Skip to main content
main-content

31.07.2018 | Wissenschaft | Nachrichten

Fake-Science

Nonsens-Forschung im Visier der AWMF

Autor:
Matthias Wallenfels

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften ruft zu mehr Problembewusstsein bei pseudowissenschaftlicher Forschung auf. Sie will härtere Standards, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Die virulente Diskussion um "Fake Science" und damit wertlose pseudowissenschaftliche Veröffentlichungen ohne inhaltliche Prüfung hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) auf den Plan gerufen. Wie sie moniert, sei eine zunehmende Ausbreitung einer akademischen Scheinwelt zu beobachten – getrieben durch "Raubverlage", "Pseudojournale" und "Pseudokongresse", die Wissenschaftlichkeit vorgeben, jedoch die Grundprinzipien der Wissenschaftlichkeit zugunsten rein wirtschaftlicher Interessen fundamental missachteten.

Die AWMF sieht darin eine reale Bedrohung für die Durchdringung von Wissen aus der seriösen Wissenschaft in die Öffentlichkeit und, in Konsequenz, eine Bedrohung für die Gesundheit und die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.

Um dem bunten Treiben schlagkräftig entgegenwirken zu können, fordert die AWMF die konsequente Prüfung der Einhaltung international konsentierter Gütekriterien medizinischer Forschung. Laut ihren Empfehlungen sollten nur solche Publikationen als Qualitätsnachweis anerkannt werden, die in Publikationsorganen erscheinen, die entweder in etablierten Verzeichnissen seriöser Fachzeitschriften gelistet oder von wissenschaftlichen Fachgesellschaften auf der Basis transparenter Kriterien als qualitätsgesicherte Publikationsorgane im jeweiligen Fachgebiet anerkannt sind. Die AWMF führt eine entsprechende Kriterienliste und eine "Weiße Liste" der Zeitschriften ihrer 178 Mitgliedsgesellschaften.

"Die medizinische Wissenschaft muss sich verstärkt für die Prävention, Identifikation und Kennzeichnung von wertloser, eindeutig interessengeleiteter oder pseudowissenschaftlicher Forschung einsetzen, um nachteilige Folgen für die medizinische Versorgung und für individuelle Patienten zu verhindern", fordert AWMF-Präsident Professor Rolf Kreienberg mit scharfen Worten.

"Hierfür eignen sich Instrumente, die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen", ergänzt Professor Christoph Herrmann-Lingen, Vorsitzender der Kommission Forschung und Lehre der AWMF. Dazu gehörten die obligate Registrierung klinischer Studien, die Transparenz von Interessenkonflikten sowie Regeln für transparente Publikationsprozesse einschließlich eines definierten Begutachtungsverfahrens (Peer Review) und die kostenfreie Verfügbarkeit wissenschaftlich hochwertiger Publikationen (Open Access).

Quelle: Ärzte Zeitung

Weiterführende Themen