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17.04.2019 | Zahnmedizin | Nachrichten

Niederlassung

Die Miet-Praxis als Einstiegshilfe

Autor:
Katrin Berkenkopf

Eine Niederlassung ist für Human- wie Zahnmediziner mitunter ein großes Unterfangen und kostet in der Regel viel Geld. Das muss es aber gar nicht, wie ein neues Modell aus der Zahnärztewelt zeigt. Es könnte auch für Haus- und Fachärzte Schule machen.

Die Zahnarztpraxis der Zukunft steht in Düsseldorf und ist noch eine Baustelle. Im Sommer soll sie eröffnen. Mit ihr will die Zahnarztpraxis der Zukunft GmbH (ZPdZ) jungen Zahnmedizinern Lust auf die Selbstständigkeit machen.

Dafür können sie eine Praxis erst einmal mieten – komplett ausgestattet und digital organisiert, auf Wunsch mit zahlreichen Zusatzdienstleistungen von der Abrechnung bis zur Gerätewartung.

Hinter ZPdZ stecken zu je 50 Prozent die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und die Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft (ZA eG).

„Für uns kann dieses Konzept die Berufsausübung der Zukunft abbilden“, sagt Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik der apoBank und einer der beiden Geschäftsführer der ZPdZ.

Grundsätzlich sei es denkbar, das Modell der modernen Miet-Praxis auch für Humanmediziner anzubieten, so Zehnich. Gegenwärtig gebe es aber bei der apoBank keine konkreten Pläne dazu, zumal das Thema Zulassung in der ambulanten humanmedizinischen Versorgung schwieriger sei als bei den Zahnärzten.

Hohe Anfangsinvestitionen schrecken viele ab

Die Herausforderungen sind klar: Junge Zahnärzte scheuen häufig die hohen Anfangsinvestitionen für eine Niederlassung, der Anteil der Frauen wächst, die Work-Life-Balance wird immer wichtiger. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Zahnärzte und Praxen durch die Digitalisierung und wachsende Erwartungen der Patienten.

„Die junge Heilberufsgeneration verlangt danach, unterstützt zu werden“, weiß Zehnich. Mit dem Konzept einer modernen Miet-Praxis will man dem Nachwuchs die Chance geben, die Selbstständigkeit mit wenig Risiko erst einmal auszuprobieren.

Gezahlt wird dafür nur eine Miete beziehungsweise Pacht auf Kostenbasis, inklusive neuester Geräte. Die Praxisorganisation läuft weitgehend digital. So gibt es statt der üblichen Papierbögen zur Erstanamnese für die Patienten ein Tablet, an dem sie die Eingaben selbst machen.

Der Zahnarzt kann ganz nach seinem Bedarf weitere Verträge für Zusatzservices abschließen. „Der eine ist vielleicht ein Abrechnungs-Freak, der das gerne selbst macht, der nächste möchte damit nichts zu tun haben“, erklärt Dr. Karsten Janke, zweiter Geschäftsführer der ZPdZ. Er ist außerdem Geschäftsführer der ZA eG und selbst als niedergelassener Zahnmediziner tätig.

Frei in der Berufsausübung

Janke betont, dass die Mieter einer solchen Praxis in ihrer Berufsausübung wirklich frei seien. Das Modell ermögliche es insbesondere auch jungen Frauen, sich zu zweit oder mit mehreren in einer Berufsausübungsgemeinschaft selbstständig zu machen und dabei nicht Vollzeit zu arbeiten.

Wie bei jedem Mietvertrag lässt sich auch der für die Zahnarztpraxis der Zukunft wieder kündigen – aber eigentlich gehen die Macher davon aus, dass die meisten sich nach einer Orientierungsphase überzeugt für die Selbstständigkeit entscheiden. Dann können sie Praxis und Inventar kaufen.

„Am Ende des Tages wollen wir Freiberufler produzieren“, formuliert Zehnich. Die erste Modellpraxis eröffnet Mitte dieses Jahres in Düsseldorf-Lörick, ganz in der Nähe der apoBank-Zentrale.

Hier können sich Interessenten künftig umschauen, mit dem Personal über dessen Erfahrungen sprechen und sogar kurze Hospitationen absolvieren, um die Praxisabläufe kennenzulernen.

Verschiedene Konzepte denkbar

Zwei alteingesessene Kollegen aus der Nachbarschaft verlegen ihren Sitz in die Modellpraxis. Das Ziel: Ein bis zwei junge Zahnmediziner sollen hinzu kommen, die die Praxis dann nach einer Übergangsfrist übernehmen. Denn auch das Themenfeld Praxisübergabe will ZPdZ fördern.

Dabei seien verschiedene Konzepte denkbar, erläutert Janke: Unterstützung bei der Praxismodernisierung, um sie für Nachfolger attraktiver zu machen, die Suche nach Kandidaten, aber auch möglicherweise der Kauf von Praxisräumen, die dann wiederum an junge Ärzte vermietet werden.

Neben der Unterstützung für junge Zahnärzte und Praxisabgeber hat ZPdZ zwei weitere Ziele: die Förderung der zahnärztlichen Versorgung auf dem Land und die Steigerung der Praxisqualität.

Dafür können sich Praxisinhaber ebenfalls die Modellpraxis anschauen und sich bei der Modernisierung ihrer Praxis unterstützen lassen. Im ländlichen Raum plant die ZPdZ etwa, Praxisräume möglichst mit Gemeinde-Unterstützung anzumieten und dann Zahnärzte als Mieter zu gewinnen.

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