Die Anästhesiologie
Autoren
Georg Laux

Esmarch-Handgriff, Guedel-Tubus und Wendel-Tubus

Die erste und sehr effektive Maßnahme zum Freihalten der Atemwege ist der Handgriff nach Esmarch. Er ist die Grundlage für korrektes Positionieren weiterer Atemhilfen, orales Absaugen und Maskenbeatmung. Weitere Atemhilfen sind z. B. der Guedel- und der Wendel-Tubus, die in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Esmarch-Handgriff

Die erste und sehr effektive Maßnahme zum Freihalten der Atemwege ist der Handgriff nach Esmarch. Er ist die Grundlage für korrektes Positionieren weiterer Atemhilfen, orales Absaugen und Maskenbeatmung.
Durchführung des Esmarch-Handgriffs (Abb. 1)
  • Patient liegt in Rückenlage, der Kopf wird in Neutralstellung oder leicht rekliniert gelagert.
  • Mit beiden Händen den Unterkiefer des Patienten seitlich fassen. Finger liegen an der Unterkante des Corpus mandibulae, kleine Finger am Angulus mandibulae, Daumen parallel zum Corpus mandibulae, Daumenspitze auf der Kinnspitze.
  • Mund leicht öffnen und Unterkiefer nach ventral heben.
Unterkiefer, Mundboden und Zungengrund werden so von der Rachenhinterwand abgehoben. Der Handgriff ist für den Patienten unangenehm bis schmerzhaft. Da die Bewegung hauptsächlich am Unterkiefer ausgeführt wird, ist die Belastung für die Halswirbelsäule gering.
Cave
Eine maximale Reklination des Kopfes ist nicht sinnvoll.
Durch Zug in kraniodorsale Richtung würde der Abstand zwischen Zungengrund und Rachenhinterwand wieder verkleinert werden. Die Belastung für die Halswirbelsäule würde steigen und zervikale Blutgefäße könnten eingeengt werden.

Guedel-Tubus

Guedel-Tuben sind oropharyngeale Tuben. Sie schienen den Zungengrund bis zum Hypopharynx und imitieren in der Funktion den Esmarch-Handgriff. Sie erleichtern sowohl die Spontanatmung als auch die Maskenbeatmung. Durch die feste Form und den guten Sitz eignen sie sich auch als Schienung und Beißschutz für orotracheale Tuben (Abb. 2).
Da Guedel-Tuben auf dem Zungengrund liegen und die Rachenhinterwand berühren, lösen sie einen starken Würgereiz aus und werden nur bei ausreichender Narkosetiefe bzw. Sedierung toleriert.
Guedel-Tuben gibt es in mehreren Größen (Tab. 1). Die richtige Größe wird durch Anhalten abgeschätzt. Dabei sollte der Guedel-Tubus in seitlicher Projektion von der Schneidezahnreihe bis kurz oberhalb des Larynx reichen.
Tab. 1
Orientierende Hinweise für die Größenwahl von Guedel-Tuben
Patienten
Größe
Erwachsene groß
5
Erwachsene normal
4
Erwachsene klein
3
Jugendliche
2
Kinder
1
Kleinkinder
0
Säuglinge
00
Einführen eines Guedel-Tubus
  • Der Patient liegt in Rückenlage, der Kopf ist in Neutralstellung oder leicht rekliniert.
  • Öffnen des Mundes und Einführen des Guedel-Tubus über die Zunge in die vorderen \( {2}\!\left/ {3}\right. \) der Mundhöhle. Die Konvexität des Guedel-Tubus zeigt dabei nach kaudal und verdrängt leicht die Zunge.
  • Drehen des Guedel-Tubus um 180°, die Konvexität zeigt jetzt nach kranial. Die Tubusspitze liegt auf dem mittleren Drittel der Zunge und weist in Richtung Hypopharynx.
  • Vorschieben des Guedel-Tubus über den Zungengrund bis die Abschlussplatte an den Lippen anliegt.
  • Zur sicheren Positionierung des Tubus und Entfaltung des Zungengrunds wird jetzt einmal der Esmarch-Handgriff durchgeführt.
Sollte der Guedel-Tubus beim Vorschieben den Zungenkörper in den Hypopharynx vor die Glottis gedrängt haben, wird dies durch die Entfaltung des Mundbodens mit dem Esmarch-Handgriff beseitigt.
Zu kleine Tuben heben den Zungengrund nicht vollständig von der Rachenhinterwand ab. Zu große Tuben können mit ihrer Öffnung unterhalb der Glottisebene liegen oder die Epiglottis auf den Kehlkopfeingang drücken.

Wendel-Tubus

Wendel-Tuben sind nasopharyngeale Tuben. Wie Guedel-Tuben halten sie den Luftweg durch Verdrängen des Zungengrunds von der Rachenhinterwand frei. Im Gegensatz zum Guedel-Tubus sind sie weich. Da sie den Zungengrund nur tangential im Hypopharynx treffen, lösen sie nur schwache Würgereize aus und werden auch von somnolenten Patienten toleriert.
Das Einführen durch die Nase ist unangenehm bis schmerzhaft und wird durch abschwellende Nasentropfen und Lokalanästhetikagel erleichtert.
Da beim Einführen starkes Nasenbluten auftreten kann und die Lage der Tubusspitze ohne Atemgeräusche nicht kontrolliert werden kann, sind Wendel-Tuben für die Maskenbeatmung weniger geeignet als Guedel-Tuben. Sie eignen sich jedoch besser zur Erleichterung der Spontanatmung in der Ausleitung und bei somnolenten Patienten.
Wendel-Tuben sind in abgestuften Größen (12–36 Charr) erhältlich. Die Größe richtet sich nach der Öffnung des unteren Nasengangs. Es sollte immer der größtmögliche Tubus verwendet werden (Abb. 3).
Einführen eines Wendel-Tubus
  • Tubus mit Gleitmittel bestreichen, abschwellende Nasentropfen applizieren.
  • Nasenspitze anheben, Tubus in das Nasenloch in Richtung unterer Nasengang, parallel zum harten Gaumen, einführen. Die Schräge der Tubusspitze steht senkrecht zum Gaumen.
  • Vorschieben unter leichten Drehbewegungen.
  • Bei Erreichen des Epipharynx Wendel-Tubus um 90° drehen, Schräge der Tubusspitze zeigt nach dorsal.
  • Unter Kontrolle des Atemgeräusches bis in den Hypopharynx vorschieben.
  • Ggf. Tubus vorsichtig vor- und zurückbewegen. Bei korrekter Lage liegt die Tubusspitze direkt vor der Glottis, das Atemgeräusch ist am lautesten.
  • Ringscheibe auf dem Tubus bis zur Nasenspitze verschieben, um den Tubus in der optimalen Einführtiefe zu fixieren.
Wird der Wendel-Tubus zu tief eingeführt, liegt die Tubusspitze im Ösophaguseingang. Wird der Tubus nicht tief genug eingeführt, wird der Zungengrund nur teilweise aus dem Atemstrom verdrängt.