Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Hubl

Kortisol/Kortison-Quotient

Kortisol/Kortison-Quotient
Synonym(e)
Urin-Kortisol/Kortison-Quotient
Englischer Begriff
cortisol/cortisone ratio
Definition
Der Kortisol/Kortison-Quotient präsentiert das Ausmaß der Inaktivierung des Kortisols zum Kortison in der Nebennierenrinde. Er wird insbesondere zur Bewertung des Trainingszustands von Leistungssportlern angewendet.
Beschreibung
Kortisol wird in der Nebennierenrinde mithilfe der HSD11B2 (11β-Hydroxysteroiddehydrogenase 2, EC 1.1.1.146) in Kortison (11-Dehydro-17-Hydroxykortikosteron) umgewandelt und damit inaktiviert (vgl. Abbildung), wodurch eine unerwünschte Aktivierung insbesondere des Aldosteronrezeptors verhindert wird. Bei Inaktivierung dieses Enzyms HSD11B2 bildet sich das Krankheitsbild des Pseudohyperaldosteronismus aus.
Umwandlung von Kortisol in Kortison:
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Umgekehrt kann Kortison mithilfe der HSD11B1 (11β-Hydroxysteroiddehydrogenase 1) in Kortisol umgewandelt werden (vgl. Abbildung), wodurch der Glukokortikoidrezeptor aktiviert wird. Sportler mit Ausdauertraining (beispielsweise Triathleten) zeigten deutlich niedrigere Kortisol/Kortison-Quotienten mit höheren Inaktivierungsraten des Kortisols in Kortison als untrainierte Personen. Im Gegensatz hierzu konnten bei Athleten mit einem Übertrainingssyndrom ansteigende Kortisol/Kortison-Quotienten beobachtet werden.
Eine seltene genetische Störung der Synthese der 11β-Hydroxysteroiddehydrogenase Typ 1 führt zum Kortisonreduktasemangel. Dadurch wird über einen Kortisolabfall die ACTH-Stimulation der Nebennierenrinde angeregt, wodurch es zum Anstieg der adrenalen Androgene kommt. Hierdurch kann es zur Ausbildung der Krankheitsbilder einer Pseudopubertät, einer Hyperandrogenämie sowie polyzystischer Ovarien kommen. Die Diagnose kann mithilfe eines Abfalls des Kortisol/Kortison-Quotienten erkannt werden.
Im Gegensatz hierzu liegt bei der vererbten oder erworbenen Form des apparenten Mineralokortikoid-Exzess-Syndroms (AME-Syndrom) ein HSD11B2-Mangel vor, wodurch es zur manifesten Hypertonie mit Hypokaliämie kommt. Der Nachweis der verminderten Inaktivierung von Kortisol gelingt mit der Bestimmung des Kortisol/Kortison-Quotienten. Es kommt zum Anstieg dieses Quotienten.
Literatur
Quinkler M (2014) Mineralokortikoidhypertonie. In: Lehnert H (Hrsg) Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Thieme-Verlag, Stuttgart, S 236
Riepe FG (2010) Nebenniere. In: Hiort O, Danne T, Wabitsch M (Hrsg) Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie. Springer, Berlin/Heidelberg/New York, S 365–391
Rouveix M, Duclos M, Gouarne C et al (2006) The 24 h urinary cortisol/cortisone ratio and epinephrine/norepinephrine ratio for monitoring training in young female tennis players. Int J Sports Med 27:856–863CrossRefPubMed