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05.04.2018 | ST-Hebungsinfarkt | Nachrichten

Registerdaten

Welche STEMI-Patienten haben den besten Langzeitverlauf?

Anhand von Registerdaten haben deutsche Wissenschaftler das Fünf-Jahres-Outcome von STEMI-Patienten genauer unter die Lupe genommen. Die Langzeitmortalität hängt vor allem von der erfolgreichen PCI, aber auch vom BMI und Alter des Patienten ab.

Es gibt nur wenige aktuelle Studien, die den Langzeitverlauf nach Herzinfarkt bei konsekutiven Patienten untersuchen.

Dabei kann die Analyse der Langzeitmortalität in einem "real world" Kollektiv von Patienten mit Herzinfarkt wichtige Daten zur Risikostratifikation und Behandlung der Patienten liefern, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) anlässlich ihrer Jahrestagung in Mannheim.

Das Bremer STEMI-Register (BSR) ist ein monozentrisches prospektives Register, das seit 2006 Daten aller Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) in einer großen Region in Nordwest-Deutschland (etwa 1 Million Einwohner) erfasst.

Nun haben Wissenschaftler um Aigali Kudaibergenov vom Bremer Klinikum Links der Weser die 5-Jahres-Nachbeobachtung der von Januar 2006 bis Dezember 2012 wegen eines STEMIs interventionell behandelten Patienten ausgewertet.

Über 3700 Patienten untersucht

Es wurden 3736 Patienten untersucht, das mittlere Alter der Patienten betrug 63,3 ± 13 Jahre, 72,4 Prozent waren männlich. 95,3 Prozent der Patienten hatten in der Akuttherapie eine erfolgreiche perkutane Koronarintervention (PCI) erhalten, definiert als TIMI-Fluss III oder II nach Intervention.

Die Akutmortalität der Patienten betrug 8,4 Prozent. Nach fünf Jahren waren 21,3 Prozent der Patienten gestorben; die MACCE-Rate innerhalb von fünf Jahren, definiert als Tod, Reinfarkt oder Apoplex, betrug 29,6 Prozent.

Die stärksten Prädiktoren einer erhöhten Langzeitmortalität in einer multivariaten Analyse waren Alter > 75 Jahre (OR 4,4, 95 %KI 3,5-5,6, p <0,001), Kreatinin ≥ 2 mg/dl (OR 3.4, 95 %KI 2,1-7,7, p=0.010), Killip Klasse ≥ 3 (OR 3,4, 95 %KI 2,3-5,0, p=0,001) und CK ≥ 3000 U/I (OR 2,4, 95 %KI 1.7-3.3, p<0,001), heißt es weiter in der Mitteilung der DGK.

Body-Mass-Index (BMI) ≥ 30 kg/m2 war mit einer reduzierten Langzeitmortalität assoziiert (OR 0,6, 95 %KI 0,45-0,8, p<0,001). In einer differenzierteren multivariaten Analyse war nur ein BMI zwischen 25 und 35 kg/m2 mit einer niedrigeren 5-Jahres-Mortalität verbunden, während bei einem BMI > 35 kg/m2 keine signifikante Assoziation zur Mortalität bestand und ein BMI < 20 kg/m2 mit einer signifikant erhöhten Mortalität assoziiert war.

Die Aufnahme von Patienten mit STEMI am Wochenende gegenüber der Aufnahme an einem Werktag war nicht mit einer erhöhten Mortalität verbunden (OR 0,79, 95%KI 0,6-1,1, p 0,07).

Bezüglich therapeutischer Maßnahmen zeigte sich, dass eine erfolgreiche PCI mit einer deutlichen Senkung der Langzeit-Mortalität assoziiert war (OR 0,35, 95%KI 0,2-0,5, p<0,001).

Auch der Einsatz des neuen Thrombozytenaggregationshemmers Prasugrel versus Clopidogrel (altersadjustiert, Triple-Therapie ausgeschlossen) war mit einer geringeren 5-Jahres-Sterblichkeit verbunden (OR 0,6, 95%KI 0,4-0,8 p<0,001). Hingegen war der Einsatz von Thrombaspirations-Systemen ohne Effekt auf die Mortalität (OR 1,2, 95%KI 0,9-1,6 p=0.17).

PCI ist wichtiger Faktor

Etwa ein Fünftel der interventionell behandelten Patienten mit STEMI sind nach fünf Jahren gestorben, so das Fazit der Studienautoren.

Die Langzeit-Mortalität ist neben dem Patientenalter und der Schwere des Infarktes auch vom BMI des Patienten abhängig. Der wichtigste Faktor zum Erreichen einer niedrigen 5-Jahres-Mortalität ist die erfolgreiche Durchführung einer PCI in der Akuttherapie des Infarktes. (eb)

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