Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. Kleesiek, C. Götting, J. Diekmann, J. Dreier und M. Schmidt

Duffy-(FY-)Blutgruppensystem

Duffy-(FY-)Blutgruppensystem
Synonym(e)
FY; DARC; Duffy antigen receptor for chemokines
Englischer Begriff
Duffy blood group system
Definition
Die Duffy-(FY-)Antigene sind auf dem sauren Glykoprotein (gp-DARC oder gp-FY) lokalisiert, das mit 7 Membrandurchgängen („multipass membrane glycoprotein“) zu den G-Protein-gekoppelten Rezeptoren gehört. Sie stellen ein erythrozytäres Blutgruppensystem (s. Blutgruppensysteme) dar.
Beschreibung
Das gp-DARC wird als Rezeptor von dem Parasiten Plasmodium vivax (Erreger der Malaria tertiana) verwendet. Das Protein gehört zu der Superfamilie der Chemokinrezeptoren und spielt eine Rolle bei Entzündungsreaktionen. Die Plasmodium-spezifische Bindungsstelle, die Bindungsstelle für Chemokine (IL-8, MGSA, MCP-1 und RANTES) und die antigene Determinante des Proteins liegen in überlappenden Regionen der extrazellulären N-terminalen Region des Proteins. Bei Afrikanern kommt häufiger der Nullphänotyp Fy(a-b-) vor (s. Null-Phänotyp im Blutgruppensystem), da diese Personen resistent gegenüber dem Erreger P. vivax sind (balancierter Polymorphismus, Sichelzellenanämie; s. Sichelzelle).
Das gp-Fy wird auf erythroiden und nicht erythroiden Zellen exprimiert (inkl. endotheliale Zellen der Kapillarvenen, der Nierensammelkanäle, in Lungenalveolen und in den Purkinje-Zellen des Zerebellums).
Das Duffy-Blutgruppensystem ist charakterisiert durch die 2 antithetischen Hauptantigene (Antithetische Antigene) Fya (ISBT 008.001, FY1) und Fyb (ISBT 008.002, FY2). Daneben kommen das Fy3-Antigen (ISBT 008.003, FY3, Synonym Fyab) vor und 2 weitere Nebenantigene, FY5 und FY6. Das FYBES („erythroid silent“, ES) ist verantwortlich für den Duffy-Nullphänotyp. Es handelt sich um eine Mutation in der Promotorregion (betrifft Bindestelle für den Transkriptionsfaktor GATA1) und verhindert die Expression von gp-Fy in erythroiden, nicht aber in nicht erythroiden Zellen.
Antikörper im Duffy-Blutgruppensystem sind in der Regel vom IgG-Typ, IgM-Antikörper sind selten. Sie sind nicht komplementbindend. Hämolytische Transfusionsreaktionen sind moderat bis ernst und können sowohl unmittelbar auftreten oder vom verzögerten Typ sein. Morbus haemolyticus neonatorum (Morbus haemolyticus fetalis/neonatorum) sind in der Regel mit moderater Symptomatik. Duffy-Antigene sind sensibel gegenüber den Proteasen Ficin, Papain und Bromelin.
Literatur
Reid ME, Lomas-Francis C (2004) The blood group antigen facts book, 2. Aufl. Elsevier, New York