Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
S. Holdenrieder und P. Stieber

Fas-Rezeptor

Fas-Rezeptor
Synonym(e)
APO1; APO1-Rezeptor; CD 95; CD-95-Rezeptor; Fas;
Englischer Begriff
Fas receptor
Definition
Der Fas-/Apo1-/CD-95-Rezeptor ist ein glykosiliertes Transmembranprotein und gleichzeitig Mitglied der Tumornekrosefaktor-(TNF-)Rezeptorfamilie, das die Überleitung des Zelltodsignals in das Zellinnere bewerkstelligt.
Struktur
Der Fas-Rezeptor besteht aus einem extrazellulären Anteil von 2–6 cysteinreichen Domänen und einem intrazellulären Anteil, der die „death domain“ enthält.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Nach Bindung von spezifischen Liganden – wie dem Fas-Liganden (Fas-Ligand) – oder stimulierenden Antikörpern werden die Fas-Rezeptoren durch Trimerisierung aktiviert. Dadurch lagern sich im Zellinnern weitere Proteine an die Todesdomänen an und bilden den „death-inducing signaling complex“ (DISC). An diesem werden Initiatorcaspasen aktiviert, die dann das Apoptosesignal zu den Effektorcaspasen weiterleiten. Diese sind für den geregelten Abbau der Zellbestandteile und die daraus resultierenden, charakteristischen, morphologischen Veränderungen der Apoptose verantwortlich.
Der Fas-Rezeptor wird auf einer Vielzahl von Zellen exprimiert und ist ein wesentlicher Bestandteil der physiologischen und pathologischen Apoptoseinduktion.
Funktion – Pathophysiologie
Für eine Reihe klinischer Fragestellungen wurde die lösliche Form des Fas-Rezeptors im Serum und Plasma quantifiziert. Nach Abspaltung von der Zelloberfläche ist der lösliche Rezeptor nicht mehr in der Lage, Apoptose zu induzieren. Außerdem bindet er lösliche Fas-Liganden, die dann nicht mehr für die Apoptoseinduktion zur Verfügung stehen. Insgesamt stellt der lösliche Fas-Rezeptor somit einen antiapoptotischen Mechanismus dar, der u. a. auch bei malignen Tumoren bei der Pathogenese bzw. Progression der Erkrankung von Bedeutung sein kann.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, Plasma.
Analytik
Enzymimmunoassay (EIA), Enzyme-linked Immunosorbentassay (ELISA).
Referenzbereich – Erwachsene
Median 1,8 ng/mL (methodenabhängig).
Indikation
Prognosemarker bei verschiedenen soliden Tumoren.
Interpretation
Generell wurden bei Patienten mit verschiedenen malignen Erkrankungen höhere Serumkonzentrationen des löslichen Fas-Rezeptors beobachtet als bei gesunden Personen, so bei Karzinomen des Kolons, des Magens, der Leber, der Brust, anderer gynäkologischer Organe, der Niere, beim Melanom und beim Non-Hodgkin-Lymphom. In einigen dieser Tumoren korrelierte Fas mit dem Tumorstadium und der Progredienz der Erkrankung. Allerdings ist der Einfluss der relevanten organspezifischen, benignen Erkrankungen sowie von benignen Nieren- und Leberschäden wie auch von Infektionen noch nicht systematisch beschrieben, weshalb eine generelle Empfehlung für die diagnostische Wertigkeit derzeit nicht gegeben werden kann.
Darüber hinaus war ein hoher Fas-Wert in einer Reihe von soliden Tumoren mit einer ungünstigen Prognose assoziiert. Dies konnte insbesondere in der multivariaten Analyse für gynäkologische Karzinome, das Mammakarzinom, das Nierenzellkarzinom und das Non-Hodgkin-Lymphom gezeigt werden.
Diagnostische Wertigkeit
Potenzieller Prognosemarker.
Literatur
Holdenrieder S, Stieber P (2004) Apoptotic markers in cancer. Clin Biochem 37:605–617CrossRefPubMed
Krammer PH (2000) CD95’s deadly mission in the immune system. Nature 407:789–795CrossRefPubMed