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Die Pathologie

Molekulare Diagnostik des vitreoretinalen Lymphoms

Erschienen in:

Zusammenfassung

Das primäre vitreoretinale Lymphom (PVRL) stellt einen Subtyp der intraokularen Lymphome bzw. der malignen Lymphome des Auges dar. Das PVRL gilt als Sonderform des primären diffusen großzelligen Lymphoms (DLBCL) des zentralen Nervensystems (ZNS) (PCNSL) und entsteht primär oder sekundär bei einem ZNS-Lymphom. Nach der COO-Klassifikation („cell of origin“) des DLBCL gehören PVRL größtenteils zum aktivierten B‑Zell-Typ (ABC) des DLBCL. Nach einer kürzlich erstellten genetisch-biologischen Klassifizierung von DLBCL gehören PCNSL und damit auch PVRL zu einer Gruppe von DLBCL des MCD- oder Cluster-5-Subtyps, der häufig extranodale Manifestationen und MYD88- und CD79A-Mutationen sowie CDKN2A-Deletionen aufweist.
Die PVRL-Diagnostik ist oft kompliziert, da es sich um ein klassisches Maskeradesyndrom handelt. Aufgrund des in der Regel geringen Materials mit oft großer Anzahl reaktiver Lymphozyten und/oder degenerativer Veränderungen der Zellen sind die Ergebnisse diagnostischer Tests schwer zu interpretieren. Zu den klassischen diagnostischen Tests gehören die Zytologie von Glaskörperaspiraten, die Immunzytochemie und die Klonalitätsanalyse.
Neue Erkenntnisse über das Spektrum der genetischen Veränderungen von vitreoretinalen Lymphomen (VRL) bestätigen die enge Verwandtschaft mit PCNSL und könnten die pathologische Diagnose erheblich verbessern. NGS-Panel-basierte Diagnostik ermöglicht die Bestätigung der VRL-Diagnose mit wenig DNA bei fast 100 % der Patienten in Fällen mit unzureichendem zytologischem Nachweis oder fehlendem Klonalitätsnachweis. PVRL sowie sekundäre vitreoretinale Lymphome nach PCNSL oder extrazerebralem DLBCL weisen hohe Mutationshäufigkeiten in charakteristisch mutierten Genen bei PCNSL oder MCD/Cluster-5-Typ-DLBCL auf. Zur Unterstützung der Diagnostik kann der Mutationsnachweis auch an zellfreier DNA aus dem Glaskörperüberstand erfolgen.
Titel
Molekulare Diagnostik des vitreoretinalen Lymphoms
Verfasst von
PD Dr. rer. nat. Irina Bonzheim
Julia Salmerón-Villalobos
Daniela Süsskind
Peter Szurman
Florian Gekeler
Martin S. Spitzer
Itziar Salaverria
Elias Campo
Sarah E. Coupland
Leticia Quintanilla-Martinez
Falko Fend
Publikationsdatum
10.11.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Pathologie / Ausgabe Sonderheft 3/2023
Print ISSN: 2731-7188
Elektronische ISSN: 2731-7196
DOI
https://doi.org/10.1007/s00292-023-01251-z
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