Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Martin Glos und Ludger Grote

Kontinuierliche invasive Blutdruckmessung

Es existieren unterschiedliche Methoden zur Blutdruckmessung. Die gewählte Methode hat bezüglich der späteren Aussagekraft einer Untersuchung entscheidende Bedeutung. Mit Zunahme der zeitlichen Auflösung steigt die Aussagekraft bei einer großen Variabilität der Blutdruckwerte, eine exakte Bestimmung der realen Kreislaufbelastung wird ermöglicht. Der Aufwand zur Messung steigt ebenfalls, damit wird das Untersuchungskollektiv in der Anzahl begrenzt. Für die Blutdruckmessung im Schlaf ist das Kriterium der möglichst geringen Schlafstörung von großer Bedeutung. Die kontinuierliche invasive Blutdruckmessung stellt mit höchster zeitlicher Auflösung und größter Messqualität den „Goldstandard“ dar.

Englischer Begriff

continuous invasive blood pressure measurement

Definition

Es existieren unterschiedliche Methoden zur Blutdruckmessung (siehe „Herz-Kreislauf-System, spezielle Messverfahren im Schlaf“). Die gewählte Methode hat bezüglich der späteren Aussagekraft einer Untersuchung entscheidende Bedeutung. Mit Zunahme der zeitlichen Auflösung steigt die Aussagekraft bei einer großen Variabilität der Blutdruckwerte, eine exakte Bestimmung der realen Kreislaufbelastung wird ermöglicht. Der Aufwand zur Messung steigt ebenfalls, damit wird das Untersuchungskollektiv in der Anzahl begrenzt. Für die Blutdruckmessung im Schlaf ist das Kriterium der möglichst geringen Schlafstörung von großer Bedeutung. Im Rahmen von zentralnervösen Aktivierungen oder einer globalen Schlafstörung kann fälschlicherweise ein zu hoher Blutdruck registriert werden. Die kontinuierliche invasive Blutdruckmessung stellt mit höchster zeitlicher Auflösung und größter Messqualität den „Goldstandard“ dar (Grote 2003, Penzel 1995). Siehe dazu auch „Bluthochdruck“.

Auswerteverfahren, Bewertung

Die Blutdruckkurve kann kontinuierlich über einen Monitor zur Überwachung eines Patienten beobachtet werden. Sinnvoller ist jedoch die gleichzeitige Aufzeichnung über einen Polygraphen beziehungsweise eine digitale Aufzeichnungseinrichtung. Die Blutdruckwerte sind bei entsprechender Eichung des Druckgebers gegenüber dem Umgebungsdruck in der Raumluft valide und damit direkt nach bestehenden diagnostischen Kriterien zu bewerten. Obwohl es keine Normwerte für den invasiven Blutdruck gibt, werden im Allgemeinen die Grenzwerte der Gelegenheitsblutdruckmessung – auch Praxisblutdruck (engl.: „office blood pressure“) genannt – verwendet. Automatisierte Auswerteverfahren mit Mittelwerten über gewisse Schlafstadien oder die gesamte Nacht sind zurzeit nicht als kommerzielle Standardsoftware der Polygraphen erhältlich. Stattdessen handelt es sich zum größten Teil um selbst programmierte Algorithmen. Ein Datenexport in standardisierte Formate (zum Beispiel European Data Format, EDF) zur Weiterverarbeitung mit etablierten naturwissenschaftlichen Auswerteprogrammen wie MATLAB kann ebenfalls erfolgen.

Apparative Umsetzung

Ein Kunststoffkatheter wird in eine leicht zugängliche Arterie gelegt, häufig die Arteria radialis oder Arteria brachialis. Die Verwendung der Arteria femoralis ist als extrem ungewöhnlich anzusehen, da sie ein erhöhtes Komplikationsrisiko beinhaltet, außerdem als unangenehm empfunden wird und damit den Schlaf stört. Der Katheter muss durch eine permanente Spülung mit 0,9 %iger Kochsalzlösung freigehalten werden. Die Blutdruckkurve sollte eine dikrote Welle enthalten, peripherer Puls und Sensibilität dürfen nicht beeinträchtigt sein. Der korrekt liegende arterielle Katheter sollte keine signifikanten Beschwerden für den Patienten verursachen.
Es existiert eine Reihe von verschiedenen Katheter- und Druckaufnahmesystemen, die häufig als medizinische Ausrüstung für die Intensivmedizin gemeinsam verkauft werden. Eine Druckmessstation mit analogem oder digitalem Ausgang ist erforderlich, die an jedes beliebige Polygraphiesystem gekoppelt werden kann. Voraussetzung ist, dass es Möglichkeiten zur Integration von externen Kanälen gibt, sei es analog oder digital. Dies ist für die meisten Polysomnographie-tauglichen Systeme die Regel.

Indikationen

Es handelt sich um eine Methode der Blutdruckmessung, die vordringlich eine Indikation zu rein wissenschaftlichen Zwecken besitzt. Seltene klinische Fälle können eine Indikation besitzen, beispielsweise Patienten mit schwer einstellbarer Hypertonie oder mit instabiler kardialer Dekompensation und gleichzeitiger Einstellung auf die nasale Überdruckbeatmung „CPAP“. In jedem Fall muss sorgfältig abgewogen werden, ob nicht nichtinvasive kontinuierliche Blutdruckmessmethoden (siehe „Herz-Kreislauf-System“, „Kontinuierliche nichtinvasive Blutdruckmessung“) vergleichbare Aussagen liefern können.

Grenzen der Methode

Höhere Kosten sowie bekannte Risiken einer arteriellen Katheterisierung wie lokales Hämatom, Infektion, Nervenläsion oder arteriovenöse Fistelbildung sind limitierende Faktoren. Die Methode muss von speziell dafür geschultem Personal betreut werden.
Literatur
Grote L (2003) Invasive and noninvasive techniques for analysis of cardiovascular effects of sleep apnea. Biomed Tech 48(7–8):190–196CrossRef
Penzel T (1995) Blood pressure analysis. J Sleep Res 4(S1):15–20CrossRef