Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Lymphe

Lymphe
Synonym(e)
Lympha; Lymphflüssigkeit; Chylus
Englischer Begriff
lymph
Definition
Als Lymphe (lat.: lympha = klares Wasser) wird die in den Lymphgefäßen enthaltene, wässrige, hellgelbe Flüssigkeit bezeichnet, die das Zwischenglied zwischen Interzellularflüssigkeit und Blutplasma darstellt.
Beschreibung
Aus den Kapillaren gelangt ein Teil des Blutplasmas aufgrund der Differenz zwischen onkotischem Druck und Perfusionsdruck in das umliegende Gewebe. Mit den gelösten und zum Abtransport bestimmten Stoffwechselendprodukten werden ca. 90 % dieser zellfreien Gewebsflüssigkeit wieder in den venösen Schenkel des Kapillarsystems rückresorbiert. Die übrigen 10 % (beim Menschen etwa 1,5–2 mL/min oder 2–3 L/Tag) werden als Lymphe über das Lymphgefäßsystem in den Blutkreislauf transportiert. Das Lymphgefäßsystem bildet im Unterschied zu den Blutgefäßen kein geschlossenes System. Es beginnt blind endend („cul-de-sac“) oder als feines Netz („Plexus“) aus Lymphkapillaren im Gewebe, welche sich im weiteren Verlauf zu größeren Lymphgefäßen vereinigen. Mit dem Ductus thoracicus als gemeinsamen Lymphsammelstamm wird die Lymphe schließlich im Truncus jugularis dem venösen Blutsystem zugeführt.
Lymphe hat primär nährstoff- und exkrettransportierende Funktionen, insbesondere von Substanzen, deren große Molekularmasse den direkten Transport aus dem Gewebe in die Zirkulation durch die Kapillarwand nicht zulässt. Dazu gehören auch zahlreiche intestinal resorbierte Proteine und Lipide. Weiterhin kommt ihr eine zentrale immunologische Rolle zu, da sie Fremdkörper und Erreger den Lymphknoten zuführt, wo es im Rahmen der sog. Keimzentrumsreaktion zur spezifischen Vermehrung von T- und B-Lymphozyten (Lymphozyt) kommt. Diese zellulären Strukturen werden wiederum in die Lymphe aufgenommen und somit der Zirkulation zugeführt, um eine systemische Immunantwort zu ermöglichen.
Lymphe besteht aus geformten Elementen und Lymphplasma. Erstere umfassen v. a. Lymphozyten (s. o.). Ihr pH-Wert beträgt 7,41. Anfangs besitzt die Lymphe eine der Gewebsflüssigkeit, aus der sie ableitet, ähnliche Zusammensetzung. So enthält sie Harnstoff, Kreatinin, Glukose, Natrium-, Kalium-, Phosphat- und Calciumionen. Hinzu kommen zahlreiche Enzyme wie Diastase, Katalase, Dipeptidasen und Lipase, außerdem Fibrinogen und Fibrinvorläufer. Fibrinogen und Fibrin sind für die Gerinnung länger extrakorporal stehender Lymphe verantwortlich. Dabei werden auch die Lymphozyten eingeschlossen, die überstehende Flüssigkeit wird Lymphserum genannt.
Die Konzentration von Proteinen in der Gewebsflüssigkeit beträgt etwa 2 g/L. In den Lymphgefäßen des Verdauungstraktes kann diese Konzentration auf bis zu 4 g/L, in denen der Leber auf bis zu 6 g/L ansteigen. Durch Vermischung beträgt der durchschnittliche Proteingehalt der Lymphe 3–5 g/L. Nach einer lipidreichen Mahlzeit kann die Konzentration der Lipide in der Lymphe 1–2 % betragen. Lipidreiche Lymphe sieht milchig aus und wird als Chylus bezeichnet.
Literatur
Schmidt RF, Lang F (2004) Lymphe. In: Thews G (Hrsg) Physiologie des Menschen. Mit Pathophysiologie. Springer, Berlin