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27.01.2021 | COVID-19 | Nachrichten

Corona-Studien-Splitter

Risiko für schwere COVID-19 ist bei Rauchern und Ex-Rauchern hoch

Autoren:
Anne Bäurle, Wolfgang Geissel, Marco Mrusek, Denis Nößler

Blick auf neue Corona-Studien: Auch ehemalige Raucher haben wohl ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf: Einer Studie zufolge ist die Zahl der Packungsjahre ein unabhängiger Risikofaktor.

Update vom 28. Januar

Langzeitfolgen nach COVID-19-Erkrankung: Viele Patienten haben auch Monate nach der Krankenhausentlassung noch mit respiratorischen oder psychischen Belastungen zu kämpfen. Ärzte einer Universitätsklinik in Norditalien haben zwischen März und Juni 2020 238 konsekutive, hospitalisierte COVID-19-Patienten untersucht. Ergebnis: Auch vier Monate nach Klinikentlassung hatten noch mehr als die Hälfte der Patienten eine signifikante Reduktion der Diffusionskapazität der Lunge für Kohlenstoffmonoxid. Bei 52 Prozent der Patienten (113 Patienten) betrug die Kapazität weniger als 80 Prozent des erwarteten Wertes, bei 16 Prozent (34 Patienten) weniger als 60 Prozent. Außerdem hatten 41 Patienten (17 Prozent) Symptome von posttraumatischem Stress (JAMA Netw Open 2021; online 27. Januar).

Update vom 27. Januar

Die kumulative Zigarettenrauch-Exposition ist ein unabhängiger Risikofaktor für eine Krankenhausaufnahme oder Tod aufgrund von COVID-19. Das berichten Forscher von der Cleveland Clinic in Ohio. Definiert haben die Wissenschaftler die Exposition über Packungsjahre. Bekannt war bisher, dass aktive Raucher ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben. Die Forscher um Katherine Lowe konnten nun eine dosisabhängige Assoziation zwischen der Menge der Packungsjahre und schweren COVID-19-Verläufen ermitteln. Die Forscher hatten dafür Daten von 7102 COVID-19-Patienten ausgewertet. Ergebnis: Patienten, die mehr als 30 Packungsjahre lang geraucht hatten, hatten ein 2,25-fach höheres Risiko einer Krankenhausaufnahme und ein 1,89-fach erhöhtes Risiko, an den Folgen von COVID-19 zu sterben im Vergleich mit Niemals-Rauchern. Die Assoziation sei den Forschern zufolge unabhängig davon, ob die Patienten zum Zeitpunkt der Datenerhebung rauchten oder nicht: Der Effekt der Packungsjahre sei bei ehemaligen oder aktiven Rauchern gleich gewesen (JAMA Intern Med 2021; online 25. Januar).

Update vom 26. Januar

Schutzwirkung gegen SARS-CoV-2 mit Mutationen: Auch gegen die neu aufgetretenen Virusvarianten B.1.1.7 und B.1.351 von SARS-CoV-2, die zum ersten Mal in Großbritannien beziehungsweise Südafrika nachgewiesen wurden, behält die Vakzine des Herstellers Moderna wohl ihre neutralisierende Wirkung. Das teilt das Unternehmen mit und beruft sich dabei auf In-vitro-Neutralisierungsstudien mit Seren von Personen, die mit der Vakzine geimpft wurden. Man gehe aktuell davon aus, dass die zweimalige Impfung in der 100-µg-Dosis vor den bisher entdeckten Virusstämmen schützt, heißt es in der Mitteilung. Es habe keine signifikante Auswirkung auf die neutralisierenden Titer gegen die Variante B.1.1.7 aus Großbritannien gegeben. In Bezug auf die Variante B.1.351 aus Südafrika sei zwar eine sechsfache Reduzierung der neutralisierenden Titer im Vergleich mit früheren Virusvarianten festgestellt worden. Allerdings lägen die Titer weiterhin über den Werten, die als schützend gelten. Eigenen Angaben zufolge hat Moderna aber vorsorglich mit einem klinischen Entwicklungsprogramm zur Steigerung der Immunität gegen die neuen Varianten begonnen.

Orales Colchicin könnte möglicherweise COVID-19-Komplikationen reduzieren. Das berichtet zumindest der Leiter der Studie COLCORONA vorab in einer Mitteilung. Dr. Jean-Claude Tardif von der Universität in Montréal spricht von einer signifikanten Wirkung des Medikaments, das bisher unter anderem bei Gicht und Perikarditis eingesetzt wird: Die Gabe von Colchicin habe Klinikeinweisungen um 25 Prozent verhindert, die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung um 50 Prozent und Todesfälle um 44 Prozent. Es habe das Risiko für Krankenhauseinweisungen oder Tod im Vergleich zu Placebo um 21 Prozent gesenkt. Nähere statistische Angaben oder Informationen zu Nebenwirkungen gibt es bislang nicht. Der Mitteilung zufolge wurden für die noch nicht veröffentlichte Studie fast 4500 Patienten mit einer PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Infektion untersucht. Die Teilnehmer waren bei Studieneinschluss nicht stationär aufgenommen, hatten aber mindestens einen Risikofaktor für COVID-19-assoziierte Komplikationen. Erste positive Ergebnisse einer kleinen Studie zu Colchicin gab es bereits im vergangenen Sommer. (vsc)

Update vom 25. Januar

Es gibt weitere Hinweise, dass Kinder nicht die großen Treiber der Pandemie sind. Diese liefert eine Studie aus Baden-Württemberg mit 2482 Paaren aus je einem Kind und einem Elternteil. Die Kinder waren zwischen einem und zehn Jahre alt, die Paare wurden während des ersten Lockdowns zwischen April und Mai 2020 per Nasopharyngealabstrich und ELISA-Test auf eine aktive oder durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion hin untersucht. Ergebnis: Unter den Kind-Eltern-Paaren mit mindestens einem Infizierten kam es 4,3-mal so häufig vor, dass das Elternteil seropositiv war, nicht aber das Kind, als andersherum. Es ist den Studienergebnissen zufolge also wahrscheinlicher, dass sich Kinder bei ihren Eltern infizieren, als umgekehrt (JAMA Pediatr 2021; online 22. Januar).

Update vom 22. Januar

Zahlen der US-Behörde CDC zufolge tritt eine anaphylaktische Reaktion in Zusammenhang mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine nur äußerst selten auf. In den ersten Tagen nach Zulassung von Comirnaty® (Tozinameran, BNT162b2) in den USA, genauer vom 14. bis 23. Dezember 2020, wurden 21 Fälle anaphylaktischer Reaktionen gemeldet, bei insgesamt 1.893.360 verabreichten (ersten) Impfdosen. Das entspricht einer Rate von 11,1 Anaphylaxien pro einer Million verimpfter Dosen. Vier Betroffene mussten hospitalisiert werden, darunter drei, die auf Intensivstation betreut werden mussten. Die übrigen Patienten wurden in der Notaufnahme behandelt. Bis auf eine Person waren zum Zeitpunkt der Meldung alle Geimpften wieder entlassen worden und hatten sich erholt. Im Mittel traten die anaphylaktischen Reaktionen 13 Minuten nach Vakzinierung ein, also zu einem Zeitpunkt, an dem Geimpfte generell noch nachbeobachtet werden sollten. Bei 17 der 21 Patienten (81 Prozent) waren bereits zuvor allergische Reaktionen dokumentiert worden, sieben hatten zuvor eine Anaphylaxie erlitten, darunter je eine Person nach Tollwut- und Influenza-Vakzinierung (JAMA 2021; online 21. Januar).

Von einer Monotherapie mit dem monoklonalen Antikörper Bamlanivimab profitieren mild bis moderat erkrankte COVID-19-Patienten wohl nicht. In Kombination mit dem monoklonalen Antikörper Etesevimab führt Bamlanivimab im Vergleich mit Placebo aber zu einer signifikanten Verringerung der Viruslast an Tag 11, wie Phase 2/3-Daten der Studie BLAZE-1 mit 577 Patienten ergeben haben. Erst im Oktober des vergangenen Jahres war eine weitere Studie mit Bamlanivimab gestoppt worden, da sich keine positiven Wirkungen bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten ergeben hatten (JAMA Net 2021; online 21. Januar).

Update vom 21. Januar

Der BioNTech/Pfizer-Impfstoff schützt einer bisher noch unveröffentlichten Studie zufolge auch vor der britischen SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7. Die Studienautoren haben SARS-CoV-2-Viren untersucht, die entweder das wildtypische Spike-Protein enthielten oder das der B.1.1.7-Variante. Beide Virusvarianten konnten durch die Antikörper, die in Blutproben von mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff vakzinierten Probanden enthalten waren, neutralisiert werden. Diese Daten machten es unwahrscheinlich, dass der Impfstoff bedeutend an Effektivität gegenüber der B.1.1.7-Linie verliert, schreiben die Autoren. Allerdings haben nur 16 Probanden an der Studie teilgenommen, die zudem vom Hersteller selbst durchgeführt wurde. Die B.1.1.7-Variante ist Träger mehrerer Mutationen. Unter anderem sind in der Gensequenz für das Spike-Protein zehn Aminosäuren verändert (Pre-Print Server BioRxiv 2021; online 19. Januar).

Update vom 20. Januar

In China ist während der COVID-19-Pandemie die Zahl der Kinder mit Myopie um das 1,4- bis 3-fache gestiegen. Forscher vermuten als Ursache die Ausgangsbeschränkungen und Home-Schooling: Dadurch habe sich die Zeit, die die Kinder vor Bildschirmen verbringen, deutlich erhöht. Das Team hatte über 123.000 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren untersucht und die Ergebnisse mit Daten aus den Jahren 2015 bis 2019 verglichen. Den Ergebnissen zufolge scheinen dabei besonders 6- bis 8-Jährige betroffen zu sein: Während die Inzidenz von Myopie 2015 bis 2019 bei den Sechsjährigen höchstens bei 5,7 Prozent lag, lag sie im Jahr 2020 bei 21,5 Prozent. Bei den 7-Jährigen lag die Inzidenz bei 16,2 (maximaler Wert in den Jahren 2015 bis 2019) versus 26,2 Prozent in 2020 und bei den 8-Jährigen bei 27,7 versus 37,2 Prozent. In der Gesamtkohorte der Sechs- bis Achtjährigen habe sich die Dioptrienzahl um -0,3 verändert. „Offenbar scheinen Kinder in dieser Altersgruppe sensibler auf Veränderungen in ihrer Umgebung zu reagieren“, schreiben die Wissenschaftler dazu (JAMA Opthalmology 2021; online 14. Januar).

Update vom 19. Januar

Das Tragen von Alltagsmasken könnte einer Studie zufolge deutlich zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Wie US-Forscher berichten, nimmt die Wahrscheinlichkeit, den R-Wert unter 1 zu halten, um das Dreifache zu, wenn der Anteil der Personen, die Masken tragen, um zehn Prozent steigt. Für die Studie wurden 300.000 Menschen über einen Zeitraum von zwei Monaten regelmäßig zu Maßnahmen der Pandemiebekämpfung befragt – also ob sie Masken tragen oder die Abstandsregeln einhalten. Im Laufe des Zeitraums nahm die Zahl der Maskenträger deutlich zu. Die Angaben wurden anschließend mit den Infektionszahlen am jeweiligen Wohnort der Befragten in Zusammenhang gebracht und mit einem mathematischen Modell analysiert. Kausal könne das Tragen einer Maske zwar nicht mit einem Rückgang der Virustransmission in Zusammenhang gebracht werden, da es beispielsweise auch sein könne, dass Menschen, die eine Maske tragen, sich generell besser an Hygieneregeln halten, bemerken die Autoren. Dennoch zeigten die Ergebnisse, dass Alltagsmasken eine wichtige Maßnahme seien, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzuschränken (Lancet Digital Health 2021; online 19. Januar).

Update vom 18. Januar

Eine Speichelprobe könnte zum Nachweis von SARS-CoV-2 via PCR genauso gut geeignet sein wie ein Nasen-Rachen-Abstrich. Das berichten Forscher aus Kanada, die sich für eine Metaanalyse 16 Studien mit insgesamt fast 6000 Teilnehmern angeschaut haben. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine PCR einer Speichelprobe eine ähnliche Sensitivität und Spezifität hat wie die PCR eines nasopharyngealen Abstrichs (Sensitivität: 83,2 versus 84,8 Prozent, Spezifität 99,2 versus 98,2 Prozent). Während nasopharyngeale Abstriche nur durch geschultes Personal durchgeführt werden sollen, könnten Speichelproben auch von Laien abgegeben werden – wodurch deutlich mehr Menschen getestet werden könnten. Die Ergebnisse bestätigen damit eine erst kürzlich publizierte Metaanalyse (wir berichteten in den Corona-Splittern vom 12. Januar). In beiden Metaanalysen variierten Studiendesign, Auswahl der Studienteilnehmer und Krankheitsstadium allerdings, betonen die Autoren. Eine definitive Schlussfolgerung lässt sich daher nicht ziehen (JAMA Intern Med; online 15. Januar).

Update vom 15. Januar

Wie wirkt es sich auf die Überlebensrate von COVID-19-Patienten aus, wenn die Kliniken am Rande ihrer Belastbarkeit arbeiten? Das haben sich Wissenschaftler aus Großbritannien gefragt und sich Patientendaten von 114 Kliniken des Landes aus der ersten Welle der COVID-19-Pandemie angeschaut. Ergebnis der bisher noch nicht in einem Journal mit Peer-Review publizierten Studie (adjustiert nach Alter, Geschlecht, Ethnie und Komorbiditäten): In Kliniken, in denen die Belegung der Intensivbetten mit der Option auf eine mechanische Beatmung bei über 85 Prozent lag, war die Wahrscheinlichkeit zu sterben höher (Odds Ratio 1,19) als in Kliniken, in denen die Belegung bei unter 45 Prozent lag (Odds Ratio 0,75) (Preprint-Server MedRxiv 2020; online 13. Januar).

Die Körpertemperatur nur an der Stirn per Infrarotscanner zu messen ist wohl keine geeignete Methode, um COVID-19-Patienten zu erkennen, da diese Messung keine genaue Schätzung der tiefen Körpertemperatur liefert. Forscher vom Jozef-Stefan-Institut in Ljubljana berichten, mit Temperaturmessungen an der Fingerspitze und am Auge lasse sich die Kerntemperatur besser einschätzen. „Die Methode ist nicht perfekt, aber möglicherweise besser und zuverlässiger“, wird Studienautor Professor Michael Tipton in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation zitiert. Durch eine Körpertemperaturmessung sowohl in der Körperperipherie (Fingerspitze) als auch in der Körpermitte (Auge), ergäben sich präzisere Angaben zur tatsächlichen Kerntemperatur und Fieber (Exp Physiol 2020; online 28. Dezember).

Update vom 14. Januar

Der BioNTech/Pfizer-Impfstoff reduziert das Infektionsrisiko nach der ersten Vakzinierung wohl um ein Drittel. Darauf lassen Medienberichten zufolge Daten der israelischen Krankenkasse Clalit schließen. Demnach wurden die Daten von 400.000 Israelis im Alter von über sechzig Jahren analysiert, eine Hälfte hatte die erste Dosis des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs erhalten, die andere Hälfte noch nicht. Bis zum zwölften Tag nach der Impfung habe es zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede gegeben. Ab Tag 14 allerdings hätten sich in der Gruppe der Geimpften 33 Prozent weniger Personen mit SARS-CoV-2 infiziert als in der Gruppe der Ungeimpften. Damit legen die Daten zum einen nahe: Comirnaty® hat schon nach der ersten Impfung eine Impfeffektivität von 33 Prozent, die rund zwei Wochen nach der Vakzinierung einsetzt. Zum anderen sprechen die Daten auch dafür, an der zweiten Impfdosis festzuhalten, um einen vollständigen Schutz aufzubauen (Bericht der isralischen Tageszeitung „Jedi’ot Acharonot“; online 13. Januar).

Erste Phase 1/2-Daten zum vektorbasierten COVID-19-Impfstoff „Ad26.COV2.S“ sind veröffentlicht worden. Die Vakzine, die von Johnson & Johnson entwickelt wird, wurde an 805 Studienteilnehmer verimpft, darunter waren zur einen Hälfte 18-55-jährige Studienteilnehmer und zur anderen Hälfte Über-65-Jährige. Innerhalb von 29 Tagen nach der ersten Vakzinierung hatten 90 Prozent der Teilnehmer neutralisierende Antikörper gegen das Wildtyp-Virus gebildet, bis Tag 57 war dies bei 100 Prozent der Teilnehmer der Fall. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Fatigue, Mylagien, Kopfschmerz und Schmerzen an der Einstichstelle sowie Fieber, letzteres war in der Gruppe der Über-65-Jährigen aber seltener als in der Gruppe der 18-55-Jährigen. Schwere unerwünschte Wirkungen traten bei fünf Teilnehmern auf, vier wurden als nicht mit der Impfung assoziiert eingestuft, ein Patient wurde wegen eines COVID-19-Verdachts hospitalisiert, erholte sich allerdings innerhalb von 12 Stunden (New Eng J Med 2021; online 13. Januar).

Rekonvaleszenten-Plasma wirkt – wenigstens ein bisschen. Das Plasma wirkt dabei wohl umso besser, je höher der Titer an SARS-CoV-2-spezifischen IgG-Antikörpern ist – allerdings nur bei zuvor nicht mechanisch beatmeten Patienten. In einer retrospektiven Studie mit 3082 hospitalisierten COVID-19-Patienten starben innerhalb von 30 Tagen nach Gabe des Plasmas 22,3 Prozent bei hoher IgG-Konzentration. In der Gruppe mit mittlerer Antikörper-Konzentration im Plasma waren es 27,4 Prozent, in der Gruppe, die Plasma mit geringer Antikörper-Konzentration erhalten hatte, starben 29,6 Prozent. Eine Assoziation zwischen Höhe des Antikörper-Titers und 30-Tages-Mortalität ergab sich aber nur bei Patienten, die vor der Transfusion nicht mechanisch beatmet werden mussten, schreiben die Autoren (New Eng J Med; online 13. Januar).

Warum Remdesivir bei COVID-19 einen eher geringen Nutzen haben könnte, haben deutsche Forscher herausgefunden. Das Team der Universität Würzburg berichtet, dass Remdesivir die Polymerase von SARS-CoV-2 während des Kopierens zwar stört, das Enzym aber nicht vollständig hemmt und das auch erst nach einiger Verzögerung. Dadurch werden weiterhin virale Proteine synthetisiert und Viruspartikel gebildet. Die Wissenschaftler wollen nun daran arbeiten, die Wirkweise von Remdesivir zu verbessern (Nat Comm 2020; online 12. Januar).

Männer sind häufiger und öfter schwer von COVID-19 betroffen als Frauen. Das berichten US-Forscher auf Basis eines nationalen COVID-19-Registers mit Daten von fast 100.000 Patienten. Die Wahrscheinlichkeit für ein positives SARS-CoV-2-Testergebnis war bei Männern mit 17 Prozent höher als bei Frauen mit 14,6 Prozent. Männer mussten signifikant häufiger intensivmedizinisch versorgt werden (34,1 versus 27,6 Prozent). Auch entwickelten sie signifikant häufiger ein ARDS (10,6 versus 7,9 Prozent) oder ein akutes Nierenversagen (38,6 versus 29,4 Prozent). Außerdem war ihr Risiko im Krankenhaus zu sterben höher (11,6 versus 8,3 Prozent). Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern blieben selbst dann bestehen, nachdem die Forscher Faktoren wie Alter, Ethnizität, Einkommen, BMI oder Rauchstatus berücksichtigten (PLOS ONE 2021; online 13. Januar). (jl)

Update vom 13. Januar

COVID-19 hat bei schwerem Verlauf häufig Langzeiteffekte: Drei Viertel aller stationär behandelten Patienten hatten in einer chinesischen Studie sechs Monate nach Erkrankungsbeginn immer noch mindestens ein Symptom. Am häufigsten waren dabei Fatigue und Muskelschwäche, berichten Forscher vom „Jin Yin-tan Hospital“ in Wuhan. Sie haben 1733 Patienten (Alter im Schnitt 57), die zwischen März und Mai erkrankt waren, nachverfolgt und dabei regelmäßig körperlich und mit Labortests untersucht. Ergebnis: Nach im Median 186 Tagen hatten 63 Prozent noch immer Fatigue oder Muskelschwäche, 26 Prozent Schlafstörungen und 23 Prozent Angststörungen oder depressive Verstimmungen. 56 Prozent der mechanisch beatmeten COVID-19-Patienten hatten nach sechs Monaten Sauerstoff-Diffusionsstörungen. Bei den Patienten, die zusätzlich Sauerstoff benötigten, waren es 29 Prozent und bei Patienten ohne Sauerstofftherapie in der Klinik 22 Prozent. Die Forscher mahnen, speziell den Verlauf von Patienten nach intensivmedizinischer Therapie weiter zu untersuchen (Lancet 2021, online 8. Januar).

Bei chronischer Rhinosinusitis (CRS) persistiert SARS-CoV-2 besonders lang im Nasen-Rachen-Raum. Das berichten HNO-Ärzte der Universität Pamplona in Spanien. Sie haben 513 stationär behandelte Patienten aus der ersten Pandemiewelle untersucht. Darunter waren 18 Überlebende, die auch 28 Tage nach Klinikaufnahme in PCR-Tests von Nasen-Rachen-Abstrichen noch viruspositiv waren (Fallgruppe). Diesen stellten sie in einer Fall-Kontrollstudie 36 COVID-19-Überlebende gleichen Geschlechts gegenüber, die nach 28 Tagen virusnegativ waren (Kontrollgruppe). Ergebnis: In der Fallgruppe ließ sich SARS-CoV-2 im Median 56 Tage nach Symptombeginn nachweisen, in der Kontrollgruppe waren es 30 Tage. 67 Prozent der Fallpatienten hatten eine CRS verglichen mit 11 Prozent der Kontrollgruppe. Für CRS-Patienten ergibt sich daraus ein rund 19-fach erhöhtes Risiko (Odds Ratio) für einen Virusnachweis in den oberen Atemwegen vier Wochen nach Klinikaufnahme. Unklar ist aber, wie lange Menschen mit langer Viruspersistenz tatsächlich infektiös sind. Ein SARS-CoV-2-Nachweis allein sagt darüber recht wenig aus (J Intern Med. 2020; online 29. Dezember). (mut)

Update vom 12. Januar

Immunsupprimierte Patienten mit COVID-19 können offenbar besonders lange infektiös sein. In einer Studie hatten Krebskranke mit immunsuppressiver Therapie bei Stammzelltransplantation oder CAR-T-Zell-Behandlung bis zu zwei Monate lang replikationsfähiges Virus in ihren Atemwegen, berichten US-Forscher aus New York. Sie haben in einer Studie bei 20 Betroffenen regelmäßig Abstriche entnommen. Alle bis auf einen waren wegen COVID-19 stationär aufgenommen worden, elf entwickelten dabei einen schweren, drei einen moderaten Verlauf. Am ersten Testtag enthielten rund 70 Prozent der Proben replikationsfähige Viren. Bei den meisten Patienten waren diese nach zwei bis drei Wochen verschwunden. Drei Patienten hatten jedoch auch 20 Tage nach Symptombeginn noch replikationsfähige Viren in den Atemwegen, einer sogar nach 61 Tagen. Ob solche Patienten allerdings mehrere Wochen nach Beginn der Infektion andere Menschen per Tröpfchen und Aerosol anstecken können, ist unklar – denn das hängt auch von der Viruslast ab und die war in der Studie nicht erfasst worden (N Engl J Med 2020; 383: 2586). (mut)

Kein Anstieg der Früh- oder Totgeburten während der Pandemie. Kinder, die zwischen April und Mai 2020 in Schweden geboren wurden, hatten kein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt oder tot zur Welt zu kommen. (Ann Intern Med 2021; online 12. Januar). Schwedischen Forscher hatten landesweite Daten von 17.661 Geburten zu Beginn der Pandemie untersucht. 43 davon waren extreme Frühgeburten. Sie haben die Daten mit jenen aus den Zeiträumen April bis Mai 2015 bis 2019 verglichen. Hintergrund der Erhebung waren zwei kleinere Studien aus Dänemark und dem Vereinigten Königreich. Die dänischen Forscher hatten eine reduzierte Rate an extremen Frühgeburten in der Zeit zwischen 12. März und 14. April im Vergleich zu Auswertungen zwischen 2015 und 2020 beschrieben (Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed. 2021; 106: 93-95). Forscher aus Großbritannien wiederum hatten mehr Totgeburten im Zeitraum 1. Oktober 2019 bis 14.Juni 2020 im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie verzeichnet (JAMA 2020, online 10. Juli). (jl)

PCR-Tests auf SARS-CoV-2 anhand von Speichelproben könnten genauso sensitiv sein wie mit Nasopharyngealabstrichen. Schlicht, man weiß es nicht – eine Metaanalyse aus Kanada legt dies jetzt aber nahe. Darin hatten die Forscher 37 Studien untersucht, in denen die RT-PCR mittels Speichelproben gegen den Goldstandard der nasopharyngealen Abstriche verglichen wurde. Ergebnis: Die Sensitivität bei Speichelproben war „nur“ um 3,4 Prozentpunkte schlechter. Bei Patienten mit zuvor bestätigter SARS-CoV-2-Diagnose schnitt die spätere Testung anhand von Speichel hingegen um 1,5 Prozentpunkte besser ab bei der Sensitivität. Allerdings war die Qualität der ausgewerteten Studien sehr heterogen, die Probandenzahlen teils sehr klein. Einzelne Studien brachten teils erhebliche Schwankungsbereiche in der ermittelten Sensitivität, sodass die Messwerte auch auf Zufall beruhen könnten. Auch variierten die Methoden zur Speichelentnahme den Autoren zufolge. Zudem werden in der Metaanalyse keine Angaben zu den gemessenen Spezifitäten gemacht, womit keine verlässlichen Aussagen über den positiv-prädiktiven Wert möglich sind (Ann Intern Med 2021; online 12. Januar).

Update vom 11. Januar

Schwedische Forscher haben bei Kindern nur selten einen schweren COVID-19-Verlauf festgestellt. Die Wissenschaftler hatten zwischen März und Juni 2020 Daten von allen schwedischen Kindern und Jugendlichen im Alter von einem bis 16 Jahre ausgewertet, die auf einer Intensivstation im Land behandelt wurden und eine laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektion hatten. Dies waren 15 Kinder, das entspricht 0,77 pro 100.000 Kinder im Land. Vier der 15 Kinder waren ein bis sechs Jahre alt, elf waren sieben bis 16 Jahre alt. Vier der Kinder hatten vorbestehende chronische Grunderkrankungen (unter anderem Krebs), kein Kind starb an den Folgen von COVID-19. Zur Frage, wie groß das Infektionsrisiko durch Kinder ist, stellen die Forscher fest, dass weniger als zehn Infektionen unter Kindergartenerziehern und 20 unter Lehrern bis Juni 2020 erfasst wurden. Dies entspricht einer Inzidenz von 19 pro 100.000 Individuen. Verglichen mit anderen Berufsgruppen (ausgenommen Mitarbeiter im Gesundheitswesen) entspreche dies einem relativen Risiko von 1,1 für Kindergartenerzieher und 0,43 für Lehrer. Die Forscher schränken ein, dass keine Daten zu möglichen Übertragungen durch Kinder im häuslichen Umfeld bekannt sind (N Engl J Med 2021; online 6. Januar).

Rekonvaleszentenplasma beugt wohl schweren Verläufen vor: Werden Senioren innerhalb von drei Tagen nach dem Auftreten erster, milder COVID-19-Symptome mit Rekonvaleszentenplasma mit hoher SARS-CoV-2-Antikörperkonzentration behandelt, haben sie ein signifikant niedrigeres Risiko für einen schweren Verlauf. Das legt eine Studie mit 160 älteren COVID-19-Patienten aus Argentinien nahe. Die Patienten waren 75 Jahre oder älter und teilweise vorerkrankt. Primärer Endpunkt der Studie war eine schwere Atemwegserkrankung, definiert als eine Atemfrequenz von 30 oder mehr pro Minute und/oder eine Sauerstoffsättigung von weniger als 93 Prozent beim Atmen der Umgebungsluft. Während 31 Prozent der Patienten in der Placebogruppe solch Symptome entwickelten, waren es in der Interventionsgruppe nur 16 Prozent (relatives Risiko um 48 Prozent geringer). Eine lebensbedrohliche Atemwegserkrankung trat bei zehn Personen auf, die Placebo erhielten, und bei vier mit Plasma behandelten Personen. Sechs gegenüber fünf hatten eine kritische systemische Erkrankung. Es starben vier Patienten in der Placebo- und zwei in der Verumgruppe. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine frühe Intervention für die Wirksamkeit entscheidend ist“, so die Forscher um Dr. Romina Libster von der Vanderbilt-Universität in Nashville. Zudem sei wichtig, Plasma mit einer IgG-Antikörperkonzentration im oberen 28. Perzentil zu verwenden. Frühere Studien hatten keinen Nutzen der Plasmatherapie bei COVID-19-Patienten ergeben. Gründe dafür könnten den Forschern zufolge sein, dass diese Probanden jünger waren oder später behandelt worden waren als die Teilnehmer der aktuellen Studie (New Eng J Med 2021; online 6. Januar). (sj)

Update vom 8. Januar

Trotz Vorsichtsmaßnahmen bergen Flugreisen weiter ein Infektionsrisiko, berichten Forscher aus Neuseeland. Dort ist für Einreisende eine 14-tägige Quarantäne mit Tests auf SARS-CoV-2 vorgesehen. Bei 62.698 ankommenden Flugpassagieren wurden dort bis Oktober 215 Fälle von Infektionen festgestellt. Bei einem Flug von Dubai Ende September hatte es dabei offenbar einen Ausbruch gegeben: Sieben von 86 Passagieren erwiesen sich während der Quarantäne als SARS-CoV-2-positiv; eine Feintypisierung ergab identische Erreger (bis auf eine Mutation in einer Probe). Die Reisenden waren aus fünf Ländern gekommen, bevor sie in Dubai das Flugzeug bestiegen. Sie saßen alle innerhalb von zwei Reihen in der Nähe eines vermutlichen Indexpatienten. Nicht alle hatten permanent Schutzmasken getragen. Die Befunde legen nahe, dass sich sechs während der 18-stündigen Fluges bei einem Indexpatienten infiziert haben, und zwar trotz Vorsichtsmaßnahmen. Das Flugzeug (Boeing 777-300ER) war nur zu einem Viertel gefüllt gewesen, Abstand also möglich. Fünf der Betroffenen waren vor Abreise negativ getestet worden. Auch der vermutliche Indexpatient hatte vier bis fünf Tage vor Flugantritt ein negatives Testergebnis erhalten (EID Journal 2021; online 5. Januar).

Update vom 7. Januar

Raucher haben ein erhöhtes Risiko für symptomatische und schwere COVID-19. Das lässt sich aus einer Analyse von Daten der „ZOE COVID Symptom Study App“ ableiten, berichten Forscher vom King’s College in London. Mit der App melden Menschen in UK regelmäßig, wenn sie sich nicht wohlfühlen und welche Symptome sie haben. Zwischen Ende März und Ende April haben 2,4 Millionen Nutzer davon Gebrauch gemacht, 11 Prozent davon waren Raucher. Jeder dritte Teilnehmer gab Symptome an: Im Vergleich zu Nichtrauchern meldeten 14 Prozent mehr Raucher in dem Pandemiemonat die typischen drei COVID-19-Symptome: Kurzatmigkeit, Fieber und persistierender Husten. Auch weitere mit Corona assoziierte Symptome wurden überproportional häufig von Rauchern genannt: Bauch- und Kopfweh, Brustschmerzen, Delirium, Diarrhoe, Fatigue, gestörter Geschmackssinn, Heiserkeit, Halskratzen und Myalgien. Mindestens fünf Symptome gaben 29 Prozent mehr Raucher als Nichtraucher an, bei zehn und mehr Symptomen waren es sogar 50 Prozent mehr Raucher. Und das Risiko für eine Klinikeinweisung war bei Rauchern mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion im Vergleich sogar verdoppelt. Die Forscher empfehlen, Rauchern mit Fragen zu COVID-19 eine Entwöhnung nahezulegen (Thorax 2021; online 5. Januar).

Update vom 6. Januar

Die Inzidenz von Herzstillstand außerhalb von Kliniken ist in Regionen mit hoher COVID-19-Krankheitsrate deutlich erhöht. Das bestätigt eine US-Analyse im Ballungsraum Detroit, wie Forscher des „Michigan Department of Health and Human Services“ berichten. In der Region wurden von März bis Mai 2020 insgesamt 1854 solcher Herzstillstand-Fälle („out-of-hospital cardiac arrests“, OHCA) dem Notfall-Netzwerk gemeldet und damit 60 Prozent mehr als im Vergleichzeitraum 2019 mit 1162 Fällen. Hochbetagte (über 85), Pflegeheimbewohner und Afroafrikaner waren überproportional häufig betroffen. Ein großer Teil der Betroffenen ist gestorben (2020: 1400 vs. 2019: 619), wobei der Anteil der Todesfälle bei den OHCA-Meldungen von 53 Prozent (2019) auf 76 Prozent (2020) ebenfalls deutlich zunahm. Auffällig war zudem, dass deutlich weniger Betroffene während der Pandemie intubiert oder mit supraglottischen Atemwegshilfen versorgt wurden. Der Anteil lag 2020 bei 21 Prozent im Vergleich zu 46 Prozent 2019. Unklar ist, ob die Zunahme von OHCA direkte Folge der Pandemie ist oder eine indirekte Folge, wegen veränderter Nutzung von Notaufnahmen (JAMA Network Open 2021, online 6. Januar).

Update vom 5. Januar

Ein neuer RNA-Test auf SARS-CoV-2 kann Ergebnisse binnen fünf Minuten liefern, berichten Forscher der University of Birmingham in UK. Beim bisherigen RT-PCR-Test als Goldstandard wird die Virus-RNA mittels reverser Transkriptase in DNA umgewandelt und diese dann mittels PCR zu messbaren Mengen vervielfältigt. Hierzu sind zeitaufwendige Schritte mit Erhitzen und Abkühlen der Probe nötig, was in der Regel etwa eine Stunde dauert. Das neue Verfahren findet komplett in einem Temperaturbereich statt, was viel Zeit spart. Reverse Transkriptase für eine Übertragung der RNA in DNA ist dabei nicht nötig. Genutzt werden vielmehr kurze DNA-Sequenzen („Binder DNA“), die die Virus RNA erkennen und sich damit verbinden. In diesem Fall schneidet ein spezielles Enzym (BstNI) ein Stück aus der „Binder-DNA“. Durch die Aufspaltung wird die Virus-RNA wieder frei und der Zyklus kann sich wiederholen. Gemessen wird schließlich der Menge der Endprodukte. Das Verfahren wurde „Reverse Transcriptase Free EXPAR“ (RTF-EXPAR) getauft. Die Ergebnisse sind allerdings noch nicht begutachtet und nur vorläufig auf dem Preprint-Server www.medrxiv.org publiziert.

Bei Kindern mit COVID-19 könnten bestimmte Hautsymptome auf einen schweren Verlauf mit dem „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“ (MIS-C) hindeuten. Das berichten US-Forscher der New York University Grossman School of Medicine. Das MIS-C geht mit Schäden an Herz, Lungen, Nieren, Gehirn, Haut, Augen oder gastrointestinalen Organen einher und ist zum Glück sehr selten. Betroffen sind etwa 2 von 100.000 SARS-CoV-2-Infizierte bis 21 Jahre. Die US-Forscher haben sich retrospektiv eine Fallserie von 35 Kindern mit bestätigtem oder vermutetem MIS-C angeschaut. Bei vier von fünf Betroffenen fanden sie assoziierte Hautbefunde wie konjunktivale Injektion, palmar-plantares Erythem, hyperämisierte Lippen, Periorbitalerythem/-ödem, Erdbeerzunge und Liderythem. Seltener traten masern- oder scharlachartige, urtikarielle oder netzförmige Hautausschläge auf, die Lokalisation war dabei sehr unterschiedlich. Das Fazit: Veränderungen an Haut und Schleimhaut sind bei fiebernden Kindern ernst zu nehmen. Sie könnten in Corona-Zeiten durchaus auf ein MIS-C hinweisen, wenngleich sie dafür alles andere als spezifisch sind (JAMA Dermatol 2020, online 9. Dezember). (eo)

Update vom 4. Januar

In Pflegeheimen haben Hochbetagte, Männer, Demenz-Kranke und Diabetiker das höchste Risiko, bei COVID-19 binnen 30 Tagen zu sterben. Das berichten Forscher von der Brown University School of Public Health im US-Staat Rhode-Island. Sie haben sich Daten von 5256 COVID-19-Patienten (im Median 79 Jahre alt) von 351 Heimen aus der Zeit von März bis September angeschaut. Gut jeder Fünfte war gestorben. Im Vergleich zu den 75- bis 79-Jährigen war bei den 80- bis 84-Jährigen die 30-Tage-Mortalität um 46 Prozent erhöht (Odds Ratio: 1,46); Frauen hatten im Vergleich zu Männern ein niedrigeres Sterberisiko (OR: 0,69). Zwei chronische Krankheiten standen für ein erhöhtes Risiko: Diabetes (OR: 1,21) und Niereninsuffizienz (OR: 1,33), ebenso die Symptome Kurzatmigkeit (OR: 2,42), Fieber (OR: 1,66), Tachykardie (OR: 1,31) und Hypoxie (OR: 2,05). Stark erhöht war das Risiko bei milden und schweren kognitiven Einschränkungen (OR: 2,09 und 2,79) sowie bei moderater und schwerer Gebrechlichkeit (OR: 1,49 und 1,64). (JAMA Intern Med. 2021: online 4. Januar).


Update vom 30. Dezember

Hypoxämie, aber keine Dyspnoe: Spanische Forscher haben eine mögliche Erklärung für das immer wieder bei COVID-19-Patienten beobachtete Phänomen der „stillen Hypoxämie“ gefunden. Danach könnte SARS-CoV-2 früh auch Zellen der Glomera carotica in der Karotisgabel infizieren und so auch die Funktion der darin befindlichen Chemorezeptoren beeinträchtigen (Function 2020; online 23. November). Diese Chemorezeptoren reagieren normalerweise auf einen sinkenden Sauerstoff-Partialdruck im Blut und lösen dann Signale aus, die letztendlich das Atemzentrum im Hirnstamm aktivieren. Bei immunhistologischen Untersuchungen – das Material dazu kam von gestorbenen Organspendern – haben die spanischen Forscher festgestellt, dass im Glomus caroticum ACE2-Rezeptoren exprimiert werden, über die ja SARS-CoV-2 in Zellen eindringt. Die Stärke der Expression der ACE2-Rezeptoren sei dabei von Person zu Person stark unterschiedlich, was erkläre, dass nicht jeder COVID-19-Patient eine stille Hypoxämie habe, so die Wissenschaftler. Jetzt seien weitere Studien nötig, um die Hypothese zu überprüfen, um mögliche Langzeitschäden in den Glomera aufzudecken und um eventuell auch therapeutische Ansätze zu finden, durch eine SARS-CoV-2-Infektion beeinträchtigte Glomera pharmakologisch zu aktivieren. (mal)

Update vom 29. Dezember

Ein moderat bis deutlich vergrößerter Durchmesser des Pulmonalishauptstammes bei stationär aufgenommenen COVID-19-Patienten ist ein schlechtes prognostisches Zeichen, melden italienische Forscher um Professor Antonio Esposito von der Universität in Mailand. Die Wissenschaftler haben die CT-Befunde von 1461 COVID-19-Patienten ausgewertet, die zwischen dem 1. März und dem 20. April 2020 in einer von sieben Kliniken aufgenommen worden waren. Bei allen hatte die CT-Untersuchung innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme stattgefunden. Die statistische Analyse ergab unter anderem, dass bei Patienten, deren Pulmonalisdurchmesser 31 Millimeter oder mehr betrug (definiert als moderater bis schwerer pathologischen Befund) die Sterberate um den Faktor 1,7 höher war als bei Patienten mit einem Durchmesser unter 31 Millimeter (normaler Befund oder leicht pathologischer Befund). Nach dem Herausrechnen möglicher Einflussfaktoren blieb eine um den Faktor 1,6 erhöhte Sterberate. Als normalen Befund hatten die italienischen Kollegen einen Pulmonalisdurchmesser von maximal 27 Millimeter bei Frauen und von maximal 29 Millimeter bei Männern definiert (European Radiology 2020; online 23. Dezember). (mal)

Eine NETose könnte bei COVID-19 eine entscheidende Rolle für ST-Hebungsinfarkte spielen. Das berichten spanische Kardiologen auf Basis von Befunden einer sehr kleinen konsekutiven Fallserie. Bei fünf stationär behandelten Patienten mit COVID-19 und STEMI fanden sie in den Koronarthromben sogenannte „NETs“, neutrophile extrazelluläre Traps, Faserbündel aus der DNA neutrophiler Granulozyten. Die Pathologie der Bildung von NETs, der NETose ist nicht restlos geklärt. Es wird vermutet, dass das Immunsystem mit ihnen Mikroorganismen bindet und abtötet. In ihrer Studie fanden die Autoren aus Madrid jedoch einen deutlichen Unterschied zu einer historischen Kontrolle aus dem zweiten Halbjahr 2015: Bei den damaligen 50 STEMI-Patienten fanden sie nur in 64 Prozent der Thromben NETs. Auch die Dichte der Faserbündel unterschied sich: 61 Prozent bei den COVID-19-Patienten vs. im Median 19 Prozent in der Kontrollgruppe. Bei keinem der COVID-Infarkt-Patienten fanden die Kardiologen Fragmente atherosklerotischer Plaques (JAMA Cardiol 2020; online 29. Dezember).

Update vom 28. Dezember

Wer IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2-Spike-Proteine und gegen Nucleocapsid-Proteine hat, kann von einem relativ niedrigen Risiko für eine (erneute) SARS-CoV-2-Infektion innerhalb der nächsten sechs Monate ausgehen. Das melden britische Wissenschaftler um Sheila F Lumley von der Universität Oxford. Die Forscher haben Blutproben von 12.541 in der Patientenversorgung an der Uniklinik Oxford tätigen Personen untersucht und danach regelmäßig mittels PCR-Tests überprüft, wer sich in den folgenden Monaten mit SARS-COV-2 infizierte. Ergebnis: In einem Zeitraum von bis zu 31 Wochen nach der Eingangsuntersuchung hatten 223 von 11.364 initial Antikörper-negativen Personen einen positiven PCR-Test, 123 davon hatten auch COVID-19-Symptome. Im Gegensatz dazu ließ sich nur bei zwei der 1265 Personen, die IgG-Antikörper hatten, eine (erneute) SARS-CoV-2-Infektion mittels PCR nachweisen; beide waren symptomfrei. Lumley und ihre Kollegen errechneten daraus Infektionsraten von 1,09 bei fehlenden und von 0,13 bei vorhandenen IgG-Antikörpern – jeweils bezogen auf 10.000 Personentage. Die britischen Forscher sprechen von einem „erheblich reduziertem Risiko“ einer Reinfektion, wenn IgG-Antikörper vorliegen. Unklar sei unter anderem aber, ob der Schutz vor Re-Infektionen tatsächlich durch die IgG-Antikörper vermittelt werde, oder durch eine T-Zell-Immunantwort, die in der Studie nicht untersucht worden sei (NEJM 2020; online 23. Dezember). (mal)

Wo in Kliniken am ehesten SARS-CoV-2 lauert, wollten französische Forscher herausbekommen. Das Team von der Uniklinik Nantes hat dafür in einer Metaanalyse 24 Studien berücksichtigt, vier davon unpubliziert. Eine Arbeit aus Großbritannien und eine aus Italien sind die einzigen Untersuchungen aus Europa. Zehn Studien stammen aus China. Die jeweiligen Teams hatten Proben aus der Luft unterschiedlicher Krankenhausareale mit PCR-Verfahren auf die Viruslast analysiert. Auf Intensivstationen waren demnach über 25 Prozent der Proben kontaminiert, auf anderen Stationen 11 Prozent. Der höchste Prozentsatz positiver Proben stammte von öffentlich zugänglichen Fluren (56 Prozent) – dort waren jedoch insgesamt nur 16 Stichproben genommen worden. Als weitere Risikoorte entpuppten sich Toiletten und Badezimmer mit einer Positivrate von knapp 24 Prozent – 5 von 21 Proben. Studien hatten vorher ergeben, dass der Stuhl von COVID-19-Patienten SARS-CoV-2-Spuren enthalten und das Spülen einer Toilette Viren-belastete Aerosol-Wolken aufwirbeln kann. In den Personalräumen fielen gut zwölf Prozent der Proben positiv aus, in Besprechungszimmern gut 19 Prozent. Die Autoren der Metaanalyse räumen ein, dass der direkte Vergleich der Studien problematisch ist, weil die jeweiligen Teams methodisch sehr unterschiedlich vorgegangen waren. Zudem betonen sie, dass zumeist unklar sei, ob die Virenreste in den positiven Proben infektiös waren oder nicht. Viruskulturen wurden nur in fünf Studien angelegt, eine Kultivierung gelang nur in 7 von insgesamt 81 Versuchen (8,6 Prozent) (Jama Network Open 2020, online 23. Dezember). (dpa)

Immunzellen von Patienten mit Hypertonie sind voraktiviert. Diese Beobachtung erklärt sehr wahrscheinlich die Überreaktion des Immunsystems und die oft relativ schweren COVID-19-Verläufe bei Patienten mit Hypertonie, meinen Forscher des Berlin Institute of Health (BIH), der Charité sowie ihre Partner in Heidelberg und Leipzig. Die Wissenschaftler haben Zellen aus dem Nasen-Rachenraum von 32 COVID-19-Patienten sowie von 16 nicht-infizierten Kontrollpersonen analysiert; in beiden Gruppen waren Herzkreislaufkranke wie auch Personen ohne Herzkreislaufprobleme. Die Forscher erinnern an die bei Hypertonie-Patienten in der Regel erhöhten Entzündungswerte im Blut und dass erhöhte Entzündungswerte ja unabhängig vom Herzkreislaufstatus immer ein Warnsignal seien, dass COVID-19 schwer verlaufen wird. Ihre Studie gebe keine Hinweise darauf, dass eine antihypertensive Therapie das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion erhöhe, so die Forscher. Eine Therapie mit ACE-Hemmern könnte für Bluthochdruck-Patienten mit COVID-19 aber günstiger sein als die Therapie mit Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern. Hier hatten die Forscher nämlich – im Gegensatz zur Anwendung von ACE-Hemmern – einen deutlich verzögerten Abbau der Viruslast beobachtet (Nat. Biotechnology 2020; online 24. Dezember).

Die Virusvariante VOC 202012/01 könnte ein um 56 Prozent erhöhtes Übertragungsrisiko haben. Das berichten britische Modellierer von der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) in einer bislang nicht begutachteten Arbeit. Sie relativieren damit etwas frühere Schätzungen, wonach die Variante um 70 Prozent ansteckender sein könnte. Die Virusmutation, die auch als B.1.1.7 bezeichnet wird, war zunächst in Südengland aufgetaucht. Ob die neue SARS-CoV-2-Variante auch zu schwereren Verläufen führt, konnten sie Forscher nicht nachweisen. Durch eine steigende Zahl an Neuinfektionen werde allerdings schon nominell die Zahl der Hospitalisierungen und womöglich schwerer Verläufe zunehmen (CMMID Repository 2020; online 23. Dezember).

Die CoV-2-Seroprävalenz in München hat sich seit Sommer verdoppelt, die Dunkelziffer halbiert. In der Münchner COVID-19-Kohortenstudie KoCo19 hat sich die Seroprävalenz zwischen Juni und Anfang November nahezu verdoppelt. Lag sie im Sommer noch bei 1,74 Prozent, konnten die Forscher bis zur ersten Novemberwoche bei 3,27 Prozent der Probanden SARS-CoV-2-Antikörper nachweisen. Die Stichprobe mit bislang knapp 5300 Probanden ist repräsentativ für die bayerische Landeshauptstadt. Gegenüber der offiziell gemeldeten Zahl der Infektionsfälle hat sich seither die Dunkelziffer halbiert: von ehemals dem Faktor 4 auf jetzt den Faktor 2, berichten die Forscher (Mitteilung vom LMU Klinikum München).

Update vom 23. Dezember

Die Überlebens-Chancen von Schwerkranken mit COVID-19 haben sich im Verlauf der ersten sechs Monate während der Pandemie deutlich verbessert, berichten US-Forscher von der University of Pennsylvania. Sie haben Daten von 38.517 betroffenen Erwachsenen (Alter im Schnitt 70 Jahre) mit stationärer Therapie zwischen Januar und Juni in 955 US-Kliniken analysiert. Ermittelt wurde der Anteil der Patienten, die binnen 30 Tagen gestorben oder in ein Hospiz verlegt worden waren. Diese Rate variierte dabei stark zwischen den Häusern und reichte von 9 bis knapp 16 Prozent. Fortschritte wurden in einer Subgruppe von 398 Kliniken belegt, in denen jeweils mindestens zehn COVID-19-Patienten (insgesamt 27.801 Patienten, 72 Prozent der Gesamtgruppe) behandelt wurden. Bei 94 Prozent dieser Krankenhäuser ergab sich ein Rückgang der Rate um mindestens ein Viertel. Insgesamt war die Sterberate in solchen Kliniken besonders niedrig, in deren umliegenden Gemeinden COVID-19 relativ selten auftrat. Die Forscher vermuten daher, dass in stark beanspruchten Kliniken die Versorgungsqualität bei Betroffenen möglicherweise sinkt. Mit zunehmenden Erkrankungszahlen könnten die Sterberaten daher auch wieder steigen, warnen sie (JAMA Intern Med. 2020; online 22. Dezember).

Update vom 21. Dezember

Ein Cocktail monoklonaler Antikörper reduziert bei COVID-19-Patienten mit ambulanter Therapie die Viruslast, berichten Forscher von Regeneron Pharmaceuticals aus den USA. Sie haben Daten von 275 Betroffenen aus laufenden placebo-kontrollierten Studien der Phase I bis III ausgewertet. Die Patienten waren zu Beginn auf eine Immunreaktion auf das Virus (Antikörper-positiv oder -negativ) untersucht worden. Je ein Drittel von ihnen hatte nach dem Zufallsprinzip eine hohe (8 g) oder eine niedrige Dosis (2,4 g) des Präparats REGN-COV2 oder ein Placebo erhalten. Ein Endpunkt war die durchschnittliche Veränderung der Viruslast von Tag 1 bis 7, ein zweiter Endpunkt war die Nachfrage nach medizinischer Hilfe bis zum Tag 29. Ergebnis: Im Vergleich zur Placebogruppe nahm die Zahl der Viruskopien bei allen initial Antikörper-Negativen um 0,56 log10-Stufen ab, bei Antikörper-Positiven waren es 0,43 log10-Stufen. Die Reduzierung der Viruslast war bei beiden Dosierungen ähnlich. Der Anteil der Patienten mit medizinischer Hilfe betrug insgesamt 6 Prozent in der Placebogruppe und 3 Prozent in den Verumgruppen. Bei Antikörper-Negativen lag der Anteil bei 15 Prozent (Placebo) und 6 Prozent (Verum). Infusionsbedingte Nebenwirkungen sowie andere hypersensitive Reaktionen waren in der Verumgruppe auf Placeboniveau (NEJM 2020; online 17. September).

Update vom 18. Dezember

Zwei weitere Fälle allergischer Reaktionen sind bei Impfungen mit der COVID-19-Vakzine von BioNTech und Pfizer aufgetreten. Das berichtet das Bartlett Regional Hospital im Großraum Juneau im US-Staat Alaska, nachdem vergangene Woche zwei Fälle in UK bekannt geworden waren. Eine Mitarbeiterin der Klinik in Alaska habe zehn Minuten nach Impfung Anaphylaxie-Symptome bekommen (Herzklopfen, Atemnot, Hautausschlag, Rötungen). Sie wurde umgehend mit Epinephrin und Benadryl (Diphenhydramin) behandelt. Wegen weiterer Symptome folgten die stationäre Aufnahme und eine Epinephrin-Infusion. Als diese gestoppt wurde, kamen die Anaphylaxie-Symptome zurück, berichtet die behandelnde Notärztin Dr. Lindy Jones in der „New York Times“. Die Patientin sei auf die Intensivstation verlegt worden, habe weitere Infusionen bekommen und sei am nächsten Morgen entlassen worden. Es gab keinen Hinweis auf allergische Reaktionen oder Impfreaktionen in der Vorgeschichte. Ein weiterer Mitarbeiter reagierte zehn Minuten nach Impfung mit zugeschwollenen Augen, Benommenheit und Kratzen im Hals. Er bekam ebenfalls Epinephrin und Benadryl. Binnen einer Stunde habe sich sein Zustand normalisiert. Fazit: Bei Impfungen sollte man auf mögliche Anaphylaxie-Maßnahmen vorbereitet sein, so die Klinik.

Schwangere waren von 75 Prozent aller Therapie-Studien zu COVID-19 ausgeschlossen, kritisieren Forscher der WHO und des US-Centers for Disease Control. Sie haben sich internationale „clinical trial registries“ angeschaut und 155 entsprechende Studien aus dem April und 722 aus dem Juli analysiert. Der Fokus lag dabei auf Studien zu Remdesivir, Lopinavir-Ritonavir, Interferon beta, Kortikosteroiden, Chloroquin und Hydroxychloroquin sowie Ivermectin und Hochdosis-Vitaminen. Der Ausschluss Schwangerer von drei Viertel dieser Studien sei nicht gut gerechtfertigt gewesen, so die Forscher. Für viele der Arzneimittel gebe es keine oder nur geringe Sicherheitsbedenken für die Anwendung in der Schwangerschaft. Fazit: Der Zugang Schwangerer zu evidenzbasierten potenziell lebensrettenden Behandlungen bei COVID-19 wird durch den Ausschluss der Frauen in einem nicht gerechtfertigten Maße begrenzt (The Lancet Global Health 2020; online 16. Dezember).

Krebstherapien gehen nur mit einer gering erhöhten Rate an SARS-CoV-2-Infektionen einher. Das hat eine Analyse von 59.989 Krebspatienten mit onkologischen Therapien (adjuvant oder gegen Metastasen) aus der Zeit zwischen Januar und Mai in Italien ergeben. 406 von ihnen erkrankten an COVID-19 (0,68 Prozent), berichten die Autoren der Studie. Die betroffenen Patienten waren im Median 68 Jahre alt, etwa zwei Drittel von ihnen waren mit Chemotherapien behandelt worden. Die Infektionsrate sei niedrig, und Krebstherapien sollten wegen ihres Nutzens deshalb während der Pandemie nicht verzögert werden, betonen die Onkologen. Allerdings: Die Patienten mit antineoplastischen Therapien hatten im Vergleich zur Normalbevölkerung eine etwas höhere Infektionsrate. Dies könne an dem im Vergleich fortgeschrittenen Alter liegen oder auch an einem höheren Ansteckungsrisiko durch häufige Klinikbesuche (JAMA Oncology 2020; online 17. Dezember).

Update vom 16. Dezember

Die ersten zehn Tage nach Entlassung sind für COVID-19-Rekovaleszenten wohl besonders risikoreich: Im Vergleich mit Patienten, die wegen Pneumonie oder Herzproblemen im selben Krankenhaus und im selben Zeitraum behandelt wurden, lag ihr Risiko für eine erneute Einweisung oder Tod in einer Studie um 40 bis 60 Prozent höher. Nach 60 Tagen hatte sich das Verhältnis dann allerdings umgekehrt: Das Risiko von COVID-19-Rekonvaleszenten für erneute Hospitalisierung oder Tod lag jetzt insgesamt niedriger als das von Patienten, die wegen Pneumonie oder Herzproblemen hospitalisiert worden waren. Insgesamt mussten innerhalb von 60 Tagen nach Entlassung 19,9 Prozent der COVID-19-Rekonvaleszenten erneut in die Klinik eingeliefert werden, 9,1 Prozent von ihnen starben. Häufigster Grund für die erneute Einweisung war ein Wiederaufflammen von COVID-19 (30,2 Prozent), gefolgt von Sepsis (8,5 Prozent), Pneumonie (3,1 Prozent) und Herzproblemen (3,1 Prozent). Für ihre Studie hatte sich das Team um Dr. John Donnelly von der University of Michigan in Ann Arbor Daten von rund 2200 COVID-19-Patienten angeschaut, die in 132 Kliniken behandelt und zwischen März und Juli entlassen worden waren (JAMA Network 2020; online 14. Dezember).

Im Südosten Großbritanniens ist eine neue Variante von SARS-CoV-2 aufgetreten. Die Virusvariante ist Berichten zufolge bei mehr als 1000 Infizierten in relativ kurzer Zeit nachgewiesen worden, britische Behörden hätten die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits informiert. Offenbar steht die Variante mit Superspreader-Ereignissen in Zusammenhang, ob sie aber tatsächlich infektiöser ist oder schwerere COVID-19-Symptome auslöst, wird nun in Studien überprüft. Dass eine neue Virusvariante entdeckt wird, ist bekanntlich nichts Ungewöhnliches, das Genom von Viren mutiert permanent. SARS-CoV-2 mutiert dabei im Vergleich mit beispielsweise dem Influenzavirus zwar relativ langsam, dennoch gibt es mittlerweile natürlich einige Varianten. Bei der in Großbritannien aufgetretenen Virusvariante ist die Mutation offenbar in der Gensequenz aufgetreten, die für das Spike-Protein kodiert.

Update vom 15. Dezember

Für einen Antigen-Schnelltest kann ein Selbstabstrich aus der vorderen Nase eine verlässliche Alternative zu einem professionell vorgenommenen Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum sein, wenn die Person zuvor Instruktionen von medizinischem Fachpersonal erhalten hat. Das berichten Forscher der Charité Berlin und der Uni Heidelberg. Teilnehmer einer Studie erhielten vom medizinischen Personal zunächst Instruktionen für den Selbstabstrich. Danach sollten sie einen Tupfer in zwei bis drei Zentimeter Tiefe für 15 Sekunden an den Innenwänden ihrer Nase entlangführen. Anschließend entnahm das Personal einen tiefen Nasenabstrich. Beide Proben wurden auf einen Antigen-Schnelltest aufgetragen und die Ergebnisse miteinander verglichen. Zusätzlich nahm das Personal einen kombinierten Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum, um per PCR eine Diagnose auf eine SARS-CoV-2-Infektion stellen zu können. Das Ergebnis: 39 der 289 Teilnehmer (13,5 Prozent) wurden per PCR positiv getestet. Bei 31 von ihnen (79,5 Prozent) schlug auch der Antigen-Schnelltest an, wenn die Probe professionell tief aus der Nase entnommen wurde. Der Selbstabstrich aus der vorderen Nase lieferte bei 29 von den Infizierten (74,4 Prozent) das korrekte Ergebnis. „Dass Antigen-Schnelltests nicht so sensitiv sind wie die PCR, hatten wir erwartet“, wird Letztautorin Privatdozentin Dr. Claudia Denkinger in einer Mitteilung der Charité zitiert. „Bei genauerem Hinsehen hatten die Antigentests insbesondere in solchen Fällen eine Infektion übersehen, in denen die Patienten nur eine geringe Viruslast hatten.“ Betrachteten die Forscher dagegen nur die Erkrankten mit hoher Viruslast, schlugen die Antigentests bei tiefen Nasenabstrichen jedes Mal an, bei den Selbstabstrichen bei knapp 96 Prozent (Eur Resp J 2020; online 10. Dezember).

Bei Säuglingen im ersten Lebensjahr verläuft eine SARS-CoV-2-Infektion in den meisten Fällen wohl mild. Um genauere Erkenntnisse zum Verlauf von COVID-19 in dieser Altersgruppe zu erhalten, hat ein Team des „Centre Hospitalier Universitaire Sainte-Justine“ (CHU-SJ) in Montreal sich die Daten der 1165 Säuglinge im ersten Lebensjahr angeschaut, die zwischen Februar und Mai 2020 im CHU-SJ wegen Verdachts auf eine SARS-CoV-2-Infektion aufgenommen worden waren. 25 Kinder (zwei Prozent) wurden positiv getestet, Acht von ihnen (32 Prozent) wurden stationär aufgenommen – allerdings wohl eher aus Vorsicht: „In 89,9 Prozent der Fälle verlief die Erkrankung mild“, schreiben die Studienautoren um Dr. Luc Panetta. Am häufigsten waren gastrointestinale Symptome (bei 85 Prozent), gefolgt von Fieber ≥38°C (bei 81 Prozent). Die klinischen Symptome unterschieden sich dabei nicht in der Altersgruppe der Kinder im Alter unter drei Monate und der Gruppe der drei bis zwölf Monate alten Kinder. 26 Prozent der Kinder hatten Komorbiditäten (JAMA Netw Open; online 14. Dezember).

Update vom 14. Dezember

Die sekundäre Befallsrate von SARS-CoV-2 bei Haushaltskontakten liegt im Vergleich zu der von SARS-CoV-1 und MERS-CoV wohl deutlich höher, und zwar bei 16,6 Prozent versus 7,5 beziehungsweise 4,7 Prozent. Damit waren und sind auch künftig Übertragungen im häuslichen Umfeld häufige Infektionswege, wenn Infizierte sich zu Hause isolieren, betonen die Autoren der Metaanalyse um Dr. Zachary Madewell von der University of Florida in Gainesville. Die Forscher hatten 54 Studien mit insgesamt über 77.000 Teilnehmern ausgewertet. Weitere Ergebnisse: Symptomatische COVID-19-Indexfälle waren mit einer höheren sekundären Befallsrate („secondary attack rate“) im häuslichen Umfeld assoziiert als asymptomatische Indexfälle (18,0 versus 0,7 Prozent). Außerdem ist der Metaanalyse zufolge die sekundäre Befallsrate bei Kontakt zu Tochter oder Sohn höher als bei Kontakt zu anderen Familienmitgliedern (37,8 versus 17,8 Prozent) (JAMA Netw Open; online 14. Dezember).

Der JAK-Hemmer Baricitinib plus Remdesivir verkürzte in einer Studie die Dauer der Hospitalisierung um einen Tag gegenüber Remdesivir allein (sieben versus acht Tage). Noch besser schnitt die Kombination bei der Subgruppe der COVID-19-Patienten ab, die nicht-invasiv beatmet wurden oder eine High-Flow-Sauerstofftherapie erhielten. Hier verkürzte sich die Dauer des Klinikaufenthalts um acht Tage (10 versus 18 Tage). Die Studie, in der die Daten von 1033 Patienten analysiert wurden, wurde vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) gefördert. Die Wissenschaftler um Dr. Andre C. Kalil vom University of Nebraska Medical Center stellten zudem positive Ergebnisse im Bezug auf die Mortalitätsrate nach 28 Tagen fest (sekundärer Endpunkt): Diese lag in der mit Baricitinib plus Remdesivir behandelten Gruppe bei 5,1 Prozent, in der mit Remdesivir allein behandelten Gruppe dagegen bei 7,8 Prozent. Baricitinib wird zur Therapie bei Rheumatoider Arthritis eingesetzt (NEJM 2020; online 11. Dezember).

Update vom 10. Dezember

Statine, ACE-Hemmer und Kalzium-Kanal-Blocker gehen offenbar mit einem verringerten Mortalitätsrisiko einher. Darauf deuten Ergebnisse einer US-Kohortenstudie mit Daten von rund 65.000 COVID-19-Patienten aus 592 Krankenhäusern. Die Patienten waren sowohl ambulant als auch stationär zwischen April und Mai 2020 behandelt worden. Mit einer erhöhten Sterblichkeit war am stärksten – wie zu erwarten – ein fortgeschrittenes Alter assoziiert. Die Odds Ratio (OR) lag bei 16,2 für Tod bei einem Alter über 80 Jahren verglichen mit einem Alter von 18 bis 34 Jahren. Mit einer niedrigeren Mortalität ging hingegen der fortgesetzte Erhalt von Kalzium-Kanal-Blockern (OR 0,73), Statinen (OR 0,6) und ACE-Hemmern (OR 0,53) einher. Außerdem wurde die Mortalität von Patienten, die Hydroxychloroquin oder Azithromycin erhalten hatten, mit der von Patienten verglichen, die diese Arzneien nicht erhalten hatten: Bei Ersteren war das Mortalitätsrisiko höher (OR 1,21) (JAMA Netw Open 2020; online 10. Dezember).

Update vom 9. Dezember

Im Freien ist das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko um ein vielfaches geringer, bestätigt eine Metaanalyse von zwölf internationalen Studien. In fünf Studien betrug der Anteil der Transmissionen, die mutmaßlich draußen stattgefunden hatten, weniger als zehn Prozent, eine Studie beziffert das Risiko einer Infektion im Freien als knapp 19-mal niedriger als innerhalb geschlossener Räume. Die Autoren der Metaanalyse schränken jedoch ein, dass sich auch im Freien Sorglosigkeit und mangelnde Schutzmaßnahmen rächen können: Im September 2020 wurden zum Beispiel im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington von den 200 Anwesenden im Nachhinein mindestens zehn Personen, darunter der US-Präsident und mehrere Berater, positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Masken hatten die wenigsten getragen, auf den eng gestellten Stuhlreihen hatte man quasi Schulter an Schulter gesessen. Mehrere Teilnehmer hatten sich zudem im Lauf der Veranstaltung umarmt und Hände geschüttelt. Wenn auf die Einhaltung von Abstandsregeln und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes geachtet wird, plädieren die Forscher jedoch dafür, möglichst viele Indoor-Aktivitäten und gegebenenfalls auch Schulstunden ins Freie zu verlegen (J Infect Dis 2020; online 29. November). (eo)

Update vom 8. Dezember

Wie hoch ist das Risiko, als Patient mit COVID-19 Komplikationen zu entwickeln? Das haben Wissenschaftler aus Buffalo im US-Bundesstaat New York untersucht. Dafür werteten sie Daten von 70.288 Patienten mit COVID-19 aus, die in den USA zwischen März und April 2020 behandelt wurden. Die Patienten waren im Mittel 65 Jahre alt, gut die Hälfte von ihnen wurde stationär behandelt, etwa fünf Prozent auf der Intensivstation. Die Forscher untersuchten, welche Komplikationen bei den Patienten insgesamt häufig beobachtet wurden. Im Ergebnis haben eine starke Assoziation mit COVID-19 und ein hohes absolutes Risiko: virale Pneumonie (absolutes Risiko 27,6 Prozent), Lungenversagen (22,6 Prozent), akutes Nierenversagen (11,8 Prozent) und Sepsis (10,4 Prozent). Beschwerden, die eine starke Assoziation mit COVID-19, aber ein niedriges absolutes Risiko haben, sind Pneumothorax (absolutes Risiko 0,4 Prozent), Myokarditis (0,1 Prozent) und disseminierte intravasale Koagulopathie (0,1 Prozent) (CMAJ 2020; online 7. Dezember).

Update vom 7. Dezember

SARS-CoV-2 und Entbindungen: Medizinisch spricht wohl nichts dagegen, SARS-CoV-2 infizierten Müttern von Neugeborenen zu erlauben, die Neugeborenen im selben Zimmer zu behalten und sie zu stillen, wenn sie dazu in der Lage sind. Das bestätigt eine prospektive Multicenter-Studie mit 62 Neugeborenen und 61 Müttern aus Norditalien. Diese wurden zwischen März und Mai 2020 in sechs Geburtskliniken in der Lombardei für im Mittel 20 Tage nach der Geburt beobachtet. Im Ergebnis blieben 61 Babies gesund, bei einem Neugeborenen wurde eine Infektion festgestellt, das daraufhin eine transiente milde Dyspnoe entwickelte, die nach einigen Tagen verschwand. Am 30. Tag konnte in einem nasopharyngealen Abstrich SARS-CoV-2 nicht mehr festgestellt werden. Im Oktober waren Wissenschaftler aus New York zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen (wir berichteten im Update vom 13. Oktober). Die italienischen Forscher vermuten, dass die Muttermilch bei den gestillten Neugeborenen eine protektive Wirkung vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 gehabt haben könnte, möglicherweise durch spezifisches Immunglobulin-A oder durch die bekannten immunologischen Eigenschaften der Muttermilch selbst (JAMA Pediatrics 2020; online 7. Dezember).

Update vom 4. Dezember

Das experimentelle orale Virustatikum Molnupiravir (4482/EIDD-2801) könnte ein Therapieansatz zur Behandlung von COVID-19 sein. Das Medikament wurde zur Behandlung von Influenzainfektionen entwickelt und wird derzeit in diesem Kontext in Phase-II/III-Studien getestet. Nun hat es sich in ersten Versuchen am Tier auch als wirksam gegen SARS-CoV-2 erwiesen: Frettchen, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren lassen und in deren Nasen- und Rachenraum das Virus schnell repliziert, wurden zweimal täglich mit Molnupiravir in Kapselform behandelt. Die Viruslast ließ sich damit signifikant reduzieren, eine Übertragung von SARS-CoV-2 auf Kontakttiere fand nicht statt, berichtet das Team um Dr. Robert Cox und Josef Wolf von der Georgia State University in Atlanta. Unerwünschte Wirkungen seien bei den Tieren nicht aufgetreten. MK-4482/EIDD-2801 ist ein Prodrug des Nukleosid-Analagons N4-Hydroxycytidin, das die Replikation von Influenzaviren blockieren kann (Nature Microbiology; online 3. Dezember).

Nehmen Frauen mit Typ-2-Diabetes oder mit Adipositas Metformin ein, ist dies im Vergleich zu Frauen ohne das Antidiabetikum bei COVID-19 mit einem verringerten Sterberisiko assoziiert, berichten US-Forscher vom Department of Medicine der University of Minnesota. Bei betroffenen Männern zeigt sich diese Assoziation nicht. Die Forscher haben retrospektiv Daten von 6256 Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Adipositas (medianes Alter 73 Jahre) analysiert. Diese waren zwischen Januar und Anfang Juni stationär wegen COVID-19 behandelt worden. Gut die Hälfte der Teilnehmer waren Frauen. Von den 2333 Patienten mit Metformin starben 394 (17 Prozent), von den 3923 Teilnehmern ohne das Antidiabetikum 791 (20 Prozent). Bei genauer Betrachtung zeigte sich aber folgende Assoziation: Frauen mit Metformin hatten im Vergleich zu Frauen ohne Metformin ein um 11 Prozent verringertes Sterberisiko (HR: 0,89). Bei Männern mit Metformin war das Sterberisiko im Vergleich zu Männern ohne nicht statistisch signifikant verringert (HR: 0,95). Typ-2-Diabetes und Adipositas gehen mit chronischer Entzündung einher und sind Risikofaktoren für schwere COVID-Verläufe. Eine mögliche Schutzwirkung von Metformin ließe sich mit zytokin-reduzierenden und geschlechtsspezifischen immunmodulierenden Effekten erklären, so die Forscher (Lancet Health Longevity 2020; online 3. Dezember).

Update vom 3. Dezember

Die WHO empfiehlt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) in Regionen mit hohen Infektionszahlen nun auch in der eigenen Wohnung, wenn Besuch empfangen wird und nicht für eine ausreichende Belüftung gesorgt werden kann. Dies gelte unabhängig davon, ob ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden kann oder nicht. Auch im Freien sollte MNS getragen werden, wenn es nicht möglich ist, einen Ein-Meter-Mindestabstand einzuhalten. Dies gelte besonders für Risikogruppen. Bei sportlicher Aktivität könne auf die Maske verzichtet werden, wenn der MNS die Atmung einschränkt. Grundsätzliche gelte auch hier die Regel für einen Mindestabstand von einem Meter. Der Nutzen eines MNS ist für die WHO allerdings weiterhin unklar: „Derzeit gibt es nur eingeschränkte und inkonsistente wissenschaftliche Hinweise, die für die Effektivität eines MNS gegen Atemwegsinfektionen auslösende Viren wie SARS-CoV-2 bei gesunden Menschen sprechen“, heißt es in den Empfehlungen (WHO-Empfehlungen, Stand 1. Dezember).

Vier bereits bei anderen Indikationen eingesetzte Medikamente haben sich bei COVID-19 als kaum wirksam erwiesen. Entsprechende Zwischenergebnisse des „WHO Solidarity Trial“ sind jetzt von Experten der Studiengruppe vorgestellt worden. Ziel von Solidarity ist, das Potenzial von Remdesivir, Hydroxychloroquin, Lopinavir und Interferon für ein sogenanntes „repurposing“ zu untersuchen. An der Studie hatten 405 Kliniken in 30 Ländern mit 11.330 erwachsenen COVID-19-Patienten teilgenommen. Ergebnisse: Im Remdesivir-Arm der Studie mit 2743 Patienten starben 301 in der Verum- und 303 in der Placebogruppe. Im Hydroxychloroquin-Arm gab es unter 947 Patienten 104 (Verum) und 84 (Placebo) Todesfälle. Auch bei Lopinavir und Interferon waren keine signifikanten Unterschiede bei der Mortalität zwischen Verum- und Placebogruppe zu sehen. Zudem wurden weitere Parameter wie Notwendigkeit zu mechanischer Beatmung oder auch der Dauer von Klinikaufenthalten durch die Medikamente nur wenig bis überhaupt nicht verbessert (NEJM 2020; online 2. Dezember).

Update vom 2. Dezember

Die Gabe intravenöser Immunglobuline (IVIG) bei COVID-19-Patienten mit moderater oder schwerer Hypoxie könnte das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Das berichten Forscher sowie der Hersteller des eingesetzten Medikaments beim diesjährigen Kongress der American Society of Hematology. An der kleinen Studie nahmen 33 Patienten von zwei Kliniken in San Diego teil, die unter Hypoxie litten und bei denen das Risiko für eine mechanische Beatmung hoch war. Die eine Hälfte erhielt das IVIG-Medikament Octagam 10% (das etwa bei primären und sekundären Immundefekten eingesetzt wird) in der Dosierung 0,5 g/kg/Tag an drei aufeinanderfolgenden Tagen, die andere Hälfte die Standardbehandlung. Unter Octagam® 10% mussten weniger Patienten mechanisch beatmet werden (sechs in der Standardtherapiegruppe, zwei in der Octagam® 10%-Gruppe). Zudem war die Liegezeit auf der Intensivstation in der behandelten Gruppe deutlich kürzer (3 vs. 13 Tage). Der Hersteller Octapharma will jetzt eine Phase-III-Studie starten (Postervorstellung beim ASH-Kongress, online 2. Dezember).

Desinfektionsmittel ohne Alkohol können SARS-CoV-2 wohl genauso effektiv inaktivieren wie solche mit Alkohol. In einem Test mit vier in den USA üblichen Desinfektionsmitteln mit 0,2-prozentigem Benzalkoniumchlorid oder quartären Ammoniumverbindungen (Quat), aber ohne Alkohol, waren bei dreien nach 15 Sekunden keine Viren mehr nachweisbar, bei einem nach 30 Sekunden. Wie das Team um Benjamin Ogilvie, Brigham Young University in Provo, schreibt, seien die Erkenntnisse gerade für Mitarbeiter im Gesundheitswesen interessant. „Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis werden als einzige von der CDC empfohlen und waren bei der Eindämmung und Kontrolle der SARS-CoV-2-Pandemie die erste Wahl, was allerdings auch zu Engpässen geführt hat“. Händedesinfektionsmittel mit 0,2-prozentigem Benzalkoniumchlorid wirkten ebenso gut und könnten breiter eingesetzt werden (J Hospital Inf 2020; online 28. November).

Eine Metaanalyse bestätigt: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass RAAS-Inhibitoren das Infektionsrisiko für SARS-CoV-2 erhöhen. Es gibt daher auch keinen Grund, ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorblocker (Sartane) abzusetzen, betont das Team um Professor Berthold Hocher und Professor Bernhard Krämer, Universitätsmedizin Mannheim. Vielmehr sei wohl das Gegenteil der Fall: Patienten, die ACE-Hemmer einnehmen, scheinen im Vergleich zu Patienten ohne Medikamenteneinnahme dieser Wirkstoffklasse, ein um 13 Prozent geringeres Risiko für eine SARS-CoV-2 Infektion zu haben (elf Studien; insgesamt 8,4 Millionen Patienten). Auch in Bezug auf die Mortalität haben sich in der Metaanalyse vorteilhafte Assoziationen gezeigt: COVID-19-Patienten, die RAAS-Inhibitoren einnehmen, haben demnach ein um 24 Prozent geringeres Mortalitätsrisiko (34 Studien; insgesamt 67.644 Patienten). Die Forscher betonen allerdings, dass die Effekte in Placebo-kontrollierten Interventionsstudien überprüft werden müssten, um eine sichere Aussage treffen zu können (Brit J Clin Pharmacol 2020; online 20. November).

Update vom 1. Dezember

SARS-CoV-2 gelangt möglicherweise über die Neuronen des Riechepithels direkt ins Gehirn. Ein Team um Forscher der Charité hat im Nasopharynx und im Gehirn von gestorbenen COVID-19-Patienten per Elektronenmikroskopie intakte Viruspartikel nachweisen können. Die Partikel fanden sich dabei im Inneren der Neuronen und auf den Fortsätzen der dort ansässigen Deckzellen. Auf Basis dieser Daten gehen die Wissenschaftler davon aus, dass SARS-CoV-2 die Riechschleimhaut als Eintrittspforte ins Gehirn benutzen kann. Dies sei anatomisch naheliegend: Hier befinden sich Schleimhautzellen, Blutgefäße und Neuronen sehr nah beieinander. Noch nicht abschließend geklärt ist, wie exakt das Virus sich weiterbewegt. Die Daten sprechen den Autoren zufolge dafür, dass das Virus von Nervenzelle zu Nervenzelle wandert, um das Gehirn zu erreichen. Vermutlich wird das Virus aber gleichzeitig auch über das Blutgefäßsystem transportiert, da sich auch in den Gefäßwänden im Gehirn Virus nachweisen ließ. Auch die häufig auftretenden Riech- und Geschmacksstörungen ließen sich mit diesen Erkenntnissen erklären. Letztautor Professor Frank Heppner betont in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation aber: „Wichtig ist, dass die von uns untersuchten COVID-19-Betroffenen einen schweren Verlauf hatten. Die Ergebnisse unserer Studie können deshalb nicht zwangsläufig auf leichte oder mittelschwere Fälle übertragen werden“ (Nature Neuro Science, online 30. November).

Mit einem „Riechtraining“ könnten sich durch COVID-19 verursachte und oftmals lang anhaltende Riechstörungen behandeln lassen. Das lässt eine Studie unter Leitung der Carl-Gustav-Carus-Universität in Dresden vermuten. Bei diesem Training riechen die Patienten zweimal täglich mehrere Sekunden lang an vier verschiedenen Düften, und dies über mehrere Monate hinweg. Erprobt hatte das Team um Dr. David Liu die Riechtherapie unter anderem an 153 Patienten mit Riechstörungen nach einer viralen Infektion. Die Patientendaten wurden in den Jahren 2008 bis 2018 erfasst, also in Prä-COVID-19-Pandemiezeiten. Dennoch könne man aus den Ergebnissen schließen, dass sich die Riechtherapie auch für COVID-19-Patienten eignet: Durch das Training habe sich bei den Patienten die Unterscheidung der vier Düfte untereinander sowie die Zuordnung eines Dufts signifikant gebessert, schreiben die Forscher (Laryngoscope 2020; online 19. November).

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30.10.2020 | COVID-19 | Nachrichten

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Quelle: Ärzte Zeitung

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