Krankenhausaufnahme und auch Tod führen [16]. In epidemiologischen Untersuchungen bei onkologischen Patienten variierte die Häufigkeit potenzieller schwerwiegender AMI von 12 bis 63 % [15]. Eine Prävalenz von über 60 % AMI zeigt sich besonders bei älteren Tumorpatienten als Resultat der Polymedikation, Komorbiditäten und Organinsuffizienz [14, 18]. Die orale Zytostatikatherapie ist ebenfalls mit hoher Prävalenz von potenziellen AMI assoziiert. In einer prospektiven Studie bei 898 Patienten mit oraler Zytostatikatherapie trat in 46 % der Fälle mindestens eine AMI auf, die bei 16 % der Patienten als sehr schwerwiegend eingestuft wurde [21]. Interaktionen von oralen Zytostatika resultieren häufig aus der Inhibition oder Induktion von Cytochrom-P450-(CYP)-Isoenzymen [20]. Bei peroraler Applikation sind gastrointestinal lokalisierte und hepatische CYP-Enzyme an der Metabolisierung der Wirkstoffe und potenziellen AMI beteiligt. Die Bioverfügbarkeit vieler oral applizierter Kinaseinhibitoren („Tinibe“) hängt vom Magen-pH ab, sodass AMI mit Protonenpumpeninhibitoren und anderen Antazida auftreten können [11]. Darüber hinaus sind potenzielle AMI an Transportersystemen, insbesondere P‑Glykoprotein (PGP), und eine QT-Zeit-Verlängerung zu beachten. …
Titel
Optimierung des Interaktionsmanagements zur Prävention potenzieller schwerwiegender Arzneimittelinteraktionen bei onkologischen Patienten
Verfasst von
J. Rosentreter
A.-K. Engl
L. Wojnowski
M. Kühn
T. Wölfel
I. Krämer
Publikationsdatum
07.12.2020
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
best practice onkologie / Ausgabe 3/2021
Print ISSN: 0946-4565
Elektronische ISSN: 1862-8559
DOI
https://doi.org/10.1007/s11654-020-00271-y
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Neu im Fachgebiet Onkologie

HRT nach Oophorektomie auch bei BRCA-Varianten sicher?

Eine Hormonersatztherapie (HRT) nach einer risikoreduzierenden bilateralen Salpingo-Oophorektomie geht bei pathogenen BRCA-Varianten nicht mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einher. Allerdings sind die statistischen Unsicherheiten der Studie sehr groß.

Künstliche intelligente Melanomdiagnostik – „Niveau von Dermatologen erreicht“

Verfahren der artifiziellen Intelligenz für die Mustererkennung wecken auch in der Dermatologie hohe Erwartungen. Dass sich die künstlichen im Vergleich zu menschlichen Dermatologen in der Melanomdiagnostik achtbar schlagen, hat eine Metaanalyse gezeigt.

Typ 2 Diabetes verschlechtert Prognose von Männern mit frühem Melanom

Bei Patientinnen und Patienten mit Melanom und gleichzeitigem Typ-2-Diabetes zeigen sich deutliche Unterschiede im Krankheitsverlauf zwischen den Geschlechtern. Eine dänische Registeranalyse untersuchte erstmals geschlechts- und stadiumsspezifische Risiken für Rezidiv und Mortalität.

NMIBC: Wie häufig sind Rückfälle nach fünfjähriger Rezidivfreiheit?

Eine dänische Registerstudie analysierte über einen Zeitraum von 14 Jahren das Risiko für Rezidive und Progressionen bei nicht muskelinvasiven Harnblasenkarzinomen (NMIBC) sowie das Langzeitrisiko nach einer fünfjährigen rezidivfreien Phase. Die Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte für die Optimierung von Nachsorgestrategien.

Update Onkologie

Bestellen Sie unseren Fach-Newsletter und bleiben Sie gut informiert.

Bildnachweise
Ältere Dame hält Tabletten und Packungsbeilage in den Händen/© Vladimir Vladimirov / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)