Skip to main content
main-content

17.08.2022 | Postoperative Überwachung | Nachrichten

Fall-Kontroll-Studie

Fehler verdreifachen Risiko für Post-Op.-Komplikationen

verfasst von: Thomas Müller

print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Chirurgische Fehler erklären einen erheblichen Teil der postoperativen Komplikationen: In einer US-Analyse ließen sich bei mehr als der Hälfte der Personen mit Op.-bedingter Morbidität ärztliche Fehler nachweisen.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Der Ausgang einer Op. hängt bekanntlich auch vom Geschick des Chirurgen oder der Chirurgin ab, zusätzlich können falsche Entscheidungen wie eine ungeeignete Prozedur oder eine fehlende Thromboseprophylaxe zu vermeidbaren postoperativen Komplikationen führen. Wie hoch der Anteil der medizinischen Fehler an der postoperativen Morbidität und Mortalität ist, wurde jedoch nur wenig erforscht – bisherige Studien gehen von 10–60% aus, berichten Chirurgen um Dr. Katherine Marsh von der Universität in Charlottesville in den USA. Letztlich sei der Anteil jedoch schwer zu beziffern, da einerseits nicht jeder Fehler zu einem Schaden führe, andererseits nicht jede Komplikation vermeidbar sei. Wenn also bei einer Person nach einem chirurgischen Eingriff ein Schaden auftritt und sich ein ärztlicher Fehler nachweisen lässt, heißt das noch lange nicht, dass dieser Fehler auch den Schaden verursacht hat, dies müsste in jedem Einzelfall genau geprüft werden.

Es gibt jedoch auch statistische Methoden, um Komplikationen einem ärztlichen Fehler zuzuordnen. So kann man einfach schauen, wie häufig Fehler bei Personen mit und ohne Komplikationen auftreten. Genau das hat ein Team um Marsh nun anhand einer Klinikdatenbank getan. Danach lassen sich Fehler bei Personen mit postoperativen Komplikationen wesentlich häufiger nachweisen als bei solchen ohne.

Fehlerquote von 55%

Die Chirurginnen und Chirurgen haben Angaben zu knapp 1900 Operierten ihrer Klinik aus dem Jahr 2018 ausgewertet. Sämtliche Op.-Protokolle sowie Ergebnisse und postoperative Befunde wurden für ein nationales Qualitätsmanagementprogramm aufbereitet. In diesen Protokollen fand das Team um Marsh bei 156 Operierten Berichte über Komplikationen, 14 weitere waren nach dem Eingriff verstorben. Als relevante Komplikationen galten etwa Wundinfekte, Sepsis, Thrombosen, Pneumonien, Lungenembolien, ungeplante Intubation sowie Herz- und Hirninfarkte in zeitlicher Nähe zur Op. Diesen 170 Personen mit Folgeschäden setzten die Ärztinnen und Ärzte 329 möglichst vergleichbare Personen ohne Komplikationen gegenüber, wobei sie auf ein ähnliches Alter, dasselbe Geschlecht sowie vergleichbare Indikationen, Prozeduren, intraoperative Komplikationen und Begleiterkrankungen achteten. Fünf erfahrene Chirurginnen und Chirurgen werteten die Akten nach Fehlern aus, jeder Fall wurde von zwei von ihnen bearbeitet.

Dabei schauten sie etwa, ob die jeweiligen Prozeduren angemessen gewesen waren, ob es im Op.-Verlauf technische Fehler gegeben hatte, ob Situationen falsch beurteilt und Diagnosen fehlerhaft oder zu spät gestellt worden waren. Auch Entscheidungen zur Medikation und zur Betreuung, etwa auf einer Intensiv- oder Normalstation, wurden herangezogen.

Letztlich kam das Team um Marsh auf eine Fehlerquote von 55% bei den Personen mit postoperativen Komplikationen, mit 34% war die Quote in der Kontrollgruppe deutlich geringer. Unter Berücksichtigung bekannter Begleitfaktoren ließ sich bei einem ärztlichen Fehler ein 2,7-fach erhöhtes Komplikationsrisiko berechnen.

29% der rund 500 erfassten Fehler waren technischer Natur, zweithäufigste Fehler waren falsche Beurteilungen und Entscheidungen (bei 17% der Personen mit und 5% derjenigen ohne Komplikationen), hierzu zählte etwa eine Appendektomie, bei der sich der Wurmfortsatz als unauffällig erwies und der Patient zusätzlich zur unnötigen Op. eine Wundinfektion erlitt. Bei einem anderen Patienten führte eine Opioidüberdosis zu Lungenversagen, bei einem weiteren hingegen nicht – hier bleib der Fehler also ohne gravierende Konsequenzen. In anderen Fällen hatte man bei Hochrisikopatienten auf die Thromboseprophylaxe verzichtet, ebenfalls mal mit und mal ohne Konsequenzen.

Immerhin: Die Fehler schienen nicht das Sterberisiko zu erhöhen. Vielleicht zeigte sich aber auch nur wegen der geringen Zahl der Verstorbenen kein statistischer Zusammenhang.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie häufige sind ärztliche Fehler mit postoperativen Komplikationen assoziiert?

Antwort: Jeder ärztliche Fehler bei chirurgischen Patientinnen und Patienten verdreifacht das Risiko für solche Komplikationen.

Einschränkung: Retrospektive und monozentrische Analyse.
print
DRUCKEN
Literatur

Marsh KM et al. Errors in Surgery: A Case Control Study. Ann Surg 2022; https://doi.org/10.1097/SLA.0000000000005664

Weiterführende Themen

Neu im Fachgebiet Chirurgie

Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Chirurgie und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.