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05.02.2019 | Wissen macht Arzt | Nachrichten

Kampagne #nurMITeinander

Gegen den rauen Ton in Krankenhäusern

Interview führte:
Rebekka Höhl

In Krankenhäusern herrschen mitunter raue Umgangsformen. Das schade Kollegen und Patienten, beklagt Dr. Kevin Schulte vom Bündnis Junger Ärzte. Die Social-Media-Kampagne #nurMITeinander soll nun zu einem Umdenken führen.

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Schulte, verbale und körperliche Gewalt gegen Helfer und Ärzte ist leider ein bekanntes Phänomen. Ihre Kampagne #nurMITeinander zielt aber auf das Miteinander der Gesundheitsberufe selbst ab. Ist das Klima in den Kliniken so rau?

Dr. Kevin Schulte: Ja, leider ist das Miteinander im Krankenhaus nicht immer so freundlich und wertschätzend, wie es sein sollte. Das gilt sowohl für den Umgang der Ärztinnen und Ärzte untereinander als auch für das Verhältnis zwischen Pflegepersonal und Ärzten.

Es kommt schon häufiger vor, dass man angeraunzt wird. Manch einer verliert in sehr stressigen Situationen auch völlig die Haltung, brüllt herum und macht andere zur Schnecke.

Was genau verspricht sich das Bündnis junger Ärzte von der Aktion?

Schulte: Wir wollen mit unserer Kampagne ein Signal setzen – für einen wertschätzenden Umgang untereinander und mit unseren Patienten! Denn klar ist: Ein respektvolles Miteinander im Team ist die Basis für eine gute Patientenversorgung.

Inwieweit merken Sie selbst im Klinikalltag, dass raue Umgangsformen auf die Patientenversorgung abfärben?

Schulte: Raue Umgangsformen belasten die Kommunikation im Behandlungsteam genauso wie die Kommunikation mit dem Patienten.

Wenn eine Kollegin oder ein Kollege gute Einwände nicht äußert, weil eine einschüchternde Atmosphäre herrscht, geht das zu Lasten der Versorgung. So etwas darf nicht passieren!

Blaupause für die #nurMITeinander-Aktion ist ja die Britische Kampagne „Civility Saves Lives“, die ebenfalls von einem Arzt ins Leben gerufen wurde. Gibt es bereits erste Erkenntnisse, wie die britische Kampagne wirkt?

Schulte: Die Kampagne hat in Großbritannien – sogar über den Kosmos Krankenhaus hinaus – ein wichtiges Zeichen für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang gesetzt. Ich würde mir wünschen, dass uns das in Deutschland auch gelingt, denn leider habe ich in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, dass in der gesamten Gesellschaft der Ton rauer wird.

Mit guter Stimmung gegen Burnout – wird das alleine helfen? Oder muss noch an anderen Stellschrauben in den Kliniken gedreht werden?

Schulte: Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen haben sich für einen Job im Krankenhaus entschieden, weil es sie selber glücklich macht, anderen Menschen in Not zu helfen.

Von Grund auf sind wir also freundliche und hilfsbereite Menschen, offensichtlich machen also die aktuellen Rahmenbedingungen etwas mit uns.

Die Rahmenbedingungen können wir nicht unmittelbar ändern, das ist der Job der Gesundheitspolitiker. Wir haben es aber in der Hand, wie wir uns selber verhalten – und genau darum geht es uns!

Die Kampagne

Vom 4. bis 10. Februar wird das Bündnis Junger Ärzte (BJÄ) aktiv bei Facebook und Twitter Meldungen und Fotos aus dem Klinikalltag für ein besseres Miteinander und einen höflichen Umgang im medizinischen Alltag posten.

Ärzte und Pflegepersonal sind aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen und ebenfalls Bilder, die positive Stimmung darstellen, etwa die gemeinsame Kaffee-Pause im Team, zu posten.

Immerhin 73 Prozent der jungen Ärzte und Pfleger in den Kliniken wurden laut einer gemeinsamen Studie von BJÄ, Junger Pflege und BGW aus 2018 im letzten Jahr häufiger Opfer verbaler Gewalt.

Das Bündnis vereinigt Nachwuchsmediziner aus 22 Verbänden und Fachgesellschaften.

Quelle: Ärzte Zeitung

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