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24.11.2017 | Wissen macht Arzt | Nachrichten

Welche Emotionen Alkoholika auslösen

Bier macht selbstbewusst, Schnaps aggressiv

Autor:
Alexander Joppich

Welche Gefühle löst der Genuss von alkoholischen Getränken aus? Es kommt drauf an, wie eine aktuelle Befragung zeigt: Entscheidend ist die Art des Drinks – und wer ihn hinunterschüttet.   

Verschiedene alkoholische Getränke führen zu unterschiedlichen Emotionen beim Trinken. Die Ergebnisse einer Studie über mit Alkohol assoziierten Gefühle veröffentlichten Forscher aus Wales im Online-Magazin BMJ Open. Grundlage der Studie ist ein anonymer Online-Fragebogen, dem Global Drug Survey (GDS), den fast 30.000 Teilnehmer ausgefüllt haben. Diese waren zwischen 18 und 34 Jahren alt und kamen aus 21 Ländern.

Bier führte bei den Befragten oft zu mehr Selbstbewusstsein (44,5 %) und dem Gefühl von Entspannung (49,8%). Dagegen fühlten diesen Effekt deutlich weniger beim Konsum von Weißwein (28,2 % und 32,6 %). Schnaps hatte den stärksten Effekt auf die Gefühlswelt der Konsumenten: Über die Hälfte fühlte sich nach dem Trinken belebt und selbstbewusst; 42 Prozent gar besonders sexy.

Neben positiven Emotionen lösten verschiedene Arten von Drinks auch unterschiedliche negative Gefühle aus: Rotwein machte sechs von zehn Befragte müde, Schnaps mehr als ein Viertel unruhig und aggressiv – und fast der Hälfte der Trinker wurde von den Spirituosen schlecht.

Eine Frage der soziologischen Gruppe?

Weiterhin stellten die Forscher fest, dass die assoziierten Stimmungen sich je nach soziologischer Gruppe unterschieden:

Frauen berichteten generell öfters von Emotionen durch den Alkohol. Ausnahme: Männer wurden häufiger aggressiv durch Drinks.

Jüngere Konsumenten zwischen 18 und 24 Jahren assoziierten am häufigsten alkoholische Getränke mit Gefühlen.

Je höher das Bildungsniveau, desto weniger oft gaben Befragte an, Stimmungen mit einem alkoholischen Getränk zu assoziieren.

Starke Trinker berichteten fünfmal häufiger von ausgelösten Emotionen als Konsumenten, die seltener Alkohol tranken (aOR 4,7; 95% CI 4,07-5,50).

Daneben fanden die Waliser auch kulturelle Unterschiede: Alkoholika machten Kolumbianer entspannt und ließen sie sich attraktiv fühlen; Norweger wurden dahingegen öfter aggressiv und Franzosen unruhig.

Ursachen fraglich

Unklar blieb den Forschern, warum die verschiedenen Alkoholika unterschiedliche Emotionen auslösen. Sie vermuten, dass Marketing und die Umgebung eine Rolle spielen: "Es gibt sicherlich eine Erwartungshaltung gegenüber bestimmter Getränke: Wer einen entspannten Abend erleben will, greift wohl häufiger zu einem Bier und zu Wein", sagt Professor Mark Bellis von Public Health Wales.

Die Studienmacher erhoffen sich, dass ihre Ergebnisse Teil einer verbesserten Prävention wird. Künftig könne bei der Prävention zwischen verschiedenen alkoholischen Getränken unterschieden werden und bestimmte Emotionen gezielt mit dem jeweiligen Drink assoziiert werden. Auch könnte man besser zwischen unterschiedlichen soziologischen Gruppen unterscheiden. Jedoch sei mehr Forschung nötig, um zu verstehen, warum Menschen zu einem bestimmten Getränk in einer konkreten Situation greifen.

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