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Strukturiertes Vorgehen bei infizierter Prothese

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Zusammenfassung

Hintergrund

Endoprotheseninfekte stellen Arzt und Patienten vor große Herausforderungen. Durch den Anstieg der endoprothetischen Versorgung aufgrund der steigenden Lebenserwartung ist mit einer Zunahme von Endoprotheseninfekten zu rechnen. Neben den Methoden der Infektprophylaxe rücken bei zunehmendem geriatrischem und polymorbidem Patientengut Methoden der Infektbeherrschung in den Vordergrund mit dem Ziel, durch ein strukturiertes Vorgehen bei infizierter Prothese die hohe 1‑Jahres-Mortalität zu senken.

Algorithmus bei Protheseninfekten

Protheseninfekte lassen sich grundsätzlich in Früh- und Spätinfekte unterteilen, hierbei wird ein Spätinfekt gemäß den Kriterien des International Consensus Meetings als ein Auftreten 30 Tage nach durchgeführter Implantation bezeichnet. Hinsichtlich des geplanten Vorgehens bietet die (p)TNM-Klassifikation eine Orientierung. Im frühen postoperativen Intervall ist das klinische Erscheinungsbild entscheidend, da in dieser Phase weder laborchemische Parameter noch eine Synoviaanalyse eine hohe Sensitivität zeigen. Grundsätzlich ist, abgesehen vom septischen Patienten, eine Umfelddiagnostik einzuleiten. Bei Verdacht auf Spätinfekt sind neben einer radiologischen Diagnostik (Röntgen, Skelettszintigraphie, ggf. Computertomographie) eine laborchemische (CRP [C-reaktives Protein], Leukozyten, Blutsenkung, ggf. Interleukin‑6, Procalcitonin) und mikrobiologische Diagnostik (Punktion mit Synoviaanalyse und Mikrobiologie) angezeigt. Maßgeblich ist jedoch auch hier neben dem Punktionsergebnis das klinische Erscheinungsbild bei keinem sicheren Ausschluss durch laborchemische Parameter. Bei Infektnachweis ist abhängig vom Keimspektrum, von der Weichteilsituation und den Begleiterkrankungen u. a. ein mehrzeitiges Vorgehen mit temporärer Explantation und ggf. Implantation eines antibiotikahaltigen Spacers notwendig. Ein Prothesenerhalt unter Anwendung des DAIR(„debridement, antibiotics and implant retention“)-Regimes ist einzig in der akuten Infektsituation zielführend. Grundsätzlich sollte sowohl beim Früh- als auch Spätinfekt zur Reduktion der Keimlast und Behandlung einer möglichen stattgehabten Biofilmbildung ein radikales chirurgisches Débridement erfolgen. Die nachfolgende antibiotische Therapie (kurzes bzw. langes Intervall) sollte in Abstimmung mit der Infektiologie erfolgen.

Schlussfolgerung

Ein strukturiertes Vorgehen bei Protheseninfekten, orientiert an einem evidenzbasierten Algorithmus, bietet eine suffiziente Heilungsmöglichkeit. Hierbei zeigt sich ein interdisziplinärer Ansatz unter Zusammenarbeit von Orthopädie und Infektiologie als zielführend. Von immanenter Wichtigkeit ist die chirurgische Therapie mit dem Ziel der Reduktion der Keimlast unter der Prämisse der Biofilmentfernung mit nachfolgender antibiotischer Therapie.
Titel
Strukturiertes Vorgehen bei infizierter Prothese
Verfasst von
Dr. med. Markus Scharf
Amadeus Dominik Schraag
Marianne Ehrnsperger
Joachim Grifka
Publikationsdatum
18.10.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Zeitschrift für Rheumatologie / Ausgabe 10/2023
Print ISSN: 0340-1855
Elektronische ISSN: 1435-1250
DOI
https://doi.org/10.1007/s00393-023-01421-7
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