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23.07.2021 | COVID-19 | Nachrichten

Corona-Studien-Splitter

Lange Immunabwehr nach COVID-19-Infektion bei Kindern

Autoren:
Anne Bäurle, Wolfgang Geissel, Marco Mrusek

Blick auf neue Corona-Studien: Auch asymptomatisch infizierte Kinder entwickeln wohl eine robuste Immunantwort. Außerdem: Das Infektrisiko in Schulbussen scheint gering, und Mädchen leiden im Lockdown besonders oft an seelischen Störungen.

Update vom 23. Juli

Von COVID-19 genesene Kinder entwickeln eine wirksame und anhaltende Immunabwehr gegen SARS-CoV-2. Und das, obwohl sie oft einen sehr milden oder sogar symptomfreien Verlauf gehabt haben. Das berichten Forschende der Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm in einer Mitteilung. Darin werden vorläufige Daten der COVID-19-Familienstudie Baden-Württemberg vorgestellt. Für die Studie wurden 328 Familien mit mindestens einem an COVID-19 erkrankten Mitglied mehrfach untersucht. 548 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren und 717 Erwachsene nahmen teil. In Familien mit einer infizierten Person steckten sich Kinder (34 Prozent) deutlich seltener an als Erwachsene (58 Prozent) und waren – im Fall einer Infektion – fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen (Erwachsene: 9 Prozent, Kinder: 45 Prozent). Trotzdem zeigten die Kinder elf bis zwölf Monate nach der Infektion stärkere und länger anhaltende spezifische Antikörperspiegel als Erwachsene. Das galt unabhängig davon, ob Krankheitszeichen bestanden oder nicht. Die Antikörper der Kinder sind zudem gut wirksam gegenüber verschiedenen Virusvarianten. Keines der infizierten Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden (medRxiv 2021; online 22. Juli).

Das Risiko einer Corona-Übertragung in Schulbussen ist offenbar gering. Das berichten Forschende von der Eastern Virginia Medical School in Norfolk (USA). Sie haben 462 pendelnde Schülerinnen und Schüler ohne Symptome (Klassen 1-12) zwischen Ende August 2020 und Mitte März 2021 alle zwei Wochen mit PCR getestet. In dieser Zeit hatte es in den USA besonders viele Infektionen gegeben. Als einfache Schutzmaßnahmen waren die Buskapazitäten auf zwei Personen pro Sitzreihe begrenzt, was einen Abstand von 75 cm gewährleistete. Masken tragen war zudem obligatorisch und für einfache Belüftung wurde gesorgt. Insgesamt wurden 39 infizierte Kinder und Jugendliche in den sechs Monaten identifiziert, was zu Quarantänemaßnahmen bei 52 von ihnen führte. Die Kontaktverfolgung bei Infizierten ergab jedoch keine Hinweise auf Übertragungen im Bus (Journal of School Health 2021; online 20. Juli).

Bestimmte Kinder und Jugendliche haben ein hohes Risiko für psychische Erkrankungen durch die Isolation im Lockdown. Das berichtet ein britisches Team von der Abteilung für Psychiatrie an der Universität Oxford. Die Forschenden haben in einer Studie 11.765 12- bis 21-Jährige aus UK nachverfolgt. Nach den Daten hatten Schülerinnen das größte Risiko für die Entwicklung von Depressionen, Angststörungen oder eine Verschlechterung der seelischen Gesundheit im Lockdown. Ebenso waren Kinder und Jugendliche aus prekären Verhältnissen besonders betroffen sowie solche mit psychischen Problemen in der Vorgeschichte. Darüber hinaus waren Kinder, deren beide Eltern arbeiteten, stärker gefährdet und Schülerinnen und Schüler, die Aufnahmeprüfungen vorbereiten mussten. Die Identifikation von besonders Gefährdeten sei wichtig, um Betroffene gezielt fördern und unterstützen zu können, so die Forschenden (JCPP Advances 2021; online 20. Juli).

Update vom 22. Juli

Die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und AstraZeneca schützen gut vor der Alpha- und der Delta-Variante. Das bestätigen jetzt auch Real-World-Daten von der britischen Insel, wie Forschende von Public Health England (PHE) berichten. In einer neuartigen Fallkontrollstudie haben sie Infektionsraten bei Geimpften und Ungeimpften untersucht. Die Daten wurden zwischen April und Mitte Mai erhoben, als die Delta-Variante in England die Alpha-Variante langsam verdrängt hatte. Ausgewählt wurden behandlungsbedürftige Patienten mit negativem Coronatest. Diese wurden anschließend „gematchten“ Patienten mit positivem Coronatest gegenübergestellt (Kontrollen). Von allen war der Impfstatus bekannt. Ergebnis: Bei beiden Impfstoffen wurde nach einer Dosis ein Schutz von 30,7 Prozent (Delta-Variante) und 48,7 Prozent (Alpha-Variante) ermittelt. Nach zwei Dosen schnitt der Impfstoff von BioNTech/Pfizer etwas besser ab mit Schutzraten von 88,0 Prozent (Delta) und 93,7 Prozent (Alpha). Nach zwei Dosen AstraZeneca-Vakzine betrug der Schutz 67,0 (Delta) und 74,5 Prozent (Alpha) (NEJM 2021; online 21. Juli).

Konsequenter Schutz durch Maske tragen und Abstand halten ist angemessen, um Infektionen mit SARS-CoV-2 zu vermeiden. Das berichten Forschende der Colorado School of Public Health in den USA. Sie haben in einer Querschnitts-Studie bei 508 Mitarbeitern der Colorado State University (CSU) das Verhalten in den ersten sechs Pandemiemonaten untersucht. Die Teilnehmer wurden ausführlich zur Compliance bei der Arbeit und in der Freizeit befragt und zudem getestet (PCR- und Antikörper-Test). Ergebnis: Kein Teilnehmer war PCR-positiv, nur bei Zweien wurden Antikörper als Zeichen einer stattgefundenen Infektion gefunden. Weit über 90 Prozent gaben regelmäßiges Maskentragen an. Das Einhalten von Abstandsregeln war stärker außerhalb als innerhalb der Arbeit ausgeprägt (91,5 versus 79,5 Prozent). Die Motivation, mit den Maßnahmen andere zu schützen, wurde zudem häufiger genannt als Eigenschutz (83,0 versus 63,2 Prozent) (JAMA Network Open. 2021; online 21. Juli).

Update vom 21. Juli

1,5 Millionen Kinder weltweit haben ein Elternteil oder eine andere fürsorgeberechtigte Bezugsperson durch COVID-19 verloren, schätzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der US-Behörde CDC. Die Hochrechnung basiert auf den Zahlen der COVID-Gestorbenen aus 21 stark von der Pandemie betroffenen Ländern zwischen März 2020 und April 2021 sowie den jeweiligen nationalen Geburtsraten. Die Forschenden betonen allerdings, dass die Zahl wahrscheinlich deutlich unterschätzt ist, da viele Länder keine oder nur unzureichende Meldesysteme hätten. Besonders betroffen ist den Berechnungen zufolge etwa Peru. Hier habe ein Prozent aller Kinder ein Elternteil oder eine enge Bezugsperson verloren (Lancet 2021; online 20. Juli).

Die beiden verfügbaren mRNA-Impfstoffe scheinen auch Patientinnen und Patienten mit einer Leberzirrhose vor schwerer COVID-19 zu schützen. Das hat eine Studie mit 20.000 US-Veteranen mit Leberzirrhose ergeben, die mindestens eine Dosis Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) oder Spikevax® (Moderna) erhalten hatten. Die Schutzwirkung nach der ersten Dosis einer mRNA-Impfung zeigte sich dabei erst ab Tag 28 und lag dann bei fast 65 Prozent. Auch bei den Klinikeinweisungen und Sterbefällen wurde der Unterschied erst ab Tag 28 signifikant. Rechnerisch ergab sich ab dann eine 100-prozentige Schutzrate vor schweren Verläufen. Der Effekt der vollständigen Impfung wurde in der Studie als sekundärer Endpunkt untersucht, und zwar ab Tag 7 nach zweimaliger Immunisierung. Vor einer COVID-19-Erkrankung waren die vollständig Geimpften demnach zu 78,6 Prozent geschützt, die Schutzrate vor Klinikeinweisung beziehungsweise Tod blieb bei jeweils 100 Prozent (JAMA Intern Med 2021; online 13. Juli). (eo)

Update vom 20. Juli

Eine einmalige Impfung mit der Vakzine von Johnson & Johnson kann auch noch nach acht Monaten effektiv gegen COVID-19 schützen. Das hat eine vorläufige Analyse von Antikörper- und T-Zellantworten bei zehn Impflingen ergeben. Zehn weitere Impflinge erhielten in der Studie eine zweimalige Dosis der Vakzine, ihre Immunantwort wurde sechs Monate nach der zweiten Impfung erfasst. Die Antikörpertiter seien bei allen Geimpften relativ stabil geblieben, die Konzentration neutralisierender Antikörper habe an Tag 71 einen Peak erreicht und bis zum Ende der Studie (Tag 239) lediglich um den Faktor 1,8 abgenommen, berichtet das Team Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston, das vom Hersteller mit der Studie beauftragt wurde. Auch die T-Zell-Antwort der Impflinge sei über einen Zeitraum von acht Monaten stabil geblieben (NEJM 2021; online 14. Juli).

Azithromycin hat keinen Nutzen bei leichter COVID-19, berichten Forschende von der University of California in San Francisco. An ihrer kontrollierten Studie nahmen 263 erwachsene Patientinnen und Patienten teil, die in den vergangenen sieben Tagen SARS-CoV-2-positiv getestet worden waren. Zwei Drittel der Infizierten erhielten eine Einzeldosis Azithromycin (1,2 mg) und ein Drittel Placebo. Der primäre Endpunkt war Abwesenheit von COVID-Symptomen nach 14 Tagen. Diesen Endpunkt erreichten genau 50 Prozent in der Verum- und 50 Prozent in der Placebogruppe. Auch bei den sekundären Endpunkten wie Fieber, Husten, Bauchweh, Myalgie gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Drei Wochen nach Studienbeginn mussten fünf Patienten in der Verumgruppe, aber kein Patient in der Placebogruppe stationär behandelt werden (JAMA 2021; online 16. Juli).

Update vom 19. Juli

Bei Kindern und Jugendlichen sind Symptome von Long-COVID selten, berichten Epidemiologinnen und Epidemiologen der Universität Zürich. Sie haben im Rahmen der Langzeitstudie „Ciao Corona“ die langfristige Entwicklung von 1355 Schülerinnen und Schülern (Alter im Median 11 Jahre) nach Antikörpertestung im Oktober und November 2020 nachverfolgt. In einer Online-Befragung der Eltern wurden sechs Monate nach dem Test bei den Kindern typische Long-COVID-Symptome abgeklärt. Ergebnisse von 109 seropositiven sowie 1246 seronegativen Schülerinnen und Schülern wurden ausgewertet. Ergebnis: Mindestens ein Symptom über mehr als zwölf Wochen gaben vier Prozent der Seropositiven und zwei Prozent der Seronegativen an. Die häufigsten Symptome bei den Seropositiven waren Müdigkeit (drei Prozent), Konzentrationsschwäche (zwei Prozent) und Schlafstörungen (zwei Prozent). Kein seropositives Kind musste nach dem Oktober stationär behandelt werden. Der Anteil der Kinder mit exzellenter Gesundheit nach Elternurteil war in beiden Gruppen ähnlich (JAMA 2021; online 15. Juli).

Eine frühe Heparin-Therapie scheint die Mortalität bei mittelschwerer COVID zu reduzieren. Das ist das vorläufige Ergebnis des internationalen „RAPID COVID COAG – RAPID Trial“, berichten Forschende vom St. Michales Hospital in Toronto (Kanada) und vom University of Vermont Larner College of Medicine (USA). In der bisher noch nicht begutachteten Studie wurden bei stationär behandelten COVID-Kranken mit erhöhten D-Dimer-Werten zwei Strategien zur Antikoagulation verglichen. 228 Erkrankte erhielten eine therapeutische Heparin-Volldosis und 237 eine niedrige prophylaktische Dosis. Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus: Aufnahme auf die Intensivstation, mechanische Beatmung oder Tod über einen Zeitraum von bis zu 28 Tagen. Diesen Endpunkt erreichten 16,2 Prozent der Patientinnen und Patienten mit therapeutisch dosiertem Heparin und 21,8 Prozent der Patientinnen und Patienten unter prophylaktisch dosiertem Heparin. Insgesamt 1,8 Prozent starben unter Heparin-Volldosis und damit deutlich weniger als unter Prophylaxe-Dosis (7,6 Prozent) (medRxiv 2021; online 12. Juli).

Update vom 16. Juli

Über 200 Symptome in 10 betroffenen Organen haben Forschende bei Long-COVID ausgemacht. Sie konnten die Symptome dabei in drei Cluster aufteilen, je nach Symptomdauer: Die Symptome im ersten Cluster treten früh im Verlauf auf, erreichen nach zwei bis drei Wochen ihren Höhepunkt und klingen dann langsam innerhalb von 90 Tagen ab. Dies sind vor allem gastrointestinale und respiratorische Symptome. Die in Cluster 2 erfassten Symptome erreichten ihren Höhepunkt etwa sieben Wochen nach Beginn und nehmen deutlich langsamer ab als diejenigen in Cluster 1. Dazu gehörten etwa neuropsychiatrische und kardiovaskuläre Symptome, die Forscherinnen und Forscher ordneten aber auch Fatigue und dermatologische Manifestationen wie die frostbeulen-ähnlichen Veränderungen an den Zehen diesem Cluster zu. Die Symptome in Cluster 3 dagegen beginnen mild und erreichen erst etwa nach 10 bis 15 Wochen ihren Peak. Sie zeigen kaum Besserung im Zeitverlauf. Zu diesen Symptomen gehören Allergien, Tinnitus, Neuralgien oder die als „Brain Fog“ bezeichneten Konzentrationsstörungen. Für die Studie hatte das Team rund 3800 Patienten befragt (E Clinical Med 2021; online 15. Juli).

Jeder zweite hospitalisierte Patient mit schwerer COVID entwickelt Komplikationen, am häufigsten Nierenkomplikationen (bei 24 Prozent) sowie respiratorische (18 Prozent) und systemische Komplikationen (16 Prozent). Das geht aus einer Studie aus dem Vereinigten Königreich mit 80.000 COVID-Patienten hervor. Am häufigsten von Komplikationen betroffen waren demnach Männer über 60 Jahre. Grundsätzlich bestehe aber auch bei jüngeren Menschen ein hohes Risiko, betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. So traten ihren Angaben zufolge bei 27 Prozent der 19-29-jährigen hospitalisierten Patienten mit schwerer COVID Komplikationen auf, bei den 30-39-Jährigen lag der Anteil bei 39 Prozent. 81 Prozent der hospitalisierten und schwerkranken COVID-Patienten in der Studie hatte wenigstens eine Komorbidität (Lancet 2021; online 14. Juli).

Update vom 15. Juli

Bei Kindern mit Multisystemischem Inflammatorischen Syndrom (MIS-C) scheinen die Symptome meist innerhalb kurzer Zeit wieder zu verschwinden. In einer Studie der Columbia University Vagelos College of Physicians and Surgeons wurde der Gesundheitsstatus von 45 hospitalisierten Kindern (mittleres Alter neun Jahre) mit MIS-C über mehrere Monate nachbeobachtet. Bei Hospitalisierung stellten die Ärztinnen und Ärzte im Blut der Kinder hohe Konzentrationen inflammatorischer Marker, häufig auch Lymphopenie und Lymphozytopenie fest. 80 Prozent der Kinder hatten zudem kardiale Dysfunktionen, darunter auch schwere Komplikationen wie Herzinsuffizienz oder eine Dilatation der Koronararterien. Die meisten Kinder reagierten schnell auf die Gabe von Steroiden, Immunglobulinen und Immunmodulatoren und konnten innerhalb von fünf Tagen aus der Klinik entlassen werden, berichtet das Team um Dr. Kanwal M. Farooqi. Nach der Entlassung hätten sich zudem innerhalb weniger Wochen auch die immunologischen und kardiovaskulären Marker normalisiert. Vier Monate nach Hospitalisierung hatte nur ein Kind noch persistierende milde Einschränkungen (Pediatrics 2021; online 15. Juli).

Die Delta-Variante hat in Deutschland einen Anteil von 74 Prozent erreicht. Sie wurde in den vergangenen vier Wochen (Meldewoche 24-27) in allen Bundesländern nachgewiesen. Nur in zehn Prozent der Fälle wurde dabei eine mögliche Exposition im Ausland angegeben, die meistgenannten Länder waren Spanien, die Russische Föderation und Portugal. Die vor wenigen Wochen noch dominierende Alpha-Variante wird dagegen derzeit lediglich in rund jeder fünften Probe nachgewiesen (22 Prozent), wie aus dem aktuellen RKI-Bericht zu Virusvarianten hervorgeht. Das RKI gibt außerdem geschätzte 7-Tages-Inzidenzen für die Alpha- und die Deltavariante an. Der R-Wert liegt für Delta demnach 20 bis 100 Prozent höher als für Alpha, was für eine deutlich höhere Infektiosität spricht (RKI-Bericht; online 14.Juli).

Update vom 14. Juli

Schon eine Dosis des russischen Impfstoffs Sputnik V induziert offenbar eine starke Immunantwort, wie aus einer kleinen Studie aus Argentinien hervorgeht. Drei Wochen nach einmaliger Dosis wurden bei 94 Prozent der 289 Studienteilnehmer SARS-CoV-2-spezifische IgG-Antikörper nachgewiesen, bei 90 Prozent neutralisierende Antikörper. In Bezug auf das Alter zeigten sich nur marginale Unterschiede: Bei den unter 65-Jährigen stellten die Forschenden bei 96 Prozent eine Serokonversion fest, bei den über 65-Jährigen war dies bei 89 Prozent der Fall. Das Team um Dr. Andres H. Rossi verweist in der Studie auch auf Zwischendaten der Phase-III-Studie. Demnach erreicht Sputnik V nach zweimaliger Dosis eine Schutzwirkung von 91,6 Prozent (Corona-Splitter vom 2. Februar). Bisher wurden allerdings keine weiteren Daten aus den Zulassungsstudien publiziert, die EMA prüft den Impfstoffkandidaten weiterhin in einem „Rolling Review“-Verfahren (Cell Reports Medicine 2021; online 9. Juli).

Forschende haben 13 Genloci gefunden, die mit einem schweren COVID-Verlauf assoziiert sind. In der internationalen „COVID-19 Host Genetics Initiative“ wurden dafür die Gendaten von 49.562 Patienten mit denen von rund 2 Millionen Gesunden verglichen. Die Daten stammten dabei aus zahlreichen internationalen Biobanken und klinischen Studien. Einige der gefundenen Genorte sind mit der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, Lungenkrebs oder Lungenfibrose assoziiert. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Angriffspunkte für künftige Therapien zu finden, hoffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Nature 2021; online 8. Juli).

Update vom 13. Juli

Auch bei Schwangeren erreicht die Vakzine von BioNTech/Pfizer eine gute, wenn auch im Vergleich zur übrigen Population offenbar geringere Schutzwirkung. Daten von über 15.000 Schwangeren aus Israel haben in einer retrospektiven Studie eine geschätzte Schutzwirkung von 78 Prozent ergeben, in den Zulassungsstudien (an denen Schwangere nicht teilgenommen hatten) lag die Schutzwirkung bei 95 Prozent. Die Frauen befanden sich alle im 2. oder 3. Trimenon und erhielten die beiden Impfungen mit Comirnaty® im Mittel im Abstand von 21 Tagen. Ab Tag 28 nach Erstimpfung bis Tag 70 wurden in der Gruppe der Geimpften 10 SARS-CoV-2-Infektionen festgestellt, in der Gruppe der Ungeimpften 46 Infektionen. Damit ergibt sich für den untersuchten Zeitraum eine adjusted hazard reduction (aHR) von 0,22 und eine Schutzwirkung von 78 Prozent. Auch Schwangerschaftskomplikationen hatten die Forschenden in ihrer Untersuchung im Blick. Dabei bestätigen die Ergebnisse frühere Real-World-Daten: In Bezug auf Schwangerschaftskomplikationen gab es keinen Unterschied zwischen ungeimpften und geimpften Schwangeren (JAMA Netw 2021; online 12. Juli).

Update vom 12. Juli

Der Totimpfstoff CoronaVac hat vorläufigen Phase-III-Daten zufolge eine Schutzwirkung von 83,5 Prozent. Die Studie mit rund 10.000 Teilnehmern zwischen 18 und 59 Jahren, die die Vakzine des chinesischen Herstellers Sinovac Life Sciences zweimal im Abstand von 14 Tagen verabreicht bekamen, fand an 24 Studiencentern in der Türkei statt. Ab Tag 14 nach zweiter Impfung wurden in der Verum-Gruppe innerhalb von 42 Tagen neun Fälle PCR-bestätiger symptomatischer COVID-19 festgestellt, in der Placebo-Gruppe 32. Todesfälle oder schwere unerwünschte Wirkungen der Stufe 4 traten im Studienzeitraum nicht auf. Die Herstellung inaktivierter Vakzinen ist ja wegen der Kultivierung der virusproduzierenden Zellen relativ zeitaufwändig. Der Hersteller konnte deshalb im Vergleich zu Studien mit mRNA-Vakzinen erst spät mit klinischen Studien beginnen (Lancet 2021; online 9.Juli).

Die Stärke der Impfreaktion ist offenbar kein Maß für spätere Antikörpertiter. In einer prospektiven Studie zeigte sich keine Korrelation zwischen der Ausprägung der Symptome nach einer mRNA-Impfung mit Comirnaty® und dem späteren Titer der Antikörper gegen das virale Spike-Protein. Das Team um Dr. Si’Ana Coggins von der Uniformed Services University of Health Sciences in Bethesda hatte für die Studie 206 gesunde Freiwillige befragt, die nach beiden Impfungen mit Comirnaty® per Fragebögen Auskunft gaben, ob und wie intensiv zwölf lokale und systemische Reaktionen bei ihnen aufgetreten waren. Außerdem wurden sie einen Monat nach der zweiten Impfung auf IgG-Antikörper gegen das Spike-Protein und gegen die Rezeptorbindungsdomäne (RBD) untersucht (medRxiv preprint; online 2. Juli). (bs)

Update vom 9. Juli

Die zweite Impf-Dosis ist wohl unbedingt notwendig – vor allem im Hinblick auf die Delta-Variante. Das bekräftigen jetzt Studienergebnisse von Forschenden um Olivier Schwartz vom Institut Pasteur in Paris. So waren in ihren Untersuchungen die nach einer Einzeldosis von BioNTech / Pifzer und AstraZeneca gebildeten Antikörper kaum in der Lage, an die Delta-Variante zu binden und sie zu neutralisieren. Eine effiziente Reaktion gegen Delta hatten beide Vakzine erst nach der zweiten Dosis hervorgerufen - bei 95 Prozent der Personen (nach einer Dosis bei lediglich 10 Prozent der Geimpften). Auch wenn sich das menschliche Immunsystem nicht nur mit Antikörpern gegen Krankheitserreger wehrt – es gibt ja auch noch eine zelluläre Immunität –, gelten die untersuchten Antikörper-Spiegel als starker Hinweis auf den Immunschutz gegen symptomatische COVID (Nature; online 8. Juli, Preprint).

Bisher wurden in Deutschland 3806 Impfdurchbrüche, also symptomatische SARS-CoV-2-Infektionen mindestens zwei Wochen nach vollständiger Impfung identifiziert. Das geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts hervor. Insgesamt wurden hierzulande bisher 33.202.521 Menschen vollständig gegen COVID geimpft (39,9 Prozent) – der Anteil der Impfdurchbrüche liegt also deutlich im Promillebereich. Insgesamt haben in Deutschland 57,1 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung gegen COVID-19 erhalten (47.505.270) (Lagebericht des RKI; online 8. Juli).

Einige Krebstherapeutika bremsen die Immunantwort auf die COVID-Impfung zum Teil völlig aus. Das belegt eine prospektive Kohortenstudie aus Litauen bei 885 Patienten mit hämatologischen Krebserkrankungen. So zeigten vor allem Patienten, die mit Bruton-Tyrosinkinase-Hemmern, dem Januskinase-Hemmer Ruxolitinib, dem Bcl-2-Hemmer Venetoclax behandelt wurden oder eine Anti-CD20-Antikörpertherapie erhielten keine beziehungsweise eine stark abgeschwächte Anti-S1-IgG-Antikörperantwort. Am wenigsten effizient scheint eine Impfung in den ersten Wochen nach einer Stammzelltherapie zu sein, wenn die Patienten ohne eigene Immunabwehr sind. Erwartungsgemäß verbesserte sich in der Studie das Ansprechen, wenn die Impfung erst sechs Monate nach der Stammzelltherapie erfolgte (Lancet Haematology 2021; online 2. Juli). (otc)

Update vom 8. Juli

Mit einem Anteil von 59 Prozent ist die Variante B.1.617.2 (Delta) erstmals in Deutschland die dominierende VOC (variants of concern) geworden. Das berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in seiner jüngsten wöchentlichen Auswertung mit Blick auf die 25. Kalenderwoche (21.-27. Juni). Damit hat sich der Anteil dieser besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvariante innerhalb einer Woche erneut fast verdoppelt. Ihre Verbreitung seit März 2020 hat die Variante Alpha (B.1.1.7), die sich zuvor, in den ersten Monaten 2021 in Europa stark ausgebreitet hat, verdrängt. Der Anteil von Alpha beträgt nur noch 33 Prozent, das heißt diese Variante wird zur Zeit in jeder dritten Probe nachgewiesen (DESH/Bericht_VOC_2021-07-07). (otc)

Die WHO empfiehlt nach Kortikosteroiden jetzt auch den Einsatz von Interleukin-6 (IL-6)-Antagonisten (Tocilizumab, Sarilumab) zur Behandlung von Patienten mit COVID-19. Die Empfehlung basiert auf den Ergebnissen einer Metaanalyse, in der Ergebnisse aus 27 randomisierten klinischen Studien mit 10.930 COVID-19-Patienten ausgewertet wurden. Primärer Endpunkt war die Sterblichkeit an COVID-19. Bis zum 28. Tag nach Behandlungsbeginn waren 1407 von 6449 Patienten (22 Prozent), die mit einem IL-6-Antagonisten behandelt wurden, gestorben im Vergleich zu 1158 von 4481 Patienten (25 Prozent), die die übliche Behandlung oder Placebo erhielten. Der Einsatz eines IL-6-Antagonisten senkte demnach das Sterberisiko um 14 Prozent. Der Vorteil bestand allerdings nur bei einer gleichzeitigen Gabe von Glukokortikoiden (JAMA 2021; online 6. Juli). (otc)

Psychische Probleme von Jugendlichen im Lockdown haben drastisch zugenommen. Das bestätigt jetzt eine Querschnittsuntersuchung aus Österreich von Psychotherapeuten und Verhaltensforschern um Dr. Christoph Pieh von der Donau-Universität in Krems. An der Untersuchung haben 3052 Schüler im mittleren Alter von 16,5 Jahren teilgenommen, sie füllten online diverse Fragebögen zur psychischen Gesundheit aus. Demnach leidet jeder zweite unter Depressionen und Ängsten, die Lebenszufriedenheit ist deutlich gesunken. 37 Prozent gaben zudem an, in den zwei Wochen vor der Befragung an Suizid gedacht zu haben, 9 Prozent nannten tägliche Suizidgedanken, 7 Prozent dachten jeden zweiten Tag an Selbsttötung (JAMA Netw Open 2021; online 28. Juni). (mut)

Update vom 7. Juli

COVID-Patienten brauchen im Schnitt zwei bis drei Monate, bis sie endgültig genesen sind. Das folgern US-Forscher vom Scripps Research Translational Institute in Kalifornien aus einer Studie mit App-basierten „Fitnesstrackern“. Dabei werden permanent Messwerte zu Physiologie und Verhalten aufgezeichnet. Ausgewertet wurden dabei Daten aus der Studie DETECT (Digital Engagement and Tracking for Early Control and Treatment). Verglichen wurden Messwerte von 875 Teilnehmern vor, während und nach Atemwegsinfektionen. Davon hatten 234 COVID-19 und 641 andere Infekte. Ergebnis: Im Anschluss an die akute COVID traten im Vergleich zu anderen Atemwegsinfektionen besonders häufig veränderte Herz-Ruhefrequenzen auf (zunächst als Bradykardie und dann als länger dauernde Tachykardie). Im Schnitt hielt die veränderte Ruhefrequenz 79 Tage nach Erkrankungsbeginn an. Bei 13,7 Prozent blieb eine Herzfrequenz > 5 Schläge über Ausgangsfrequenz sogar 133 Tage erhalten (JAMA Network open 2021, online 7. Juli).

Kopfweh und Migräneattacken traten im Lockdown nicht häufiger auf als davor. Das berichten Ärzte von der Charité Berlin. Sie haben Daten digitaler Kopfschmerztagebücher (M-sense) von 2325 Patienten von den 28 Tagen vor Beginn des ersten Lockdowns in Deutschland (22. März 2020) mit den ersten 28 Tagen im Lockdown verglichen. Ergebnis: Die Zahl der monatlichen Kopfschmerztage (MHD) war in beiden Zeiträumen ähnlich (7,01 MHD vor vs. 6,89 MHD im Lockdown). Die Zahl der Tage mit Akutmedikation gegen die Kopfschmerzen ging im Lockdown signifikant zurück (4,50 vs. 4,27). Auch gaben die Teilnehmer zunächst signifikant geringere Stresslevel, bessere Stimmung und höhere Energie- und Aktivitätslevel im ersten Lockdown an. Diese positiven Veränderungen fanden sich allerdings in einer Subgruppe der Teilnehmer im dritten Lockdown-Monat nicht mehr (J Headache Pain 2021, online 22. Juni). (st)

Update vom 6. Juli

Schutzmaßnahmen wie Masken, Hygiene- und Abstandsregeln sollten auch nach COVID-Impfkampagnen aufrechterhalten werden. Das betonen Forscher der University of North Carolina in Chapel Hill (USA). Sie haben in dem US-Staat mit gut 10 Millionen Einwohnern mit einer Modellrechnung die Zahl der Neu-Infizierten bis September 2021 nach einer sechsmonatigen Impfkampagne prognostiziert, und zwar sowohl mit als auch ohne die nicht-pharmazeutischen Schutzmaßnahmen. Basis waren dabei die Ausbreitungsmuster von SARS-COV-2 in der Vergangenheit. Vorausgesetzt wurden zudem eine Impfeffektivität von 90 Prozent und eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent. Ergebnis: Ohne die Schutzmaßnahmen kommen die Forscher auf 527.409 neue Infektionen mit den Maßnahmen auf 450.575. Außerdem: Eine hohe Impfquote mit weniger wirksamen Impfstoffen (Wirksamkeit 50 Prozent) schützt nach Lockerung der Hygienemaßnahmen besser vor Infektionen als eine niedrige Impfquote mit hochwirksamen Vakzinen (90 Prozent Wirksamkeit) (JAMA Network Open. 2021; online 1. Juni).

Update vom 5. Juli

Eine gute Wirksamkeit gegen die besonders infektiöse Delta-Variante hat wohl auch die Vakzine von Johnson & Johnson, die ja nur einmal verimpft werden muss. Angaben des Herstellers zufolge konnten Antikörper im Blut von vollständig Immunisierten (n=8) in Laborversuchen die Delta-Virusvariante neutralisieren. Dabei scheine die Antikörperaktivität gegenüber dem Ursprungsvirus lediglich etwas abgeschwächt (um das 1,6-Fache) zu sein, heißt es in einer Mitteilung von Johnson & Johnson. Darüber hinaus wurde auch die Dauer der Immunantwort untersucht. In einer Unterstudie der Phase I/IIa-COVID-19-Impfstoffstudie mit 10 Teilnehmern habe sich gezeigt, dass eine humorale und zelluläre Immunantwort über mindestens acht Monate (letzter bisher in der Studie erfasster Zeitpunkt) nach Impfung nachzuweisen ist. Die Daten sind bisher noch nicht begutachtet worden (Mitteilung von Johnson & Johnson; online 1. Juli).

Update vom 2. Juli

Vor allem alte Menschen brauchen unbedingt die zweite mRNA-Impfdosis, betonen britische Forscher aus Cambridge. Sie haben die Immunreaktionen nach Impfung mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff bei 140 Probanden verglichen. Darunter waren eine Gruppe alter Menschen sowie jüngere medizinische Mitarbeiter. Ergebnis: Vor allem bei den über 80-Jährigen ergab sich eine deutlich geringere Immunogenität der Impfung. So hatte drei Wochen nach der ersten Dosis nur ein geringer Teil in dieser Altersgruppe ausreichende neutralisierende Titer. Nur wenige über 80-Jährige konnten zudem bereits nach einer Dosis Problemvarianten wie die Alpha- (britische) und die Beta (südafrikanische)-Variante neutralisieren. Nach der zweiten Dosis waren die neutralisierenden Antikörperantworten jedoch bei allen Teilnehmern ähnlich gut (Nature 2021; online 30. Juni).

CureVac teilt Ergebnisse zu seinem COVID-Impfstoffkandidaten CVnCoV in einer Pressemeldung mit. Trotz enttäuschender Resultate in der der HERALD-Studie (Phase IIb/III) will das Unternehmen die Zulassung der Vakzine weiterverfolgen. An der zulassungsrelevanten Studie haben 40.000 Probanden in zehn Ländern von Europa und Lateinamerika teilgenommen. Insgesamt traten 228 COVID-Fälle auf (83 Fälle in der Impfgruppe, 145 in der Placebogruppe). Die Wirksamkeit bei der Teilgruppe der 18- bis 60-Jährigen und über alle 15 Varianten:

  • 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregrades,
  • 77 Prozent gegen moderaten und schweren Krankheitsverlauf und
  • vollständiger Schutz vor Krankenhausaufenthalt oder Tod.

CureVac ist in laufendem Austausch mit der EMA für die Fortsetzung des Zulassungsverfahrens (Pressemitteilung von CureVac).

Update vom 1. Juli

Impfdurchbrüche bei mRNA-Vakzinen sind sehr selten, und auch dabei gibt es Schutz. Das berichten Forscher der US-Centers for Disease Control (CDC). Sie präsentieren Daten einer Real-World-Studie mit 3975 Klinikmitarbeitern in den USA, die mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder Moderna geimpft worden waren. 204 der Studienteilnehmer steckten sich in der Zeit zwischen Mitte Dezember und Mitte April an, davon waren 5 vollständig und 11 teilweise Geimpfte. Die Wirksamkeit gegen COVID betrug bei komplett Geimpften 91 Prozent und 81 Prozent bei Teilgeimpften. Unter den Infizierten wurde zudem bei den Geimpften im Vergleich zu den Ungeimpften eine 40 Prozent verringerte Viruslast ermittelt. Außerdem ergab sich für die geimpften Infizierten im Vergleich ein um 58 Prozent verringertes Risiko für eine fieberhafte Erkrankung. Und: Geimpfte Erkrankte mussten im Vergleich 2,3 Tage weniger das Bett hüten (NEJM 2021; online 30. Juni).

Update vom 30. Juni

Wer mit Maske Sport treibt, muss wohl keine Sorgen wegen eines Sauerstoffmangels haben. Laut einer randomisierten Cross-Over-Studie mit 20 gesunden Probanden, die auf einem Laufband trainierten, zeigten sich beim Tragen einer Maske zwar Beeinträchtigungen beim Sport. So war etwa das maximale Sauerstoffvolumen, das der Körper unter Belastung aufnehmen kann (VO2), reduziert, wenn die Teilnehmer auf dem Laufband eine Maske trugen. Allerdings waren die Beeinträchtigungen klinisch nicht bedeutsam, berichtet ein Team von der Cleveland Clinic in Ohio. Keiner der Teilnehmer habe das Training vorzeitig abbrechen müssen (JAMA Intern Med 2021; online 30. Juni).

Der COVID-Impfstoff von Moderna schützt wohl auch vor der Delta-Variante. Angaben des Herstellers zufolge konnten Antikörper im Blut von vollständig Immunisierten in Laborversuchen die Delta-Virusvariante neutralisieren. Die Blutproben der acht Teilnehmer wurden dabei eine Woche nach der zweiten Impfung mit der mRNA-Vakzine von Moderna entnommen. Geprüft wurde auch die Wirksamkeit gegen weitere SARS-CoV-2-Varianten, darunter die Gamma-, Kappa- und Eta-Variante. Auch bei diesen Varianten, ebenso wie bei der Delta-Variante, sei der Titer der neutralisierenden Antikörper nur „moderat reduziert gewesen“, schreibt das Unternehmen (Pressemitteilung von Moderna; online 29. Juni).

Update vom 29. Juni 2021

Neue Befunde sprechen für lang andauernde Immunität durch mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2, berichten Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis, US-Staat Missouri. Sie haben bei 14 vollständig mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder Moderna Geimpften antigen-spezifische B-Zellen im peripheren Blut und in Lymphknoten analysiert. Im Fokus war dabei die Dynamik virusspezifischer antikörper-produzierender Plasma-B-Zellen. Die Zahl solcher im Blut zirkulierender und IgG- und IgA-sezernierender Plasmazellen war am höchsten eine Woche nach der zweiten Impfung und drei Wochen später nicht mehr nachweisbar. Infolge der Plasmazellen-Antwort ergaben sich danach jedoch Höchststände bei SARS-CoV-2-neutralisierenden Antikörpern, die sowohl gegen das Ausgangsvirus als auch gegen Varianten schützten. Zudem fanden sich in Feinnadel-Aspiraten aus axillären Lymphknoten sogar zwölf Wochen nach der zweiten Impfung SARS-CoV-2-spezifische sogenannte „germinal centre“ (GC) B-Zellen. Dies bedeutet, dass die induzierte Immunreaktion sogar vier Monate nach Erstimpfung anhält und zu einer robusten humoralen Immunität führt (Nature 2021; online 28. Juni).

Genesene sind nach COVID-19 mindesten zehn Monate immun, schätzen Forscher der Universität Lübeck. Sie stellen vorläufige Studiendaten zu 412 Erwachsenen, die überwiegend milde oder moderate COVID-Symptome gehabt hatten. Gesucht wurde nach spezifischen anti-SARS-CoV-2 IgG-Antikörpern sowie einer Freisetzung von Interferon-γ. Der Botenstoff IFN-γ wird von T-Lymphozyten freigesetzt. Diese sind wiederum unverzichtbar, damit B-Lymphozyten Antikörper produzieren können. Ergebnis: Anti-SARS-CoV-2 IgG-Antikörper fanden sich auch zehn Monate nach Infektion bei 76 Prozent der Teilnehmer. Bei knapp 67 Prozent war darüber hinaus auch der IFN-γ-Test positiv. Im Schnitt waren 300 Tage nach Infektion noch 50 Prozent der Antikörper und der IFN-γ-Konzentrationen nachweisbar. Die Ergebnisse könnten bei der Entscheidung helfen, wann Auffrischungsimpfungen gegen das Virus nötig sind (medrxiv 2021; online 25. Juni).

Die meisten Krebspatienten erreichen eine Serokonversion nach Impfung mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine, berichten Forscher aus Frankreich. Sie haben die Antikörpertiter bei 223 Patienten mit soliden Tumoren sowie 49 Klinikmitarbeitern drei bis vier Wochen nach der zweiten Impfung analysiert. Eine Serokonversion ergab sich zwar bei 94 Prozent der Patienten, die Antikörpertiter lagen aber deutlich unter denen von Gesunden. Vor allem Patienten mit Chemotherapie wiesen recht geringe Werte auf. Dies könnte ein Hinweis auf einen unzureichenden Immunschutz sein, so die Forscher. Solange nicht klar sei, wann der geeignete Zeitpunkt für eine zweite Auffrischungsimpfung ist, sollte darauf geachtet werden, dass sämtliche Personen im Umfeld der Patienten geimpft sind (Annals Oncol 2021; online 22 Juni).

Update vom 28. Juni 2021

Die Impfung mit Vaxzevria® bietet offenbar auch noch ein Jahr später einen Schutz vor SARS-CoV-2. Und ein noch längerer Impfintervall von 45 statt zwölf Wochen könnte die Immunantwort sogar verbessern. Zu diesen Befunden kommen Wissenschaftler um das Studienteam der University of Oxford in einer noch nicht begutachteten Veröffentlichung. Dafür hatten sie einen Teil der Probanden aus den Zulassungsstudien COV001 und COV002 des Vektorimpfstoffs AZD1222 neuerlich untersucht. Selbst bei nur einmal mit Vaxzevria® Geimpften fanden die Wissenschaftler knapp ein Jahr später noch immer Antikörper. Bei 30 Studienteilnehmern konnten die Forscher zudem zeigen, dass die Höhe der Antikörperspiegel (gemessen als ELISA-Units und als Korrelat zur Immunantwort) höher ausfällt, je länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung war. Bei einem Abstand von 45 Wochen waren die Titer viermal so hoch wie beim acht- bis zwölfwöchigen Impfabstand. Auch konnten die Studienautoren zeigen, dass bei einer dritten Impfdosis als Booster sowohl die Antikörperspiegel als auch die T-Zell-Antwort höher ausfielen als nach der zweiten Impfung (SSRN Pre Print 2021; online 28. Juni).

Lockdown-Maßnahmen wie Maskenpflicht haben die Zirkulation mehrere Erreger von Atemwegsinfektionen unterbunden, berichten Ärzte aus Singapur. So waren im Zusammenhang mit dem Lockdown in den Kalenderwochen 15 bis 22 so gut wie keine Enteroviren/Rhinoviren, Adenoviren, RS-Viren und Influenzaviren festzustellen. Das ergab ein Vergleich der positiven Testergebnisse auf die respiratorischen Erreger an drei großen Kliniken des Stadtstaates aus den Jahren 2019 und 2020. Mit Ausnahme von Enteroviren/Adenoviren, die 13 Wochen nach der Wiederöffnung im September 2020 wieder deutlich zunahmen, blieben die anderen Atemwegsviren im Vergleich zu den Vorjahren über das ganze Jahr selten (JAMA Network Open 2021; 4(6): e2115973).

Update vom 25. Juni 2021

Innerhalb eines Jahres verschwinden offenbar bei fast allen COVID-Patienten mit Riech- und Geschmacksstörungen die Symptome wieder. In einer kleinen Studie mit 51 Patienten waren Riech- und Geschmackssinn bei 96 Prozent der Patienten nach einem Jahr wiederhergestellt, nach sechs Monaten war das schon bei 85,9 Prozent der Fall gewesen. Erfasst wurden die Symptome vierteljährlich mittels Fragebogen und olfaktorischen Tests. Dennoch blieben bei zwei Patienten ein geringeres Riechvermögen sowie eine falsche Wahrnehmung von Gerüchen bestehen (JAMA Netw Open 2021; online 24. Juni).

Sind COVID-19-Patienten zu Beginn der Erkrankung extrem müde, ist die Gefahr für einen kritischen Verlauf deutlich höher. Für solche Patienten ergab sich in einer Auswertung des europäischen Fallregisters LEOSS mit Daten von mehr als 6500 Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für Tod oder kritischen Verlauf (plus 42 Prozent). Das berichtete Dr. Nina Kleineberg von der Universität Köln beim diesjährigen Kongress der European Academy of Neurology. Andere unspezifische neurologische Symptome sind demnach anfangs kaum aussagekräftig, auch besteht für MS-Patienten nach europäischen Registerdaten kein erhöhtes Sterberisiko. (mut)

Update vom 24. Juni 2021

Schon kleine Familientreffen wie an Kindergeburtstagen können in Gegenden mit hohen Inzidenzzahlen die Infektionen in die Höhe treiben. Das berichtet ein Team um Dr. Christopher Whaley von der Non-Profit-Organisation RAND. Für ihre Studie wurden Daten von 2,9 Millionen US-Haushalten ausgewertet. In Haushalten in Gegenden mit hohen Inzidenzzahlen, in denen kurz zuvor Geburtstage stattgefunden hatten, war die Wahrscheinlichkeit einer SARS-CoV-2-Infektion um 31 Prozent höher als in Haushalten, in denen kein Geburtstag stattgefunden hatte. Besonders deutlich scheinen sich dabei Kindergeburtstage auf die Infektionszahlen auszuwirken. In Gegenden mit nur geringen Inzidenzzahlen zeigte sich dieser Zusammenhang dagegen nicht. „Informelle Treffen in kleinen sozialen Gruppen scheinen eine wichtige Rolle bei der Transmission von SARS-CoV-2 zu spielen“, so Whaley und sein Team (JAMA Intern Netw 2021; online 21. Juni).

Innerhalb einer Woche hat sich der Anteil der Delta-Variante in Deutschland fast verdoppelt, von zuletzt acht Prozent auf jetzt 15 Prozent. Das geht aus dem aktuellen RKI-Bericht zu den Virusvarianten hervor. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Variante in Deutschland durchsetzen werde; in den vergangenen vier Wochen sei sie in allen Bundesländern nachgewiesen worden. Die meisten Übertragungen fanden demnach in privaten Haushalten statt, zudem gab es größere Ausbrüche (mehr als fünf Personen) am Arbeitsplatz und in Schulen mit bis zu 24 Personen. Delta wird eine deutlich höhere Infektiosität sowie eine reduzierte Wirksamkeit der humoralen und zellulären Immunantwort zugeschrieben. Erste vorläufige Ergebnisse deuteten aber darauf hin, dass auch bei Infektionen mit der Delta-Variante nach vollständiger Impfung ein hoher Schutz gegen schwere Verläufe besteht, heißt es in dem Bericht (RKI-Bericht zu Virusvarianten; online 23. Juni).

Update vom 23. Juni 2021

Im Gehirn von gestorbenen COVID-Patienten haben Forscher inflammatorische Veränderungen nachgewiesen, die denen bei neurologischen Erkrankungen wie Schizophrenie und Depression ähneln. Möglicherweise sind auch die bei Long-COVID-Patienten beobachteten Konzentrationsschwächen und Sprachstörungen auf diese Entzündungen im Gehirn zurückzuführen. Das Team von der Universität des Saarlandes und der Stanford University hatte die Gehirne von acht gestorbenen COVID-Patienten sowie von 14 Kontrollpatienten, von denen einer an Influenza gestorben war, untersucht. Das entnommene Gewebe stammte aus dem Frontallappen der Großhirnrinde sowie dem Plexus choroideus. Mittels RNA-Einzelzellsequenzierung wurden dann die aktiven Gene jeder einzelnen Zelle der Gewebeproben betrachtet. „Wir konnten sehen, dass die Mikroglia im Gehirn bei den an COVID gestorbenen Patienten stark aktiviert waren. Zusätzlich konnten wir aktivierte T-Lymphozyten nachweisen, die vom Blut ins Gehirn gewandert sind“, wird Studienautor Professor Walter Schulz-Schaeffer in einer Mitteilung der Universität des Saarlandes zitiert. Dort hätten sie das entzündete Milieu noch einmal verstärkt. Diese Neuroinflammation konnten die Forscher weder bei dem an Influenza gestorbenen Patienten noch den übrigen Kontrollpatienten feststellen (Nature 2021; online 21. Juni).

Update vom 22. Juni 2021

Die zusätzliche Gabe von Tofacitinib bessert bei hospitalisierten, nicht invasiv beatmeten COVID-Patienten die Prognose: Das Risiko für Tod oder Atemversagen wird verringert. So lautet das Ergebnis der Phase-II-Studie STOP-COVID mit 289 Patienten, in der eine Standardtherapie plus Tofacitinib vs. eine Standardtherapie plus Placebo geprüft wurde. Die kumulative Inzidenz für Tod oder Atemversagen bis Tag 28 (der primäre Endpunkt der Studie) lag in der Tofacitinib-Gruppe bei 18,1 Prozent und in der Placebo-Gruppe bei 29 Prozent (Risk Ratio, RR: 0,63). Tod jeglicher Ursache bis Tag 28 trat bei 2,8 Prozent der zusätzlich mit Tofacitinib behandelten Patienten vs 5,5 Prozent in der Placebo-Gruppe auf (NEJM 2021; online 16. Juni).

Erste positive Daten zur gleichzeitigen Gabe einer COVID- und Influenza-Impfung gibt es zum Impfstoffkandidaten „NVX-CoV2373“ des Unternehmens Novavax. Laut der noch nicht begutachteten Studienergebnisse wird die Effektivität der beiden Impfstoffe nicht beeinflusst. In der Phase-III-Studie wurde die Novavax-Vakzine entweder mit einem zugelassenen Grippe-Impfstoff (Flucelvax®, quadrivalent, zellbasiert) bei 18 bis 64-Jährigen oder einer adjuvantierten trivalenten Influenza-Vakzine bei Über-65-Jährigen kombiniert. Die Ko-Administration habe bei den Grippe-Impfstoffen die Effektivität nicht beeinflusst, die Effektivität der COVID-Vakzine sei lediglich marginal verringert (87,5 vs 89,8 Prozent), berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (medRxiv 2021; online 13. Juni).

Update vom 21. Juni 2021

Das Multisystemische Inflammatorische Syndrom kann als Post-COVID-Symptom auch bei Älteren auftreten. Das berichtet ein Team um Dr. Geneviève Kerkerian von der University of Calgary anhand eines Fallberichts. Der 60-jährige Mann war vier Wochen nach seiner SARS-CoV-2-Infektion und nach Genesung in eine Klinik gekommen. Er berichtete, seit fünf Tagen an Kurzatmigkeit, Fatigue und Fieber über 40°C zu leiden. In der Klinik stellten Kerkerian und ihre Kollegen zudem eine Rechtsherzvergrößerung und Lungenödeme fest, außerdem eine bilaterale Konjunktivitis, Veränderungen der Mundschleimhaut, eine zervikale Lymphadenopathie und die von COVID bekannten Frostbeulen-ähnlichen Veränderungen an der unteren Extremität. Da die Symptome denen eines MIS-C (multisystem inflammatory syndrome in children) ähnelten, warnen sie, dass das Syndrom in seltenen Fällen auch bei Älteren als Post-COVID-Symptom auftreten kann (CMAJ 2021; online 21. Juni).

Die beiden mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna haben keinen Einfluss auf Spermienqualität und Fruchtbarkeit. Diese Befürchtung wird immer wieder von Menschen angegeben, die den mRNA-Vakzinen kritisch gegenüberstehen. Forscher um Daniel Gonzalez von der University of Miami haben daher einen möglichen Zusammenhang in einer kleinen Studie mit 45 Männern im mittleren Alter von 28 Jahren untersucht. Die Probanden hatten vor der ersten Impfung und 70 Tage nach der zweiten Impfung Spermienproben abgegeben. Ergebnis: Weder in Spermienvolumen, noch in Spermienmotilität und -morphologie zeigten sich nach der Impfung Unterschiede (JAMA 2021; online 17. Juni).

Die Größe und Festigkeit von Erythrozyten und Neutrophilen Granulozyten verändern sich bei einer COVID-Erkrankung, und zwar zum Teil über Monate hinweg. Das haben Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin festgestellt, die Blutproben von 17 COVID-Patienten mit unterschiedlich schweren Verläufen, Rekonvaleszenten sowie 24 gesunden Probanden mit einer neuen Technik namens „real-time deformability cytometry“ (RT-DC) untersucht haben. Dabei werden Leukozyten und Erythrozyten durch einen engen Kanal gedrückt und in die Länge gezogen. Eine Hochgeschwindigkeitskamera fotografiert die Blutzellen und eine spezielle Software ermittel Zelltyp, Größe und Verformbarkeit. Dabei zeigte sich, dass sich Erythrozyten von Erkrankten in Größe und Verformbarkeit deutlich von denen Gesunder unterschieden. Das deute auf eine Zellschädigung hin und könnte das höhere Risiko von Gefäßverschlüssen und Lungenembolien erklären, schreibt das Team um Dr. Markéta Kubánková. Zudem könne dadurch die Sauerstoffversorgung bei Infizierten beeinträchtigt sein. Lymphozyten waren bei COVID-Patienten wiederum deutlich weicher, was auf eine starke Immunreaktion hinweisen kann. Ähnliche Beobachtungen konnten Kubánková und ihre Kollegen auch bei Neutrophilen Granulozyten machen. Diese Zellen blieben auch sieben Monate nach der akuten Infektion drastisch verändert. Dies könnte eine Erklärung für Long-COVID-Symptome sein (Biophysical Journal 2021; online 2. Juni).

Update vom 18. Juni 2021

Auch in den USA sind bei 12- bis 17-Jährigen mit Comirnaty®-Impfung Fälle von Myokarditis aufgetreten, berichten die Centers for Disease Control (CDC). Bei einem „White House Briefing“ habe die CDC-Direktorin Dr. Rochelle Walensky die Zahl der Meldungen im „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (VAERS) mit über 300 Fällen beziffert, berichtet das US-National Public Radio (npr). Bei der übergroßen Mehrheit der Betroffenen sei die Entzündung aber nach kurzer Zeit wieder abgeklungen. Das deckt sich auch mit einer Fallserie von sieben Betroffenen, wo die Beschwerden bei allen nur vorübergehend auftraten. Die Zahl ist zudem in Relation zu der großen Menge an Impfungen in dieser Altersgruppe zu sehen: Bereits sieben Millionen 12- bis 17-Jährige sind in den USA bis Mitte Juni mindestens einmal geimpft worden. Die American Academy of Pediatrics sieht aber bisher keinen Grund, die Impfung in dieser Altersgruppe nicht mehr zu empfehlen (npr-Bericht; online 17. Juni und PrePub-Paper in „Pediatrics“ 2021; online 18. Juni).

Der Anteil der Corona-Variante Delta (B.1.617.2) ist in Deutschland in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, ihr Anteil liegt jetzt bei 6,2 Prozent, wie aus einem RKI-Bericht hervorgeht. Die Variante, die zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra nachgewiesen wurde, zählt seit Mai 2021 zu den VOC (variants of concern – besorgniserregende Varianten). Delta zeichnet sich unter anderem durch Austausche von Aminosäuren im viralen Spike-Protein aus (L452R, P681R). Die Mutation L452R wird mit einer reduzierten Wirksamkeit der humoralen und zellulären Immunantwort in Verbindung gebracht, heißt es im RKI-Bericht weiter. Darüber hinaus werden die Mutationen mit einer eventuell höheren Übertragbarkeit in Verbindung gebracht. Erste vorläufige Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass vollständige Impfungen mit den derzeitigen Vakzinen einen hohen Schutz gegen schwere Verläufe durch Delta bieten (RKI-Bericht zu Virusvarianten; online 16. Juni). (otc)

Plasma von Rekonvaleszenten verbessert die Überlebenswahrscheinlichkeit von COVID-19-Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen. Das berichten US-Forscher nach Auswertung einer Studie des CCC19 (COVID-19 and Cancer Consortium) mit insgesamt 966 Patienten. Die Studie ergab ein um 48 Prozent geringeres 30-Tage-Sterberisiko für COVID-Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen, die Rekonvaleszentenplasma erhalten hatten (n=143) im Vergleich zu Patienten, ohne diese Behandlung (n=823). Dieser Überlebensvorteil war noch größer bei Patienten, die auf die Intensivstation aufgenommen wurden (um 60 Prozent, n=338) und bei denen, die eine mechanische Beatmung benötigten (um 68 Prozent, n=227) (JAMA Oncol, 2021; online 17. Juni). (otc)

Update vom 17. Juni 2021

Eine dritte Impfdosis kann bei Patienten nach Organtransplantation den Schutz vor COVID-19 verbessern. Nach Organtransplantation zeigen Patienten aufgrund ihrer Immunsuppression häufig nur eine unzureichende Antikörperreaktion auf die ersten beiden Dosen der COVID-19-Impfung. So war es in einer Kohorte von 436 Empfängern von Organtransplantaten nach der 1. Dosis eines mRNA-Impfstoffs (BioNTech/Pfizer oder Moderna) nur bei knapp jedem 5. Patienten zur Bildung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 gekommen. Nach der 2. Dosis erreichte jeder 2. Patient eine Antikörperantwort. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Dorry Segev, Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore. Ganz anders sah es nach Verabreichung einer dritten Dosis (bei 30 Patienten) aus: 6 Personen, die nach zwei Dosen nur wenige Antikörper hatten, erreichten nach einer dritten Injektion hohe Werte, von den 24 Patienten ohne nachweisbare Antikörperreaktion nach der 2. Dosis erreichten 6 einen hohen Antikörpertiter, bei 2 Patienten stieg der Titer leicht an. Bei den übrigen 16 Patienten blieb die Immunreaktion aus. Insgesamt hatten somit 14 von 30 Patienten nach der 3. Dosis eine gute Immunität erreicht, bei 2 weiteren könnte eine leichte Teilimmunität bestehen. Bei 24 Patienten wurde bei der dritten Impfdosis eine andere Vakzine als zuvor eingesetzt: 9 Patienten erhielten den jeweils anderen mRNA-Impfstoff, 15 wurden mit der vektorbasierten Vakzine von Johnson & Johnson geimpft. Ob der Wechsel des Impfstoffs die Immunität verbessert hat, ist unklar (Ann Int Med 2021, online 15. Juni). (otc)

Update vom 16. Juni 2021

Nach der zweiten Impfung mit einer mRNA-Vakzine gegen COVID entwickelt ein Viertel der Patienten eine axilläre Lymphadenopathie. Das berichten Ärzte um Dr. Mehmet Adin von der Yale School of Medicine in New Haven. Die Ärzte hatten sich sämtliche FDG-PET/CT-Scans ihrer Klinik zwischen Dezember 2020 und März 2021 noch einmal angeschaut. Unter knapp 1300 Scans fanden sie auch 68 von Patienten mit einer bekannten COVID-19-Impfung – zu dieser Zeit wurden in den USA nur die beiden mRNA-Vakzinen von Pfizer/BioNTech und Moderna verimpft. Reaktive axilläre Lymphknoten auf der Impfseite fanden die Ärzte bei insgesamt neun Patienten (13 Prozent), und zwar unter 2 von 41 nach der ersten Impfung (5 Prozent) sowie 7 von 27 nach der zweiten (26 Prozent). Mehr als die Hälfte der Patienten mit reaktiven Lymphknoten zeigte im CT auch eine Knotenschwellung. Die Impfung lag bei den Patienten mit reaktiven Knoten im Median zehn Tage zurück, bei denen ohne zwölf Tage, bei einigen Patienten wurde noch einen Monat nach der Impfung eine erhöhte FDG-Aufnahme in den ipsilateralen Lymphkonten beobachtet. Bei Untersuchungen wie einer Mammografie oder einem PET-Scan lohnt es sich also, nach der Impfung zu fragen (JAMA Oncol 2021, online 10. Juni). (mut)

Update vom 15. Juni 2021

Kopfweh, Halskratzen und Rhinorrhoe sind die häufigsten Krankheitszeichen bei Infektionen mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2. Klassische COVID-Symptome wie Fieber, Husten sowie Geruchs- und Geschmacksverlust sind eher selten. Das hat die „Zoe COVID Symptom Study“ ergeben, berichten Forscher des King’s College in London. In der Studie werden Daten der „COVID Symptom Study App“ ausgewertet. Über die vom Unternehmen Zoe entwickelte App können Bürger während der Pandemie verdächtige Symptome melden. Im Vereinigten Königreich hat die starke Verbreitung der besonders kontagiösen Variante aus Indien inzwischen zu steigenden Infektionszahlen trotz hoher Impfraten geführt. Vor allem Ungeimpfte oder nur einmal Geimpfte erkranken dabei. Für junge Menschen fühlt sich die Infektion mit der Delta-Variante mehr wie eine schwere Erkältung an, berichtet die „BBC“. Betroffene seien aber für Mitmenschen infektiös, sie sollten sich testen lassen (Bericht der BBC vom 14. Juni).

Update vom 14. Juni 2021

Hohe COVID-Impfraten bei Erwachsenen bieten auch ungeimpften Kindern einen gewissen Schutz. Das berichten Forscher aus Israel. Das Land hatte bis zum Mai hohe Impfraten bei Erwachsenen und Jugendlichen im Alter ab 16 Jahren. Allerdings blieben in dieser Zeit jüngere Jugendliche und Kinder mangels zugelassener Impfstoffe für diese Altersgruppe ungeimpft. Belegt wurde jetzt: Mit jedem Anstieg der Impfraten bei 16- bis 50-Jährigen in einer Gemeinde um 20 Prozent halbierte sich die Rate positiver Tests bei den ungeimpften Jüngeren. Die Forscher haben sich dabei Registerdaten des israelischen Krankenversicherers Maccabi Healthcare Services aus der Zeit von Dezember bis Anfang März angeschaut, und zwar aus 177 geografischen Regionen des Landes mit unterschiedlich voranschreitenden Impfprogrammen (Nature Med 2021; online 10. Juni). Vorläufige Ergebnisse einer finnischen Studie erbrachten ähnliche Ergebnisse: Dort sanken die Infektionsraten von Haushaltsmitgliedern geimpfter Menschen aus medizinischen Berufen um 8,7 Prozent zwei Wochen nach der ersten Dosis. Zehn Wochen später waren es 42,9 Prozent (medrxiv 2021, online 29. Mai).

Eher pflanzenbasierte Ernährung oder Kost mit viel Fisch war in einer Studie mit geringerem Risiko für schwere COVID-Verläufe assoziiert. Das berichten Forscher der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore, USA. Das Team hat von Juli bis September 2020 besonders infektions-gefährdete Mitarbeiter in Praxen und Kliniken nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Für die internationale Fall-Kontrollstudie in sechs Industrieländern (darunter Deutschland) wurden Daten von 568 Teilnehmern mit COVID-19 ausgewertet (darunter 138 mit moderatem bis schwerem Verlauf). Eine Gruppe von 2316 Teilnehmern ohne COVID-19 diente als Kontrolle. Ergebnis: Mitarbeiter, die ihre Kost als „pflanzenbasiert“ oder „pescetarisch“ angaben, hatten im Vergleich zu Mitarbeitern mit anderer Kost ein um 73 und 59 Prozent verringertes Risiko für einen moderaten bis schweren COVID-Verlauf. Dies könnte ein Hinweis auf einen protektiven Effekt sein, so die Forscher (BMJ Nutrition Prevention & Health 2021; online 7. Juni).

Update vom 11. Juni 2021

Die Hoffnung, dass ASS die Überlebenschancen von COVID-19-Patienten bessert, hat sich nicht erfüllt. Das geht aus der Studie RECOVERY hervor. Damit wird es ASS vermutlich nicht in die Routineversorgung von COVID-Patienten schaffen. Für die Studie wurden 7351 Patienten, die wegen einer SARS-CoV-2-Infektion hospitalisiert wurden, mit ASS 150 mg 1x täglich zusätzlich zur Standardversorgung behandelt. Weitere 7541 Patienten erhielten nur die Standardversorgung ohne ASS. Ergebnis: Bei der 28-Tage-Mortalität gab es keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen (jeweils 17 Prozent starben), auch die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung ließ sich nicht verhindern (21 Prozent mit ASS vs. 22 Prozent ohne ASS). Die Hospitalisierungsdauer war mit ASS geringfügig kürzer (8 vs. 9 Tage), außerdem konnten etwas mehr Patienten innerhalb von 28 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden (75 Prozent mit ASS, 74 Prozent ohne). Studienleiter Professor Peter Horby sieht darin aber keinen Grund für einen Routineeinsatz des Plättchenhemmers: „Obwohl Aspirin mit einem geringen Anstieg der Wahrscheinlichkeit, lebend entlassen zu werden, einherging, scheint dies nicht ausreichend zu sein, einen großflächigen Einsatz für hospitalisierte COVID-19-Patienten zu rechtfertigen.“ Wie zu erwarten, verringerte sich unter ASS-Gabe das thromboembolische Risiko etwas, jedoch auf Kosten eines höheren Risikos für schwerwiegende Blutungen (Preprint medRxiv 2021; online 8. Juni; außerdem Vorab-Pressemitteilung zur Studie, veröffentlicht am 8. Juni). (vsc)

Das PEI hat bisher kein klares Bild in Bezug auf Myokarditiden in Zusammenhang mit mRNA-Impfstoffen. Zwar habe man in den vergangenen Wochen „zunehmend Meldungen über den Verdacht einer Myokarditis oder Perimyokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von COVID-19-mRNA-Impfstoffen erhalten“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Andererseits weise es bezogen auf alle Altersgruppen nicht auf ein Risikosignal hin, wenn man die gemeldeten Fälle zu der Myokarditis-Quote ins Verhältnis setze, die auch ohne Impfung zu erwarten wäre. Dennoch falle bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech auf, „dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die jedoch vermutlich aufgrund der Impfpriorisierung nicht die prozentual größte Impfgruppe ausmachen.“ Bislang gehe es um 92 Fälle. Noch fehlten aber Daten, um zu berechnen, „ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zu erwarten wäre“. Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen mRNA-Vakzinen und Myokarditiden hatte es zunächst aus Israel gegeben. So hält ein Ausschuss des israelischen Gesundheitsministeriums eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung, vor allem der zweiten Dosis, mit einer Myokarditis für wahrscheinlich.

Update vom 10. Juni 2021

Auch doppelt Geimpfte können sich mit SARS-CoV-2 infizieren, das kommt jedoch selten vor. Von solchen Durchbruchsinfektionen berichtet die US-amerikanische Behörde CDC – bis April 2021 wurden 10.262 solcher Fälle gemeldet. Bei etwa 101 Millionen doppelt geimpfter Personen in den USA, so die Angabe der CDC, entspricht das einem Anteil von 0,01 Prozent. Weitere Ergebnisse: 6446 Infektionen (63 Prozent der Durchbruchinfektionen) gab es bei Frauen, das mediane Alter der Patienten betrug 58 Jahre, 2725 Infektionen (27 Prozent) waren asymptomatisch, 995 Patienten wurden hospitalisiert (das entspricht zehn Prozent der Patienten mit Durchbruchinfektion; 0,001 Prozent aller doppelt geimpfter Personen in den USA), 160 Patienten (zwei Prozent der Patienten mit Durchbruchinfektionen) starben. Die CDC schränken ein, dass die sogenannte Dunkelziffer von Durchbruchinfektionen vermutlich höher liegt, besonders bei asymptomatischen Infektionen. Außerdem ist nicht geklärt, in welchem Abstand nach der Vakzinierung die Infektionen erfolgten – denn bekanntlich entfaltet sich der volle Infektionsschutz der Impfung ja erst nach 14 Tagen (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 28. Mai).

Update vom 9. Juni 2021

Erneut keine Hinweise auf eine Schutzwirkung vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 durch die Einnahme von Vitamin D. Das ist das Ergebnis einer Assoziationsstudie kanadischer Wissenschaftler, die sich Genvarianten einer Datenbank angesehen haben, die signifikant mit erhöhten Spiegeln von Vitamin D assoziiert sind. Ergebnis: Unter 14.134 Personen mit einer COVID-19-Erkrankung sowie 1,2 Millionen Personen ohne COVID aus elf europäischen Ländern gab es keine Hinweise darauf, dass genetisch assoziierte erhöhte Vitamin-D-Spiegel einen protektiven Effekt im Hinblick auf COVID-19-Erkrankung (Odds Ratio [OR] 0,95), Hospitalisierung (OR 1,09) oder schweren Krankheitsverlauf (OR 0,97) haben. Eine Vitamin-D-Supplementierung, um das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu verringern, könne auf Basis der Daten also nicht empfohlen werden, schreiben die Forscher um Dr. Guillaume Butler-Laporte von der Universität in Montreal. Sie schränken jedoch ein, dass die Studie keine Aussagen über Patienten mit bestätigtem Vitamin-D-Mangel zulasse (PLoS Medicine 2021; online 1. Juni).

Update vom 8. Juni 2021

Krankenhausaufenthalte wegen COVID-19 sind bei Jugendlichen zwar selten, insgesamt aber dreimal so häufig wie bei Influenza. Das ist das Ergebnis eines Berichts der US-amerikanischen Behörde CDC. Deren Mitarbeiter hatten Daten von 204 Jugendlichen aus 14 US-Staaten im Alter zwischen 12 und 17 Jahren ausgewertet, die zwischen Januar und März 2021 mit einer laborbestätigten COVID-19 hospitalisiert worden waren. Ergebnis: 71 Prozent hatten mindestens eine Grunderkrankung, 31 Prozent wurden auf der Intensivstation aufgenommen, fünf Prozent mussten invasiv mechanisch beatmet werden, kein Jugendlicher starb. Die Wissenschaftler verglichen außerdem die kumulativen Fälle von COVID-19-assoziierten Hospitalisierungen in dieser Altersgruppe zwischen Oktober 2020 und April 2021 mit jenen aufgrund von Influenza aus drei rezenten Influenza-Saisonen (2017/18, 2018/19, 2019/20). Demnach kamen COVID-assoziierte Hospitalisierungen dreimal häufiger vor als Hospitalisierungen aufgrund von Influenza. Die Autoren des CDC-Berichts warnen, Infektionen mit SARS-CoV-2 unter Jugendlichen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und werten die Studienergebnisse als Argument für eine baldige Impfung von Jugendlichen (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 4. Juni).

Update vom 7. Juni 2021

COVID-19 verläuft bei Kindern und Jugendlichen vor allem dann schwer, wenn Betroffene zusätzlich Grunderkrankungen haben. Das bestätigen Forscher der US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC). Sie haben sich in einer Querschnittstudie Registerdaten von 43.465 COVID-Patienten im Alter unter 18 Jahren aus Notaufnahmen von US-Kliniken angeschaut. Mehr als ein Viertel der Patienten hatte Grunderkrankungen: Bei 10,2 Prozent aller Patienten war das Asthma, bei 3,9 Prozent eine neurologische Entwicklungsstörung, bei 3,2 Prozent eine Angststörung, bei 2,8 Prozent Depression und bei 2,5 Prozent Adipositas. Knapp jeder Zehnte (4302) wurden stationär aufgenommen, davon wurden knapp 30 Prozent (1273) auf eine Intensivstation verlegt und 6,4 Prozent (277) mechanisch beatmet. 38 Kinder starben. Die stärksten Risikofaktoren für eine stationäre Einweisung waren Typ-1-Diabetes (adjustierte Risk Ratio [aRR]: 4,6) und Adipositas (aRR: 3,07). Die stärksten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Klinik waren ebenfalls Typ-1-Diabetes (aRR: 2,38) und angeborene Herzfehler (aRR: 1,72). Bei den Unter-Zweijährigen hatten Frühchen das höchste Risiko für einen schweren Verlauf (aRR 1,83). Vor allem auch komplexe Grunderkrankungen steigerten das Risiko für schwere COVID-19 (JAMA Network Open 2021; online 7. Juni).

Update vom 4. Juni 2021

Schlaganfälle bei COVID-Patienten sind deutlich schwerer und treten in jüngeren Jahren auf als bei Nicht-COVID-Patienten. Das berichtet die „Multinational COVID-19 Stroke Study Group“. Für die Beobachtungs-Studie waren Daten von 432 Betroffenen aus 71 Zentren in 17 Ländern ausgewertet worden. Von den Patienten hatten 74 Prozent einen ischämischen und 21 Prozent einen hämorrhagischen Schlaganfall sowie 4 Prozent eine zerebrale venöse oder Sinusvenenthrombose. Ein Viertel der Patienten war jünger als 55 Jahre und ebenfalls ein Viertel hatte keine identifizierbaren vaskulären Risikofaktoren. Von den 283 Patienten mit ischämischem Schlaganfall hatten knapp 45 Prozent nach den sogenannten TOAST-Kriterien einen Verschluss eines großen Gefäßes („large vessel occlusion“) und 10 Prozent eine „small artery occlusion“. Insgesamt hatten 38 Prozent der SARS-CoV-2-Infizierten keine Symptome bei stationärer Aufnahme wegen Schlaganfall (Stroke. 2021; 52: e117).

Eine Therapie mit Methotrexat (MTX) reduziert die Immunogenität des mRNA-Impfstoffs BNT162b2 (Comirnaty®), berichten Forscher von der New York University (USA) und vom Uniklinikum Erlangen. Untersucht wurde die Immunantwort nach der Impfung bei 207 gesunden Probanden sowie 82 Patienten mit immunvermittelten entzündlichen Krankheiten (IMID). Davon wurden 45 mit MTX und 37 mit anderen DMARD (etwa TNF-Hemmer) behandelt. Ergebnis: Ein als adäquat definierter Anstieg der IgG-Antikörper gegen virales Spike-Protein wurde danach nur von 62 Prozent der MTX-Patienten erreicht und damit signifikant seltener als von gesunden Kontrollen (96 Prozent). Bei den IMID-Patienten mit anderen Therapien als MTX war die Immunogenität dagegen nicht reduziert (92 Prozent). Möglicherweise sei bei Patienten unter MTX-Therapie eine alternative COVID-Impfstrategie nötig, so die Autoren, etwa eine dritte Impfdosis oder auch eine Dosisreduktion oder vorübergehendes Aussetzen von MTX. Dies sei aber erst zu prüfen (Ann Rheum Dis. 2021; online 25. Mai). (bs)

Update vom 2. Juni 2021

Defizite bei Geschmacksrezeptoren für Bitterstoffe sind mit schweren COVID-19-Verläufe assoziiert. Das berichten HNO-Ärzte aus Baton Rouge im US-Staat Louisiana. Sie haben zunächst bei 1935 gesunden Probanden mit Bitterstoffen geprüft, wie intensiv sie diesen Geschmack wahrnehmen. 26 Prozent erwiesen sich dabei als „Superschmecker“. 266 Teilnehmer infizierten sich in den Wochen danach mit SARS-CoV-2: 55 Prozent davon waren „Nichtschmecker“ und nur 6 Prozent „Superschmecker“. Unter Betroffenen mit schweren COVID-Verläufen mit stationärer Therapie (jeder fünfte Infizierte) waren 86 Prozent „Nichtschmecker“ und kein einziger „Superschmecker“. Solche „Superschmecker“ sind offenbar vor SARS-CoV-2 geschützt, so die Forscher. Nach ihren Angaben sind Bitterrezeptoren (T2R) auf Flimmerepithelzellen in Nase und Nasennebenhöhlen Teil der angeborenen Immunabwehr. Bei Aktivierung von T2R werde NO freigesetzt, was pathogene Keime tötet und eine erhöhte Zilienschlagfrequenz auslöst. NO verhindere zudem die Fusion des Virus-Spike-Proteins mit dem ACE2-Rezeptor (JAMA Netw Open 2021; online 25. Mai).

In Folge von COVID-19 kann auch Diabetes auftreten, berichtet ein internationales Forscherteam unter Mitwirkung des Universitätsspitals Basel. SARS-CoV-2 kann nach einer Studie nämlich auch die Betazellen im Pankreas befallen. Das Virus nutzt dazu als Eintrittspforte nicht den ACE2-Rezeptor, sondern Neuropilin 1 (NRP1), ergaben Versuche mit kultivierten Beta-Zellen. Infizierte Zellen produzierten danach weniger Insulin und wiesen Zeichen des Absterbens auf. Und: Wenn die Forscher Neuropilin 1 mit einem Hemmstoff blockierten, gelang es dem Virus viel schlechter, in die Zellen einzudringen. Ob sich nach einer überstandenen Infektion der Zuckerstoffwechsel bei allen COVID-Patienten wieder normalisiert, lasse sich noch nicht sicher sagen, berichtet der Pathologe Privatdozent Dr. Matthias Matter von der Universität Basel in einer Mitteilung des Spitals. Es gebe Hinweise, dass bei Betroffenen mit Long-COVID auch mehrere Wochen bis Monate danach noch ein Diabetes festgestellt werden könne (Cell Metabolism 2021; online 18. Mai).

Update vom 1. Juni 2021

Die COVID-19-Mortalität ist bei Parkinsonkranken erhöht, berichten Ärzte aus Bochum. Das Team hat DRG-Daten zu praktisch allen stationären Aufnahmen in deutschen Kliniken vom 16. Januar bis zum 15. Mai 2020 ausgewertet und mit demselben Zeitraum aus dem Vorjahr verglichen. Die Zahl der Parkinsonkranken war unter den COVID-Patienten überproportional hoch: So hatten nur 1,2 Prozent aller Klinikpatienten einen Morbus Parkinson, aber 2,2 Prozent aller COVID-Kranken. Die COVID-Häufigkeit war damit unter Parkinson-Patienten um etwa 80 Prozent erhöht. Und auch die Sterberate von COVID-Patienten mit Parkinson war um etwa 75 Prozent höher als bei COVID-Kranken ohne Parkinson. Dies lässt sich nur zum Teil mit dem höheren Alter der Parkinsonkranken erklären. Vermutet wird auch, dass sich eine parkinsonbedingte Schwäche der respiratorischen Muskeln oder auch eine pneumonie-begünstigende Dysphagie bei SARS-CoV-2-Infektion negativ auswirken könnte (Movement Disorders 2021; 36:1049). (mut)

Update vom 31. Mai 2021

Grundschulen lassen sich bei Lockdown-Erleichterungen relativ sicher öffnen, weiterführende Schulen eher erst, wenn eine Infektionswelle unter Kontrolle ist. Dafür sprechen Infektionsraten nach Schulschließungen, die am Mayanei Hayeshuah Medical Center in St. Bnei Brak in Israel erhoben wurden. In dem Land wurden im Herbst die weltweit höchsten Infektionsraten registriert. Schulen waren dabei nur vom 1. bis zum 14. September und ab 1. November geöffnet. Testergebnisse von 47.620 Null- bis Neun-Jährigen und 101.304 Zehn- bis 19-Jährigen ergaben: Die Jüngeren hatten sowohl im September als auch von November bis Dezember die niedrigsten Infektionsraten im Vergleich zu den älteren Schülern (Null- bis Neun-Jährige: 1,1 und 1,3 Prozent und Zehn- bis 19-Jährige: 3,2 und 1,9 Prozent). Fazit: Während der Schulöffnungen hatten die Grundschüler relativ wenige Infektionen und spielten offenbar auch bei der Weiterverbreitung der Viren keine substanzielle Rolle (JAMA Network Open 2021; online 26. Mai).

Zwei Totimpfstoffe aus inaktivierten SARS-CoV-2 aus China haben sich in einer großen randomisierten Studie als gut wirksam erwiesen. Vorläufige Ergebnisse der Studie in mehreren Golfstaaten sowie in Ägypten und Jordanien haben Forscher der China National Biotec Group Company vorgestellt. Für die eine Vakzine wurde der WIV04-Stamm von SARS-CoV-2 verwendet und für die andere der HB02-Stamm. Je etwa 13.450 Probanden wurden mit je einer der beiden Vakzinen oder mit Placebo (enthielt nur den Aluminiumhydroxid-Wirkverstärker der Impfstoffe) geimpft. Ergebnisse: In der Nachbeobachtungszeit 14 Tage nach der zweiten Dosis erkrankten binnen 77 Tagen 26 Personen in der WIV04- und 21 in der HB02-Gruppe sowie 95 in der Placebogruppe an COVID-19. Daraus wurde eine Schutzwirkung ermittelt von 73 Prozent (WIV04) und 78 Prozent (HB02). Die Studie wird bis zur finalen Datenanalyse fortgeführt (JAMA 2021; online 26. Mai).

Update vom 28. Mai 2021

Auch wenn eine SARS-CoV-2-Infektion milde verläuft, sind die Betroffenen nicht vor schweren Langzeitfolgen gefeit. Das bestätigt eine Untersuchung Kölner Forscher, die 958 Patienten mit überwiegend milden COVID-19-Verläufen durchschnittlich sieben Monate begleitet haben. Vier Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion trat bei neun Prozent der Patienten Kurzatmigkeit auf, zwölf Prozent klagten über eine Geruchsstörung, elf Prozent über einen Geschmacksverlust und zehn Prozent berichteten eine ungewohnte Müdigkeit. Insgesamt hatten 123 von 958 Patienten (13 Prozent) dieses Symptom-Bündel, definiert als Post-COVID-Syndrom (PCS). Frauen waren mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Langzeit-Symptomen waren ein niedrigerer Ausgangswert von SARS-CoV-2-IgG, Riechstörungen sowie Durchfall während der akuten COVID-19-Erkrankung (The Lancet Regional Health - Europe 2021, online 18. Mai).

Live-Indoor-Konzerte mit Maskenpflicht, Tests und an einem gut belüfteten Veranstaltungsort scheinen nicht das Risiko einer SARS-CoV-2-Übertragung zu erhöhen. Das legt eine randomisierte, kontrollierte Open-Label-Studie aus Spanien nahe, bei der keine Übertragung nachgewiesen wurde. Für die Studie wurden alle 960 Teilnehmer kurz vor der Veranstaltung getestet, 465 nahmen danach an dem Konzert teil, 495 gingen ohne Konzertbesuch nach Hause. Bei einer erneuten Testung nach acht Tagen wurde keiner der Konzert-Teilnehmer positiv auf das Virus getestet, aber zwei in der Kontrollgruppe. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass die Prävalenz von Coronavirus-Infektionen in der Region zum Zeitpunkt der Veranstaltung (12.12.20) gering bis mäßig war (221 Fälle pro 100.000 Menschen) (Lancet Infect Dis 2021; online 27. Mai). (otc)

Bei mRNA-Impfungen kann es zu verzögerten Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut kommen. Das zeigt eine Miniatur-Fallserie aus den USA mit Daten von 16 Patienten, die die Moderna-Verkzine erhalten hatten. Die Impflinge hatten allergische Reaktionen an der Einstichstelle entwickelt, im Schnitt sieben Tage nach der Impfung, bei 15 Patienten war die Reaktion nach der ersten Impfdosis aufgetreten. Elf Teilnehmer zeigten zudem eine ähnliche Reaktion nach der Zweitimpfung, im Median zwei Tage nach der Injektion. Die Forscher vermuten, dass die verzögerten allergischen Reaktionen mit der Immunantwort von T-Zellen auf Hilfsstoffe, Lipidnanopartikel oder mRNA-Komponenten des Vakzins zusammenhängen könnten. Sie sehen in den verzögerten lokalen Überempfindlichkeitsreaktionen keine Kontraindikation für eine nachfolgende Impfung (JAMA Dermatol. 2021, online 12. Mai). (js)

Update vom 27. Mai 2021

Bisher besteht Unsicherheit, ob sich durch eine COVID-Impfung bestehende Langzeitfolgen nach SARS-CoV-2-Infektion verschlimmern könnten. Britische Forscher um Dr. David T. Arnold vom North Bristol NHS Trust geben jetzt aber Entwarnung. Ihrer Untersuchung nach führt eine Impfung mit BioNTech/Pfizer- oder AstraZeneca-Vakzine nicht zur Verschlechterung der Symptome bei Patienten mit persistierenden COVID-Langzeitfolgen (8 Monate nach akuter Erkrankung). Im Schnitt berichtete jeder Teilnehmer von vier bestehenden Symptomen, insgesamt wurden 159 Symptome erfasst. Am häufigsten wurden Fatigue (bei 75 Prozent), Kurzatmigkeit (61 Prozent) und Insomnie (53 Prozent) berichtet. Bei den 44 Teilnehmern, die eine Impfstoffdosis erhalten hatten, hatten sich von den 159 vor der Impfung gemeldeten Symptomen 37 (23,2 Prozent) gebessert, nur 9 (5,6 Prozent) verschlechtert und 113 (71,1 Prozent) waren unverändert. Die Teilnehmer waren einen Monat nach der Impfung befragt worden (Ann Int Med 2021, online 25. Mai).

Das angeborene Immunsystem ist wohl kein Treiber für die teilweise überschießende Immunreaktion bei COVID-19. Schwere COVID-19-Krankheitsverläufe gehen ja mit einem entgleisten Immunsystem, einem Zytokinsturm, einher. Entgegen bisheriger Annahmen spielen bei diesen Prozessen Immunzellen der angeborenen Immunantwort wie dendritische Zellen und Makrophagen jedoch offenbar keine relevante Rolle. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts und der Universitätsklinik Freiburg nach in-vitro-Versuchen mit humanen dendritischen Zellen und Makrophagen. Dies sei eine weitere wichtige Erkenntnis auf dem Weg zur Aufklärung der Prozesse, die nach SARS-CoV-2-Infektion zu den teils verheerenden Immunreaktionen führen. Ein besseres Verständnis könnte dazu beitragen, früh Risikopatienten zu erkennen und besser behandeln zu können, ordnen die Forscher ihre Ergebnisse ein (Front Immunol 2021, online 26. Mai). (otc)

Update vom 26. Mai 2021

Gibt es durch COVID-19 mehr Herpes Zoster? Forscher sammeln Daten, um diese Frage zu beantworten. Die Infos zu 27 dokumentierten Zoster-Fällen haben sie jetzt veröffentlicht: 13 Zoster-Erkrankungen traten demnach innerhalb der ersten Woche nach COVID-Diagnose auf, die meisten mit typischem Haut-Befund. In zwei Fällen waren multiple Dermatome betroffen, bei drei Betroffenen kam es zu Nekrosen, und ein Patient entwickelte eine postherpetische Neuralgie. Atypische Zoster-Erkrankungen seien besonders bei COVID-Patienten mit Lymphopenie dokumentiert worden, so die Forscher um Javier Diez-Domingo, FISABIO-Public Health, Valencia. Ob eine COVID-Erkrankung mit einem erhöhten Zoster-Risiko einhergehe, lasse sich momentan noch nicht beantworten (Dermatology and Therapy 2021; online 17. Mai).

Update vom 25. Mai 2021

Fatigue und Müdigkeit sind bei Kindern mit SARS-CoV-2-Infektion und PIMS die häufigsten lang anhaltenden Symptome. Das berichten britische Forscher, die 6-Monats-Daten von 46 Kindern mit PIMS (paediatric inflammatory multisystem syndrome) unter die Lupe genommen haben. Danach waren nach sechs Monaten die meisten PIMS Symptome verschwunden; nur sechs Kinder hatten zu diesem Zeitpunkt noch gastrointestinale Symptome und zwei ein verändertes EKG. Am auffälligsten waren aber Fatigue und Muskelschwäche bei 18 ehemaligen Kindern mit PIMS. Die Studie habe keine Kontrollgruppe; ihre Aussagekraft sei deshalb eingeschränkt, räumen die Forscher ein (The Lancet Child & Adolescent Health; online 24. Mai).

Anakinra könnte zu einer Therapieoption bei COVID-19 werden, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Das legen zumindest vorläufige Ergebnisse der kontrollierten, aber noch nicht begutachteten Studie SAVE MORE nahe, in der knapp 600 – noch nicht intensivpflichtige – COVID-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Pneumonie berücksichtigt worden sind. An Tag 28 war unter anderen die Mortalität bei Therapie mit Anakinra plus Standard um 55 Prozent geringer als bei alleiniger Standardtherapie (3,2 vs 6,9 Prozent). Zudem konnten bei Therapie mit dem IL-1 Rezeptor Antagonisten Patienten im Mittel vier Tage früher von Intensiv entlassen werden (nach 10 statt 14 Tagen) (MedRxiv; online 18. Mai). Ein erhöhtes Risiko für eine schwere Atemwegsinsuffizienz wurde in der Studie anhand erhöhter suPAR (löslicher Plasminogenaktivatorrezeptor vom Urokinase Typ)-Werte identifiziert. suPAR ist ein Biomarker, der eine frühe Immunaktivierung widerspiegelt und bei verschiedenen Erkrankungen mit einer ungünstigen Prognose assoziiert ist. 

Update vom 21. Mai

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ist wohl kein Risikofaktor für eine Infektion mit SARS-CoV-2. US-Wissenschaftler haben Daten eines Mitarbeiter-Screeningprogramms aus den Jahren 2019 (vor der Pandemie) und 2020 (während der Pandemie) analysiert. Insgesamt wurden 18.148 Menschen zwischen 37 und 56 Jahren einbezogen, etwa zwei Drittel davon Frauen. Vor Pandemie-Beginn hatten demnach rund 60 Prozent der Untersuchten ein Vitamin-D-Level von weniger als 30 ng/ml und rund 25 Prozent ein noch niedrigeres (weniger als 20 ng/ml). Bei fünf Prozent der Probanden (900 Personen) wurden im Untersuchungszeitraum (Dezember 2020 bis März 2021) Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen – allerdings zeigte sich unter Berücksichtigung von Risikofaktoren wie BMI und Raucherstatus kein signifikanter Zusammenhang mit einem niedrigen oder sehr niedrigen Vitamin-D-Spiegel. In Deutschland hatte kürzlich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor einer eigenmächtigen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 und schweren COVID-Verläufen gewarnt (JAMA Netw Open 2021; online 19.Mai).

Impfprogramme haben COVID-Fälle in US-Pflegeheimen stark zurückgedrängt. Das berichten Forscher der Brown University School of Public Health in Providence im US-Staat Rhode Island. Sie haben sich die Infektionsraten in 280 Heimen in 21 US-Staaten angeschaut. Bis zum Stichtag 15. Februar wurden alle Heimbewohner drei Kategorien zugeordnet: keine Impfung, eine Impfdosis oder zwei Impfdosen (ausschließlich mit mRNA-Vakzinen). Insgesamt waren bis zum Stichtag 18.242 Bewohner mindestens einmal geimpft worden und davon 13.048 zweimal, 3990 waren bis dahin ungeimpft. Ergebnisse: Von den zweimal Geimpften infizierten sich bis Ende März 1,0 Prozent (bis 14 Tage nach Impfung) und 0,3 Prozent (ab 14 Tage), im Vergleich zu 4,5 und 1,4 Prozent bei den einmal Geimpften. Von den Ungeimpften erkrankten zunächst 4,3 Prozent, nach 42 Tagen ging die Infektionsrate dann auch auf 0,3 Prozent zurück. Die meisten Infektionen waren asymptomatisch. Fazit: Konsequentes Impfen in Pflegeheimen plus Vorsichtsmaßnahmen wie Masken und Abstandsregeln bieten auch (wenigen) ungeimpften Bewohnern Schutz, so die Forscher (NEJM 2021; online 19. Mai).

In afrikanischen Ländern sterben deutlich mehr schwerkranke COVID-19-Patienten als im Rest der Welt. Die Todesrate von intensivmedizinisch versorgten COVID-Patienten innerhalb von 30 Tagen nach Klinikeinweisung liegt in Afrika bei 48,2 Prozent (also fast jeder zweite Patient), im globalen Mittel sind es 31,5 Prozent (etwa jeder dritte Patient). Das hat eine Studie ergeben, die Daten von 64 Kliniken in zehn afrikanischen Ländern untersucht hat. Als Gründe nennen die Autoren die schlechtere medizinische Ausstattung der Kliniken, aber auch die hohe Zahl von Patienten mit Komorbiditäten wie eine HIV-Infektion/AIDS und chronischen Lebererkrankungen (Lancet 2021; online 21. Mai).

Update vom 20. Mai

Bei Krebspatienten ist die T-Zell-Antwort gegen SARS-CoV-2 stark reduziert. Wie Tübinger Forscher berichten, ist zwar die Antikörperantwort gegen SARS-CoV-2 bei Tumorpatienten vergleichbar mit der von Patienten ohne Krebserkrankung. Allerdings zeigen Tumorpatienten – und hier besonders Patienten mit Krebserkrankungen des Blut- und Lymphsystems – deutlich schwächere T-Zell-Antworten gegen SARS-CoV-2. Außerdem ist die Diversität der T-Zell-Antwort stark reduziert. Dies könnte ein Grund für das höhere Risiko für schwere COVID-Verläufe bei Krebspatienten sein. Die Wissenschaftler haben daher den Impfstoff „CoVac-1“ entwickelt, der zur gezielten Induktion einer T-Zell-Antwort besonders bei Tumorpatienten eingesetzt werden kann. Der Impfstoff werde bereits in einer ersten Studie in Probanden evaluiert, berichtet das Universitätsklinikum Tübingen. Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass mit diesem Impfstoff eine sehr starke T-Zell-Antwort erzeugt werden kann (Cancer Discovery 2021; online 19. Mai).

In Deutschland ist der Anteil der südafrikanischen „Variant of Concern“ B.1.351 von einem auf drei Prozent gestiegen. Der Anteil der zuletzt im Fokus stehenden indischen SARS-CoV-2-Variante hingegen liegt weiterhin bei etwa zwei Prozent und damit relativ gering, wie Daten des Robert Koch-Instituts nahelegen. „Insgesamt ist der Anteil der indischen Variante in Deutschland geringer als in Großbritannien, wo sie aktuell in etwa sechs Prozent der sequenzierten Proben detektiert wird“, heißt es dazu in dem Bericht. In Großbritannien hat der Anteil der indischen Variante in den vergangenen Wochen bekanntlich stark zugenommen. Aktuell wird die in Deutschland am stärksten verbreitete „Variant of Concern“, die britische Variante B.1.1.7, in 87 Prozent der untersuchten positiven Proben gefunden, ihr Anteil ist damit im Vergleich zu den Vorwochen leicht zurückgegangen (RKI-Bericht; online 19. Mai).

Update vom 19. Mai

Erstimpfung mit AstraZeneca, Zweitimpfung mit BioNTech/Pfizer: Die heterologe Impfung induziert wohl eine ähnliche Wirksamkeit wie ein homologes Schema. Darauf weisen Ergebnisse der Phase-II-Studie „CombivacS“ mit 663 Personen unter 60 Jahren (Durchschnittsalter: 44 Jahre) hin, von der das spanische Gesundheitsministerium berichtet. Demnach war der Antikörpertiter sieben Tage nach der zweiten Impfung mit Comirnaty® um das 123-Fache gestiegen, an Tag 14 um das 150-Fache. Durch die heterologe Impfung wurde also eine gute Immunantwort erreicht. In der Studie sei zudem in In-vitro-Versuchen die Wirksamkeit der Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen worden, heißt es in der Mitteilung. Auffällige unerwünschte Wirkungen nach der Impfung seien nicht beobachtet worden und denen nach einer homologen Impfung ähnlich gewesen (Mitteilung des spanischen Gesundheitsministeriums, online 18. Mai).

Bei Älteren wird mit einem verlängerten Zeitintervall zwischen den beiden Impfungen mit Comirnaty® eine stärkere Immunantwort induziert. Einer auf dem PrePrint-Server medRxiv publizierte Studie mit 175 Teilnehmern über 80 Jahren zufolge ist ein verlängertes Impfintervall bei der Impfung mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine unkritisch. Ein Teil der Teilnehmer hatte die zweite Dosis nach 3 Wochen erhalten, der andere Teil 3-12 Wochen nach Erstimpfung. Wie die Forscher berichten, war der Antikörpertiter bei den Teilnehmern, die die 2. Dosis verspätet erhalten hatten, 3,5-mal höher. Einen kleinen Nachteil scheint das verlängerte Zeitintervall allerdings zu haben: Die zelluläre Immunantwort war 3,6-fach geringer als bei Impflingen, bei denen der 3-Wochen-Abstand eingehalten wurde (medRxiv 2021; online 17. Mai).

Stillende Mütter, die sich gegen SARS-CoV-2 haben impfen lassen, übertragen den Schutz womöglich auf ihr Kind. In einer Studie wiesen israelische Forscher in der Muttermilch Corona-geimpfter Mütter SARS-CoV-2-spezifische IgG- und IgA-Antikörper nach. Die 88 teilnehmenden Mütter hatten die Vakzine von BioNTech/Pfizer im Abstand von 21 Tagen erhalten – in Israel wird bekanntlich auch die Impfung Schwangerer und Stillender empfohlen. SARS-CoV-2-spezifische IgA-Antikörper wurden in 61,8 Prozent der Muttermilch-Proben zwei Wochen nach der zweiten Impfung nachgewiesen. Bis zur vierten Woche nach Impfung war der Anteil positiver Proben auf 86,1 Prozent gestiegen, sechs Wochen später lag der Anteil noch bei 65,7 Prozent. Die Konzentration SARS-CoV-2-spezifischer IgG-Antikörper nahm dagegen langsamer zu: Bis zur dritten Woche nach Impfung lag der Titer relativ gering, nach der vierten Wochen allerdings wiesen 91,7 Prozent der Proben IgG-Antikörper auf, nach sechs Wochen waren es sogar 97 Prozent (JAMA 2021; 325(19):2013-2014).

Update vom 18. Mai

Ein Fallbericht bestätigt die Therapieempfehlungen bei Thrombosen in Kombination mit Thrombozytopenie nach Impfung mit vektorbasierten COVID-Impfstoffen. Eine VITT (Vakzine-induzierte thrombotische Thrombozytopenie) ist bekanntlich eine sehr seltene Komplikation im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung mit verschiedenen vektorbasierten COVID-Vakzinen. Gibt es nach einer Impfung Hinweise auf eine solche Komplikation (VIPIT, Vakzine-induzierte prothrombotische Immunthrombozytopenie), können jedoch erfolgreich Therapiemaßnahmen ergriffen werden, wie der Fall einer Patientin an der Medizinischen Universität Wien bestätigt. Wie die Ärzte berichten, habe sich die Patientin nach Behandlung mit hochdosiertem Immunglobulin-Konzentrat i.v. (IVIG, 1g/kg), Kortison (Prednisolon 75 mg/kg) und HIT-kompatibler Antikoagulation (Danaparoid) wieder erholt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie hat gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften kürzlich einen Leitfaden zur Therapie von Gerinnungsstörungen unter Gabe der AstraZeneca-Vakzine herausgegeben. Darin wird ebenfalls betont, dass der erste Test im diagnostischen Algorithmus ein Screening auf heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) ist. Bis zum Ausschluss einer HIT sollte, sofern möglich, auf eine Antikoagulation mit Heparinen verzichtet und auf HIT-kompatible Präparate ausgewichen werden: Danaparoid, Argatroban, direkte orale Antikoagulantien (DOAK) und gegebenenfalls Fondaparinux. Die Labordiagnostik sollte dabei unbedingt vor der Gabe von IVIG veranlasst werden, da hochdosierte Immunglobuline zu einem falsch negativen Testergebnis führen können. IVIG könnten in einer Dosierung von 1 g/kg Körpergewicht pro Tag an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gegeben werden (Mitteilung der MedUni Wien, online 17. Mai).

Update vom 17. Mai

COVID-19-Patienten profitieren wohl nicht von organprotektiven Effekten eines SGLT2-Hemmers wie Dapagliflozin. Das berichtete Dr. Mikhail Kosiborod vom Saint Luke’s Mid America Heart Institute in Kansas City beim diesjährigen ACC-Kongress. Geprüft wurde Dapagliflozin gegen Placebo bei hospitalisierten, zum Zeitpunkt der Klinikaufnahme allerdings nicht kritisch erkrankten Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion und kardiometabolischen Risikofaktoren. Einer von zwei primären Studienendpunkten war die Häufigkeit von schwerwiegenden respiratorischen, kardiovaskulären oder renalen Ereignissen sowie von Todesfällen in den ersten 30 Tagen. Die entsprechenden Ereignisraten betrugen 11,2 Prozent (Dapagliflozin, 70 Ereignisse) und 13,8 Prozent (Placebo, 86 Ereignisse) – ein nicht signifikanter Unterschied. Auch beim zweiten primären Endpunkt, der vor allem durch die Zeit bis zur Klinikentlassung vor dem 30. Tag getrieben war, unterschieden sich beide Gruppen nicht. Zumindest eine Lehre für die Praxis lässt sich nach Ansicht der Autoren aus der Studie aber ziehen: Angesichts einer numerisch geringeren Rate an schweren Komplikationen unter Dapagliflozin, das zudem gut vertragen wurde und sich als sicher erwies, werde die gelegentlich zu hörende Empfehlung, SGLT2-Hemmer im Fall einer COVID-19-Erkrankung sicherheitshalber abzusetzen, nicht gestützt (ACC Session 406-11, vorgestellt am 16. Mai). (ob)

Update vom 14. Mai

Wird für die beiden Corona-Impfungen die Vektor-Vazine von AstraZeneca mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech zu kombiniert, könnte dies zu mehr systemischen Impf-Nebenwirkungen führen. Darauf schließen zumindest britische Forscher, die Impf-Nebenwirkungen bei etwa 460 Probanden (Alter über 50 Jahre) dokumentiert haben, aus Zwischenergebnissen ihrer Studie. Alle Teilnehmer wurden zweimal – im Abstand von vier Wochen – geimpft. Es wurden vier Impf-Schemata verglichen: zweimalige Impfung mit AstraZeneca, zweimalig BioNTech, AstraZeneca gefolgt von BioNTech und – umgekehrt – BioNTech gefolgt von AstraZeneca. Nach der Booster-Impfung mit gleicher Vakzine wie bei der Erstimpfung hätten sich 10 Prozent (AstraZeneca) und 21 Prozent (BioNTech) der Probanden fiebrig gefühlt, nach Booster-Impfung mit jeweils der anderen Vakzine 34 Prozent (AstraZeneca gefolgt von BioNTech) und 41 Prozent (BioNTech, dann AstraZeneca), so die Forscher. Ähnliches sei etwa für die Symptome Fatigue, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen beobachtet worden (The Lancet; online 12. Mai). (mal)

Update vom 12. Mai

Von der Einstellung der Eltern gegenüber der COVID-19-Impfung hängt ab, ob der Nachwuchs geimpft wird oder nicht. Dieses – wenig überraschende – Umfrageergebnis präsentieren Forscher des KFF COVID-19 Vaccine Monitor (online 6. Mai). 58 Prozent der Eltern, die sich selbst nicht impfen lassen wollten, waren auch gegen eine Impfung des eigenen Nachwuchses. Einer solchen Impfung des Nachwuchses standen aber auch vier Prozent der Eltern, die sich selbst schon hatten impfen lassen oder dies geplant hatten, ablehnend gegenüber. Die KFF (Kaiser Family Foundation) betreibt als gemeinnützige Organisation Forschung zu Themen der Gesundheitsversorgung. (mal)

Eine Schluckimpfung gegen COVID-19 ist – wenn überhaupt – noch in weiter Sicht. Neben den Atemwegen gilt ja der Darm als wichtiges Einfallstor von SARS-CoV-2 in den menschlichen Körper. Die Immunantwort des Darmes reicht für eine systemische Immunität möglicherweise aber nicht aus, melden Forscher der Uni Erlangen-Nürnberg (Frontiers in Immunology 2021; 20. April). In ihrer Studie haben sie die Immunzellen in Blutproben von COVID-Patienten, von Genesenen und von Gesunden unter die Lupe genommen. Lymphozyten, die durch die Immunantwort des Darmes entstanden sind, ließen sich dabei anhand des Markers a4b7 integrin erkennen. Unabhängig davon, ob COVID-Patienten gastrointestinale Symptome hatten oder nicht, fanden die Forscher relativ wenige Immunzellen mit diesem Marker in den Blutproben. (mal)

Update vom 11. Mai

Langfristige Gesundheitsstörungen von rein ambulant versorgten COVID-Patienten betreffen vor allem die Atemwege und die Blutgerinnung. Das folgern dänische Forscher nach Analyse der Daten von knapp 9000 COVID-Patienten und etwa 81.000 negativ auf SARS-CoV-2 getesteten Kontrollen (Lancet Infect Dis; online 10. Mai). Bei allen Studienteilnehmern waren gesundheitliche Probleme dokumentiert worden, die frühestens zwei Wochen und spätestens sechs Monate nach dem Coronatest aufgetreten waren und zum Kontakt mit einer stationären Einrichtung ohne stationäre Aufnahme geführt hatten. Dyspnoe war demnach bei 1,2 Prozent (Erkrankte) und 0,7 Prozent (Kontrollgruppe) diagnostiziert worden, venöse thromboembolische Ereignisse bei 0,2 und 0,1 Prozent. Auch wurden COVID-Patienten im weiteren Verlauf etwas häufiger kurz wirksame Bronchodilatatoren (1,7 Prozent versus 1,3 Prozent) und Triptane (0,4 Prozent versus 0,3 Prozent) neu als Pharmakotherapien verordnet. (mal)

Wie häufig sind Komplikationen bei nasopharyngealer Probenentnahme für Tests auf COVID-19? Finnische Forscher liefern dazu jetzt Daten auf Basis von Abstrichen bei fast 643.300 Personen: Auf 100.000 Tests kamen danach 1,24 Fälle mit Komplikationen. Acht Personen, sieben Frauen und ein Mann hatten sich aufgrund von Komplikationen in der HNO-Notfallambulanz vorgestellt. Bei vier von ihnen waren nach der Probenentnahme Blutungen aufgetreten, bei vier weiteren war das Teststäbchen zerbrochen und in der Nase geblieben. Die abgebrochenen Stäbchenteile wurden endoskopisch unter Lokalanästhesie entfernt, die Blutungen medikamentös, mit Tamponaden oder mit einem endovaskulären Eingriff gestillt. Bei drei Patienten traten lokale Infektionen der Wunde auf, einer entwickelte eine systemische Entzündung. In einem Fall kam es zur Perforation der Nasenscheidewand, vermutlich durch den Einsatz von Tamponaden. Die Hälfte der Blutungen wurde mit einem Hämoglobinspiegel unter 6,5 g/dl als potenziell lebensbedrohlich eingestuft. Drei Patienten benötigten Bluttransfusionen (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg; online 29. April). (sj)

Update vom 10. Mai

Eine Therapie mit NSAR verschlechtert die Prognose bei COVID-19 wohl nicht. Das folgern britische Forscher auf Basis der Ergebnisse einer Kohortenstudie, in der rund 72.200 COVID-19-Patienten berücksichtigt wurden (The Lancet Rheumatology; online 7. Mai). Etwa 4200 davon hatten zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme oder innerhalb der zwei Wochen zuvor eine NSAR-Therapie. Beim Vergleich der stationären Verläufe ergab sich kein signifikanter Unterschied – weder bei der Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Therapie, dem Bedarf einer Sauerstofftherapie, noch bei der Mortalität. (mal)

Bei autoimmuner, chronisch-entzündlicher Erkrankung muss bei COVID-Impfung mit Comirnaty® mit einer schlechteren Immunantwort gerechnet werden als bei Gesunden. In einer Studie des Deutschen Zentrums Immuntherapie am Uniklinikum Erlangen mit knapp 270 Probanden hatte nur einer von 100 Gesunden keine neutralisierenden Antikörper entwickelt; bei Patienten mit einer Immuntherapie traf dies dagegen für einen von zehn zu (Annals of the Rheumatic Diseases; online 6. Mai). Dabei seien etwaige entzündungshemmende Therapien offensichtlich gar nicht die Ursache für das verminderte Ansprechen mancher Patienten, so die Autoren, sondern die Erkrankung an sich. (mal)

Nicht nur unter, sondern auch über 60-jährige Frauen haben bei Impfung mit der AstraZeneca-Vakzine wohl ein erhöhtes Risiko für Sinus- und Hirnvenenthrombosen. Das ist ein Ergebnis einer Studie, in der Neurologen aus Deutschland die Daten von 62 Patienten mit zerebrovaskulären Komplikationen innerhalb eines Monats nach COVID-Impfung ausgewertet haben (medRxiv, BMJ; online 4. Mai). Die Inzidenzrate von Hirnvenenthrombosen beträgt danach bei über 60-jährigen Frauen 20,5/100.000 Personenjahre und 24,2/100.000 bei unter 60-jährigen Frauen. (sj)

Update vom 7. Mai

Comirnaty® schützt sowohl vor symptomatischer als auch vor asymptomatischer COVID-19. Das legt eine Studie aus Israel mit Daten von über 6000 Klinikmitarbeitern nahe. 88,7 Prozent hatten zumindest eine Dosis des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer erhalten, darunter 82,2 Prozent, die die vollständige Grundimmunisierung mit zwei Dosen erhalten hatten. 11,3 Prozent der Klinikmitarbeiter waren ungeimpft. Alle Mitarbeiter wurden regelmäßig per PCR auf eine SARS-CoV-2-Infektion gescreent, daher konnten in allen Gruppen sowohl symptomatisch als auch asymptomatisch verlaufende Infektionen erfasst werden. Ergebnis: Der Schutz vor symptomatischer Infektion lag ab Tag 7 nach der 2. Impfdosis bei 97 Prozent, vor asymptomatischer Infektion bei 86 Prozent (JAMA 2021; online 6. Mai).

Update vom 6. Mai

Der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer ist offenbar auch gut wirksam gegen die Coronavirus-Problemvarianten aus Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351). Das berichten Ärzte der „Weill Cornell Medicine-Qatar“. In dem Emirat waren ab März fast ausschließlich die beiden Varianten von SARS-CoV-2 aufgetreten. So wurden B.1.351 Anfang des Monats in etwa 50 Prozent und B.1.1.7 in 44,5 Prozent der Stichproben nachgewiesen. Anhand landesweiter Registerdaten ergab sich in dieser Zeit zwei Wochen nach der zweiten Dosis eine Impfstoff-Wirksamkeit allgemein gegen B.1.1.7-Infektionen von 89,5 Prozent, gegen B.1.351 waren es 75,0 Prozent. Insgesamt ergab sich ein genereller Impfschutz gegen schwere (und tödliche) COVID-19-Verläufe im März von 97,4 Prozent. Etwas geringer sei der Impfschutz nach den Daten in einer Kohortenstudie gewesen, so die Autoren: 87 Prozent gegen B.1.1.7 und 72 Prozent gegen B.1351. Bis Ende März waren nahezu 386.000 Einwohner einmal und 265.00 zweimal geimpft worden. Durchbruchsinfektionen wurden dabei selten registriert: 6689 bei einmal und 1616 bei zweimal Geimpften. Die reduzierte Wirksamkeit bei B.1.351 scheine nicht zur Zunahme schwerer Erkrankungen und Todesfälle zu führen, so die Ärzte (NEJM 2021; online 5. Mai).

Daten aus Israel sprechen für hochwirksamen Schutz von Comirnaty® gegen die britische Problemvariante B.1.1.7. Israelische Forscher haben sich Surveillance-Daten von Ende Januar bis Anfang April aus dem Impfprogramm mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine angeschaut. In dieser Zeit war B.1.1.7 die dominierende Variante, und es gab bereits über 6,5 Millionen komplett Geimpfte im Alter ab 16 Jahre. In der Bevölkerung wurden in dieser Zeit registriert: 232.268 SARS-CoV-2-Infekte, 7694 COVID-19-Hospitalisierungen, 4481 schwere bis kritische Verläufe und 1113 COVID-19-Todesfälle. Daraus ergaben sich tägliche Inzidenzen von 91,5 SARS-CoV-2-Infektionen pro 100.000 Ungeimpfte und von 3,1/100.000 Geimpfte (ab sieben Tage nach der zweiten Dosis). Insgesamt wurden ermittelt: 97 Prozent Schutz vor symptomatischer COVID-19, 97,2 Prozent vor Hospitalisierung, 97,5 Prozent vor schweren und 96,7 Prozent vor tödlichen Verläufen. Nach der ersten Dosis betrugen die Schutzraten: 58 Prozent (vor Infektion), 76 Prozent (vor Hospitalisierung) und 77 Prozent (vor tödlichem Verlauf) (Lancet 2021; online 5. Mai).

Update vom 4. Mai

Im Lockdown mit Ausgangssperre reduzierten Jugendlichen ihren Drogenkonsum nicht. Außerdem haben körperliche Aktivitäten in dieser Zeit deutlich abgenommen. Forscher aus Kalifornien haben in einer prospektiven Kohortenstudie etwa 1000 Schüler der 9. und 10. Klassen vor der Pandemie (März 2019 bis Februar 2020) und danach (bis September 2020) regelmäßig zum Konsum von E-Zigaretten, Tabak, Alkohol und Cannabis sowie zu Sport und Bewegung befragt (über „personalized survey links“). Mitte März 2020 war in dem US-Staat eine Ausgangssperre verfügt worden. Während des Lockdown nahm der Konsum von Freizeitdrogen (binnen 30 Tagen vor einem Interview) nach Angaben der Jugendlichen nicht wesentlich ab. Der Anteil körperlich aktiver Jugendlicher (≥5 Tage mit Aktivitäten/Woche) ging aber deutlich zurück, von 53 Prozent vor Ausgangssperre auf 38 Prozent danach. Drogen-Prävention und Ausstiegshilfen bei Jugendlichen seien während des Lockdown unbedingt weiterzuführen, so die Forscher. Zudem seien verstärkte Maßnahmen zur Steigerung von Sport und Bewegung in der Altersgruppe nötig (JAMA Pediatr 2021; online 3. Mai).

Bewegungsmangel ist mit einem höheren Risiko für schwere COVID-Verläufe assoziiert. Das haben Forscher des US-Krankenversicherers Kaiser Permanente anhand der Registerdaten von über 48.000 corona-kranken Erwachsenen aus der Zeit von Januar bis Oktober 2020 belegt. Die Patienten waren anhand eigener Angaben zu regelmäßiger körperlicher Aktivität drei Gruppen zugeordnet (Pro Woche ≤10 Minuten Aktivität; 11-149 Minuten; ≥150 Minuten [Leitlinien]). Die weitgehend Inaktiven hatten im Vergleich zu den leitlinien-konformen Patienten ein mehr als verdoppeltes Risiko für Klinikeinweisungen (odds ratio, OR: 2,26) sowie für einen tödlichen Verlauf (OR 2,49). Auch das Risiko für die Verlegung auf die Intensivstation war deutlich höher (OR 1,73). Etwas weniger erhöht waren die Risiken der Inaktiven im Vergleich mit mäßig Aktiven. Die Forscher appellieren an Gesundheitsdienste, verstärkt den Schutz durch körperliche Bewegung anzusprechen (Br J Sports Med 2021; online 13. April).

Update vom 3. Mai

Eine SARS-CoV-2-Infektion bei Schwangeren ist mit Komplikationen beim Neugeborenen assoziiert. Das bestätigt eine prospektive Kohortenstudie aus Schweden von Forschern des Karolinska Instituts. Anders als in der „INTERCOVID Multinational Cohort Study“ mit (zum Teil) Daten aus Entwicklungsländern, liegt hier eine Studie aus einem Industrieland vor. Analysiert wurden Daten von über 88.000 Neugeborenen. Darunter waren 2323 Babys (1,6 Prozent) von SARS-CoV-2–positiven Müttern. Bei den Kindern infizierter Mütter gab es im Vergleich zu Kindern nicht-infizierter Mütter etwas mehr Frühgeburten <37 SSW (8,8 vs. 5,5 Prozent), Aufnahmen auf die Neonatologie (11,7 vs 8,4 Prozent) sowie Fälle von Lungenversagen (1,2 vs 0,5 Prozent) und Hyperbilirubinämie (3,6 vs 2,5 Prozent). Auch war die Mortalität bei Kindern infizierter Mütter leicht erhöht (0,30 vs 0,12 Prozent), dieser Unterschied war aber statistisch nicht signifikant. 21 Kinder infizierter Mütter waren selbst SARS-CoV-2-positiv, 12 davon gesund. Angeborene Pneumonie trat nicht auf. Die neonatale Morbidität bei SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft war damit in der Studie signifikant, aber gering erhöht, so die Autoren (JAMA 2021; online 29. April).

Bei MS-Patienten mit B-Zell-Depletion ist die Produktion von SARS-CoV-2-Antikörpern reduziert. Das berichten niederländische Forscher vom „MS Center Amsterdam“. Sie haben 546 Patienten in dem Zentrum auf SARS-CoV-2-Antikörper untersucht, um die Prävalenz asymptomatischer Infektionen und die Immunantwort auf COVID-19 zu untersuchen. Ergebnis: 64 MS-Patienten waren Antikörper-positiv (12 Prozent), neun davon hatten keinerlei COVID-Symptome gehabt. Die Rate asymptomatischer COVID sei damit ähnlich hoch wie in der Normalbevölkerung. Bei Therapie mit injizierbaren Medikamenten (Interferon β und Glatiramer-Acetat) fanden sich seltener Antikörper als bei anderen Therapien. Zudem war der Median der Antikörper-Antwort bei Patienten mit Ocrelizumab-Therapie deutlich geringer als bei Patienten mit anderen Therapien. Bei allen diesen Patienten war im Vorfeld eine B-Zell-Depletion festgestellt worden. Eine Hypogammaglobulinämie lag bei ihnen nicht vor. Fazit der Autoren: B-Zell-Depletion könnte sowohl den Schutz nach durchgemachter Krankheit als auch nach Impfung beeinträchtigen (JAMA Neurology 2021; online 30. April).

Update vom 30. April

Krebskranke sollten möglichst binnen drei Wochen nach der ersten COVID-Impfung mit Comirnaty® die zweite Dosis bekommen. Dafür sprechen Studien aus Frankreich und Großbritannien. Forscher von der Polyklinik Saint Jean bei Nizza haben bei 112 Patienten mit soliden Tumoren unter Krebstherapie sowie bei 30 gesunden Menschen jeweils drei bis vier Wochen nach der ersten und der zweiten Impfdosis die Konzentration der induzierten Antikörper bestimmt. Nach der ersten Dosis waren solche Antikörper bei 48 Prozent der Krebspatienten nachweisbar, nach der zweiten Dosis waren es 95 Prozent. Bei allen gesunden Menschen wurde eine solche Serokonversion bereits nach der ersten Dosis erzielt. Ähnliche Ergebnisse gab es in einer britischen Studie vom Francis Crick Institute in London. Für einen verbesserten Impfschutz bei Krebs schlagen die Ärzte dort ein Intervall von maximal drei Wochen zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis vor (statt bis zu zwölf Wochen). Außer einem hämatologischen Tumor scheint nach dieser Studie eine systemische Krebstherapie in zeitlicher Nähe zur Impfung besonders ungünstig zu sein, vor allem eine Behandlung mit Checkpointhemmern plus Chemotherapie sowie mit Steroiden (Ann Oncol 2021; online 28. April und Lancet Oncol 2021; online 27. April). (mut)

Mit dem BMI steigt bei Erwachsenen auch das Risiko für einen schweren COVID-Verlauf. Das hat eine britische Analyse der Registerdaten von 6,9 Millionen Engländern und über 20.000 COVID-Patienten aus der ersten Pandemiewelle ergeben. Mit den Erkrankungen verbunden waren 13.503 stationäre Aufnahmen, 1601 Verlegungen auf die Intensivstation (ICU) und 5479 Todesfälle. Alter war in der Studie der dominierende Riskofaktor: Die weitaus meisten schweren Verläufe trafen Menschen über 60 (72 Prozent der Klinikeinweisungen, 56 Prozent der ICU-Verlegungen und 93 Prozent der Todesfälle). In viel geringerem Maß, jedoch als unabhängiger Risikofaktor wuchs das Risiko für solche schweren Verläufe aber auch mit dem BMI, und zwar von 0,1 Prozent mit zunehmendem Normalgewicht (ab BMI 23) auf 0,2 Prozent bei Übergewicht (BMI 25-30) und 0,3 Prozent bei Adipositas (BMI ab 30). Die Risikosteigerung durch höheres Gewicht war besonders ausgeprägt bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe sowie bei der jüngsten untersuchten Gruppe (20-40-Jährige) (Lancet Diab & Endocrinol 2021; online 28. April).

Update vom 29. April

Die mRNA-Impfstoffe verhindern zu 94 Prozent Klinikeinweisungen von Senioren, berichtet die US-Seuchenbehörde CDC. Ergebnisse aus klinischen Studien zu den Vakzinen von BioNTech/Pfizer und Moderna bestätigen sich somit in der realen Welt. Analysiert wurden Daten von 187 COVID-Patienten ab 65 Jahren. Diese waren zwischen Januar und März stationär behandelt worden. Nach den Daten bestand bereits zwei Wochen nach der ersten Dosis ein Schutz von 64 Prozent. Die Ergebnisse belegten aber auch, dass die Schutzwirkung erst zwei Wochen nach der ersten Dosis besteht, und in dieser Zeit noch ein hohes Risiko für eine schwere Erkrankung vorliegt, warnt die CDC (MMWR 2021; online 28. April).

Schon eine COVID-Impfdosis reduziert das Risiko für Transmissionen von SARS-CoV-2 im Haushalt um 38 bis 49 Prozent. Das hat eine vorläufige, noch nicht begutachtete Analyse des Public Health England (PHE) zu den Impfstoffen Comirnaty® und Vaxzevria® ergeben. In der Studie waren 57.000 Kontakte von Impflingen in 24.000 Haushalten mit Fällen laborbestätigter COVID-19 mit fast einer Million Kontakten von Ungeimpften verglichen worden. Dabei wurde bei Geimpften und Ungeimpften die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Weitergabe des Virus untersucht. Bei den Impflingen ergab sich – unabhängig vom Alter – 14 Tage nach einer Dosis ein COVID-Schutz von 60 bis 65 Prozent (PHE-Meldung vom 26. April mit Link zur Studie).

Update vom 28. April

Neugeborene mit SARS-CoV-2-Kontakt über die Mutter haben ein hohes Risiko für Komplikationen. In einer Studie aus den USA wurde der Gesundheitszustand von 255 Neugeborenen infizierter Mütter analysiert. Die Mütter waren 14 Tage bis 72 Stunden vor Geburt positiv getestet worden. Lediglich 2,2 Prozent der Kinder hatten sich bei der Geburt mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass sich die Corona-Infektion der Mutter deutlich auf den Gesundheitszustand des Kindes auswirkt: 19,2 Prozent der Neugeborenen mussten wiederbelebt werden, 24,3 Prozent kamen mit einem geringen Geburtsgewicht (<2500 g), oder vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Vier Neugeborene (1,6 Prozent) hatten eine Enzephalopathie, eins von ihnen starb. Alle vier waren negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden und die Mütter hatten nur milde COVID-19-Symptome. In der Gesamtschau zeigte sich, dass die Neugeborenen ein höheres Risiko für Komplikationen haben, wenn sich die COVID-19-Erkrankung der Mutter so stark verschlechterte, dass eine Einleitung der Geburt oder ein Kaiserschnitt indiziert war (JAMA Netw Open 2021; online 23. April).

Update vom 27. April

Junge Männer haben nach asymptomatischer SARS-CoV-Infektion offenbar ein höheres Risiko für einen akuten ischämischen Schlaganfall (AIS). Ärzte aus Singapur haben eine Fallserie von 18 Betroffenen im Alter von 35 bis 50 Jahre vorgestellt. Alle waren Gastarbeiter aus Indien und Bangladesch und in Wohnheimen untergebracht. Bei allen war ein SARS-CoV-2-Antikörpertest positiv gewesen, keiner hatte COVID-19-Symptome gehabt. Binnen 0 bis 130 Tagen (Median: 54) nach dem Test erlitten sie einen AIS, zehn davon mit Verschluss eines großen Gefäßes. Nur bei drei Patienten war der Embolus wahrscheinlich kardialen Ursprungs. Mit den Daten wurde in der Gruppe aller Gastarbeiter in Singapur (n=54.485) eine jährliche Inzidenzrate von knapp 83 AIS-Fällen pro 100.000 errechnet. Zum Vergleich: In einer nach Alter, Geschlecht und Ethnie gematchten historischen Gruppe war die Rate mit 38/100.000 deutlich geringer. AIS könnte eine neue Long-COVID-Komplikation sein, so die Ärzte (JAMA Netw Open 2021, online 22. April).

Ivermectin hat keinen Einfluss auf die Dauer einer milden COVID-19, berichten Ärzte aus Cali in Kolumbien. Sie haben in einer randomisierten, doppelblinden Studie 476 Betroffene je zur Hälfte über fünf Tage (ambulant oder stationär) mit dem Wirkstoff (300 μg/kg KG) oder mit Placebo behandelt. Alle hatten vorher bis zu sieben Tage milde COVID-19-Symptome gehabt. Bei den Ergebnissen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede: Die mittlere Zeit bis zur Symptomfreiheit betrug zehn (Verum) und zwölf Tage (Placebo). Nach 21 Tagen hatten 82 Prozent (Verum) und 79 Prozent (Placebo) keine Symptome mehr. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Kopfweh, und zwar bei 52 Prozent (Ivermectin) und 56 Prozent (Placebo). Bei je zwei Patienten in jeder Gruppe kam es zu einem Multiorganversagen (JAMA 2021; 325(4):1426-1435).

Update vom 26. April

Die besorgniserregende britische Variante B.1.1.7 von SARS-CoV-2 dominiert mittlerweile in Deutschland, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Demnach wurde die Variante in der Woche bis zum 18. April in 93 Prozent von bundesweit 54.361 Proben isoliert. Solche „Variants of Concern“ (VOC) sind ansteckender und weisen als wichtige Gemeinsamkeit die Mutation N501Y auf. Zu den VOC gehören neben B.1.1.7 unter anderem auch die Varianten B.1.351 und P.1. Die südafrikanische Variante B.1.351 ist in Deutschland laut RKI zufolge derzeit nicht stark verbreitet, die brasilianische Variante P.1 sei nur vereinzelt nachgewiesen worden. „Stetig werden neue Virusvarianten entdeckt, deren Ausbreitung vom RKI genau beobachtet und deren Eigenschaften hinsichtlich Übertragbarkeit oder Impfwirksamkeit genau untersucht werden“, heißt es in dem Bericht (RKI-Bericht zu VOC, online 21. April).

Während der Schul- und Kitaöffnungen im Herbst 2020 gab es in Israel offenbar nur geringe Infektionsraten bei kleinen Kindern. Das berichten Forscher um Dr. Imo Somekh vom Mayanei Hayeshuah Medical Center, die den Einfluss der Öffnungen besonders in der Altersgruppe 0-9 Jahre untersucht haben. Dabei griffen sie auf Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zurück. Nach den Sommerferien, als in Israel die Inzidenzzahlen sehr hoch waren, öffneten am 1. September Kindergärten und Schulen wieder. Am 14. April kam es zu einem landesweiten kompletten Lockdown, der zwei Wochen dauerte. Am 1. November öffneten Kindergärten und Schulen erneut. Sowohl im September als auch im November lag die Inzidenzrate bei den 0-9-Jährigen im Vergleich zu den übrigen Altersgruppen am niedrigsten, berichten die Forscher. Im November sei es zwar zu einem leichten Anstieg gekommen, dieser fiel im Vergleich mit den übrigen Altersgruppen allerdings signifikant geringer aus. „Schulöffnungen für diese Altersgruppe scheinen sicher zu sein“, lautet daher ihr Fazit. Für die Altersgruppe der 10-19-Jährigen dagegen seien vermutlich Schulöffnung nur in Zeiten sicher, in denen die Pandemie unter Kontrolle ist (JAMA Network Open 2021; online 26. April).

Update vom 23. April

Für Schwangere und ihr Kind bedeutet COVID-19 ein hohes Risiko. Das hat die „INTERCOVID Multinational Cohort Study“ unter Leitung der Universität Oxford in Großbritannien ergeben. In der Studie in 18 Ländern waren von März bis Oktober 2020 die Verläufe von Schwangerschaft und Geburt bei 706 Frauen mit und 1424 Frauen ohne COVID-19 (Kontrollgruppe) verglichen worden. Für Betroffene ergab sich im Vergleich zu Nicht-Betroffenen ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen: Präeklampsie/Eklampsie (relatives Risiko, RR: 1,76), schwere Infektionen (RR 3,38), Verlegung auf Intensivstation (RR, 5,04) und Frühgeburten (RR 1,59). COVID-19 verlief bei 59 Prozent der Betroffenen ohne Symptome. Bei ihnen waren aber die Risiken von Müttersterblichkeit (RR 1,24) und Präeklampsie (RR 1,63) im Vergleich höher. Etwa jedes achte Kind einer Mutter mit COVID-19 wurde infiziert. Das Risiko dafür wurde durch Sectio (RR 2,15), aber nicht durch Stillen (RR 1,10) erhöht (JAMA Pediatr 2021; online 22. April).

Die verfügbaren mRNA-Impfstoffe sind in der Schwangerschaft wohl sicher. Dafür sprechen vorläufige Ergebnisse einer Analyse bei über 35.000 Frauen in den USA. Diese waren von Mitte Dezember bis Ende Februar während oder kurz vor einer Schwangerschaft geimpft worden. Die Daten zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna stammen überwiegend vom Monitoring-System „V-safe“ zur Coronavirus-Impfstoffsicherheit. Teilnehmer des Programms der US-Centers for Disease Control (CDC) nutzen eine Smartphone-App, mit der sie regelmäßig zur Gesundheit und zu möglichen Impf-Nebenwirkungen befragt werden. Die Schwangeren gaben dabei dieselben Impfreaktionen wie Nicht-Schwangere an, also Fatigue, Kopfweh und Myalgien. Schmerzen an der Injektionsstelle wurden im Vergleich etwas häufiger genannt, ebenso Übelkeit oder Erbrechen nach der zweiten Dosis. Bis Ende Februar hatten 827 Frauen die Schwangerschaft beendet, 86 Prozent mit einer Lebendgeburt. Raten von Fehl- und Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und angeborenen Fehlbildungen waren dabei im Normalbereich. Allerdings: es gibt bisher nur Ergebnisse aus den ersten elf Wochen des US-Impfprogramms. Anders als die CDC in den USA empfiehlt die STIKO in Deutschland die Impfung in der Schwangerschaft nicht (NEJM 2021; online 21. April).

Beim Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ haben sich in Tübingen womöglich mehr Menschen mit SARS-CoV-2 angesteckt, als es ohne das Projekt der Fall gewesen wäre. Zu diesem Zwischenergebnis kommen Forscher der Universitäten von Mainz, Tübingen und Süd-Dänemark, nachdem sie die Entwicklung der Infektionszahlen in Tübingen mit der Entwicklung in ähnlichen Städten (Regionen) verglichen hatten. Bei dem Modellprojekt hatten ab Mitte März in Tübingen der Einzelhandel sowie körpernahe Dienstleistungen und Kultureinrichtungen für Besucher mit einem negativen Corona-Schnelltest geöffnet. Die Forscher haben die Infektionszahlen von Tübingen mit den Zahlen in Heidelberg und Freiburg sowie in den Landkreisen Enzkreis und Heilbronn verglichen. Ergebnis: In Tübingen nahmen ab Ende März die Infektionszahlen deutlich stärker zu als in den Vergleichsstädten und -regionen. So lag die 7-Tage-Inzidenz Anfang April in Tübingen bei 144 und in den Kontrollstädten(-regionen) bei 100. Am 13. April habe es beim Vergleich keine Unterschiede mehr zwischen den Inzidenzen gegeben. Dies liege möglicherweise daran, dass am 1. April die Außengastronomie von dem Projekt ausgenommen und geschlossen wurde. Auch durfte niemand von außerhalb des LK Tübingen mehr teilnehmen. Dass vermehrte Tests die Inzidenz gesteigert haben, sei zum Teil richtig, so die Forscher. Dies erkläre die Inzidenz-Unterschiede zu den Kontrollgebieten aber nicht vollständig (Preprint-Paper auf der Website der Uni Mainz).

Ältere Dialysepatienten entwickeln nach COVID-19-Impfung deutlich niedrigere Antikörper-Spiegel als jüngere sowie als gesunde Kontrollpersonen. Forscher aus Essen haben bei 72 Dialysepatienten zwei Wochen nach Zweitimpfung mit Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) die Anti-SARS-CoV-2-Antikörper bestimmt und die Ergebnisse mit Titern von 16 gesunden Probanden (Kontrollgruppe) verglichen. Unter 60-jährige Dialysepatienten erreichten ähnliche Werte wie Gesunde (im Median 597 AU/ml vs 800 AU/ml). Bei über 60-Jährigen waren die Werte jedoch deutlich niedriger (280 AU/ml). Fraglich sei zudem, wie lange der Impfschutz anhält und wann möglicherweise Impfbooster nötig seien. Die Forscher regen Langzeit- und Longitudinal-Studien an, um das Impfschema für Dialysepatienten gegebenenfalls adaptieren zu können (Vaccines 2021; online 8. April).

Update vom 22. April

Ein ungeimpfter Mitarbeiter hat im März einen Corona-Ausbruch in einem weitgehend durchgeimpften Pflegeheim im US-Staat Kentucky verursacht. Das berichten Forscher der US-Seuchenbehörde CDC. Insgesamt gab es 46 SARS-CoV-2-Infektionen: 26 bei Bewohnern (18 komplett geimpft) und 20 bei Mitarbeitern (vier geimpft). Ein geimpfter Bewohner sowie zwei ungeimpfte sind gestorben. Insgesamt waren 90 Prozent der 83 Bewohner und 50 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Die meisten Infizierten hatten keine oder nur wenig Symptome. Die Forscher weisen auf die große Bedeutung der Impfung in Heimen auch bei Besuchern hin. Nach Impfung sollten Maßnahmen zum Infektionsschutz wie Masken und Routinetests weiter angewandt werden. Die verwendete BioNTech/Pfizer-Vakzine hatte nach den Daten eine Wirksamkeit von 66 Prozent (Bewohner) und 76 Prozent (Mitarbeiter); gegen schwere Verläufe waren es gut 86 Prozent. Der Ausbruch war durch eine spezielle Virusvariante verursacht worden. Bei dieser wurden mehrere bekannte Problem-Mutationen festgestellt, etwa von den Mutanten aus Südafrika (B.1.351) oder Brasilien (P.1.) (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 21. April).

Bei Krebspatienten unter Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) ist der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer wohl sicher, berichten israelische Forscher. Sie treten damit Bedenken entgegen, dass durch die Impfung immunvermittelte Nebenwirkungen der ICI-Therapie verstärkt oder sogar provoziert werden könnten. Am Krankenhaus Bnei Zion in Haifa nahmen im Januar/Februar 137 von 170 Patienten unter ICI-Therapie ein entsprechendes Impfangebot an. 134 erhielten beide Impfungen (drei Krebskranke waren bis zur zweiten Dosis gestorben). Die Geimpften gaben keine außergewöhnlichen Nebenwirkungen an, niemand musste wegen Impfreaktionen stationär behandelt werden. Im Vergleich zu Impflingen ohne Krebs war die Rate von Muskelschmerzen erhöht. Es gab weder neue immunassoziierte Nebenwirkungen, noch wurden solche bestehenden ICI-Nebenwirkungen verschlechtert. Fazit der Forscher: Zwar hätten sich langfristige oder auch mögliche seltene Komplikationen nicht erfassen lassen. Aktuell sei aber bei ICI-Patienten von einem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfung auszugehen (Lancet Oncol 2021; online 1. April). (bs)

Update vom 21. April

Bei Schulkindern reichen wohl neun Tage Quarantäne nach Corona-Kontakt aus, wenn sie dann mit PCR negativ getestet wurden. Das hat eine Studie des University of Florida College of Medicine ergeben. An der Untersuchung im Alachua County des US-Bundesstaats nahmen etwa 13.000 Kinder (Kindergartenalter bis 12. Klasse) nach der Schulwiedereröffnung im vergangenen Herbst teil. Kinder mit verdächtigen Symptomen wurden per PCR-Test der nasopharyngealen Abstriche getestet. Kontaktpersonen von COVID-19-positiven Fällen wurden in Quarantäne geschickt und erneute PCR-Tests am dritten Tag und an den Tagen 9 bis 14 der Quarantäne angeboten. 257 waren SARS-CoV-2-positiv, in Folge wurden 2189 Kontaktkinder in Quarantäne geschickt. Von diesen wurden 134 (6,1 Prozent) am dritten Tag und 839 (38 Prozent) an den Tagen 9 bis 14 getestet. Ergebnis: Am dritten Tag waren 10,4 Prozent SARS-CoV-2-positiv, an den Tagen 9-14 waren es 4,8 Prozent. Von den 800 SARS-CoV-2-Negativen an den Tagen 9-14 erkrankte nur ein einziger an COVID-19, allerdings mit einer anderen Virusvariante als seine ursprüngliche Kontaktperson. Es gibt also keinen Beleg dafür, dass eine frühe Schulrückkehr eines SARS-CoV-2-Negativen nach zehn Tagen negative Auswirkungen hat, so die Forscher (JAMA 2021; online 19. April).

Update vom 20. April

In Großbritannien wurden im Lockdown deutlich weniger Asthmakranke wegen akuter Exazerbationen behandelt. Das ergab eine Analyse asthmabedingter Notaufnahmen in Kliniken von Schottland und Wales. Die Zahl der Notfälle war zu Beginn des landesweiten Lockdowns in Kalenderwochen 13/2020 schlagartig zurückgegangen, und zwar um 36 Prozent im Vergleich zum Schnitt der Vergleichszeiträume in den fünf Jahren zuvor (Thorax 2021; online 29. März). Ein ähnlicher Rückgang fand sich zudem in einer Analyse primärztlicher Daten zu Asthma-Exazerbationen in England, und zwar bei den Vergleichen von KW 1–12 mit KW 13–32 im ersten Pandemiejahr und in den Jahren 2016 bis 2019. Ein Grund für den Rückgang dürfte eine bessere Therapieadhärenz sein, bedingt durch die Angst, dass schlecht kontrolliertes Asthma als chronische Lungenerkrankung die Gefahr durch COVID-19 noch vergrößern könnte. Auch exogene Faktoren könnten Einfluss gehabt haben, vermuten die Forscher, etwa der durch Abstandhalten und Masken bedingte Rückgang von Atemwegsinfektionen, die häufig als Trigger einer Exazerbation wirken. Auch der Rückgang der Luftverschmutzung könnte dazu beigetragen haben (Thorax 2021; online 29. März). (bs)

Update vom 19. April

Bei Rekonvaleszenten reicht eine Dosis Comirnaty® für den Schutz vor einer erneuten COVID-19-Erkrankung, und zwar offenbar auch im hohen Alter. Das berichtet ein französisch-deutsches Team aus Montpellier und Berlin. Die Forscher haben bei 102 über 80-Jährigen die induzierten IgG-Antikörper drei Wochen nach der ersten Impfdosis bestimmt. Ergebnis: Die 36 Probanden mit PCR-bestätigter COVID-19 in der Vorgeschichte (Alter im Schnitt 89!) hatten nach einer Dosis bereits sehr hohe AK-Titer (S-protein IgG im Mittel 40.000 AU/mL), nicht jedoch die Patienten ohne durchgemachte Erkrankung (im Mittel 48,0 AU/mL). Die vorläufigen Daten legen nahe, dass auch bei hochbetagten Rekonvaleszenten eine BNT162b2-Dosis zum Schutz ausreiche, so die Forscher. Zur Sicherheit könnten vor der zweiten Dosis die S-Protein IgG-AK bestimmt werden. In Deutschland geht die STIKO davon aus, dass immungesunde Menschen mit PCR-gesicherter SARS-CoV-2-Infektion in der Vorgeschichte mindestens 6-8 Monate vor COVID-19 geschützt sind. Bei ihnen reiche zunächst eine Impfdosis aus, so die STIKO. Ob und wann eine zweite Dosis nötig werde, lasse sich noch nicht sagen (JAMA 2021; online 15. April).

Update vom 16. April

Das Risiko für Hirnvenenthrombosen ist bei COVID-19 größer als nach einer Corona-Impfung. Das ist das Ergebnis einer noch nicht veröffentlichten retrospektiven Kohortenstudie von Wissenschaftlern der Universität von Oxford. Die Forscher haben Daten von 513.284 Patienten mit bestätigter COVID-19 ausgewertet sowie von 489.871 Personen, die mit einer mRNA-Vakzine gegen COVID-19 geimpft worden waren. Ergebnis: Das Risiko, an einer Hirnvenenthrombose zu erkranken, ist in den ersten zwei Wochen nach einer COVID-19-Diagnose etwa zehnmal so hoch wie nach der ersten Dosis einer Impfung mit den mRNA-Vakzinen von BioNTech oder Moderna und etwa 100-mal so hoch wie in der gesunden Allgemeinbevölkerung. Die Forscher geben die Inzidenzen der Hirnvenenthrombose wie folgt an: 39 pro eine Million COVID-19-Patienten, darunter 30 Prozent bei Unter-30-Jährigen; vier pro eine Million Impflingen mit mRNA-Vakzine sowie nach Daten aus dem jüngsten EMA-Bericht fünf pro eine Million Impflinge mit dem AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria® (Pre-Print-Studie auf OSF; veröffentlicht am 15. April).

Vorangegangene COVID-19-Infektionen schützen junge Menschen nicht vollständig vor einer erneuten Infektion. Das belegt jetzt eine Beobachtungsstudie mit Mitgliedern (18-20 Jahre alt) des US Marines Corps. Von den 2346 Marines, deren Daten ausgewertet wurden, waren zu Beginn der Studie 189 seropositiv und 2247 seronegativ. Insgesamt infizierten sich während der Studie 1098 Teilnehmende (45 Prozent) neu. Unter den seropositiven Marines wurden 19 (10 Prozent) positiv auf eine zweite Infektion getestet, von den seronegativen wurden 1079 (48 Prozent) neu infiziert. Die meisten der Neu-Infizierten waren asymptomatisch – 84 Prozent (16 von 19) in der seropositiven Gruppe versus 68 Prozent (732 von 1079) in der seronegativen Gruppe – oder hatten milde Symptome, niemand musste ins Krankenhaus.
Das Fazit der Autoren: Trotz früherer Infektionen und des Vorhandenseins von Antikörpern sei immer noch eine Impfung erforderlich, um die Immunantwort zu stärken, eine erneute Infektion zu verhindern und um eine Übertragung zu verringern (Lancet Respiratory Medicine, online 15. April). (otc)

Update vom 15. April

Die Konzentration neutralisierender Antikörper gegen SARS-CoV-2 nimmt nach vier bis fünf Monaten nach einer Infektion bereits deutlich ab. Das bestätigt die weiterhin laufende Rheinland-Studie. In der bevölkerungsbezogenen Erhebung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) im Raum Bonn wurden rund 5300 Teilnehmer auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht, bei 82 Personen wurden im ELISA-Test Antikörper gegen SARS-CoV-2 festgestellt, 17 von ihnen hatten neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Die Mehrheit der Corona-positiv getesteten Teilnehmer berichtete von zuvor nur milden oder keinen Symptomen. Die Konzentration der neutralisierenden Antikörper wurde nach vier bis fünf Monaten erneut analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass bei den meisten Teilnehmern der Antikörper-Spiegel gesunken war; bei vier Personen konnten sogar keine neutralisierenden Antikörper mehr nachgewiesen werden. Aus den Studiendaten lasse sich aber nicht ableiten, inwieweit die Abnahme der Antikörper die Immunantwort beeinflusst, wird Erstautor Dr. Ahmad Aziz vom DZNE in einer Mitteilung des Zentrums zitiert. Das Immunsystem hat bekanntlich weitere Möglichkeiten, Krankheitserreger abzuwehren. So deuteten andere Studien darauf hin, dass die zelluläre Immunantwort trotz fallender Antikörper-Spiegel weiterhin Bestand haben kann (Nature Comm 2021; online 9. April). (otc)

Update vom 14. April

Homeoffice, Homeschooling, weniger soziale Kontakte. Das übersetzt sich offenbar nicht in eine höhere Suizidrate. Ganz im Gegenteil, es begehen sogar weniger Menschen Suizid als in anderen Jahren. Das ist das Ergebnis einer globalen Analyse, für die Forscher von der Universität in Melbourne Angaben zu Suiziden aus 21 Industrie- und Schwellenländern untersucht haben. Vertreten waren 16 Länder mit hohem und fünf mit mittlerem Einkommen. Deutschland ist mit den Regionen Köln/Leverkusen, Frankfurt am Main und Leipzig vertreten. Trotz aller Schwierigkeiten durch die Pandemie kam es in den Industrie- und Schwellenländern zunächst zu keinem Anstieg der Suizidrate. Beobachtet wurde eher das Gegenteil: In der Hälfte der untersuchten Länder ist die Suizidrate zwischen April und Juli 2020 im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Experten gehen davon aus, dass etwa staatliche Nothilfen die schlimmsten wirtschaftlichen Auswirkungen abgefedert haben. Die Studienautoren warnen aber vor verfrühten Schlussfolgerungen: Zum einen bezieht sich ihre Analyse nur auf die ersten Pandemiemonate. Zum anderen gebe es Hinweise, nach denen in ärmeren Ländern die Suizidrate deutlich gestiegen ist (Lancet Psychiatry 2021; online 13. April). (mut)

SARS-CoV-2-spezifische Antikörper haben israelische Forscher in der Muttermilch von stillenden Frauen nach COVID-19-Impfung nachgewiesen. Untersucht wurde die Muttermilch von 84 Frauen im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie. Die Frauen waren im Mittel 34 Jahre und die Kinder 10,3 Monate alt. Alle Studienteilnehmerinnen erhielten zwei Dosen des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs Comirnaty® im Abstand von drei Wochen. Muttermilch-Proben waren bereits vor der Impfung gesammelt worden und dann beginnend ab Woche 2 nach der ersten Impfung einmal wöchentlich über einen Zeitraum von sechs Wochen. In den Muttermilch-Proben wurden die SARS-CoV-2-spezifischen IgG- und IgA-Antikörper bestimmt. Ergebnis: Die mittleren Titer der Anti-SARS-CoV-2-spezifischen IgA-Antikörper in der Muttermilch stiegen rasch an. Bereits zwei Wochen nach der ersten Impfung galten 61,8 Prozent der Proben als positiv, nach vier Wochen (also eine Woche nach der zweiten Impfung) waren es 86,1 Prozent. Die durchschnittlichen Antikörper-Titer blieben während der gesamten Studiendauer hoch. Die Anti-SARS-CoV-2-spezifischen IgG-Antikörper blieben in den ersten drei Wochen zwar niedrig, stiegen aber bis zur Woche 4. Zu diesem Zeitpunkt waren dann 91,7 Prozent der Muttermilch-Proben positiv und 97 Prozent in den Wochen 5 und 6. Keine Mutter und kein Kind erlitten schwere unerwünschte Wirkungen (JAMA 2021; online 12. April). (ikr)

Die TiKoCo19-Studie hat im Landkreis Tirschenreuth bis Juni 2020 eine SARS-CoV-2-Infektionssterblichkeit (IFR) von 2,5 Prozent ergeben – bei einer Dunkelziffer der Infizierten vom Faktor 5. Dieses Zwischenergebnis der Studie „Prospektive COVID-19-Kohorte Tirschenreuth“ hat das Uniklinikum Regensburg (UKR) jetzt mitgeteilt. In der Studie wird in einer zufälligen populationsbasierten Stichprobe der Anteil der Infizierten in der Bevölkerung des Landkreises Tirschenreuth durch eine Seroprävalenz-Untersuchung ermittelt. Jetzt liegen finale Ergebnisse der Basisuntersuchung aus dem Juli 2020 vor. Mehr als 4200 Freiwillige nahmen an der Studie teil. Die Auswertung der Studiendaten und Hochrechnung von der Zufallsstichprobe auf die Bevölkerung 14 Jahre und älter ergab, dass 8,6 Prozent der Tirschenreuther Bevölkerung im Juni 2020 Antikörper gegen das SARS-CoV-2 aufwiesen. Das Verhältnis der Antikörper-positiven Personen, bei denen die SARS-CoV-2 Infektion nicht bereits durch das damalige Testen registriert worden war, zu denen mit durch Antikörper in dieser Studie nachgewiesener Infektion lag bei 4:1. Mit anderen Worten: die Dunkelziffer von Faktor 5 bedeutet, dass 80 Prozent aller Infektionen durch die damalige Teststrategie nicht erfasst wurden (MedRxiv 2021; online 4.April). (ikr)

Update vom 13. April

Die britische SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7 ist zwei Beobachtungsstudien zufolge zwar infektiöser als die ursprüngliche Virusvariante, führt aber nicht häufiger zu schweren oder gar tödlichen Verläufen. Auch das Risiko für Long-COVID-19-Symptome ist demnach bei B.1.1.7 nicht höher. In der ersten Studie verglichen britische Forscher die Krankheitsschwere sowie die Viruslast von 198 COVID-19-Patienten, die mit B.1.1.7 infiziert waren, und 143 COVID-19-Patienten, die sich mit anderen SARS-CoV-2-Varianten angesteckt hatten. Im Bezug sowohl auf Krankheitsschwere als auch Mortalität ergab sich kein signifikanter Unterschied. Allerdings zeigte sich in den PCR-Analysen, dass die Viruslast in Proben von Patienten, die mit B.1.1.7 infiziert waren, höher war als in Proben von Patienten, die nicht mit der B.1.1.7-Variante infiziert waren. In der zweiten Studie werteten die Wissenschaftler Daten der „COVID Symptom Study App“ aus, die vom National Health Service herausgegeben wird. App-Nutzer können hier nach positiver Testung ihre Symptome dokumentieren. Auch hier zeigte die Auswertung keine Unterschiede im Bezug auf Schwere der Symptome und Symptomdauer bei der B.1.1.7-Variante. Ein weiteres Ergebnis: Die B.1.1.7-Variante erhöht wohl nicht das Risiko für eine Reinfektion (Lancet Inf Dis und Lancet Public Health 2021; online 12. April).

Mit einer inhalativen Budesonid-Therapie ließ sich bei Patienten mit nur leichten COVID-19-Symptomen das Risiko für schwere Verläufe verringern im Vergleich zur Standardbehandlung. Das hat eine klinische Phase-2-Studie mit mehr als 140 Patienten ergeben, die seit durchschnittlich drei Tagen an leichten Symptomen wie Husten, Kopfschmerzen oder Fieber litten. Zwei Hübe Budesonid morgens und zwei abends (je 800 μg) bis zum Rückgang der Symptome verringerten das Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion um 90 Prozent. In der Standard-Gruppe mussten der Per-Protokoll-Analyse zufolge zehn Erkrankte aufgrund von heftiger werdenden Beschwerden eine Notfallambulanz aufsuchen oder stationär aufgenommen werden, in der Budesonid-Gruppe nur ein Patient. Auch die Krankheitsdauer bei milden Verläufen könnte das Mittel um einen Tag verkürzen, wie die Forscher um Sanjay Ramakrishnan von der Universitätsklinik in Oxford berichten (Lancet 2021; online 9. April).

Update vom 12. April

Die Gabe von Remdesivir bei hospitalisierten COVID-19-Patienten war in einer retrospektiven Studie aus den USA mit einer beschleunigten Genesung assoziiert: Bei den 285 Patienten, die Remdesivir erhielten, vergingen im Mittel fünf Tage bis zur klinischen Symptombesserung (definiert als Zeit bis zur Entlassung oder bis zur Besserung zweier im WHO-Score der Krankheitsschwere erfassten Symptome). Bei Patienten, die kein Remdesivir erhielten, waren es sieben Tage. Als sekundärer Endpunkt wurde zudem untersucht, inwieweit Remdesivir Einfluss auf die 28-Tages-Mortalität hat. Hier zeigte sich allerdings kein statistisch signifikanter Unterschied. Die Studienteilnehmer, die Remdesivir erhielten, erfüllten folgende Kriterien: Sauerstoffsättigung im Blut≤ 94 Prozent sowie zusätzliche Sauerstoffgabe / mechanische Beatmung / ECMO und zudem ein Alanin-Aminotransferase-Wert, der deutlich unter dem Referenzwert liegt (JAMA Netw Open 2021; online 24. März).

In hochauflösenden Cryo-EM-Aufnahmen (cryo-electron microscopy) zeigen Forscher erstmals menschliche Zellen, die nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff Oberflächenproteine bilden, die dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 zum Verwechseln ähnlich sind. Auch die Glykane, die das Oberflächenprotein ummanteln, ähneln denen des Spike-Proteins stark. „Das bedeutet, dass die Vakzine die Bildung eines nahezu identischen Spike-Proteins induziert – und das ist wichtig, um eine schützende Immunantwort zu induzieren“, heißt es in einer Mitteilung der University of Southampton, die außer der Oxford University an der Studie beteiligt war. Die Vakzine basiert bekanntlich auf einem Chimpansen-Adenovirus, der die Bauanleitung für das virale S-Protein enthält und diese in die Körperzellen transportiert. Die Körperzellen exprimieren anschließend das S-Protein auf ihrer Oberfläche – und der Körper entwickelt eine Immunantwort dagegen (ACS Central Science 2021; online 2. April)

Update vom 9. April

Während der zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet. Das berichtet das Helmholtz Zentrum München. Die Daten stammen aus der Fr1da-Erhebung, bei der in Bayern seit einigen Jahren Blutproben von Kindern auf Anzeichen eines Frühstadiums von Typ-1-Diabetes gescreent werden. Seit 2020 werden die Proben auch auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht. „Das ist wahrscheinlich zum Teil auf asymptomatische Fälle im Kindesalter zurückzuführen“, wird Studienautor Dr. Markus Hippich in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums zitiert. Der Anteil der Kinder ohne Symptome unter den antikörperpositiven Kinder lag bei den Vorschulkindern bei 68,0 Prozent, bei den Schulkindern bei 51,2 Prozent. Bei der Studie kam zudem heraus, dass am Ende der zweiten Infektionswelle etwa achtmal mehr Kinder Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hatten als am Ende der ersten Welle (Med 2021; online 3. April).

Eine aktuelle Studie bestätigt das hohe Hospitalisierungs- und Mortalitätsrisiko für Nierenpatienten, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren. Demnach ist das Risiko für eine Hospitalisierung aufgrund von COVID-19 für Nierenkranke, die Dialysen benötigen, 40-mal höher als das der Normalbevölkerung. Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die COVID-19-Pandemie erhöhte das Mortalitätsrisiko von Patienten, die eine Dialyse benötigen, um 17 Prozent, und um 30 Prozent für Nierentransplantierte. In Deutschland sind chronisch Nierenkranke und Personen nach Organtransplantion bekanntlich in der COVID-19-Impfkategorie „Hohe Priotität“ eingestuft (J Am Soc Nephrol 2021; online 8. Februar).

Update vom 8. April

Ein MIS-C („Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“) tritt häufig bei Kindern auf, die zuvor keine oder lediglich leichte COVID-19-Symptome hatten. Das berichten Wissenschaftler der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention, die Daten von 1733 Kindern und jungen Erwachsenen bis 20 Jahren analysiert haben, die von März 2020 bis Januar 2021 wegen MIS-C in US-Kliniken behandelt worden waren. 75 Prozent der Patienten mit MIS-C waren zuvor asymptomatisch oder nur mild symptomatisch an COVID-19 erkrankt. Das Multiinflammations-Syndrom trat dabei meist zwei bis fünf Wochen nach SARS-CoV-2-Infektion auf – also dann, wenn die Antikörperproduktion das Maximum erreicht hat. Unklar ist, warum gerade Kinder und zum Teil auch junge Erwachsene ein MIS-C entwickeln. Die Studie zeigt zudem, dass das seltene Syndrom häufig sehr schwer verläuft: 58,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen mussten auf einer Intensivstation behandelt werden. Bei vielen von ihnen gab es kardiale Beeinträchtigungen: bei 54 Prozent wurde von Hypotonie oder Schock berichtet, bei 31 Prozent von Fehlfunktionen des Herzens. Auch Perikardergüsse (bei 23,4 Prozent) und Myokarditiden (bei 17,3 Prozent) wurden relativ häufig angegeben (JAMA Pediatrics 2021; online 6. April).

Bei Menschen, die in Folge einer COVID-19-Erkrankung an neurokognitiven Einschränkungen leiden, ist der Glukosestoffwechsel im Gehirn deutlich beeinträchtigt. Das belegen Aufnahmen von 41 COVID-19-Patienten, die an der Uniklinik Freiburg per 18FDG-PET (18F-Fluordesoxyglukose-Positronenemissions-Tomografie) gescreent wurden. Mit dem 18FDG-PET kann der Glukosestoffwechsel im Gehirn visualisiert werden. „Bei einem Großteil von Patienten, die wegen einer akuten COVID-19-Erkrankung stationär behandelt werden mussten, konnten in der subakuten Phase definierte kognitive Beeinträchtigungen festgestellt werden“, fasst Studienautor Privatdozent Dr. Jonas Hosp die Ergebnisse in einer Mitteilung der Uniklinik zusammen. „Die Befunde passen zu dem im 18FDG-PET sichtbar verminderten Glukosestoffwechsel, das bedeutet einer regionalen Leistungseinschränkung in den entsprechenden Bezirken der Großhirnrinde“ (Brain 2021; online 5. April).

Update vom 7. April

Jeder dritte COVID-19-Patient entwickelt innerhalb von sechs Monaten nach einer SARS-CoV-2-Infektion neurologische oder psychiatrische Erkrankungen. Das geht aus einer Beobachtungsstudie aus den USA mit Daten von 236.000 Patienten hervor. Am häufigsten waren Angststörungen (bei 17 Prozent) und Depressionen (bei 14 Prozent). Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder Demenz waren zwar seltener als psychiatrische, insgesamt allerdings keine Seltenheit. Besonders von neurologischen Komplikationen betroffen sind den Ergebnissen zufolge Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden mussten: Sieben Prozent dieser Patienten erlitten einen Schlaganfall, zwei Prozent erkrankten innerhalb von sechs Monaten nach Infektion an Demenz. Die Forscher berichten zudem, dass neurologische und psychiatrische Erkrankungen nach COVID-19 häufiger auftreten als etwa nach einer Influenza oder anderen Atemwegserkrankungen: Das Risiko liegt demnach um 44 Prozent beziehungsweise 16 Prozent höher (Lancet Psychiatry 2021; online 6. April).

Selektionsleitlinien für Lungentransplantationen bei COVID-19-Patienten hat ein internationales Konsortium aufgestellt. Bei COVID-19 können bekanntlich schwere Lungenschäden auftreten. Weltweit haben bereits etwa 40 Menschen, deren Lunge durch COVID-19 irreversibel geschädigt war, eine Lungentransplantation erhalten, teilt die MedUni Wien mit. Von zwölf dieser Patienten berichten die Experten – darunter Wissenschaftler der MedUni Wien – nun und fassen die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Als Kriterien für eine mögliche Transplantation gelten demnach: Ausschöpfung aller konservativen Therapieoptionen, keine Erholung der durch COVID-19 geschädigten Lunge trotz mindestens vierwöchiger Beatmung / ECMO-Therapie, Nachweis des fortgeschrittenen und irreversiblen Lungenschadens in mehreren aufeinanderfolgenden CT-Untersuchungen, Alter unter 65 Jahren und keine relevanten Begleiterkrankungen. Zudem müssen die Patienten für eine Lungentransplantation in einem guten körperlichen Zustand sein oder eine reelle Chance auf eine volle körperliche Rehabilitation nach der Transplantation haben (Lancet Resp Med 2021; online 31. März).

Update vom 6. April

Das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) ist bei hospitalisierten COVID-19-Patienten bekanntlich relativ hoch. Doch haben auch COVID-19-Patienten, die nicht in einer Klinik behandelt werden müssen, ein höheres VTE-Risiko? Einer retrospektiven Kohortenstudie zufolge ist das wohl nicht der Fall. Analysiert wurden die Daten von 220.000 Patienten über 18 Jahre, die in US-Kliniken wegen COVID-19-Symptomen auf SARS-CoV-2 getestet worden waren und nicht hospitalisiert werden mussten. Rund 26.000 (elf Prozent) hatten ein positives Testergebnis. Bei ihnen lag das Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach positiver Testung außerhalb der Klinik eine VTE zu erleiden, bei 0,8 Prozent. Bei Patienten mit negativem Testergebnis lag das Risiko bei 0,5 Prozent – kein signifikanter Unterschied. Damit zeigt sich auch: Das VTE-Risiko bei ambulanten COVID-19-Patienten ist deutlich niedriger als bei hospitalisierten Patienten (JAMA Intern Med 2021; online 5. April).

Update vom 1. April

Nur mit strikten Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2-Infektionen lasse sich eine Überlastung von Intensivstationen in Deutschland vermeiden. Dieses Fazit ziehen Forscher des Robert Koch-Instituts (RKI) aus den Ergebnissen ihrer Modellrechnung. Grundlage dafür ist ein SEIR-Modell („susceptible, exposed, infectious, recovered“). Die Ausgangssituation: Zunehmende Dominanz der besonders kontagiösen Virusvariante B.1.1.7 und gleichzeitige Rücknahme von Kontaktbeschränkungen lassen die SARS-CoV-2-Infektionszahlen ansteigen. Problematisch ist der aktuell hohe Ausgangswert der Infektionszahlen. Bisherige Impffortschritte (etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind einmal geimpft) beeinflussen das Infektionsgeschehen kaum. Fazit: Vorsichtige Lockerungen wären erst ab Mai/Juni ratsam. Bis in den Spätsommer ließe sich sukzessive weiter lockern, bis ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Aktuell sei nur durch eine möglichst frühe und umfassende Reduktion der seit März wieder gestiegenen Kontakte in der Bevölkerung eine Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden, so das RKI (Epi Bull 2021; online 31. März).

Die Zahl von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen hat während der Pandemie weltweit zugenommen, berichten britische Forscher. Sie haben 40 Studien aus 17 Ländern zum Thema ausgewertet. Totgeburten und Müttersterblichkeit nahmen danach in Entwicklungsländern zu. So stieg zum Beispiel die Rate der Totgeburten in der Metaanalyse von 1099 pro 168.295 Schwangerschaften vor Pandemie auf 1325 pro 198,993 Schwangerschaften während der Pandemie. Anders in Industrieländern: Dort nahm das Risiko für Frühgeburten sogar ab. Insgesamt hat sich die Zahl an chirurgischen Eingriffe wegen Eileiterschwangerschaften versechsfacht, allerdings auf niedrigem Niveau. Auch werden deutlich häufiger Wochenbettdepressionen registriert. Die Studiendaten verdeutlichen den destruktiven Einfluss der Pandemie auf Länder mit anfälligen Gesundheitssystemen, so die Forscher (Lancet Global Health 2021; online 31. März).

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29.01.2021 | COVID-19 | Nachrichten

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