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21.11.2017 | Nierenkarzinom | Nachrichten

Nierenzellkarzinom

Aus der Pseudokapsel lässt sich die Zukunft lesen

Autor:
Robert Bublak

Nierenzellkarzinome mit Pseudokapsel haben eine bessere Prognose als Nierenkrebs ohne eine solche Struktur. Und auch der Grad der Tumorinvasion in die Kapsel erlaubt Rückschlüsse auf den künftigen Verlauf, wie eine chinesische Studie zeigt.

Bei Nierenkrebs gibt es einige Barrieren, die je nachdem, ob sie durchbrochen oder intakt sind, prognostisch bedeutsam sind. Dazu gehören die Nierenkapsel und die Gerotafaszie. Wie eine chinesische Forschergruppe um Wei Xi, Abteilung für Urologie an der Zhongshan-Klinik der Fudan-Universität Schanghai, herausgefunden hat, erlaubt bereits der Zustand der Pseudokapsel des Tumors selbst eine Aussage über den wahrscheinlichen weiteren Verlauf.

Xi und Kollegen sahen sich die Daten von rund 1300 Patienten an, die sich zwischen 2006 und 2011 wegen eines Nierenzellkarzinoms einer Nephrektomie hatten unterziehen müssen. Alle Tumorstadien waren vertreten, die Stadien III und IV machten gut ein Viertel der Fälle aus. Eine Pseudokapsel war bei 95,2% der Patienten festzustellen, im Mittel war sie knapp 0,5 mm dick. Sofern eine Pseudokapsel vorhanden war, wurden drei Invasionsgrade unterschieden: vollständig intakt (Grad 0); Einbruch ohne Durchbruch (Grad 1); vollständig durchbrochen (Grad 2).

Höherer Invasionsgrad verdüstert die Aussichten

Ein höherer Invasionsgrad bzw. das Nichtvorhandensein einer Pseudokapsel wirkten sich deutlich auf die Überlebenskurven aus. Die Rate des progressionsfreien Überlebens über acht Jahre hinweg betrug 85% für Grad 0, 81% für Grad 1, 63% für Grad 2 und 43% bei fehlender Pseudokapsel. Nach Abgleich gegen etwaige Einflussgrößen resultierte daraus ein 1,5-fach höheres Progressionsrisiko für Patienten mit Grad 1, ein 2,7-faches Risiko für Grad 2 und ein 2,5-faches Risiko für fehlende Pseudokapsel. Patienten mit Grad 0 dienten hier als Referenz.

Für das Acht-Jahres-Gesamtüberleben lagen die Anteile bei 86%, 79%, 61% und 58% für Grad 0, 1 und 2 sowie für nicht vorhandene Pseudokapsel. Die multivariate Analyse ergab hier ein rund doppelt so hohes Sterberisiko für Grad 2 und für das Fehlen der Pseudokapsel. Die Mortalitätsraten von Patienten mit Pseudokapseln vom Grad 1 bzw. 0 unterschieden sich hingegen nicht signifikant.

Grundsätzlich waren die genannten Auswirkungen der Invasionsgrade in allen Patientengruppen festzustellen. Besonders ausgeprägt waren sie jedoch bei den Patienten mit lokalisierten Nierenzellkarzinomen.

Pseudokapsel sorgfältig begutachten

Xi und Kollegen spekulieren, dass sich am Zustand der Pseudokapsel das Wachstumsmuster des Tumors ablesen lässt. Die Pseudokapsel bildet sich durch das expandierende Wachstum des Karzinoms. Wenn nun die Zellmigration hinzukommt, könnte gerade die Grenzregion zur Pseudokapsel ein bevorzugter Pfad für die Karzinomzellen sein, sich davonzumachen. Dafür spreche, so die Forscher, dass Tumoren mit mikrovaskulärer Invasion einen höheren Invasionsgrad-2-Anteil aufwiesen als Tumoren ohne Einbruch in Mikrogefäße. Der Grad der Penetration der Pseudokapsel war zudem höher bei Patienten mit Beteiligung der regionären Lymphknoten und mit venösen Tumorthromben.

Xi und Mitarbeiter schlagen aufgrund ihrer Resultate vor, den Status der Pseudokapsel nach der Nierenoperation mit Blick auf die Prognose sorgfältig zu begutachten – besonders bei Patienten mit lokalisierten Nierenzellkarzinomen. Die Informationen seien leicht zu bekommen, und hohe Zusatzkosten fielen dafür auch nicht an.

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