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16.08.2022 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Risiko für Herzinsuffizienz-Dekompensation

Bestes Herzwetter: Tiefdruckgebiet mit 10–20 °C

verfasst von: Thomas Müller

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Hoher Luftdruck und extreme Temperaturen – diese Kombination ist bei einer Herzinsuffizienz besonders schlecht. Dabei begünstigen sowohl Hitze als auch Kälte eine Klinikaufnahme aufgrund einer Dekompensation. Todesfälle treten hingegen vor allem bei Hitze gehäuft auf.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

An einem Regentag ist die Wahrscheinlichkeit offenbar am geringsten, aufgrund einer dekompensierten Herzinsuffizienz in eine Klinik zu müssen. Zieht jedoch ein Hochdruckgebiet über das Land, was im Sommer meist mit hohen und im Winter mit kühlen Temperaturen einhergeht, steigt das Risiko für eine Aufnahme. Zu diesem Schluss kommen Forschende um Dr. Òscar Miró vom Institut d’Investigacions Biomèdiques an der Universität in Barcelona, nachdem sie Wetterdaten mit der Aufnahme von Herzinsuffizienzkranken in Spanien verglichen haben. Gerade mit Blick auf die heißer werdenden Sommer mit ihren oft länger persistierenden Hochdrucklagen könnte die neue klimatische Realität für manche Herzpatienten zum Problem werden.

Dass Hitze Herzkranken zusetzt, ließ sich bereits gut bei Herzinfarkten beobachten: Diese treten unter extrem hohen Temperaturen nicht nur häufiger auf, es kommt dabei auch zu deutlich größeren Infarkten als an kühleren Tagen, so das Team um Miró. Der Einfluss des Wetters auf das Dekompensationsrisiko bei Herzinsuffizienz sei hingegen weit weniger klar.

Die Forschenden aus Barcelona haben sich daher Angaben zur Notaufnahme von Herzinsuffizienzkranken aus 26 Kliniken in 16 spanischen Städten genauer angeschaut. Sie stammen aus einem seit 2007 laufenden Herzinsuffizienzregister.

Insgesamt ließen sich Daten von rund 16.500 Betroffenen auswerten, davon mussten rund drei Viertel in eine Klinik aufgenommen werden, etwa 7% starben dort anschließend.

Im Schnitt waren die Notaufgenommenen 83 Jahre alt, die meisten kamen im Winter (68%), 56% waren Frauen. Das Team um Miró interessierte sich beim Luftdruck primär für die Abweichung vom Durchschnittswert in den jeweiligen Städten, um höhenbedingte Unterschiede zu vermeiden. Zudem bestimmte es die Werte am Tag vor der Notaufnahme, da ein Temperaturmaximum oder ein Luftdruckmaximum am Nachmittag keinen Einfluss auf eine morgendliche Dekompensation haben kann.

Am Tag vor der Aufnahme erreichte die Temperatur im Schnitt einen Tageshöchstwert von 16 °C, der Luftdruck lag bei 983 Hektopascal (hPa).

U-förmige Risikokurve

Wie sich zeigte, war das Risiko für eine Hospitalisierung der Herzinsuffizienzkranken aus der Notaufnahme bei einer maximalen Tagestemperatur von 16 °C am geringsten und stieg sowohl bei höheren als auch tieferen Temperaturen. Verglichen mit einem Referenzwert von 20 °C war die Hospitalisierungsrate bei 40 °C um 65% erhöht, bei 5°C um 21% – es ergab sich also eine U-förmige Kurve.

Dagegen ließ sich mit steigendem Luftdruck eine Zunahme des Hospitalisierungsrisikos beobachten. Für Luftdruckabweichungen von 30 hPa unter dem Durchschnittswert ergab sich eine Risikoreduktion um 20%, für Drücke über 30 hPa eine Risikosteigerung um das Doppelte.

Betrachtete das Team um Miró sowohl Luftdruck als auch Temperatur, fand es für niedrige Drücke und zugleich eine Temperatur von 10–20°C das geringste Hospitalisierungsrisiko. Bei hohen Temperaturen war der Luftdruck praktisch gar nicht und bei niedrigen Temperaturen wenig relevant, der Einfluss des Luftdrucks beschränkte sich also vor allem auf den mittleren Temperaturbereich von 10–25°C, was auch damit zusammenhängt, dass in diesem Bereich die Luftdruckvariabilität in Spanien am höchsten ist.

Schauten die Forschenden auf die Mortalität der Notaufgenommenen, so ergab sich ein etwas anderes Bild: Diese korrelierte sowohl mit steigendem Druck als auch hohen Temperaturen: Bei 5 °C war sie 8% geringer, bei 40 °C doppelt so hoch wie bei 20 °C, eine Druckabweichung nach unten um 30 hPa ging mit einer um 18% geringeren, eine entsprechende nach oben mit einer um 73% höheren Mortalität einher. Am niedrigsten ist die Mortalität danach bei Temperaturen unter 20 °C und zugleich niedrigem Luftdruck, also meist dann, wenn ein Regengebiet übers Land zieht.

Wie gut sich die Resultate auf andere Länder übertragen lassen, ist unklar, auch welchen Einfluss Luftdruck und Temperatur jeweils haben. So weisen einzelne Länder und Regionen unterschiedliche Luftdruck-Temperatur-Beziehungen auf: Hoher Luftdruck geht bei kontinentalem Klima und in nördlichen Ländern im Winter oft mit extremer Kälte einher, im Sommer mit Hitze. Über dem spanischen Festland bildet sich im Sommer über den erhitzen Landmassen hingegen oft ein thermisches Tief. Insofern könnte eine ähnliche Analyse für andere Länder auch anders ausfallen.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Beeinflussen Außentemperatur und Luftdruck die Hospitalisierungs- und Sterberate bei dekompensierter Herzinsuffizienz?

Antwort: Je höher der Luftdruck und je höher die Temperatur, umso höher sind die jeweiligen Raten, das Risiko für eine Hospitalisierung nimmt aber auch bei tiefen Temperaturen zu.

Bedeutung: In Spanien sind Herzinsuffizienzpatienten bei milden Temperaturen und niedrigem Luftdruck am sichersten, etwa an einem kühlen oder milden Regentag.

Einschränkung: Resultate sind nicht unbedingt auf Länder mit anderen Luftdruck-Temperatur-Beziehungen übertragbar.
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Literatur

Miró O et al. Influence of Meteorological Temperature and Pressure on the Severity of Heart Failure Decompensations. J Gen Intern Med 2022; https://doi.org/10.1007/s11606-022-07743-7

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