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Erschienen in: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8/2013

01.08.2013 | Leitthema

Altenpflegekräfte länger im Beruf halten

Chancen, Potenziale und strategische Ansätze

verfasst von: Dr. A. Joost

Erschienen in: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz | Ausgabe 8/2013

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Zusammenfassung

Die Verlängerung der Beschäftigungszeiten kann eine wichtige Strategie gegen den Personalmangel und für eine bessere Ressourcennutzung bei Pflegekräften sein. Eine Voraussetzung hierfür ist detailliertes Wissen über die Länge und Struktur ihrer Berufsverläufe. Um dieses zu generieren, hat das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) Prozessdaten der Sozialversicherung ausgewertet und eine Strukturanalyse der Berufsverläufe von Altenpfleger/innen vorgenommen. Sie zeigt, dass der Zeitraum ihrer Berufstätigkeit im Schnitt knapp 20 Jahre umfasst. Hiervon sind durchschnittlich 11,7 Jahre reine Beschäftigungs- und 7,8 Jahre Unterbrechungszeiten. Um das vorhandene Fachkräftepotenzial besser nutzen und Fachkräftelücken begegnen zu können, wäre es daher wichtig, die Unterbrechungszeiten zu verringern und die Beschäftigungszeiten auszudehnen. Konkrete diesbezügliche Ansatzpunkte sind eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, um krankheitsbedingte vorzeitige Berufsausstiege und längere Tätigkeitsunterbrechungen zu verhindern sowie die Arbeitszufriedenheit zu steigern, bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei jungen Eltern sowie individuelle Strategien, um Wochenarbeitszeiten auszuweiten. Wichtige Akteure sind die Betriebe, aber auch die Kommunen und Politik.
Fußnoten
1
Für Hessen ist mit dem Instrument des Hessischen Pflegemonitors für die Berufsgruppe der Altenpfleger/innen ein Erweiterungsbedarf von 32,4 % ermittelt worden. Da für Deutschland keine detaillierten Prognosen für die Berufsgruppe verfügbar sind, gehen wir hier deshalb vorläufig von einem Erweiterungsbedarf von 30 % zwischen 2009 und 2025 aus [1].
 
2
Minijobs werden erst seit 1999 in der IABS berücksichtigt.
 
3
Insgesamt umfasste die Filterführung 5 Schritte. Detaillierte Information hierzu in [2].
 
4
Für das Jahr 1975 ist in der Zielgruppe keine Person, die ihre Ausbildung beendet hat.
 
5
Eine ausführliche Diskussion der unterschiedlichen Ansätze findet sich bei Joost [6].
 
6
So untersuchte Pohl [8] für Deutschland die Auswirkungen des demografischen Wandels auch im Hinblick auf den Pflegearbeitsmarkt, allerdings ohne Berufsgruppen zu differenzieren. Für die Zeit zwischen 2010 und 2030 prognostiziert er in unterschiedlichen Szenarien einen Erweiterungsbedarf an Vollzeitäquivalenten von 20,2 % im günstigsten Fall (geringere Prävalenz der Bevölkerung plus Produktivitätsfortschritt in der Pflege) bis 47 % (bei gleichbleibenden Personalschlüsseln, Prävalenzen und Produktivitätsniveaus).
 
7
Durchschnitt bei BEK-Versicherten im Jahr 2009: 3,8 % Krankenstand und 13,8 Arbeitsunfähigkeitstage.
 
8
Siehe hierzu z. B. Krämer, die die Potenziale von und die Umsetzungsbedingungen für Arbeitszeitmodelle in der Altenpflege mit dem Ziel der alternsgerechten Personalentwicklung behandelt [21]. Dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch ein wichtiger Ansatz für die Bindung von Pflegefachkräften auf betrieblicher Ebene und hier ein Führungsthema ist, zeigt z. B. der im Rahmen eines EU-Projektes entwickelte Familie und Beruf-Audit, ein Management-Instrument, das auch in der professionellen Altenpflege Anwendung findet [22].
 
Literatur
1.
Zurück zum Zitat http://www.hessischer-pflegemonitor.de/index.php?option=com_content&task=view&id=66&Itemid=425 http://www.hessischer-pflegemonitor.de/index.php?option=com_content&task=view&id=66&Itemid=425
2.
Zurück zum Zitat Joost A, Kipper J, Tewolde T (2009) Abschlussbericht „Berufsverläufe von Altenpfleger/innen“. http://​www.​iwak-frankfurt.​de/​documents/​AbschlussBerufsv​erlaeufe.​pdf Joost A, Kipper J, Tewolde T (2009) Abschlussbericht „Berufsverläufe von Altenpfleger/innen“. http://​www.​iwak-frankfurt.​de/​documents/​AbschlussBerufsv​erlaeufe.​pdf
3.
Zurück zum Zitat Becker W, Meifort B (1998) Altenpflege – Abschied vom Lebensberuf. Bielefeld Becker W, Meifort B (1998) Altenpflege – Abschied vom Lebensberuf. Bielefeld
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Zurück zum Zitat Hackmann T (2009) Arbeitsmarkt Pflege: Bestimmung der künftigen Altenpflegekräfte unter Berücksichtigung der Berufsverweildauer. Diskussionsbeiträge des Forschungszentrums Generationenverträge Nr. 40, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg Hackmann T (2009) Arbeitsmarkt Pflege: Bestimmung der künftigen Altenpflegekräfte unter Berücksichtigung der Berufsverweildauer. Diskussionsbeiträge des Forschungszentrums Generationenverträge Nr. 40, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
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Zurück zum Zitat Joost A (2010) Berufsverläufe von Altenpfleger/innen – Ergebnisse und Ansatzpunkte zur Verlängerung der Beschäftigungszeiten. Informationsdienst Altersfragen 03:S3–S8 Joost A (2010) Berufsverläufe von Altenpfleger/innen – Ergebnisse und Ansatzpunkte zur Verlängerung der Beschäftigungszeiten. Informationsdienst Altersfragen 03:S3–S8
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Zurück zum Zitat Wenderlein F (2005) Arbeitszufriedenheit und Fehlzeiten bei Pflegekräften. Melsungen Wenderlein F (2005) Arbeitszufriedenheit und Fehlzeiten bei Pflegekräften. Melsungen
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Zurück zum Zitat BGW (2009) Älter werden im Pflegeberuf. BGW, Hamburg BGW (2009) Älter werden im Pflegeberuf. BGW, Hamburg
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Zurück zum Zitat Krämer K (2002) Lebensarbeitszeitgestaltung in der Altenpflege – Handlungsleitfaden für eine alternsgerechte Personalentwicklung. Stuttgart. http://​www.​demotrans.​de/​documents/​BR_​DE_​BR8.​pdf Krämer K (2002) Lebensarbeitszeitgestaltung in der Altenpflege – Handlungsleitfaden für eine alternsgerechte Personalentwicklung. Stuttgart. http://​www.​demotrans.​de/​documents/​BR_​DE_​BR8.​pdf
22.
Zurück zum Zitat http://www.beruf-und-familie.de/index.php?c=21 und http://​www.​familieundberuf.​at/​ http://www.beruf-und-familie.de/index.php?c=21 und http://​www.​familieundberuf.​at/​
Metadaten
Titel
Altenpflegekräfte länger im Beruf halten
Chancen, Potenziale und strategische Ansätze
verfasst von
Dr. A. Joost
Publikationsdatum
01.08.2013
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz / Ausgabe 8/2013
Print ISSN: 1436-9990
Elektronische ISSN: 1437-1588
DOI
https://doi.org/10.1007/s00103-013-1751-0

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