Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und J. Fraune

Autoantikörper gegen ITPR1 (Inositol-1,4,5-trisphosphat Rezeptor Typ 1)

Autoantikörper gegen ITPR1 (Inositol-1,4,5-trisphosphat Rezeptor Typ 1)
Synonym(e)
ITPR1-Autoantikörper; Anti-ITPR1-Antikörper
Englischer Begriff
ITPR1 autoantibodies; anti-ITPR1 antibodies
Definition
Autoantikörper gegen Inositol-1,4,5-trisphosphat-Rezeptor Typ 1, einem Liganden-gesteuerten Calciumkanal.
Pathophysiologie
ITPR1 wird besonders stark in den Purkinje-Zellen des Kleinhirns und den hippocampalen Neuronen exprimiert, aber auch in den Neuronen und Gliazellen des peripheren Nervensystems. Über Homer3 ist ITPR1 an den metabotropen Glutamatrezeptor 1 (mGluR1) gekoppelt. Aktivierter mGluR1 führt zur Synthese des Liganden Inositol-1,4,5-trisphosphat, der über ITPR1 die Freisetzung von Calcium aus dem endoplasmatischen Retikulum bewirkt.
Autoantikörper gegen ITPR1 wurden bislang in 4 Patienten mit Kleinhirnataxie und 3 Patienten mit Symptomen einer peripheren Neuropathie beschrieben. In 2 Patienten wurden zusätzlich maligne Neoplasien diagnostiziert (Adenokarzinom der Lunge, multiples Myelom).
Untersuchungsmaterial
Serum, Plasma, Liquor.
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Autoantikörper gegen ITPR1 lassen sich mithilfe der indirekten Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) bestimmen: Auf dem Substrat Kleinhirn zeigt sich bei einem positiven Befund eine feinfleckige Anfärbung der Molekularschicht und des Zytoplasmas der Purkinje-Zellen (s. Abbildung).
Autoantikörper gegen ITPR1, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Kleinhirn (Ratte):
Zum monospezifischen Nachweis der Autoantikörper eigenen sich transfizierte HEK-Zellen, die rekombinantes ITPR1 exprimieren (s. Abbildung).
Autoantikörper gegen ITPR1, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat transfizierte Zellen:
Diagnostische Wertigkeit
Anti-ITPR1-Antikörper können mit einer Kleinhirnataxie oder auch einer peripheren Neuropathie mit möglicher paraneoplastischer Ätiologie assoziiert sein.
Bei der Diagnostik spielt der monospezifische Nachweis mithilfe rekombinanter Zellen eine wichtige Rolle, da sich das Fluoreszenzmuster der Anti-ITPR1-Antikörper kaum von dem anderer Purkinje-Zell-Antikörper unterscheidet.
Literatur
Jarius S, Scharf M, Begemann N, Stöcker W, Probst C, Serysheva II, Nagel S, Graus F, Psimaras D, Wildemann B, Komorowski L (2014) Antibodies to the inositol 1,4,5-triphosphate receptor type 1 (ITPR1) in cerebellar ataxia. J Neuroinflammation 11:206CrossRefPubMedPubMedCentral
Jarius S, Ringelstein M, Haas J, Serysheva II, Komorowski L, Fechner K, Wandinger K-P, Albrecht P, Hefter H, Moser A, Neuen-Jakob E, Hartung H-P, Wildemann B, Aktas O (2016) Inositol 1,4,5-triphosphate receptor type 1 autoantibodies in paraneopastic and non-paraneoplastic peripheral neuropathy. J Neuroinflammation 13:278CrossRefPubMedPubMedCentral