Skip to main content
main-content

04.02.2019 | Wissen macht Arzt | Nachrichten

Neurologie

Lernen ist auch im Tiefschlaf möglich

Autor:
dpa

Schweizer Forscher haben nachgewiesen, dass man tatsächlich im Tiefschlaf lernen kann. Eine Alternative zum Büffeln ist es aber nicht.

Der Mensch kann selbst im Tiefschlaf lernen. Schweizer Forscher haben demonstriert, dass Menschen komplexe Informationen wie Worte und Bedeutungen im Schlaf unbewusst aufnehmen und im Wachzustand wieder abrufen können (Curr Biol 2019, DOI: 10.1016/j.cub.2018.12.038).

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Professor Peter Young, spricht von einer bahnbrechenden Studie. „Dies ist eine neue Dimension des Verständnisses von Schlaf.“ Die Forscher hätten demonstriert, dass das Gehirn im Schlaf ohne Bewusstsein assoziativ Dinge lernen könne.

Worum geht es? Psychologieprofessorin Katharina Henke und ihre Kollegen Dr. Marc Züst und Dr. Simon Ruch von der Universität Bern haben 41 Schlafende über Kopfhörer mehrfach mit Fantasiewörtern beschallt, denen sie jeweils unterschiedliche Bedeutungen zuordneten.

Eine Versuchsperson hörte etwa „Guga – Vogel“, eine andere „Guga – Elefant“. Nach dem Aufwachen wurden sie befragt: Ist Guga ein großer oder kleiner Gegenstand, passt es in eine Schuhschachtel oder nicht?

Gedächtnisbildung auch im unbewussten Zustand möglich

Die Teilnehmer identifizierten nach dem Aufwachen 60 Prozent der Fantasiewörter korrekt als etwas Großes oder Kleines – so, wie sie es im Schlaf gehört hatten. Wichtig war es, die „Up-state“ genannte Schlafphase zu treffen. Dabei handelt es sich um Phasen, in denen alle Gehirnzellen gemeinsam aktiv sind.

Sie dauern nur eine halbe Sekunde und wechseln sich ab mit passiven Phasen („Down-State“) ohne Aktivität. In welcher Phase sich das Gehirn gerade befindet, lässt sich mit einem EEG-Gerät bestimmen, das die elektrische Aktivität des Gehirns misst.

Gedächtnisbildung sei also sowohl im bewussten als auch unbewussten Zustand möglich, sagte Mitautor Züst. „Wir wollten zeigen, dass man auch in unbewusstem Zustand lernen kann.“

Daraus lasse sich aber nicht die Empfehlung ableiten, sich generell nachts mit Informationen berieseln zu lassen in der Hoffnung, dass etwas hängen bleibe. Schließlich wisse man noch nicht, ob das nicht auch ungewollte Folgen haben könne.

Verfestigung des zuvor Gelernten

Henke sieht aber eine mögliche Anwendung bei Menschen mit Lernschwierigkeiten. So könnten die Erkenntnisse womöglich zu einem zweistufigen Lernverfahren führen: Einmal die unbewusste Aufnahme im Schlaf durch Beschallung mit bestimmten Lerninhalten, verstärkt durch das Lernen der gleichen Inhalte im wachen Zustand. Schlafforscher Young sieht mögliche Anwendungsgebiete auch in der Rehabilitation nach Krankheit oder Unfällen.

„Die Studie zeigt noch einmal die Wichtigkeit von Schlaf für Lernvorgänge“, sagte Young. Bekannt war, dass Schlaf zur Lernkonsolidierung beitrage, also zur Verfestigung des zuvor Gelernten.

„Wer abends Flöte spielt, kann das Stück oft morgens besser, weil der Lerneffekt bei gutem Schlaf konsolidiert wird“, sagte er. Dass auch ohne Bewusstsein im Tiefschlaf Assoziationen stattfinden, sei neu.

Quelle: Ärzte Zeitung

Weiterführende Themen

Aktuelle Kurse aus der Zeitschrift Somnologie

02.12.2019 | Schlafmedizin | CME-Kurs | Kurs

Chronobiologie

Chronobiologie beschäftigt sich mit rhythmischen biologischen Prozessen. In diesem CME-Kurs wird der zirkadiane Rhythmus als für den Menschen wichtigster Aspekt der Chronobiologie besprochen. Es werden die konzeptuellen Teile der inneren Uhr dargestellt und dann jeweils in Beispielen mit klinischen Zusammenhängen beleuchtet.

16.09.2019 | Schlafmedizin | CME-Kurs | Kurs

Geschichte, Ableitung und Auswertung der Polysomnographie

Die Polysomnographie ist das Standardverfahren zur Beurteilung von Schlaf und Schlafstörungen. Der CME-Kurs fasst das Wissen zur PSG zusammen – von der Entwicklung des Verfahrens zur die Erfassung mehrerer physiologischer Parameter mit verschiedenen technischen Erfassungsmethoden.

12.06.2019 | Insomnie | CME-Kurs | Kurs

Die insomnische Störung – Diagnostik und Therapie

Zu den Hauptsymptomen der Insomnie gehören gestörtes Ein- und Durchschlafen sowie beeinträchtigte Tagesbefindlichkeit. Wie die Insomnie diagnostiziert wird und welche medikamentösen und verhaltenstherapeutischen Therapien angewandt werden können, ist Inhalt dieses CME-Kurses.