Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
R.-D. Hilgers, N. Heussen und S. Stanzel

Vorhersagewert, positiver

Vorhersagewert, positiver
Synonym(e)
A-posteriori-Wahrscheinlichkeit; Prädiktiver Wert des positiven Testresultats;
Englischer Begriff
positive predictive value
Definition
Der positive Vorhersagewert gibt die (bedingte) Wahrscheinlichkeit an, krank zu sein, falls ein positives Testergebnis vorliegt.
Beschreibung
Der positive Vorhersagewert wird geschätzt durch den Quotienten aus der Zahl der Erkrankten mit positivem Test und der Gesamtzahl der testpositiven Fälle (d. h. durch den Quotienten a/(a + b); Bezeichnungen s. Tabelle im Eintrag Vierfeldertafel).
Da der positive Vorhersagewert die diagnostische Fähigkeit eines positiven Testergebnisses widerspiegelt, wird er zuweilen auch als A-posteriori-Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Erkrankung bezeichnet. Sind Prävalenz (prev), Sensitivität (Se; Sensitivität, diagnostische) und Spezifität (Sp; Spezifität, diagnostische) eines Testverfahrens bekannt, lässt sich der positive Vorhersagewert mittels des Satzes von Bayes (Bayes, Satz von) berechnen:
$$ {\mathrm{PV}}^{+}=\frac{\mathrm{Se}\times \mathrm{prev}}{\mathrm{Se}\times \mathrm{prev}+\left(1-\mathrm{Sp}\right)\times \left(1-\mathrm{prev}\right)} $$
Anhand dieses Zusammenhangs lässt sich erkennen, dass der positive Vorhersagewert bei zunehmender Prävalenz steigt bzw. dass der positive Vorhersagewert bei hoher Spezifität ebenfalls hoch ist. Dieser Zusammenhang bedingt, dass bei der Anwendung eines diagnostischen Tests (Test, diagnostischer) in einem Risikokollektiv höhere positive Vorhersagewerte zu erwarten sind.
Literatur
Hilgers R-D, Bauer P, Scheiber V (2002) Einführung in die Medizinische Statistik. Springer, Berlin/Heidelberg/New York