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01.02.2018 | Originalien | Ausgabe 1/2018

Rechtsmedizin 1/2018

Woher stammen die Informationen zum Verstorbenen bei der ärztlichen Leichenschau in München?

Auswirkungen von Rahmenbedingungen

Zeitschrift:
Rechtsmedizin > Ausgabe 1/2018
Autoren:
Dr. med. S. Gleich, S. Viehöver, O. Peschel, M. Graw

Zusammenfassung

Hintergrund

Ein natürlicher Tod (NT) soll vom Leichenschauer bescheinigt werden, wenn der Patient an einer Krankheit verstarb, deretwegen er ärztlich behandelt wurde, die das Ableben vorhersehbar machte und wenn kein Hinweis auf einen nichtnatürlichen Tod besteht.

Methode

Es wurden vom Referat für Gesundheit und Umwelt München prospektiv alle Münchner Todesbescheinigungen (TB) der 28. bis 48. Kalenderwoche 2016 geprüft. Wenn die Rubrik „zuletzt behandelnder Arzt“ vom Leichenschauer nicht ausgefüllt und ein NT bescheinigt worden war, wurde die TB an ihn zurückgesendet, und er wurde um Mitteilung gebeten, wie er an die für die Bescheinigung eines NT erforderlichen Informationen gekommen war. Die TB und Antwortschreiben wurden standardisiert erfasst und statistisch ausgewertet.

Ergebnisse

Im Studienzeitraum wurden 5210 TB überprüft. Bei 343 (6,6 %) war der zuletzt behandelnde Arzt nicht eingetragen worden; davon war bei 103 (30 %) ein NT bescheinigt worden. Es waren 60 % dieser TB von Klinikärzten, 30 % von Niedergelassenen und 10 % vom Münchner Leichenschau(LS)-Dienst ausgefüllt worden. Bei diesen 3 Gruppen ergaben sich Unterschiede in folgenden Parametern: Ort der LS, Identifikation und demografische Daten der Verstorbenen sowie Todesursachen. Ebenso unterschieden sich die 3 Gruppen z. T. erheblich in den Punkten: Bereitschaft zur Auskunftserteilung, nachträgliche Änderung der Kausalkette, Eigenschaft als zuletzt behandelnder Arzt sowie zur Verfügung stehende bzw. genutzte Informationsquellen. Besonders bei den TB der niedergelassenen Ärzte waren gravierende weitere Fehler zu verzeichnen. Am besten schnitt der LS-Dienst ab.

Diskussion

Es können erstmals Daten präsentiert werden, woher die leichenschauenden Ärzte die Informationen bekommen, die sie zur Bescheinigung eines NT benötigen. Insbesondere niedergelassene Kollegen und Kollegen des LS-Dienstes verfügen häufig als alleinige Informationsquelle über mündliche Angaben von Dritten. Damit kommt nicht nur der Plausibilitätsprüfung dieser Angaben, sondern auch der sorgfältigen äußeren Besichtigung des Verstorbenen eine große Bedeutung zu. Weiterhin nichtgelöst ist das Problem des nichtsorgfältigen Ausstellens der TB.

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