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25.06.2019 | Distale Radiusfraktur | Nachrichten

Besser als Gips

Op. nach Unterarmbruch gibt Seniorenhänden Kraft

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Gerade ältere Patienten mit instabiler distaler Radiusfraktur profitieren schwedischen Forschern zufolge eher von einer Plattenosteosynthese als von der alleinigen Ruhigstellung im Gipsverband. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass das Handgelenk nach der Op. früher wieder zu gebrauchen ist.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Mehrwöchige Ruhigstellung im Gipsverband oder operatives Management mit Plattenosteosynthese? Zur optimalen Versorgung einer instabilen distalen Unterarmfraktur bei Senioren gibt es bislang keinen allgemeinen Konsens. Auf der einen Seite deuten zahlreiche Studien auf mittelfristig annähernd gleichwertige funktionelle Ergebnisse hin. Andererseits scheinen jedoch die kurzfristigen Vorteile der operativen Versorgung gerade bei älteren Patienten zu überwiegen.

Deutlich bessere funktionelle Ergebnisse

Das Argument der rascheren Mobilisierung wird aktuell durch eine randomisierte schwedische Studie unter Beteiligung von insgesamt 140 Patienten im Alter von mindestens 70 Jahren unterstützt. Die Versorgung der dorsal dislozierten distalen Radiusfraktur mittels Plattenosteosynthese hatte nach drei Monaten zu deutlich besseren funktionellen Ergebnissen geführt als ein konservatives Regime mit Gipsverband. Wie Dr. Jenny Saving vom Karolinska-Institut in Stockholm und ihr orthopädisches Team berichten, war der Vorteil der Op. auch nach einem Jahr noch signifikant.

Die Erstversorgung mit geschlossener Reposition und Immobilisierung im Unterarmgips hatte bereits in der Notaufnahme stattgefunden. Danach wurden die Patienten einer von zwei Gruppen zugelost: Die einen (n = 68) erhielten innerhalb von zwei Wochen eine volare winkelstabile Platte (verschiedene Systeme) unter fluoroskopischer Kontrolle, ergänzt durch eine Gipsimmobilisierung über lediglich zwei Wochen. Bei den anderen (n = 72) wurde die konservative Therapie mit Gipsverband nach der Randomisierung über weitere vier bis fünf Wochen fortgesetzt.

Zur Beurteilung der Schmerzen und des funktionellen Resultats hatten die Forscher zwei Patientenfragebögen herangezogen: den Patient-Rated Wrist Evaluation (PRWE)-Score und den Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH)-Score. In der operierten Gruppe betrug der Punktwert im PRWE nach drei Monaten median 10,3, in der nicht operierten Gruppe 35,5; nach einem Jahr lagen die Werte bei median 7,5 bzw. 17,5 Punkten. Ähnlich verhielt es sich beim DASH-Score: Nach drei Monaten wurden median 14,4 gegenüber 29,2 Punkte erzielt, nach zwölf Monaten 8,3 versus 19,9 (jeweils von 100 Punkten; der Grad der Behinderung nimmt in beiden Skalen mit steigender Punktzahl zu). Wie zu erwarten waren die röntgenologischen Ergebnisse nach Op. denen nach konservativem Management deutlich überlegen.

Schneller wieder zupacken

Saving und ihr Team sehen den Vorteil der Plattenosteosynthese vor allem in der rascheren Mobilisierung des Handgelenks. Dies sei besonders relevant für Patienten, die auf eine Gehhilfe angewiesen seien. Die Forscher weisen zudem auf die signifikant stärkere Griffkraft in der Gruppe mit der Osteosynthese hin (nach drei Monaten 72% gegenüber 52%, jeweils in Relation zur gesunden Hand), was den Patienten vor allem bei Alltagsaktivitäten wie Kochen oder Tragen von Einkaufstaschen zugutekomme.

Drei Patienten aus der konservativ behandelten Gruppe mussten sich schließlich doch noch einer Korrekturosteotomie unterziehen, in fünf Fällen kam es zu einem operationsbedürftigen Karpaltunnelsyndrom. Letzteres trat in der Op.-Gruppe in zwei Fällen auf. Weitere zwei aus dieser Gruppe entwickelten eine Sehnenscheidenentzündung und mussten daraufhin die Platte entfernt bekommen. Insgesamt war die Komplikationsrate jedoch in beiden Gruppen gleich (11% bzw. 14%).

"Vorteile überwiegen"

Für die Studienkommentatorin Dr. Tamara D. Rozental überwiegt bei den Senioren letztlich der Nutzen der Op.: „Unabhängig zu bleiben ist gerade für Patienten, die schon etwas gebrechlich sind, von höchster Bedeutung“, so die Expertin von der Harvard Medical School in Boston. Das operative Management der distalen Radiusfraktur biete dadurch, dass es eine frühzeitige Aufnahme von Alltagsaktivitäten erlaube, einen „echten Vorteil“.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Ist die operative Versorgung einer instabilen distalen Radiusfraktur bei Senioren dem konservativen Management vorzuziehen?

Antwort: Die Plattenosteosynthese ist im kurz- bis mittelfristigen Verlauf der Gipsimmobilisierung deutlich überlegen. Die Komplikationsrate war in der randomisierten Studie mit über 70-jährigen Patienten nicht erhöht.

Bedeutung: Gerade im höheren Alter ist der Wert einer frühzeitigen Mobilisierung des Handgelenks nicht zu unterschätzen.

Einschränkung: Die Daten stammen aus zwei getrennten Studien, die im Nachhinein zusammengefasst wurden. Kurze Nachbeobachtungszeit von max. einem Jahr.


Literatur

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