Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Analysegerät

Analysegerät
Synonym(e)
Analysator; Analyzer
Englischer Begriff
analytical instrument
Definition
Gerät oder Kombination von Geräten, die für einen analytischen Prozess eingesetzt werden (IUPAC-Definition).
Beschreibung
Nach o. g. Definition sind alle Systeme, die zur Analyse eingesetzt werden, also z. B. auch Teststreifen, Titrationsanlagen, pH-Meter, Waagen und Mikroskope Analysegeräte. Im engeren Sinn versteht man in der Klinischen Chemie darunter allerdings eher teil- und vollmechanisierte sowie automatisierte (Automatisierung) Geräte (Apparate), wie hämatologische, immunochemische und klinisch-chemische Analyzer, HPLC-Anlagen, Elektrophoresesysteme und Spektrometer (IR, UV/VIS, Masse).
Vollmechanisierte Analysegeräte können in Durchflusssysteme (kontinuierliches Prinzip; „continuous flow“) und diskret arbeitende Systeme (diskontinuierliches Prinzip) unterteilt werden.
Durchflussprinzip und Auto-Analyzer werden oft synonym verwendet, obwohl dies nicht ganz zutreffend ist. Der Auto-Analyzer der Firma Technicon (von Skeggs im Jahr 1957 entwickelt; Skeggs, Leonard Tucker Jr.) war der erste im Flow-Prinzip arbeitende Analyzer . In dieser Gerätegruppe wurden die flüssigen Proben und Reagenzien mit Proportionierpumpen durch ein Schlauchsystem gepumpt. Walzen wanderten über diese Schläuche, pressten sie zusammen und bewegten dadurch den Inhalt kontinuierlich vorwärts. Die Proben wurden durch Wassersegmente getrennt und der Gesamtfluss durch Luftblasen segmentiert. Letztere verhinderten die Probenrückvermischung, gewährleisteten die Probenhomogenität (keine Trennung leichter von schweren Probenbestandteilen), förderten die Mischung innerhalb der Flüssigkeitssegmente, ermöglichten eine visuelle Überwachung des Systems und verringerten Verschleppungsfehler.
Diskontinuierlich (diskret) arbeitende Analyzer beruhen auf sehr verschiedenen Konzepten, wie Küvettenrotorverfahren (Zentrifugalanalysator), Imitation der konventionellen manuellen Technik und Verwendung von pro Analyse konfektionierten Reagenzien (Tabletten, gekammerte Reagenzienbeutel, deren Kammern für die einzelnen Analyseschritte angestochen werden und dadurch ihren Inhalt in die Reaktionskammer entleeren.
Die Einführung vollmechanisierter und zunehmend automatisierter Analysengeräte war für die Entwicklung der Klinischen Chemie (Klinische Chemie) von außerordentlicher Bedeutung. Ohne Mechanisierung und Automatisierung wäre das ständig steigende Probenaufkommen ökonomisch nicht zu bewältigen und den stetig gestiegenen Anforderungen an Richtigkeit und Präzision sowie an die Schnelligkeit der Durchführung der klinisch-chemischen Analyse kaum zu entsprechen gewesen. In Zukunft wird die Kombination von automatisierten Analysengeräten und Expertensystemen weiter an Bedeutung gewinnen und zu einer zusätzlichen Rationalisierung im klinisch-chemischen Labor führen.
Literatur
Haeckel R (1995) Rationalisierung quantitativer Analysenverfahren. In: Greiling H, Gressner AM (Hrsg) Lehrbuch der Klinischen Chemie und Pathobiochemie. Schattauer Verlag, Stuttgart/New York
Kingston HM, Kingston ML (1994) Nomenclature in laboratory robotics and automation. Pure Appl Chem 66:609–630CrossRef
Skeggs LT (1957) An automatic method for colorimetric analysis. Am J Clin Pathol 28:311–322PubMed